Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand…

…aber wozu? Vermutlich nur, um Cohu wieder mal einen ihrer saublöden schlagerinspirierten Post-Titel zu liefern. Viel nützlicher, zumal an der Küchenwand, ist das hier (via Don). Ob ich mir sowas auch basteln kann? Alte, mit Müh und Not noch funktionierende Laptops hätt ich genug…mit meinem Pavilion müsste ich sogar noch eine WLAN-Verbindung hinkriegen. Zwar koche ich eigentlich nicht streng nach Rezept, aber hier kriegt man doch manchmal (trotz mancher Ausfälle) taugliche Inspirationen.

Verfressen

Nach Cohus gestrigem Besuch im Asia-Feinkostladen Van Hoi steht das Wochenende kulinarisch im Zeichen von, äh, Ost-Asien. Gestern gabs Sushi, ganz fein mit Limetten-Chili-Thunfischcreme und welche mit California-Füllung (eigentlich Gurken-Avocado-Surimi). Das Surimi hab ich durch Krabben ersetzt, da mir diese Staberl nicht ganz koscher vorkamen (dabei ist, buchstäblich gesprochen, genau das Gegenteil der Fall!).
Allerdings hab ich aus Versehen koreanisches statt japanisches Nori erwischt (YangBan Seasoned Seaweed), wohl weil mich die Werbeaufschrift "Grown on underwater rocks!" sowie die überschwängliche Jodwarnung so beeindruckt haben: nicht mehr als ein Blatt soll man am Tag davon essen, äh, hätte man davon essen sollen. Zu spät. Aber mit meiner Jod-Überdosis bin ich jetzt zumindest ein paar Tage vor einem Unfall im Isar II geschützt! GAU, du kannst kommen. Und überhaupt: das koreanische Algenzeugs fand ich viel besser als das gewohnte japanische, weil es richtig dünn, fast durchsichtig, und schön würzig war. Heute gabs dann japanische Udon-Nudeln (Sanuki, sehr dicke, weiche, Weizennudeln) in einer feinen Hühnersuppe.

Van Hoi am Hohenzollernplatz (oder auch in der Augustenstr.) ist übrigens sehr zu empfehlen – richtig groß, sauber, mit riesigem Tiefkühlsortiment und begehbarem Kühlraum (da gibts auch die frischen Udon-Nudeln) und auch sonstigem Asiazubehör wie Kocher, Geschirr, etc. Allein das Betrachten von getrockneten Tintenfischen, Shrimps-Glibber in Gläsern und Lychee-Schleim-Dessert in kleinen Plastiktütchen ist, wenn auch nicht notwendigerweise appetitanregend, so doch eine kulturelle Erfahrung, die baldigst in Angriff zu nehmen Euch Cohu empfiehlt.
P.S.: Wasabi-Erbsen nicht vergessen! Die sind inzwischen ja so in, dass sich, so vermutet Cohu, die gesamte Vanity-Fair Redaktion tagelang nur von ihnen und Bionade ernährt.

Italo-Amerikanisches Schmankerl

Nachdem nun schon die New York Times über Tomatensoße mit Fleischklopsen berichtet, will ich Euch meine Forschungsergebnisse zu diesem Thema nicht vorenthalten. Der Amerikaner an sich kennt als typisch italienisches Gericht nicht – wie der Deutsche an sich – Spaghetti Bolognese, sondern vielmehr "Italian Meatballs" mit Tomatensauce und Spaghetti. Das ist so wenig "italienisch" wie unsere Bolognese – der Amateur Gourmet meint: "spaghetti and meatballs is not an authentic Italian dish but an American Italian concession to America’s love for meat."
Das ganze Konzept (praktisch Mini-Fleischpflanzl mit Tomatensoße auf Nudeln!) hört sich doch sehr lecker an, also hat Cohu es gestern mal ausprobiert: mit einem Rezept, das vermutlich mit den Sizilianischen Polpette ebensowenig zu tun hat wie mit dem NYT-Rezept, aber sehr lecker war. Hier kommt’s:

Rigatoni mit Gemüsesugo und Rucolaklopsen

250g gemischtes Hackfleisch, 1 Ei, Semmelbrösel und etwas Mehl gut vermischen.
Mit einer Handvoll Rucola (!) kurz mit dem Stabmixer durchmixen.
Mit Pulbiber (türkische Paprikaflocken), Origano, Schwarzem Pfeffer und Salz würzen.
Mit nassen Händen kleine Fleischklopse formen und in Olivenöl ausbraten, bis sie fest sind.

Dazu dann 1 klein geschnittene Zwiebel, eine Handvoll Champignons und reichlich Gemüsewürfel (z.B. Gelberüben, Paprika, sicher ginge auch Fenchel, Stangensellerie) geben sowie eine Hand voll Speckwürfel (Bacon). Alles gut anrösten, bis Speck ausgelassen ist und Gemüse braun angeht.
Mit Rotwein ablöschen und dann Tomatenpürée dazugeben.
Während die Nudeln kochen, Sauce leise zugedeckt köcheln lassen. Mit wenig Sahne, Paprika, Pfeffer, Salz und Basilikum abschmecken.
Über Pasta (z.B. Rigatoni) mit frischem Parmesan servieren.

Schmeckt übrigens auch aufgewärmt ziemlich lecker (dürfte insgesamt für 3-4 Personen reichen).

Wenn schon Retro, dann richtig.

Von Milka gibt es jetzt, wie Cohu anlässlich eines längeren Entscheidungsprozesses zwischen Tankstellenregalen (am Schluss wurde es ein Duplo) festgestellt hat, sog. Retro-Tafeln: 50er á la Vanillepudding, 60er á la Heiße Liebe (Vanilleeis mit heißen Himbeeren), 70er á la Nussecke und 80er á la Kalter Hund (Butterkekse in Schokoladencreme).
Aber, aber! Die Marke Milka gibts doch schon viel länger! Haben die etwa eine Erinnerungslücke? Um dem erforderlichen Geschichtsbewusstsein zu seinem Recht zu verhelfen, schlage ich folgende "Retro-Tafeln" für die erste Hälfte des 20.Jahrhunderts vor:
10er á la "Platz an der Sonne" (gefüllt mit Cashewnüssen und Kaffee aus Deutsch-Ostafrika)
20er á la "Schlieffen" (gefüllt mit Doppelfront aus franz. Bourbonvanille und russischer Kaviarcreme)
30er á la "Weltwirtschaftskrise" (Carob-Ersatzschokolade gefüllt mit Luftblasen)
40er á la "Untergang" (dunkelbraune 90%-Bitterschokolade, mit Cyanidsplittern)
Am der letzten Sorte muss man aufgrund der Lebensmittelsicherheit evt. noch etwas arbeiten…

Decline of a Nation: Dringendes Update

Ich wollte ja über das Phänomen "Binge Drinking bei Tieren" eigentlich nicht berichten. Aber jetzt komm ich nicht mehr aus: ein Farmer in Cornwall bringt laut BBC News seine Bullen mit 20 Maß Bier täglich und zärtlichen Massagen auf Wagyu-Niveau. Manch einer würde vielleicht tauschen wollen, wäre da nicht dieser Absatz:

"The result is fatty well-marbled beef with burgers from the herd fetching up to £40 each in London restaurants."You can’t really taste the beer, it just tastes like really, really good beef," said Mr Pluess." (BBC News)

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Dauer-Krapfentest

Bei Hölzl beworben: BDSM-Berliner, aber ohne Wowi-Grußwort

Ich habe das Verfahren für den "Krapfentest" verändert und mache jetzt einen Dauertest bei der Conditorei Hölzl (Türken Ecke Schelling), um die gleichbleibend gute Qualität des dort hergestellten Schmalzgebäcks sicherzustellen. Nach einer Woche erste Resultate: die Qualität der Hölzl-Krapfen schwankt auf der nach oben offenen Fingerschleck-Skala ganz beträchtlich. Das, glaube ich, liegt daran, ob der Krapfen ein paar Sekunden zu lang im Fett lag oder letzteres ein Paar grad zu heiß oder kalt war: manchmal (diese Woche 1x) schmeckts fettig, sonst lecker knusprig bis zart-weich. Die Marmelade (habe nur Aprikose probiert) ist dagegen immer gleich gut. Beschließe jedoch, die Variabilität als eine gelungene Metapher auf das Leben aufzufassen und bleibe nach wie vor bei Hölzl. Schon wegen der Werbung!

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Eigner Herd ist Goldes Wert…

…vor allem, wenn er einem vom Vermieter samt neuer Küche in die Wohnung gestellt wird. Endlich sind meine mehrmals wöchentlich getätigten Anrufe beim Noor Jahan überflüssig nur noch optional.
Vielleicht war es doch nicht so schlecht, dass Cohus Headquarter zum Jahreswechsel von einer obskuren dänischen Immobilienholding aufgekauft wurde. Die Ceranplatte hätten sie sich allerdings sparen können, was will man von einer Kochplatte, die (laut Gebrauchsanweisung) von praktisch allen darauf verteilten Speisen zerstört werden kann? Nichts für temperamentvolle Köche.

Nein, nein, nein!

…das darf nicht passieren: Sardellen werden knapp! Es gibt Tierarten, um die wäre es schon aus Geschmacksgründen wirklich schade. Sollen meinetwegen irgendwelche Stinkkäfer oder Haarfrösche aussterben, aber doch nicht die kleinen salzigen Sardellchen!
Sonst gehts mir noch wie Fry in "A Fishful of Dollars":

Robot: "Yo, I haven’t got all day. What kinda pizza yous guys want?"
Fry: "Uh, yeah. We’ll have one with everything but anchovies and one with my all time favorite topping, anchovies."
Robot: "Invalid selection. Yo, whaddaya talkin about?"
Fry: "Anchovies! Y’know, those little headless fish."
Robot: "Does not compute. Does not compute." (explodes)
Professor: "I’m sorry Fry, but the anchovy has been extinct since the 2200s."
Fry: "What???"
Professor: "Oh my, yes. Fished to death. Just about the time your people arrived on earth, wasn’t it, Zoidberg?"
Zoidberg: "I’m not on trial here!"

Ach Gott, muss in die Küche, Sardellenpizza belegen…solang ich noch welche kriege!

Decline of A Nation: Miser, miser!

Jeder von Euch, der das Glück hatte, gymnasialen Englischunterricht erdulden zu dürfen ("Hello, boys and girls!") hat sicher früher oder später – wenn der Lehrer gut gelaunt war oder von eigenen Defiziten, z.B. bezüglich des Ti-Äitsch ablenken wollte – unter der Rubrik "Skurrile Briten" auch von der Regelung gehört, dass die die Themse bewohnenden Höckerschwäne traditionell der Queen gehören. Im 12. Jahrhundert hatte man noch einen anderen Appetit und verzehrte Schwäne gerne (ich erinnere an Carl Orffs Lied eines gebratenen Schwans, "Olim lacus colueram", ein Rezept findet sich hier), und dieses Privileg wollte die Königin sich erhalten. Nun haben sich die Geschmäcker geändert, und nur ab und zu gerät einer ins Schwitzen, der etwa – unabsichtlich! – beim Rudern auf dem Cherwell einen Schwan kunstfertig auf einen Streich versenkt (keine Namen!).

Nun hat ein Künstler – unter Todesdrohungen von Tierrechtlern, das ist auch wieder eine historische Besonderheit Großbritanniens – einen Schwan verspeist, um gegen die Monarchie zu protestieren. Dass das alles unter "weird" eingeordnet wird, ist schön und gut, aber der letzte Satz ist doch etwas zu kryptisch:

 "The bird he ate was found dead on a West Country farm. He was not arrested." 

Beim googeln findet man denn auch noch den fast noch seltsameren Fall eines Moslems, der schon am zweiten Morgen des Ramadan so ausgehungert war, dass er sich einen Schwan fing und briet. Logisch:

 “I am a Muslim, I am fasting, I needed to eat.”

Richtig skurril wird es dann, wenn man feststellt, dass das im Jahre 2006 passierte. Und dass der Gute dafür 2 Monate ins Gefängnis (!) wanderte…

Manche Lieder haben einfach Recht:

Hühnersuppe mit Reis kann man immer essen!

In January it’s so nice
While slipping on the sliding ice
To sip hot chicken soup with rice
Sipping once, sipping twice
Sipping chicken soup with rice

In August it will be so hot
I will become a cooking pot
Cooking soup of course-why not?
Cooking once, cooking twice
Cooking chicken soup with rice

In November’s gusty gale I will flop my flippy tail
And spout hot soup-I’ll be a whale!
Spouting once, spouting twice
Spouting chicken soup with rice

I told you once, I told you twice
All seasons of the year are nice
For eating chicken soup with rice

(Den ganzen Text findet ihr hier. Und: das hier gilt nicht als Hühnersuppe! Das da dagegen schon. Schlürf!)