Volltreffer

Geschmackvolle Anzeigenplatzierung in einem sueddeutsche.de-Artikel über eine Selbsthilfegruppe für jung verwitwete Männer. Gut, das ist jetzt schäbig, sich darüber lustig zu machen, schließlich finden sich unter dem gleichen Artikel auch wirklich passende und für die Zielgruppe hilfreiche Anzeigen:

Wie heißt es so schön beim AdSense-Optimierungs-Team: "Die Süddeutsche hat das Potenzial der Anzeigenplatzierung gleich von Anfang erkannt und erfolgreich genutzt."

Kinoun akineton

Simulationsobjekt
Articulatio composita

Der moderne Mensch steht, wie es so vielfach von besorgten Mitmenschen beklagt wird, unter dem Beschuss eines enormen, immer weiter um sich greifenden Konsumterrors. Während sich der Homo Sapiens in der Vergangenheit mit Kinkerlitzchen wie Säbelzahntigern und natürlichen Geburten die Zeit vertrieb, ist er heute ein Gehetzter, ein Getriebener der eigenen Affluenz. Und während er also, letztlich ahnungs- und willenlos, durch das Jammertal des Wohlstands wankt, tappt er in manchen Konsumfalle, vor die ihn nicht einmal die menschliche Eigenart der Vernunft bewahren kann.
Zur Veranschaulichung der Gefahr: Schon im 18. Jahrhundert erfand Monsieur Perrelet handliche Zeitmesser, die sich, durch die kleinen Alltagsbewegungen des Handgelenks getrieben, immer wieder selbst aufladen – Triumph menschlicher Ratio! Wer eine solche Uhr hat – so denkt man, wenn man den Mechanismus des Konsumterrors noch nicht kennt – wer eine solche Uhr besitzt, dessen Bedürfnisse müssen restlos befriedigt sein. Nie wieder den Kopf in Richtung Sternenhimmel drehen, an winzigen Rädern wuzeln, Batterien kaufen oder gar auf den Sonnenaufgang warten. Die Zeitfrage ist ein- für alle mal geklärt, der Kopf des Uhrträgers nun frei für Wichtigeres (z.B. Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit o.ä.).
Doch weit gefehlt. Konsumterroristen sind ja keine RAF, die gleich den Schwanz einzieht, nur weil sie mal ein paar Jahre lang ein bisserl überflüssig wirkt – neinnein. Im Jahre 2009 bietet also die Firma Pro-Idee ein Gerät feil, das "die Bewegung Ihres Handgelenks simuliert" und so "Ihre wertvollen Chronometer automatisch in Gang hält" (automatisch-automatisch, möchte man hinzufügen!). Der "präzise Uhrenbeweger für bis zu 3 Automatikuhren gleichzeitig (Mit Innenbeleuchtung)" ist nicht nur "Kein Vergleich zu einfachen Uhren­bewegern", nein, er kostet auch nur schlappe 269 €!
Feinden der Entfremdung, der Entsagung von den Wurzeln, der Vertreibung aus dem Paradies der Mutter Erde muss dies ein tief eingebohrter Dorn im Auge sein. Lebten wir noch in einer organischen Beziehung zu unserer Umwelt, ohne freien Markt, Fortschrittswahnwitz und anonyme, unpersönliche Internetversender, bliebe uns die Bürde dieses geschmacklosen Produktes erspart. Und wir könnten in unbedarfter Fröhlichkeit (mit der einen oder anderen Keule oder angespitzten Stöcken bewaffnet) schwächere Mitmenschen versklaven und ihnen unsere Uhren an die Arme zu schnallen, statt mit derart holprigen Simulationsgeräten vorlieb nehmen zu müssen. Auf sowas fällt eine anspruchsvolle Automatikuhr doch nicht rein, da hilft aller Klavierlack nix!

(Bild: Gray’s Anatomy/Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Hühnchenauge sei wachsam

Europäische Vogelbeobachter lechzen aufgrund der spärlichen Verbreitung dieser Vögel in unseren Breiten regelrecht nach den sogenannten Wassertretern (Phalaropus), die ihre poetischen Namen "Thorshühnchen" und "Odinshühnchen" definitiv nicht martialischen Neigungen oder besonderer Göttlichkeit verdanken. Eher im Gegenteil, die Viecher sind ziemlich unscheinbar und machen, abgesehen von einer Neigung zu serieller Polyandrie und alleinerziehender Vaterschaft, nicht viel her. Trotzdem, auch die englischen Birdwatcher sind ganz scharf auf die Phalaropen. Wenn alle paar Monate mal einer einen Abstecher an eine britische Küste macht, strömen deshalb sogleich Scharen von Twitchern zum Beobachtungsort, um neben die Vogelspezies auf ihrer stetig wachsenden life list endlich einen befriedigenden tick machen zu können.

Das alles nur als Vorgeschichte dafür, warum das hier wahnsinnig lustig ist.

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Spültrieb

Dieser Monat steht immer noch im Zeichen der Energieeffizienz. Und so ist im Hause Cohu inzwischen ein großartiger Siemens-Geschirrspüler tätig, der die Cohu-Eigene Handspülmethode ("Kochend heißes Wasser 3 Stunden laufen lassen und ab und zu mal nen Teller drunter halten") um Längen schlägt. Der Wasser- und Stromverbrauch liegt bei diesen potzblitzgescheiten autoprogrammversehenen Wunderwerken deutscher (?) Ingenieurskunst inzwischen im einstelligen H2O-Molekül bzw. Elektronenbereich. Eigentlich hätte man uns das Ding staatlich subventionieren müssen. Der aufmerksame Leser wird es bemerkt haben: Cohu ist hin und weg von der Genialität der heutigen Spültechnik, von Rackmatic über VarioSpeed und Dosierassistenten bis zur Perpetuum-Mobile-Verdächtigen Zeolith-Trocknung. Wenn Siemens Autos bauen würde, könnten die schon längst nicht nur selbst einparken, sondern auch einen Parkplatz finden. Und dabei Benzin produzieren statt verbrauchen. (Selbst ich würde allerdings nicht so weit gehen, meinen Desktophintergrund mit einem Spülmaschinen-Wallpaper zu verzieren…).

Leider wurde aller Effizienzgewinn dadurch zunichte gemacht, dass Cohu die im jetzt zum Spülgebiet deklarierten Unterschrank befindlichen Viktualien umlagern musste, was den Bau eines IKEA-Küchenschranks erforderlich machte. Sagen wir nur soviel: er ist noch nicht ganz fertig.

(Bild: Bundesarchiv/Wikimedia Commons)

If life throws you lemons

Was um alles in der Welt macht man mit einer "Konfitüre aus grünen Zitronen"? Möglichkeit 1: Gebäck mit einem Mandelmürbteig. Passt gut zum Tee. Für weitere Vorschläge bin ich dankbar, wie auf dem Foto sichtbar, ist das Glas noch so gut wie voll. Aufs Brot essen kommt nicht in Frage, da die Konfitüre für meinen Geschmack pur etwas zu bitter ist. Dafür duftet sie ganz köstlich. Erstaunlicherweise ein wenig nach…Lavendel? Die Jahre als Raucher haben wohl doch aromatische Schneisen geschlagen.

Better than Vista

Vermutlich haben schon alle Menschen, die xkcd gut finden, diesen Webcartoon in ihrer Favoritenleiste, oder in ihrem RSS-Feed, oder auf dem handbeschriebenen Zettel, auf dem sie ihre Lieblings"homepages" notieren, jaha! Trotzdem muss ich, verzweifelt verharrend in meiner Hoffung darauf, dass es bald wieder ein verwendbares Microsoft-Betriebssystem geben wird, und vor allem aufgrund einer gelungenen Hitler-Referenz, die mein Sammlerherz jubeln macht, heute mal drauf verlinken. (Mein Lieblings-xkcd ist übrigens das da.)

Mit guter Laune ins Neue Jahr

Das fortune cookie beim Chinesen versprach mir vor ein paar Tagen:

“Your life is going to be enriched by invulgar experiences.”

Unvulgär? Enttäuschend, lehrt doch die Erfahrung, dass Vulgarität die Voraussetzung für alles Gute und Schöne ist. (Der deutsche Text enthüllte, was gemeint war: “ungewöhnlich”. Naja.)

Á propos ungewöhnlich, wer wie Cohu noch immer keinen passenden Kalender hat, kann sich nun, wie Wired berichtet, bei der Amerikanischen Anti-Terror-Behörde kostenlos per Download mit einem besonders schönen Exemplar eindecken: während auf der einen Seite die Tage in Wochenspalten aufgeführt sind, angereichert mit den wichtigsten Daten der Terrorismusgeschichte, findet man gegenüber schön bebilderte Blätter über Terroristen, Terrorvereinigungen und kulturelle Hintergründe des islamistischen Terrors, sowie Informationen über zu erwartende Belohnungen bei Terroristendenunziation, und sogar tolle Gimmicks wie eine Montage von Osama ohne Bart und Anzug:

Mit so einem Kalender kommt Freude auf. Wer die überschwängliche Stimmung, die wohl charakteristisch für dieses Jahr sein wird, noch weiter betonen möchte, kauft sich für die Neueinrichtung des Schreibtischs noch ein Poster von Despair.com und einen Lehman-Brothers-Kaffeebecher. Ein Gutes Neues!

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Tentakelspaß

Viel zu kalt! Was tun bei einem solchen Wetter? Für die Oktopodenfreunde unter meinen Lesern habe ich einen guten Tipp. Hier kann man einen Tintenfisch bauen, taufen, und in die Weiten der (virtuellen) Weltmeere entlassen. Später kann man ihn besuchen und nachsehen, was er so treibt (Registrierung ist nicht erforderlich). In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die drängende Frage, was eigentlich ein guter Name für einen Oktopus ist – meiner heißt Glubsch Brockhausen und ist unter "Find Your Octopus" nachschlagbar (aktuell wiegt er 1 Kilo und hat sich mit einer Schule Leuchtfische angefreundet).

Die Seite stammt im Übrigen von den Machern der Riesentintenfisch-Ausstellung im neuseeländischen Nationalmuseum Te Papa – der einzige Ort, wo ein sogenannter "Koloss-Kalmar" öffentlich gezeigt wird. Der Mesonychoteuthis hamiltoni ist das größte wirbellose Tier der Welt und damit sogar noch größer als die bekannteren Riesenkalmare. Das Te-Papa-Exemplar, das 2007 gefangen wurde, wiegt fast eine halbe Tonne und hat Augen, die ohne Übertreibung größer sind als Suppenteller: 27, beim lebenden Tier vermutlich sogar 40cm!

[Eine ganz andere Form von Tentakelspaß für Erwachsene und Kunstfreunde gibt es hier (vermutlich eher NSFW). 1820!??? Was wären wir ohne das Internetz. Wobei man, hab ich mir neulich gedacht, bei dem in der Alten Pinakothek hängenden Fragonard  auch schon zweimal hinschauen muss, ob dieses Bild da jetzt wirklich ernsthaft hängt. Wenn mich nicht alles täuscht, war das sogar, ohne weiteren Kommentar natürlich, in unserem Kunsterziehungs-Schulbuch abgedruckt. Da sage nochmal einer, der Freistaat sei pornografiefeindlich.]

Barocke Baracken

Während das englischsprachige Office das angeblich schon seit April 2007 kann, kämpfen die deutschen Programmversionen immer noch mit dem verteufelt schwierigen Namen des "mächtigsten Mannes der Welt" (s. Abb.).

An der SZ geht das alles vorbei – sie wählt im Interview mit "Top-Ökonom" Herrn Snower in gewohnt unkonventioneller Frische eine ganz neue Schreibweise:

Jaja, aber sich über die "peinlichen Druckfehler" anderer lustig machen…

Eisbeine

BRRR! Wer bei diesem Anblick schon friert, sollte jetzt besser wegschauen:

(Die Fotos stammen übrigens vom Familienzuwachs und sind bei Klick vollständig und großformatig zu bewundern).

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