[Die Turksolu-Seite hat übrigens ein interessantes Sounddesign…sollte mir auch so ein wav zulegen!]
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Brücken bauen, dadurch zeichnet sich ja gute Politik aus. In Großbritannien, besser gesagt in Schottland, ist jetzt eine ganz besondere Brücke geplant: eine Hängebrücke für Eichhörnchen. Mühsam versucht man in Großbritannien nämlich, die letzten verbliebenen Populationen von roten Eichhörnchen zu retten – in den meisten Landesteilen sind sie längst durch graue Amerikaner verdrängt worden (siehe Abb.).
In einem Land, das derart sicherheitshysterisch ist, dass Schüler beim Spielen mit Kastanien Schutzbrillen aufsetzen, Trapez-Artisten Helme tragen müssen und das Basteln mit Eierschachteln aufgrund von Salmonellengefahr verboten ist, kann es so ein Bauprojekt natürlich nicht ohne Risikoeinschätzung geben:
“The significant hazards have been identified as death or serious injury to the public from the rope swinging free and colliding with a pedestrian or causing a vehicle to swerve resulting in an accident,” Mr Lowson continued.
“Arguably the sight of a squirrel crossing the road on such a rope could cause a distraction to a driver as well but the erection of warning signs in advance of the area may serve to mitigate this. (Courier News via Fark.com)Naja, man muss sagen: das ist wenigstens eine realistische Einschätzung. Einerseits, was die Fähigkeiten des englischen Handwerks angeht (Seil festmachen? Wie? Feierabend?), andererseits aber auch, was die überwältigende, ablenkende Süßheit von roten puscheligen Eichhörnchen betrifft – Ursi berichtete!
Der – so das Wahlvolk will – zukünftige Staatenlenker Großbritanniens hat keine Geschirrspülmaschine, ja, nicht mal Gummihandschuhe, aber dafür im Hintergrund mutmaßlich einen Helfer, der sein Kind mit Nadeln traktiert bzw. vor seinen Augen Stofftiere und Puppen foltert. Lernt man solche Methoden beim PPE-Studium oder im Bullingdon Club? Eins wissen wir jetzt zumindest, aus medienethischer Perspektive: es ist ok, wöchentlich Videos des "herzlichen Konservativen" beim Abspülen oder beim privaten Essen mit seiner Familie ins Internetz zu stellen. Ihn nach eventuellen Drogenerfahrungen zu fragen, kommt hingegen einer medialen Vergewaltigung gleich. Verständlich, wenn die Kollegen gleich mit solchen Geschichten daherkamen: da kann Cameron natürlich nicht mithalten.
Eine Befürchtung hab ich noch – nämlich die, dass unsere Konservativen das übernehmen. Werden wir uns auch bald Söder beim Rasenmähen anschauen, wie er sich über die Terrordatei ereifert? Singhammer beim Zeugen des siebten Kindes über Familienpolitik reden hören? Sehen, wie Merkel in der Badewanne über die deutsche Einheit schwärmt?
Man sieht mal wieder: es kann immer noch schlimmer kommen, als es schon ist.
Cohu’s Blog hat heute – bitte einen Tusch! – dritten Geburtstag. Ich bzw. wir haben immerhin 557, äh, jetzt sind es schon 558 Posts und 688 Kommentare hinter uns gebracht. Laut Technorati steht mein Blog auf dem Technorati-Rang 429,549 und ist immerhin 3951,87 Dollar wert (warte allerdings bis heute vergeblich auf Kaufgesuche).
Zum Blogjubiläum gibts jetzt endlich meine langersehnten Kategorien: siehe Liste auf der rechten Seite. Besonders bei sowas wie "Gemischtes Doppel" und "Decline of a Nation" ist das natürlich sehr praktisch; auch, wer nur an meine persönlichen Neuigkeiten interessiert ist, kann auf "Cohu" klicken und bekommt – von Nobelpreisverleihungen bis zu Privatinsolvenzerklärungen – alles auf einer Seite (jaja, die Seite ist ziemlich groß, aber das wird alles noch verbessert! Hopp, Hopp IT!).
Was, ihr habt keine Geschenke mitgebracht? Tsk, tsk. Könnt das arme, jetzt schon dreijährige Blog einfach weiterempfehlen, dann wird es Euch dieses Missgeschick noch einmal verzeihen!

…ob jetzt die die österreichischen Politiker Dummkopf, Tollpatsch und Trottel überhaupt noch ins Kabinett kommen?
Mei, mei, mei. Eine "Wiesn-Suff-Affäre" (tz) hat es jetzt natürlich noch gebraucht von Seiten des allseits geschätzten Jungpolitikers Baretti, äh, Dr. Baretti von den Truderinger Böllerschützen, dessen erklärtes Ziel immerhin der "Erhalt christlicher Werte in der Politik"(!) ist. Mein kleiner Tipp: wenn man um 11 ins Käferzelt nicht hineinkommt, einfach durch die Küche marschieren. Einen Stadtratsausweis brauchts dafür nicht, auch nicht die Androhung, "das Haus zu zerlegen". (Der alte "durch-den-Zaun-wuzl-Trick", den so mancher schlanke Leser dieses Blogs schon erfolgreich angewandt hat, dürfte beim doch bereits relativ abgerockten "Sudetendeutschen" Baretti nicht mehr funktionieren).
Warum man sich diesen immer wieder an der Grenze der Legalität bzw. des Anstandes agierenden Bazi von Seiten des Stadtrats immer noch gefallen lässt, ist mir ein Rätsel, vermutlich zeichnet sich der "Ältestenrat" (die tagen vermutlich unter der Dorfeiche?) durch besondere Altersmilde aus.
Also, von dem Skandal hat vermutlich ja jeder Münchner dank der az-Schlagzeilen (siehe Abb.) schon gelesen, aber: gerade für momentan Abwesende ist der Baretti interessant. Man sehe sich in diesem Zusammenhang bitte den Betreff des Antrags 02-08 / F 00801 unseres parteilosen Lieblingsstadtrates an…
Schelling Ecke Augusten – praktisch schräg gegenüber von der Munich Readery (cohu berichtete) – war vor Urzeiten mal ein Müller-Bäcker Backtriebmittel-& Emulgatoreneinzelhandel.
Dann stand der Laden ein, zwei Jahre leer und jetzt – oh Wunder: macht dort ein Geschäft (oder Restaurant?) auf mit dem Namen “Schindler’s Schnitzel”. Im Internet find ich nix dazu, weiß jemand, was das ist?
Eins steht für mich alte Doppel-Dichterin jedenfalls schon fest. Wenn die Schnitzel inklusive Getränk nur 4,95 kosten, wie ein Plakat an der Noch-Baustelle ankündigt, müssten die in Wirklichkeit einen anderen Namen haben: Schnitzler’s Schindel.
…wenn man Freitags um eins bei der (in München ansässigen) Krankenkasse anruft und die Sachbearbeiter alle beim "Außentermin" sind…
Endlich gibt es – wie versprochen – einen Bericht über meine Urlaubsbücher, in nach Wichtigkeit absteigender Reihenfolge:
"I Am Charlotte Simmons" von Tom Wolfe: 1-
In diesem Buch geht es um ein weibliches Landei, dass in den Orkus eines (fiktiven) amerikanischen Elitecolleges gerät und um seine Identität und soziale Stellung kämpft – ob mit Erfolg, verrate ich hier nicht, ihr müsst das Buch selbst lesen!
Gut, dass Cohu vor dem Urlaub nicht die Kritiken gelesen hat. Die waren nämlich – von Ausnahmen abgesehen – nicht gerade Lobeshymnen. Ja, der Wolfe hat sogar den "Bad Sex in Fiction Award" des Jahres 2004 abgestaubt.
All das ging an Cohu, wie gesagt, vorbei, und sie fand den Roman (ja, sogar die unanständigen Stellen) durch und durch gelungen, die Protagonistin glaubwürdig (wenn auch wenig sympathisch), die Nebenfiguren großartig herausgearbeitet und das Ende genau richtig (nicht zu offen, nicht zu happy). Dass der Roman "unrealistisch" ist und das Collegeleben nicht korrekt abbildet, kann sich m.E. nur ein vollkommen mit humorabweisenden Brettern vernagelter Kritikerkopf ausdenken: das ist so, als würde man einem Karikaturisten vorwerfen, seine Spottzeichnungen stellten die Karikierten mit zu großen Nasen dar…
Eine 1- gibt’s deshalb, weil ich den Wolfe ein bisserl unsympathisch finde, obwohl er schon ein Hund ist, der Wolfe!
"Indecision" von Benjamin Kunkel: 2-
Dwight Wilmerding leidet unter klinischer "Abulia" (= krankhafte Entscheidungsunfähigkeit), bei der ihm weder die Lektüre philosophischer Klassiker, Golfspielen mit seinem insolventen Vater noch der Verzehr großer Mengen "Jiggy Juice" helfen können. Mithilfe eines neuen Wundermittels, das ihm sein pharmakologisch versierter Mitbewohner vermittelt, soll er davon geheilt werden. Zwischendrin findet er noch einen haarentfernenden Wunderbaum im Ecuadoranischen Dschungel, eine seltsame Europäerin und diverse andere Kuriositäten.
Die erste Hälfte dieses Buchs ist furios und so komisch, dass man am liebsten jeden Satz auswendig lernen würde:
"Sanch said, "Yeah man fucking Hugo Chávez drinks sixteen espressos a day. And that’s after his staff weaned him down from twenty-four."
"Amazing!" I was really impressed with this man.
Who is Hugo Chávez?"
"He’s, like, a revolutionary."
"Sounds like it," I said.
Vielleicht seid ihr anderer Meinung, aber: gegen Ende lässt das Buch stark nach. Antiklimaktisch, würde ich sagen. Wenn der Kunkel es beim nächsten Mal genau andersherum macht, kriegt er auch eine 1-. Aber es ist ja ein Erstling, er darf also noch üben.
Die Tyrannei des Gemeinsinns von Richard Herzinger: 1-
Schon etwas ältere, aber zeitlose Polemik eines wahren Liberalen. Herzinger rechnet mit der besserwissenden und gutmeinenden deutschen Intelligenz genauso ab wie mit der politischen Elite (haha)aller Parteien und entlarvt ihre ständigen Aufrufe zum Konsum-, Fernseh- und – allgemeiner- Individualitätsverzicht als anmaßende Eingriffe in die Freiheit des Einzelnen. In der schönen Tradition des Sarkasmus entweiht Herzinger vollkommen hemmungslos und treffsicher die Begriffe der Kultur, der Heimat, der Moderne, der Identität und der "Gemeinschaft". So ein Ikonoklasmus gefällt der Cohu natürlich, weil man ja immer gerne das liest, wovon man sowieso schon immer überzeugt war (nur, dass der Herzinger sich halt besser auskennt und seine Überzeugungen sogar begründen kann). Es wäre jetzt noch interessant, zu lesen, was jemand von diesem Buch hält, der nicht liberal denkt. So einen hatt ich im Urlaub aber nicht dabei. 1- weil mir das Buch zu kurz war und weil ich das Kapitel "Opfer und Interesse" nicht mal ansatzweise verstehe.
The Virgin Suicides von Jeffrey Eugenides: 2
Wie der Titel andeutet, geht es um den Selbstmord von Mädchen, und zwar fünf Stück Schwestern, was jetzt kein Spoiler ist, weil es schon auf der ersten Seite steht. Ihr kennt den Eugenides vielleicht vom großartigen "Middlesex". Die IT war – ganz verfeinerter Kunstmensch, Freund des L’art pour L’art – vom Eugenideserstling total begeistert. Cohu mag gerne Bücher, die primär Geschichten erzählen, statt artifiziell dahinzuschwadronieren, egal, wie gut der Autor das kann. Außerdem fand sie den mythologisierenden Umgang mit diesem Thema vollkommen daneben: 2. Hat jemand den Film gesehen? Lohnt sich das?
Jetzt noch einige kurze Erwähnungen:
– Stephen Fry: Revenge – (In England erschienen als "The Stars’ Tennis Balls"). Wie der Titel andeutet, geht es (in der zweiten Hälfte) um Rache, und in der ersten Hälfte des Buchs um das angetane Unrecht, das Letztere rechtfertigt. Sowas aus meinem Munde, aber: das Buch ist irgendwie so… negativ! Böse! Brutal! Vielleicht bin ich nur zu humorlos, nicht mal Pulp Fiction find ich lustig. Also, mit meinem Lieblings-Fry "Hippopotamus" kann es jedenfalls nicht mithalten. 2-
– Yadé Kara: Selam Berlin – Der deutschtürkische Protagonist wächst zwischen Istanbul und Deutschland auf, zieht zur Wendezeit nach Berlin, seine Eltern trennen sich, Familiengeheimnisse kommen ans Licht… Die Geschichte ist reizend (und wird immer reizender), aber in derart hölzerner Sprache erzählt, dass man sich fragen muss, warum die Autorin sich überhaupt literarisch ausdrücken will. Vielleicht kann sie Malen, vielleicht kann sie Singen, vielleicht ist sie gut im Ballett, vielleicht kann sie sogar (mündlich) Geschichten erzählen: Schreiben kann sie jedenfalls nicht, und wenn doch, gelingt es ihr in diesem Buch bestens, ihr Können zu verbergen. Des ist keine "Art brut" sondern "Art egalwie." Naja, de gustibus… Und ich weiß nicht ob das Lektorat schuld war oder die Autorin, aber die ständigen Deppenleerzeichen á la "Barbie Puppe" machen mich wahnsinnig!!! Trotzdem, weil wie gesagt die Geschichte sehr nett ist: 3 (heißt: durchaus lesbar). Mehr zu dem Buch gibts beim Deutschlandfunk Büchermarkt.
– John Irving: A Son of the Circus – Die Story von Irvingbüchern zu erzählen ist witzlos – selber lesen! Dieser Irving – zum zweiten Mal gelesen – ist jedenfalls mein Lieblingsirving, weil er schön bunt ist. Langweilen muss man sich da nicht, da kommen Zwerge vor, Straßenkinder, Eunuchen, Transvestiten, eine Zwillings-Verwechslungsgeschichte, eine Hollywooddiva, Schlangenmenschen… Besser als "Complete Review" kann mans nicht sagen: "Exuberant, free-wheeling fun, with a lot going on, but no character the reader can really empathize with and a multitude of plots, verging on the chaotic." – sehr gut geeignet als Urlaubslektüre. Ganz im Gegensatz zum letzten Irving (Until I Find You). Den hab ich wirklich nur aus Irving-Loyalität fertiggelesen, sowas Zähes! Also, Zirkuskind: 2.
…aus dem Land der Berge bin ich. Zwar habe ich – dank altersbedingter Kreislaufschwäche und darauffolgendem Regenwetter – keinen Berg bestiegen, aber dafür auf den Hütten des Tals zahlreichen Marillen- und Spinatknödeln, Schlutzkrapfen und Spätzle den garaus gemacht und einen liebeskranken Hirsch röhren gehört.
Gewohnt wurde stilecht in einem jahrhundertealten Tiroler Bauernhaus mit mehreren Original-Herrgotts-bzw. Muttergottes-winkeln (siehe Abb.) und zugehörigen (Nicht-Original)-Scottish-Highland-Rindern sowie Zentralheizung und Satellitenfernsehen. Bin jetzt – nach dem Türkeiurlaub – wieder ausreichend europäisiert, auch dank der zahlreichen FPÖ-Plakate für den Österreichischen Wahlkampf ("Sichere Pensionen statt Asyl für Millionen!" – "EU-Austritt!")
Morgen gibts dann einen ausführlichen Bericht über Cohus Sommerferienlektüre!