Ceci n’est pas un corbeau

Schaufensterdeko beim Suckfüll in der Türkenstraße ("Merke: Wir führen alles was Sie brauchen; was wir nicht führen brauchen Sie auch nicht !"):

"Künstlicher Rabe zur Taubenabwehr, € 26,70, mit 17% Mwst."

 Also, dass man den modernen Großstadtmenschen für der Natur schon derart enfremdet hält, dass es bei einer derart behelfsmäßigen Attrappe des Zusatzes "künstlich" bedarf, ist doch verwunderlich. Ich vermute zudem, dass man den lustigen und preiswerten Gesellen noch für viele andere Dinge verwenden kann als nur für Taubenabwehr (gibt es corvidae-Fetischisten? Oder vielleicht sogar corvidae-Attrappen-Fetischisten? In einer überbordenden Metropole wie München doch sicher!). Als ehemalige Ornithologin muss ich zusätzlich anmerken: wenn das irgendwas nachahmt, dann sicher keinen Raben, sondern eine Krähe, und zwar eine Rabenkrähe. Tsk!
(Was man aber echt mal bräuchte: eine künstliche Plastik-Studentin, die man in Uniseminare setzen kann. Jetzt für niemanden bestimmten. Aber lebensecht müsste sie schon sein.)

Decline of a Nation: Auf die Bäume!

Alkohol führt ja manchmal zu einem bemerkenswerten Auftreten kultureller Regression. Wer sonst klaglos modernste Sanitäreinrichtungen benützt, bieselt im Wiesnsuff schamlos an die Bavaria (sorry, Ursi, aber bei dem Foto war das meine erste Assoziation!), ansonsten vernüftige Leute fangen an, alberne Trinkspiele zu fotografieren und über Fußball zu brabbeln, und wer sich nüchtern gesund und ausgeglichen ernährt, plündert angeheitert haltlos die Chorizo- und Schokoladenvorräte (ahem!).
Auch unsere Freunde auf der anderen Seite des Ärmelkanals sind von solchen Verhaltensänderungen nicht ausgenommen: ein angetrunkener Student ist in England auf eine 30 Meter hohe Pinie geklettert, hat die Nacht auf dieser verbracht und musste schließlich gleich einer Katze von der Feuerwehr (die er, ungleich einer Katze, immerhin selbst mit dem Handy gerufen hatte) vom Baum geholt werden, berichtet die BBC. Schön dabei auch der Euphemismus “He had had a skinful”.
Ja, warum macht ein ausgewachsener Homo Sapiens sowas, dass er sich sozusagen bis in die Prä-Hominisations-Phase zurückwirft und den Schutz der Bäume sucht? Vielleicht, so lässt eine Umfrage des Briten-Schockerblättchens Sun vermuten, war dem jungen Mann eine Engländerin auf den Fersen, die gerade bedrohlich bis 3 zählte

Höchstens Dreineunzig.

Da bin ich mal wieder Opfer meiner eignenen grenzenlosen Gutmütigkeit geworden und habe ein Buch fertiggelesen, dessen erste Seite schon Schreckliches erahnen ließ. Ich weiß nicht, liegt es an der Übersetzung aus dem Französischen oder ist das einfach schon wieder total überholt, dieses 39,95 von Frédéric Beigbeder? Oder einfach nur ein ganz schlechtes, plattes Pamphlet, das weder durch die zahlreichen Porno-Referenzen noch die "zynischen" Anekdötchen (im Stil von Altherrenwitzen) aus der Welt der Kreativen besonders aufgelockert wird?
Egal jetzt, wie der Titel sagt, ich hätte für diesen supervermarkteten Groschenroman in Hardcover rückblickend höchstens Dreineunzig bezahlt, aber in der Studentenwerksbib gab’s ihn auch umsonst.

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Das wäre doch nicht nötig gewesen!

Also, dass die Eppendorfer jetzt am Wochenende ein großes Straßenfest direkt vor der Haustür meiner IT veranstalten, nur weil ich ab Donnerstag mal wieder zu Besuch bin… ts, ich verstehe ja, dass man sich über mein Kommen sehr freut, aber so ein Riesenaufwand

Die Mischung aus lokalen Bezügen, wie das Eppendorfer Leben und der Anliegerflohmark, sowie inszenierte Bereiche, wie Gourmetbereich, Partyzone, Künstlermarkt und Klassikbereich bieten für die unterschiedlichsten Ansprüche das erwartete Erlebnis. Das Eppendorfer Landstraßenfest ist sehr gut frequentiert und zeichnet sich durch eine sehr gutes Publikum aus.

Na, wenn ihr meint… Man findet mich im Gourmetbereich.

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Feinheiten

Also ich weiß nicht, obs an diesem ekligen gelben Pollenstaub liegt oder daran, dass ich am Donnerstag nach einer Runde Rollerblades zum Aumeister ein paar Viertelstunden zu lange im Schatten vor dem Milchhäusl an meiner eiskalten Bio-Apfelschorle genuckelt hab: jedenfalls hab ich mir eine scheußliche Hals-Nasen-Nebenhöhlen-Mandelentzündung eingefangen. Trotz fachkundiger Behandlung mit Bronchoforton-Inhalation, Zinktabletten und Isla-Moos Pastillen (könnt ihr euch an die uralten, steinharten Bonbons erinnern, die ihr bei Eurer Oma – ohne Einwickelpapier –  in der Schublade gefunden, gierig in den Mund gesteckt und sofort wieder ausgespuckt habt? Schmecken genau so! Wirken aber) hocke ich immer noch erbärmlich durch das Maul schnaufend vor dem Puter, da meine Nasenschleimhäute ver.di-mäßig streiken. Wie Jamie Oliver, dem hängt doch auch immer so ein bisserl die Zunge raus, á la englische Bulldogge.  Bemitleidenswert!

Aber ein bisserl Lachen musste ich jetzt doch grade, also ich Bild.de aufschlug, nämlich, als ich diese Artikelüberschrift sah:
Nati-Stars? Also, wenn man die so ausspricht, wie das Wort  “Nationalmannschaft”, von dem  ihre Bezeichnung diminutiv abzuleiten man in der Bild-Redaktion für eine gute Idee hielt, dann braucht man da gar kein Klinsimeter. Deutschlands letzte große Stars dieser Art starben 1945, was nachkam, waren in dieser Hinsicht nur noch Zweitligisten!

Die fetten Jahre sind vorbei

In Anbetracht der Vorliebe meiner IT für sauteure Feinkostsalate und Parmaschinken ("Des is was ganz was Feins!") und seines Wohnsitzes in einem besseren Viertel der Hansestadt keimt bei mir seit der Lektüre dieses Spiegel-Artikels ein schrecklicher Verdacht…ist seine momentane Friedman-Lektüre etwa nur ein geschicktes Täuschungsmanöver? Ist der Gute in Wirklichkeit ein "Rand-Autonomer", "spaßorientiert mit politischem Hintergrund"? Und: hängt das alles mit der Neueröffnung eines Die Linke/PDS-Büros in der Schellingstraße, gleich bei mir ums Eck, zusammen? Muss da mal in Pullach nachfragen!

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Spaß mit Google Keyphrases: Theorien

Vermittels der Suchbegriffe, angesichts derer Google auf meine Seite verweist, komme ich immer wieder mit interessanten Assoziationen, Theorien und Hypothesen in Berührung, die einen tiefen Einblick in die kollektive Psyche des Internetzes gewähren.
Manche davon sind altbekannt:

frauen schokolade sexuell frustriert

Andere naheliegend:

oktoberfest cleavage

oder

one night in paris anschauen internet

Manche Suchbegriffkombinationen sind besorgniserregend:

selbstbräuner jahrelange anwendung

Aber am schockierendsten fand ich bis jetzt:

ursula von der leyen opus dei


Lästerlich

Bin ja gespannt, wann es die ersten Proteste von Hindus gegen den aktuellen Spiegeltitel gibt. Oder wann die CSU Strafanzeige stellt, um gegen die Verunglimpfung religiöser Symbolik vorzugehen. Wo bleibt eigentlich die entsprechende Gesetzesänderung? Oder brauchts da erst eine blutige Intervention à la Kali?

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Yepp! Gekauft.

Ist er nicht wunderschön? Habe mir für den Schport einen süßen kleinen MP3-Player mit dem griffigen Namen Samsung YP-F1X, auch bekannt als “Yepp”, bestellt.
Wer mich kennt, weiß von meinem dezidiert reservierten Verhältnis zur Musik (bezeichnend: auf meinem Radio haben lediglich Deutschlandfunk, B5 aktuell und Deutschlandradio Kultur einen festen Programmplatz). Als aber neulich ein ca. 80-Jähriger mutmaßlicher ehemaliger Wehrmachtsangehöriger auf dem Weg zum Gipfel des Olympiaberges an mir vorbeipreschte und von dort oben zu allem Überfluss auch noch grinsend auf die heftig schnaufende, mit fiesen Serpentinen kämpfende, rot angelaufene Cohu herunterschaute, habe ich beschlossen, zu rigiden Maßnahmen zu greifen, bevor mich jetzt dann auch noch die Nordic Walker  (“Gammelfleisch in Funktionsfaser”) zu überholen anfangen. Mein Problem: die Geschwindigkeit. Also muss eine zackige Musi her. Habe gestern dann auch gleich meine CD-Sammlung sortiert und meine Green-Day-Alben vorsorglich zur Digitalisierung beiseite gelegt. Ich hoffe, dass mir das, wenn schon nicht zu einem ästhetischen, so doch zu einem sportlichen Vorsprung verhilft.
Aber keine Angst: ein Triathlon ist bei mir jetzt noch nicht geplant. Dafür fehlt mir ja auch noch die entsprechende Ausrüstung, denn ohne SwiMP3 geht da natürlich gar nix!

Alles, was Recht ist…

…aber das ist einfach ZU schrecklich. Joghurtleberkäse. Gerade gesehen bei Metzgerei Liedl auf der Schleißheimerstraße. Blärghs! Unter 10% Fett. Ich glaube, ich muss jetzt zum Ausgleich gleich mal ein Stück Butter essen.