Qual der Wahl, die Xte

Da klagte ich heute morgen noch über die Schwierigkeiten, die es mir bereitet, Wahlentscheidungen zu treffen. Dabei gibt es ja inzwischen moderne Technologie, die uns da weiterhilft! Laut dem "Presidential Candidate Selector" müsste ich, lebte ich in den USA, nach dem "Idealkandidaten" mit 100% Übereinstimmung (den es leider nicht gibt), folgendes wählen:
– 81% Übereinstimmung: Kent McManigal (ein mir unbekannter anarcholiberaler Kandidat, der wohl auch schon die Flinte ins Korn geworfen hat – ich bitte, in diesem Formulierungszusammenhang auch seine Webseite zu beachten!)
– 74% Übereinstimmung: Wayne Allyn Root (mir ebenfalls unbekannt, nach kurzer Recherche schließe ich: das  wird auch weiterhin so bleiben)
– 70% Übereinstimmung: Ron Paul (klar – der einzige Kandidat mit einem eigenen Zeppelin!)
Obama (den der Deutschlandfunk gestern in Gänsehautauslösender Manier als "farbigen Newcomer" bezeichnete)  bekommt immerhin noch 63%, McCain 60 und Clinton 55% (Romney 50%, Huckabee 31). Und ich hab jetzt wirklich keine Extrempositionen angekreuzt. Angesichts dieser Ergebnisse kann ich doch froh sein, dass ich nur für die harmlosen Münchner Wahlen zu einer Stimmentscheidung kommen muss. Gibt’s hier eigentlich auch einen "Candidate Selector"?

How To Be Gay

Ja, Momeeeeent. Sooo einfach geht das nicht!

Menschen entsprechen, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Ansicht, gerne Stereotypen. So bestehen 87,4% aller Teenager darauf, ihre überbordenende Individualität durch das Anbringen von Piercings auszudrücken, im Internetz  publizierende Menschen schreiben Blogrolls und beantworten die hirnrissigsten Stöckchen, um zur “Blogosphere” zu gehören, gestandene Frauen müssen hin und wieder eine Träne produzieren, um für eine Einordnung in die richtige Schublade zu sorgen, und eine Vielzahl von Publikationen dienen ihren Lesern dazu, sich der Zugehörigkeit zu einer jeweils mit besonderen Attributen versehenen geschlossenen Gemeinschaft zu versichern (wobei bei genauerem Hinsehen die Themen nicht weit auseinanderliegen:bei “Men’s Health”: “Wampe Weg” – “Rätsel Frau” – “Sixpack”, bei Joy “Die “Diät-Tipps der Stars” und: “Jüngere Männer sind besser!”). Eine bombenfeste Absicherung erhält der in seiner Zuordnung immer noch verunsicherte Mensch durch pseudowissenschaftliche Quirlkacke, die von der längst durch Knochenfunde bewiesenen Tatsache lebt, dass Steinzeitmänner- und Frauen exakt die gleiche Rollenverteilung hatten wie amerikanische Suburbia-Bewohner der 50er Jahre (siehe als Beleg entsprechende Dokumentarfilme, z.B. dieses Beispiel).

Noch schwerer als Durschnittspersonen haben es Menschen, die das ihnen zugewiesene Stereotyp aus diversen Gründen nicht erfüllen können. Wohl aus diesem Grund wird an der University of Michigan ein Kurs namens “How to be Gay” angeboten:

“Just because you happen to be a gay man doesn’t mean that you don’t have to learn how to become one. (…) In particular, we will examine a number of cultural artifacts and activities that seem to play a prominent role in learning how to be gay: Hollywood movies, grand opera, Broadway musicals, and other works of classical and popular music, as well as camp, diva-worship, drag, muscle culture, taste, style, and political activism.”

Hm, da sind ja eigentlich alle Themen dabei, die Menschen überhaupt interessieren. Man könnte jetzt auf die Idee kommen, dass die Interessen von Schwulen (abgesehen von Interesse an Männern) so variieren, dass es insgesamt ein aussichtsloser Schmarrn ist, eine “schwule Identität” zu konstruieren. Aber, wie gesagt, wir alle gehören doch gern zu einer Gruppe. Und wenn’s die Internationale Gesellschaft für Regenbogenfische ist.

(Bild: Wikimedia Commons)

Nazivergleich mal anders

Das ist ja mal ein erstaunlicher Nazivergleich – ein bekannter Professor der Harvard Law School, Alan Dershowitz, meint in einem ansonsten ganz vernünftigen Zeitungskommentar, der kritisch mit der Wahlkampfstrategie der U.S.-Demokraten umgeht, man könne bzw. solle Folter nicht in allen Fällen von vorneherein ablehnen. Kann man vertreten.
Erstaunlich ist aber dieses von ihm angeführte Argument: die Nazis hätten gefoltert und damit im Kampf gegen die Résistance große Erfolge erzielt, daher sei das Argument, Folter sei eh überflüssig, nicht wirksam. Ne, der schreibt das wirklich:

"There are some who claim that torture is a nonissue because it never works–it only produces false information. This is simply not true, as evidenced by the many decent members of the French Resistance who, under Nazi torture, disclosed the locations of their closest friends and relatives." (Wall Street Journal)

Inhaltlich ist daran natürlich überhauptnichts auszusetzen. Vermutlich hat er recht, Folter funktioniert in bestimmten Fällen.
Wenn ich eine geschmacklose Zeitung herausgäbe, wäre ich trotzdem versucht, zu titeln: Folter – die neue Autobahn?

(Bild: Stephan Jauch/Wikimedia Commons)

Höchst verdächtig!

"Wie mach ich meine linke Zelle größer?"

Heutzutage macht man sich ja mit den kleinsten Handlungen, also geradezu nebenbei, höchst verdächtig. Verlinken auf Rezepte zum Bombenbau ist riskant, genauso wie das Verwenden von Begriffen wie Gentrification. "Wie mach ich meine linke Zelle größer"unschuldige Frage eines html-Neulings oder Terror-Anfangsverdacht?
Aber auch außerhalb des Internetzes – im unpassend benannten "Real Life" – begibt man sich schnell ich Gefahr. Ein schmackhaftes Beispiel: Falafel. Bei diesem schönen Rezept, das nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan ist, muss man die Kichererbsen nicht mal kochen und braucht auch keine Friteuse. Cohu hat sich gestern fast ein bisschen daran überfressen. Aber wie gesagt: No risk, no fun. Man kann da beim Einkauf leicht einen gefährlichen Verdacht auf sich lenken. So versuchte etwa das FBI zeitweise, durch das Verfolgen von Falafel-Verkaufszahlen den Einstrom iranischer Terroristen nach San Francisco nachzuvollziehen.
Wer hätte das gedacht: die scheinbar so harmlosen Kichererbsenbällchen sind ein typische Speise der Achse des Bösen, und die rundlichen Hülsenfrüchte somit garantiert schon längst auf der Verdachts-Liste der Verfassungsschützer. Dazu noch ein eiskaltes Rappi Bier auf das Wohl von Kim Jong-Il, eine schmackhafte Reispfanne namens "Moros y cristianos",  und vielleicht eine schöne Romeo y Julieta nach dem Essen, und danach könnt ihr gleich anfangen, für die Untersuchungshaft Zahnbürste und Schlafanzug zusammenzupacken. Weitere Rezeptanregungen findet ihr hier.

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USA, SA, SS

Zum Thema Hitler-Bush-Vergleiche erklärt uns die gefürchtete amerikanische Kulturkritikerin Naomi Wolf ("The Beauty Myth") in einem SZ-Interview, dass es entscheidend auf den Äußernden ankommt:

Sie sind Deutscher. Ich würde mich sehr aufregen, wenn Sie als Deutscher daherkämen und mir erzählen würden, dass es in Amerika wie im Dritten Reich zugeht. Ich kann das sehr wohl. Und ich bin als Jüdin mit einer Familiengeschichte im Europa des Dritten Reiches sogar dazu verpflichtet. (SZ)

Ein interessanter Aspekt. Wobei ich bis jetzt eigentlich nicht den Eindruck hatte, dass Holocaustüberlebende und deren Kinder in besonderer Weise zum Nazivergleich neigen. Also, eigentlich eher im Gegenteil. Aber Frau Wolf ist eine Ausnahme.
Lustig ist im übrigen auch folgende Argumentationsfigur:

SZ: Kann man Bush wirklich mit Hitler vergleichen?
Wolf: Da müssen wir gleich mal differenzieren. Ich vergleiche Bush nicht mit Hitler. Ich ziehe nur Parallelen. (SZ)

Ich kenne mich in Frau Wolfs Gedanken nicht besonders gut aus, aber irgendwie kann ich jetzt die Kritik von Camille Paglia etwas besser nachvollziehen:

"[Wolf] is a woman who graduated from Yale magna cum laude, is a Rhodes scholar, and cannot write a coherent paragraph. (…)  But if you read Lacan, this is the result. Your brain turns to pudding! She has a case to make. She cannot make it. She’s full of paranoid fantasies about the world. Her education was completely removed from reality." (C. Paglia, Crisis in the American Universities)

Wo wir schon bei Nazivergleichen sind, möchte ich übrigens auch noch auf dieses Gespräch zwischen Peter Gauweiler (CSU) und Kerstin Müller (Die Grünen) verweisen, insbesondere auf diesen Abschnitt, dem ich meine stimmungsvolle Überschrift entnommen habe (Danke, KSC). Diesem vorbildlichen CSU-Friedenskämpfer sollen Teile der bayrischen Bevölkerung übrigens schon vor Jahrzehnten den bösartigen, nazivergleichenden Kosenamen "Gauleiter" verpasst haben.

Decline of a Nation: On The Induction of Squirm

Cohu war die letzten Tage durch wichtige Termine schöner (Tierpark) und weniger schöner Natur (Beerdigung) abgelenkt, aber sorgt Euch nicht, meine Berichterstattung über wichtige Vorgänge in der Welt wird nicht abreißen. Schauen wir (wie so oft) nach Großbritannien. Und da muss ich sagen: die britischen Skandale sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Hier könnten sich die Briten mal eine Scheibe von den U.S.-Amerikanern abschneiden. Scrollen wir ans Ende dieser Liste und erinnern wir uns, mit verträumtem Blick, an die herrlichen Sex Scandals der Republikaner. Die ICQ-Nachrichten, die ein gewisser Mark Foley an junge Burschen schickte, können wir hier nachlesen (nicht jugendfrei, aber harmlos). Hier bekommen wir Einblicke in die Vorlieben des Robert Allen (nicht jugendfrei, aber kulturtechnisch interessant, denn wer hätte gedacht, dass männliche Prostituierte für das Entgegennehmen einer sexuellen Gefälligkeit Geld bekommen!). Aber das schönste Beispiel, nämlich den in der Today Show ein übles Missverständnis aufklärenden Larry Craig, finden wir hier (so ziemlich jugendfrei). "Sie kennen das – Klopapier am Schuh?" – lediglich der englische Sprachraum kennt für dieses Gespräch das passende Wort: squirm-inducing.
Aber zurück nach Großbritannien. Was für Skandale haben die denn aktuell zu bieten? Ihr Innenminister hat beim Autofahren mit dem Handy telefoniert. Ein bisschen mehr Anstrengung, bitte. Weil, mit so einem Schmarrn bleibt man keine Weltmacht.

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Decline of a Nation: Gleichheit im Unrecht

Wer sich über unseren tapferen, wenn auch etwas paranoiageplagten, Innenminister täglich wieder neu aufregt, sollte sich – sozusagen zur Relativierung – mal ansehen, was auf den Inseln hinsichtlich Bürgerrechte so läuft. Dagegen ist unser Wolfi ein, äh, Schafi…
Über den CCTV-Wahn hatte ich schon mal berichtet. Jetzt fordert ein führender Richter – der mit seiner Perücke und seinem Kassengestell übrigens verdächtig nach Monty Python’s Flying Circus aussieht – dass ab jetzt von allen Briten, und allen, die nach Großbritannien einreisen, DNA-Proben genommen und gespeichert werden sollen:

"Everybody, guilty or innocent, should expect their DNA to be on file for the absolutely rigorously restricted purpose of crime detection and prevention." (BBC News)

Begründung: bis jetzt werden die DNA-Proben von Verbrechern und von Leuten gespeichert, die niemals eines Verbrechens schuldig gesprochen, aber von der Polizei verhaftet worden waren. Darunter sind dann aufgrund von Polizeimethoden eine überproportional hohe Anzahl von Menschen, die einer ethnischen Minderheit angehören. Das findet der RIchter ungerecht…die einzige Option ist seiner Meinung nach nun die Ausweitung der DNA-Datei auf alle.
Schönes Argument. In den USA ist es ja seit Jahrzehnten ein Streitpunkt, dass (proportional gesehen) wesentlich mehr Afroamerikaner der Todesstrafe anheimfallen als Weiße. Um da mehr Gerechtigkeit einkehren zu lassen, schlage ich – Richter Sedley folgend – vor, dass man einfach präventiv alle U.S.-Amerikaner der Giftspritzenbehandlung unterzieht. Damit, wie der Bayer sagt, a Ruah is!

(Bild: Wikimedia Commons)

Die Hölle der Coffeeshops und: Fleisch mit Botschaft

Eine große Freude ist es immer wieder, wenn die New York Times voller Ernsthaftigkeit, ohne jegliche Prätention oder Ironie, über "neueste Entwicklungen" der Populärkultur auslässt. (Ein ähnliches Phänomen ist zu beobachten, wenn deutsche Medien über das Internet berichten (Second Life, Bloggen) – zum Kugeln!).

Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate!
(Bild:Onar Vikingstad/ Wikimedia Commons)

Aber zurück zur NYT. In letzter Zeit gab es da zunächst mal das Op-Ed des Literaturwissenschaftlers Stanley Fish zum Thema "Wie man heute Kaffee trinkt" – Fish berichtet von einer erstaunlichen neuen Entwicklung in den U.S.A., die man so nicht für möglich gehalten hätte. Laut Fish ist es heutzutage nicht mehr üblich, einen einfachen "Kaffee" zu bestellen, nein, da hat sich eine Kette von sog. Coffee-Shops ausgebreitet (der Name "Starbucks" dürfte den trendigsten Settern unter Cohu’s Lesern vielleicht ein Begriff sein). Der ellenlange Artikel über die Schwierigkeiten, in die einen diese neuen, verwirrenden Etablissements bringen, lässt einen ernsthaft daran zweifeln, ob Herr Fish so weltgewandt ist, wie er sich – durch das Verfassen eines volksverbundenen Artikels über ein derart bodenständiges Thema und die Betonung der Tatsache, dass er in der Zeitung natürlich erstmal die "Sports Page" aufschlägt – gerne präsentieren würde:

"It turns out to be hard. First you have to get in line, and you may have one or two people in front of you who are ordering a drink with more parts than an internal combustion engine, something about “double shot,” “skinny,” “breve,” “grande,” “au lait” and a lot of other words that never pass my lips. (…)
But then your real problems begin when you turn, holding your prize, and make your way to where the accessories — things you put in, on and around your coffee — are to be found. There is a staggering array of them, and the order of their placement seems random in relation to the order of your needs. There is no “right” place to start, so you lunge after one thing and then after another with awkward reaches." (NYT via "Behind the Times")

Sic, möchte man rufen, transit gloria mundi – nicht mal der doch bekanntermaßen besonders erdverbundene Stand der Literaturprofessoren findet sich mehr in der Welt zurecht! Was soll dann erst ein normaler Mensch machen? Zum Teetrinken übergehen? Noch überraschender ist das alles, wenn man bedenkt, dass der erste Starbucks immerhin von einem Englisch-, einem Geschichtslehrer und einem Schriftsteller gegründet wurde… (Slate rief Fish’s Kommentar übrigens zum "worst op-ed ever written" aus).

Wenn’s schee macht…

Gut, aber noch etwas absurder wird es bei diesem Artikel im "Fashion & Style"-Teil vom 9. August. Unter den Single-Frauen New Yorks ist es der neueste Trend, beim Date keinen Salat, sondern ein Stück Fleisch zu bestellen. Über eine dieser wagemutigen Damen wird berichtet:

Red meat sent a message that she was “unpretentious and down to earth and unneurotic,” she said, “that I’m not obsessed with my weight even though I’m thin, and I don’t have any food issues.” She added, “In terms of the burgers, it said I’m a cheap date, low maintenance.”
Salad, it seems, is out. Gusto, medium rare, is in. (NYT)

Ein Restaurantbetreiber meint gar: “I’ve been shocked at the number of women actually ordering steak." Damit, könnte man meinen, ist alles zum Thema gesagt. Aber die NYT besteht auch bei solchen Themen auf ihren hohen Qualitäts- und Recherchestandards und nimmt ihren investigativen Auftrag ernst. Leider hat sich wohl kein Harvard- oder Princeton-Kulturphilosoph gefunden, der einen Kommentar dazu hätte schreiben können. Folglich werden zum Thema "Frauen, die Steaks essen"  sage und schreibe sechs Personen interviewt, die den heißen Trend – wie könnte es anders sein – vehement bestätigen.

Cohu hofft inständig, dass dieser Trend – was sage ich, diese Bewegung – nach Europa schwappt und sich bald auch auf Nicht-Single-Frauen überträgt. Auch ich will meiner Umwelt nämlich hin und wieder durch das Bestellen eines saftigen Cheeseburgers tatkräftig beweisen können, dass ich nicht neurotisch bin und keinesfalls food issues habe. Ja, in gewissem Sinne bin ich da dem Trend sogar voraus. Eigentlich hab ich überhaupt noch nie Salat bestellt, und zum Essen gehört ein Bier dazu. Könnte es sein, dass diese Idee der normal essenden Frau eigentlich gar nicht aus der Weltmetropole NY, sondern aus der niederbayrischen Provinz stammt? Vielleicht sollte sich da mal der Leyendecker dahinterklemmen, hinter dieses spannende Thema…

Geh weiter!

Ich habs ja schon immer geahnt. Dass das Magazin "New Yorker" inzwischen das einzige Abo ist, das ich nicht aus Wut über schlechte Artikel abbestellt habe, war ja schon ein ziemliches starkes Indiz. Aber dieser Ask-MetaFilter-Thread zum Thema "Wie verhalte ich mich wie ein New Yorker?" bestätigt meine Vermutung: ich bin eigentlich ein New Yorker, ich lebe nur in der falschen Stadt! Das bestimmende Merkmal der Bewohner dieser Metropole aller Metropolen scheint nämlich dieser Punkt zu sein:

Walk in a straight line and to the right of the sidewalk. Look where you’re going. Don’t step out into the sidewalk from a building without looking for foot traffic.

Do NOT stand at the top of the subway steps when you come out to try to figure out where you are or what direction you’re facing (or otherwise block doors, etc.).

(…) But as long as you’re not stopping in the middle of the sidewalk, we don’t really care where you’re from.

(…) never ever block the sidewalk.

Stand on the right, walk on the left, and if you stand dumbly on the down escalator and I can’t get by, I’ll kill you.

Walk quickly and don’t get in anybody’s way. Do not stop at the top of the stairs at the station exit to check your map. Do not stand anywhere but on the right on an escalator. Do not walk slowly.

To sum that up, it would be "Don’t block the sidewalk. Don’t block the box. Don’t, generally, obstruct other people’s legitimate business; we’ve all got stuff to do and we’re all in a hurry, so if you’re dawdling, flirting with the cashier, gawking at the pickles/lox/olives, gawking at a tall building: do it on your own time and space, and most definitely not while I’m blocked up waiting in line behind you."

Eine Stadt von diesem Kaliber wäre ganz nach Cohu’s Geschmack. Ich – die ich doch sonst von ausgeglichenem, ruhigem und mitfühlendem Gemüt bin – gerate nämlich in eine unberechenbare, bösartige und aggressive Stimmung, wenn jemand mir den Weg verstellt. Menschen, die genau mittig auf dem Bürgersteig stehen, um Auslagen zu betrachten? Wah! Subjekte, die sich vor Cafés, idealerweise noch mit geschobenen, quergestellten Fahrrädern,  ausführlich unterhalten? Oh nein! Am Schlimmsten: solche, die ganz grundlos einfach GAAANZ LAAAANGSAAAAM GEHEN???? Da werde ich, sozusagen, zum New Yorker.
Vielleicht würde es ja schon reichen, nach Braunschweig umzuziehen. Das ist ja angeblich (laut Brand Eins Wissen, siehe .pdf) die schnellste Geh-Stadt Deutschlands, während München (hinter Berlin mit Platz 6) auf Platz 14 rangiert…

Wenn das Wasser bis zu Hals steht.

Wegen des befürchteten Meeresspiegelanstiegs jetzt Grundstücke kaufen, die besonders hoch liegen? He, das ist was für treehugging pussies.
Erfolgstypen kaufen jetzt Land, das unter Wasser liegt. Noch:

Lo’ihi, the newest addition to the Hawaiian Chain but still in International waters, is rescheduled for building as early as 5997, give or take a few thousand years, will offer some of the most spectacular view lots ever available near Hawaii. Every lot will have an ocean view and will appreciate rapidly in value. Your land will grow with time. (Loihi Seaview Estates)

Der Spaß kostet auch nur 39,95 Dollar. Und ich weiß jetzt auch, woher das mit den "Immobilienhaien" kommt.
P.S. Mit Meeresspiegelanstieg hat das natürlich nix zu tun. Diese hawaiianischen Inseln kommen anscheinend von selbst, bzw. durch vulkanische Aktivität, nach oben. Irgendwann. Vielleicht besitzt man dann ja 5997 nicht nur eine schmucke bebaubare Insel, sondern sogar noch einen kleinen süßen Vulkan!