Tuning

Sieh da: man braucht nur so ne bescheuerte Badekappe in bedrohlichem Schwarz und eine verspiegelte, aerodynamische Schwimmbrille aufzusetzen, und schon machen die Entgegenkommenden einem zwanzig Meter im Voraus die Bahn frei. Sogar die ansonsten besonders ausweichunwilligen a) alten Damen in Senkrechtschwimmposition b) midlifecrisisgeplagten Marathontrainierer.

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November

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Just Say No

Also, dem Vatikan kann man’s aber auch nicht recht machen. Da schreibt eine überzeugte Christin einen phänomenalen, schätzingesken Welterfolgsbestseller mit Spaß, Spannung und was zum Spielen – ganz offensichtlich primär zu dem Zweck, Abstinenzpropaganda für Teenager zu machen, denn:

He and Bella are instantly, overwhelmingly attracted to each other, but he is also wildly hungry for her blood. Resisting that temptation is a constant struggle. Edward’s choice–and the willingness to choose a different way in general–is a major theme in Meyer’s books. "I really think that’s the underlying metaphor of my vampires," she says. "It doesn’t matter where you’re stuck in life or what you think you have to do; you can always choose something else. There’s always a different path." (Time Magazine: Stephenie Meyer: A New J.K. Rowling?)

…und dann warnt, angesichts der Verfilmung dieser ausgewiesenen Anti-Pornographie, der Filmexperte des Vatikan vor "Exzessen" und "Massenhysterie" und "Bildern, die eine totale Leere verbergen". Ihr Katholiken wisst doch auch nicht, was ihr wollt!

(Ich fand den Vampirschmarrn ja übrigens unerträglich und hab ihn, nachdem ich drei viertel des Buches mit einer Mischung aus Abscheu und Langeweile hinter mich gebracht hatte, absichtlich und aus Trotz im Hotelzimmer liegenlassen. Für die "erotics of abstinence" bin ich also wohl genauso wenig empfänglich wie der Vatikan.)
 

Nachtrag: Was Amerika schon immer über uns wissen wollte…

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Auf gut Glück

Mit dieser altbekannten Googlefunktion kann man viel Spaß haben – manchmal liegt Autocomplete aber ziemlich richtig:

Und:

Pioniergeist

Beflügelt von den Erfolgen der Joghurt-Piraterie wagt sich Cohu momentan an den Heiligen Gral der Brotbäcker: den Sauerteig. Das erstaunliche am Sauerteig ist zunächst einmal, dass er sozusagen aus dem Nichts entsteht. Man nimmt Mehl, Wasser, lässt das alles eine Zeitlang stehen, und voilá: es erwacht zum Leben. Quasi Spontanzeugung, wie bei Aristoteles oder in der Torah (der moderne Spielverderber wird darauf hinweisen, dass die Hefen und Bakterien schon im Mehl schlummern und durch Zugabe von Wasser quasi nur aufgeweckt werden – Pssst!). Jedenfalls ein Traum für jeden, der Unabhängigkeit vom militärisch-industriellen Komplex anstrebt. Er oder sie sei aber gewarnt: das ist eine langwierige Angelegenheit, die man nicht zwischen Tür und Angel bzw. Pflasterstein und Molotowcocktail erledigen kann (historisch gesehen auch nicht nach überstürzter Abreise). Mein Sauerteig jedenfalls säuert jetzt schon seit fast zwei Wochen vor sich hin, und ist bei Weitem noch nicht bereit zum Backen.

Wenn einige meiner Leser jetzt in die altbekannte Klage über "Hausfrauencontent" einstimmen, kann ich nur sagen: mitnichten, meine Herren! Sauerteig ist genau wie Angeln und Kleintierjagd in der Moderne zur Männersache geworden. Das fing nicht erst mit Erfindung des Internets mit seinen männerdominierten Spezialistenforen an (auch hier übrigens steht Piraterie hoch im Kurs!), sondern schon viel, viel früher. Einer der bekanntesten Sauerteige etwa ist "Carl". Er wird seit dem Jahr 1847 von einer amerikanischen Familie geführt und war sogar auf dem Oregon Trail dabei – also bei der allerersten Siedlerwelle gen Westen. Angeregt von einem mittlerweile verstorbenen Familienmitglied kann man sich diese Kultur noch heute kostenlos überall auf der Welt zuschicken lassen. Sauerteig ist – und damit ist seine Maskulinität ja fast schon besiegelt – seit diesen Pionierzeiten auch eine Sache der Cowboys:

"Here follows several very fine recipes for sourdough pancakes or flapjacks, take your pick ’cause they’re all real good. These cakes are especially delicious when cooked out-of-doors over an open campfire when you’re fishing, hunting, out gold prospecting or mining." (Sourdough cooking recipes on cowboyshowcase.com)

Da es in der Prärie keine Hefe zu kaufen gab, hatte jedes Cowboycamp eine liebevoll gehegte Sauerteigkultur. Altgedienten Kräften verliehen die Eroberer des Nordamerikanischen Kontinents die Ehrenbezeichnung "Sourdough", was erklärt, warum es heute noch so viele Countrysänger mit Sauerteig im Namen gibt (den texanischen Sourdough Cowboy, Dale "Sourdough" Myres, Sourdough Slim, Dusty Sourdough). Jaha, werden nun einige sagen, die Cowboys, die kamen mir schon länger verdächtig vor…

Aber: selbst in der verbrieft männlichsten Gegend der Erde, einem Land, in dem man Wolfsjagd aus dem Flugzeug betreibt und schon die Kleinsten die süßen Rentiere noch aus nächster Nähe kennenlernen – selbst in Alaska also gehört Sauerteig zu den must haves traditioneller Küche. Die abgebrühtesten Jack-London-Charaktere, die Herren im Goldgeschäft nämlich, hatten sauerteigmäßig wirklich überhaupt keine Berührungsängste:

"The sourdough starter is delicate and must be kept warm to remain active. The miners usually carried it in a leather pouch on their belt, next to their bodies, on the long journey to the gold fields. In California, the starter was stored through the night near the embers of the fire or balanced on the rafters of the miners’ cabin. In the cold northern reaches of Alaska, the miners kept the starter in their beds at night so it would not freeze." (Sourdough baking, Anya Fernald)

Hm. Ich hoffe, dass hierzulande auch der Platz über dem Heizkörper ausreicht…

(Bild: "The Cow Boy", 1888, Library of Congress via Wikimedia Commons)

Was aber noch fehlt…

…bei den Forderungen der LMU-Besetzer: die vegane Mensa und die lang überfällige Aufhebung der sexistischen Geschlechtersegregation im Toilettenbereich.

(Auf einem großen Schild wurde übrigens die Presse dazu aufgefordert, mit den Protestierern Rücksprache zu halten, bevor man einfach anarchisch losfotografiert und -filmt: The revolution will not be televised.)

Decline of a Nation: Oh Deer

Großbritannien ist bekannt für seine ausgefallenen Hobbies. Neben diversen anoraks wie dem Zug-, Flugzeug-, Bus-, Schiff-, Sturm- und dem Vogelspotter (vulgo Twitcher) gibt es auch deer-spotter. Die sind fasziniert vom Naturschauspiel geschlechtsreifer Cervi elaphi zur Paarungszeit:

"Testosterone-charged stags with thickened manes make a fearsome sight as, muscles rippling, flanks caked in mud, breath billowing white against the dark heather, they roar their welcome to the dawn…"

Sauberer Geweihporno also. Aber dieses Jahr habens die Hirschnerds übertrieben:

"We had one stag who walked all the way here from Bournemouth and as soon as he got here he was surrounded by 29 people with cameras. There are so many people coming now that they disturb the animals." (…) One stag arrived last week. "The next day we had 50 or 60 people here. They came from Bristol, Devon and Cornwall after they read about him on a website." (Guardian)

Mal wieder ist es Zeit für den Briten, sich am Deutschen ein Beispiel zu nehmen. Auch wir schätzen ja traditionell die Hirschbrunft, aber wir machen’s richtig und hängen uns einfach so einen zünftigen Gesellen über das Sofa, statt mit der Spiegelreflex zum stagstalking zu hetzen. Wem das zu unreflektiert ist, der kann interpretatorisch etwas mit Bazon Brock nachhelfen.

(Ein Rätsel der Hirschbrunft bleibt allerdings ungelöst. Jeden Herbst wundert sich Cohu wieder über das obige Schild im Tierpark Hellabrunn: Warum wird das Damwild-Streichelgehege denn bitte aus Tierschutzgründen geschlossen? Wären das nicht eher "Menschenschutzgründe"?)

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Brot für die Welt

Weiß zufällig jemand, wo man in München Weizenmehl Type 1050 bekommt? So wie das da (unter "Type 1050") oder das da? Idealerweise in der Maxvorstadt? Im Tengelmann gibts das nicht und im Bioladen nur in der Vollkornversion… für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Up Yours

Sie war zwar nicht der Grund, weshalb Cohu sich trotz eines mehrwöchigen Tierarztpraktikums lieber für den Erwerb einer vollständig nutzlosen universitären Qualifikation entschied, aber trotzdem: die rektale Palpation gehört definitiv zu den weniger angenehmen Seiten der angewandten Veterinärmedizin. Der Betrachter ist sich hier regelmäßig unsicher, wer von beiden weniger zu beneiden ist: Patient oder Polyethylen-Handschuhträger? Besonders gilt das natürlich für die Übungsphase.

Wie das Leaflet dieses – leicht irreführend betitelten – "Besamungskurses für Rinder" informiert, trainierte man früher, bevor es zur "praktischen Übung am weiblichen Tier" ging, die "Palpation und Insemination am Schlachtorgan", also am Kadaver. Bitte, liebe Leser – damit diese Kuh nicht umsonst gestorben ist, stellen Sie sich das bildlich vor: wie die oberösterreichischen Herren Präsidenten, Doctores und Magistri Viehböck, Schlesinger und Miesenberger sich darum balgen, wer als nächstes das Kuhorgan befummeln darf… 

Zu Übungszwecken waren tote Einzelteile verständlicherweise aber nicht ideal. Hier soll nun, wie Wired berichtet, die sogenannte "Haptic Cow" Abhilfe schaffen,

"…a virtual, touch-feedback device that mimics the feeling of real bovine anatomy, placed inside a fiberglass model of a cow’s rear end."

Vor allem unter Tierschutzaspekten ist das eine gute Entwicklung, denn:

"If a fledgling vet gets too rough and exceeds the number of Newtons considered safe by experienced vets, virtual Bessie will belt out a cautionary “Moo-oo!”"

An mehreren Veterinärausbildungsstätten im Vereinigten Königreich wird der von Sarah Baillie entwickelte  bovine rektale Palpations-Simulator bereits erfolgreich verwendet. Das Modell soll nun auch zur Übung der Erkennung von Koliken am Pferd (der "Equine Colic Simulator" sieht so aus) und der Untersuchung besonders sensibler pelziger PatientInnen eingesetzt werden: Tiermedizin kann doch richtig putzig sein…

(Bild: Bundesarchiv)

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