Was man so lesen muss

"Lest the central issue of my discourse be lost in the tangle of a hundred codicils, I therefore state it here: whatever else be true, whether there be gods or only atoms, whether men are significantly superior to non-human animals or no, whether there be a life to come or this poor accident be all, this at least cannot be true, that it is proper to be the cause of avoidable ill."
(Stephen R.L. Clark, "The Moral Status of Animals", Oxford: Clarendon Press, 1977)

Also, da wundert es einen doch wirklich nicht, zu hören, dass der Clark beim Verfassen dieser epischen Zeilen gerade aus All Souls, dem eindeutig höchsten unter den Elfenbeintürmen Oxfords, entkommen war…Übrigens ein Leben der Kontraste, jetzt ist der Gute nämlich dort, wo man es am wenigsten vermuten würde: in Liverpool!

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Service des Schreckens

Die IT war zwar dezidiert anderer Geschmacksauffassung, konnte mich aber trotzdem nicht davon abhalten, dieses wunderbare, vollständige 6-Personen-Kaffeeservice aus dem Second-Hand-Laden mitzunehmen (Farbe ist übrigens ein sattes Dunkelgrün, das kommt auf dem Foto nicht so gut raus). Fast ein Sakrileg, damit was anderes zu servieren als "Echten Bohnenkaffee"… Der Vorbesitzer scheint das Schmuckstück übrigens kein einziges Mal verwendet zu haben, so sieht es zumindest aus. Evt. ein Hochzeitsgeschenk von der Schwiegermutter oder Ex-Frau? Also, bei mir kommt es nun endlich zu Ehren! Ein wahres Juwel, und angeblich sogar aus Porzellan! Passend dazu muss ich jetzt eigentlich nur noch lernen, die spacigen "Thüringer Festtagskuchen" von Frau Dietze zu nachzubacken.

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Decline of a Nation: Gone Fishing

Will man diesem Artikel Glauben schenken – der, wohlgemerkt, nicht am ersten, sondern am 2. April im Telegraph stand – dann wird die britische Regierung mehr als 30 Millionen Euro dafür aufwenden, Minderheiten und Frauen mit Hilfe dieses Flyers für das Angeln zu begeistern:

“The Environment Agency will use money raised each year by the sale of fishing licenses to pay for a new leaflet entitled “10 things you should know about angling.”

“Angling does not discriminate against gender, race, age or athletic ability” and the “Government is interested in angling in the context of social inclusion in deprived urban areas,” the leaflet says.

There are also pilot programs, such as an effort in Swansea that taught Muslim women and children to fish by experts from the Salmon and Trout Association.”

Also, wenn man schon gar so politisch korrekt ist, muss man dann ausgerechnet eine Freizeitbeschäftigung fördern, bei der es darum geht, ahnungslose Wirbeltiere zum Verschlucken von Widerhaken zu animieren? Wie wär’s denn damit, stattdessen den “white, male and middle aged” Häkeln beizubringen? Aber auf mich hört ja niemand.

(Bild: Wikimedia Commons)

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Bestseller

Jetzt hatte ich mich schon gefreut, dass sie den Hahne endlich vom ersten Platz der Spiegel-Sachbuch-Bestsellerliste vertrieben haben – eine Schande für Deutschland, dieses Pamphlet und seine überschwengliche Rezeption von den Volksmassen! Aber ich befürchte fast, der Schirrmacher ist nicht viel besser. Oh Gott, was habe ich gelitten bei der Lektüre seines Methusalem-Komplotts… [Bemerkung am Rande: ich frage mich, ob andere bei dem Birnenmatsch, den es manchmal in Mensa, Kantine oder Krankenhaus gibt, auch immer spontan “Methusalem-Kompott” denken, aufgrund der Zahnfleischfreundlichkeit!]
Über Konkurrenten auf den ersten Plätzen muss man nicht viele Worte verlieren, einziger Trost: Harry G. Frankfurt’s “Bullshit” (über das ich hier vor ca einem Jahr schon mal berichtet hatte) auf Platz 5. Das lässt hoffen. Zumal es vor ein paar Wochen noch viel schlimmer aussah, zumindest laut Deutschlandfunk vom 3.3.:

“Die Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch ist im März 2006 die schlechteste aller Zeiten. Mit Deutschland geht es bergab! Nur noch saufende Schauspieler, durchgeknallte Beziehungstherapeuten, missionarische Heilpraktiker, neokonservative Fernsehspießer und prüde Medizinprofessoren.” (Lektüre des gesamten, sehr amüsanten Artikels dringend empfohlen)

 

Die Belletristik-Bestsellerliste ist für mich noch nichtssagender (nichtsiger sagend? noch weniger sagend? Sick, hilf!), schon wegen der darin enthaltenen unsäglichen Schundwälzer à la Schätzing und Kinkel und vor allem aufgrund der zahlreichen Übersetzungen aus dem Englischen, die man bei Beherrschung dieser schönen Sprache  – abgesehen von Glücksgriffen wie Harry Rowohlts Übersetzungen David Sedaris’ – ja eher meidet.
Jetzt hat mir der Jungforscher – Gratulation übrigens zur ersten Publikation! – auch mal den Kehlmann geliehen. Einem geliehenen Gaul schaut man zwar prinzipiell nicht ins Maul, aber der Verleiher hatte mich derart vor dem Buch gewarnt, dass ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte, es überhaupt durchlesen zu können. Ja, überraschenderweise war ich dann jedoch lediglich leicht genervt und gelangweilt. Selten war es mir derart wurscht, wie es mit den Protagonisten weitergeht, weil sie ja eh beide unsympathische Kerle sind. Also, sollte man das jetzt sozusagen intrinsisch interessant finden, was Gauß und Humboldt so getrieben und gesagt haben (oder auch nicht), weil die halt irgendwie berühmt waren? Oder wie? Und wieso muss das dann in Romanform stattfinden, diese Anekdötchen? Große Männer unter sich, na ja… Der oben bereits zitierte Literaturkritiker des Deutschlandfunk, Denis Scheck, sagt es so: Der größte Einwand gegen ihn sei nicht verschwiegen: es ist ein bisschen ein Schweinchen-Schlau-Roman.” Die vielbeschworene Komik konnte ich beim Kehlmann übrigens nicht entdecken (vielleicht muss man bei mir aufgrund einer fortschreitenden Fry-Intoxikation inzwischen schärfere Geschütze auffahren…). Lesen kann man das schon, aber vielleicht wird der nächste Roman ja besser.

Pelzige Subkulturen

Auch hier: absolut überhaupt nichts los. Wenigstens geht es nicht nur mir so (während bei anderen, zumindest sentiment-mäßig der Frühling ja unwiderruflich ausgebrochen scheint).
Also, was macht man, wenn nix los ist: klar, Leute googeln. Da beruhigt es mich, dass jetzt – nachdem ich ja mit meiner Beteuerung, eine echte Szenekennerin zu sein, immer nur Spott auf mich ziehe! – wenigstens einer aus meiner Familie zur bayrischen Subkultur (!) gehört, so will es uns zumindest dieses Wiki weiß machen. Hab natürlich, wie es sich gehört, gleich mal recherchiert, und herzlich über den obersten Eintrag bei Wikipedia unter "Kategorie: Subkultur" gelacht: Furries. (Insbesondere über die Bemerkung, dass Anhänger dieser Subkultur auf die Teenage Mutant Hero Turtles stehen, "obwohl Schildkröten keine Fell haben").
Reschpekt jedenfalls für die Subkulturbrille, aber: können die jungen Leut sich denn nicht mehr rasieren? Wenigstens für ein Foto? Oder ist er jetzt auch einer von diesen Furries? Tsk! Der BR ist wohl nicht mehr, was er mal war (nämlich der Traumarbeitgeber meiner Mutter). Sic transit gloria mundi.

[Übrigens: wenn man bei Google Bildsuche "gähn" eingibt, findet man u.a. diese Seite.]

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Spaß mit Keyphrases

Mal wieder gibt es einige Highlights der Suchbegriffe, unter denen man bei Google auf meine Seite kommt bzw. kam. Köstliche Lektüre, zumindest für kindische Gemüter wie mich:
heiner lauterbach kernseife (ok, der ist jetzt für Insider)
persische erotikfilme (?)
und mein Lieblingskeyphrase für diesen Monat:
österreicher porno jünglinge
– Haider, hilf!

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Von wegen Taille: Let’s Roll

Der Frühling ist da und damit ist es natürlich Zeit, sich nach der neuesten Mode vollständig neu einzukleiden! Und dafür braucht es Inspiration.
Mögen andere die Rückkehr der Taille beschwören – jaja, das sind so reaktionäre Kirchhofs, Schirrmachers, ach, was sag ich: Di Fabios – , ich hab da ganz andere Ideale: lasst Euch inspirieren  von  Elvis’ Bühnenkostümen. Und zwar sämtlichen. Vom stilvollen Anfang bis zum bitteren Ende. (den Link habe ich, wie so vieles, AskMefi zu verdanken)

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Meine Ehre heißt: DRM

Dass dem einen oder anderen, außer sich über die Kopierschutz-Bestrebungen der Industrie, mal ein Nazivergleich rausrutscht, war ja zu erwarten. Dass das allerdings nicht bei Telepolis, sondern in der SZ, und dann auch noch direkt in einer Überschrift passiert, hat mich dann doch überrascht.
Die Industrie wird den Verbraucher jetzt anscheinend vor die Wahl stellen, ob er das neue Format HDTV nutzen und damit endlich sehen kann, wie gut erhalten Uschi Glas’ Haut tatsächlich ist – aber damit muss er strikte Copyright-Regelungen und einen rigiden Kopierschutz des neuen Formats in Kauf nehmen. Zudem bekommen die Rechteinhaber auch die Möglichkeit, “Saugern” besser das Handwerk zu legen, indem sie Verbindungsdaten von Providern anfordern dürfen.
Was man davon auch von dem allen hält: ob ein Vergleich mit einem “nationalsozialistischen, soldatischen Orden nordisch bestimmter Männer, von denen jeder bedingungslos jeden Befehl befolgt, der vom Führer kommt”, gerechtfertigt ist, finde ich doch zumindest fraglich.
(“Copyright Nazi” scheint mir als Schimpfwort übrigens bereits relativ verbreitet zu sein…)

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Sue the troll: Ausrottung der Naziverleiche?

Das Internetz, insbesondere Heise- und andere Foren, waren ja für den Nazivergleichsammler dank Godwin’s Law stets ein fruchtbares Jagdrevier. Zumindest in Großbritannien könnte diese erquicklichen Ausducksinstanzen der Meinungsfreiheit , sofern sie sich auf eine bestimmte Person beziehen, bald der Vergangenheit angehören. Eine Engländerin muss jetzt 10.000 Pfund (!) Schadenersatz zahlen, weil sie in einem Forum einen Politiker beschimpft hat, und zwar als “lard brain” “Nazi”, “racist bigot” und “nonce”.

“Tracy Williams, a college lecturer from Oldham, was ordered by a high court judge to pay £10,000 in damages, as well as Mr Keith-Smith’s £7,200 costs, and told never to repeat the allegations. “(Guardian)

Huch. Heißt es ab jetzt nicht mehr DFTT sondern “STT” (sue the troll)?

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Zwei Fliegen mit einer Klappe

Forderungen von Claudia Roth, angesichts des Rahman-Prozesses einen Abschiebestopp für afghanische Nicht-Muslime/Konvertiten zu beschließen (Tagesspiegelartikel find ich jetzt grad nicht), kann ich nur unterstützen. Erstens würde man damit den Verfolgten, wie es auch die  außenpolitische Stellungnahme des Auswärtigen Amtes vorsieht, Schutz bieten. Und zweitens könnte man effektiv dem Mitgliederschwund der Kirchen entgegenwirken. Wenn ihnen schon die Deutschen weglaufen – einige afghanische Asylanten wären bei so einer Regelung sicher stark an einer Mitgliedschaft interessiert!