Eine Sprache von Aussätzigen

“Zweisprachige Gymnasien: Französisch ja, Türkisch nein!” (taz)

Das verleiht Cohus Plänen, endlich mal Türkisch zu lernen, erneut Auftrieb.

Wenn man darauf achtet, fallen einem da ja viele Kleinigkeiten auf: An jedem Geldautomaten in Deutschland gibt es die alternativen Sprachoptionen “Französisch”, “Englisch”, “Italienisch” und manchmal noch “Spanisch”. Türkisch habe ich bis jetzt nur in einem Automatenmenü entdeckt, und das auch erst vor ein paar Wochen…genauso ist es bei fast allen Internetseiten, z.B. MVV, Bundesregierung. Und die Stadt München setzt noch eins drauf: auf ihrer Seite gibt es neben den üblichen Optionen noch Arabisch, Russisch, Chinesisch und Japanisch – kein Türkisch. Sogar die Seite über “Migration und Integration” gibt’s, soweit ich sehe, nur auf Deutsch.

Eine der wenigen Ausnahmen: für den Text über die Großmarkthalle München hat man sich eine türkische Übersetzung geleistet – Münih Hali. Damit der Türke gleich sieht, was er bei uns zu werden hat…

Blütensuche

…im botanischen Garten:

Traditionsbewusst

Jetzt hab ich mir gestern extra wegen dem KZ-Vergleich die Nockherberg-Fastenpredigt angeschaut, leider nur die Wiederholung. Und musste feststellen: Der BR  hat Lerchenbergs nachdenklich und sehr düster formulierte KZ-Bemerkung, die auf immer noch in der Gesellschaft vorhandene Wurzeln menschenverachtender Ideologie treffend hinweist, allen Ernstes einfach rausgeschnitten (und weil man grad schon am Schnittpult saß, auch noch eine unangemessen polizeikritische Stelle). Beim Staatsfernsehen ist man eben wirklich der Bewahrung alter Traditionen verpflichtet.*

Der Chef der SPD-Landtagsfraktion meinte zu Lerchenbergs Rücktritt übrigens:

“KZ-Vergleiche sind zum Glück nun einmal inakzeptabel, generell und für jeden.”

Generell und für jeden? Das dürfte die akademische Erforschung und pädagogische Vermittlung der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik ziemlich erschweren…

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“Die Isar entspringt im Karwendelgebirge”

Den Spruch mussten wir in der Grundschule immer klassenweise aufsagen; später im Gymnasium dann den Satz  “Le tarn, c’est une rivière” (in Niederbayern hat man weitestgehend die gleichen Lehrmethoden wie in der pakistanischen Madrasa). Leider habe ich aufgrund meiner ausgeprägten Gipfelunkenntnis keine Ahnung, was man da von meinem Lieblings-Isarbadeplatz aus so schön sieht, und ob es vielleicht passenderweise zum Karwendelgebirge gehört?

Beim Bestimmungsversuch habe ich aber Folgendes herausgefunden:

1. Hier gibt’s zahlreiche Alpenpanoramen, und zwar praktischerweise mit Beschriftung (im Bildfenster anklicken “Übersicht ein”, dann werden die Gipfelnamen eingeblendet): München 1, München 2, München 3.

2. Es gibt am Achensee einen Zweitausender namens Unnütz. Aber sind das nicht eigentlich alle Berge?

Kulturen

Oben: British Empire. Unten: Deutsche Kolonien

Der spärlichen Sammlung des Völkerkundemuseums merkt man schon ziemlich deutlich an, dass Deutschland es nie so richtig zur Kolonialmacht gebracht hat. Da haben es andere Länder irgendwie leichter.

Interessanter als viele Ausstellungsstücke wäre übrigens bei allen traditionellen “Völkerkunde”-Museen eine Kritik des ganzen Konzeptes: Warum eigentlich nur fremde Kulturen ausstellen, unter Auslassung unserer eigenen (wir haben keine Kultur, wie sind ja schon zivilisiert)? Warum die Obsession mit dem Primitiven und Ursprünglichen (wäre die zeitgenössische amerikanische Kultur nicht genauso spannend wie die der amerikanischen Ureinwohner: Ritual und Statushierarchie auf dem WalMart-Parkplatz)? Und vor allem: Woher kommt dieses ganze Zeug? Geklaut, abgeluchst, einfach mitgenommen, oder ganz redlich gekauft…die Geschichte wäre jedenfalls bei jedem Stück interessant.

Vom Konzept her hat das Ganze jedenfalls teilweise eine gewisse Ironie: die Ausstellungstexte sind merklich bemüht um politische Korrektheit, bei jedem Yamslöffel (oder was auch immer) wird der kulturelle Tiefgang herausgestellt, ganz klare Sache – diese Kulturen sind der unseren gleichwertig, oder eigentlich überlegen – aber dann stellt man in einem Eck Grabstelen aus Pakistan aus. Eine davon mit der (nebendran fein säuberlich übersetzten) Inschrift, dass dieses Grab und die Blumen darauf niemals jemand stören möge, es sei ein himmlisch-paradiesischer Platz des Friedens in alle Ewigkeit…

(Bilder: Wikimedia Commons)

Kabarest: In Bestform

“Der Seniorenteller dreht sich schon am Horizont. Die Haare werden lichter, die Weine schwerer, im Autoradio läuft plötzlich Bayern 1, und man hat es nicht mal bemerkt. Aber manchmal, wenn der Föhn am Fenster reißt, dann glüht wieder die Lava unter der Asche. Die Männer können noch schmelzen und die Frauen noch schwärmen. Wer nicht auf Feng Shui schwört, spielt jetzt noch einmal den Drachentöter auf dem Mountainbike. Denn zwischen fünfzig und sechzig wird es noch einmal richtig heiß und kalt – die „fliegende Hitze“ hat Mann und Frau voll erfasst.”

via Heppel & Ettlich im Drugstore | Feilitzschstraße 12 | München-Schwabing – *Premiere* Kabarest: In Bestform.

Das Kabarest-Trio (Cohu berichtete) hat ein neues Programm – diesmal geht es um’s Älterwerden. Wie gewohnt amüsant und charmant, wie Cohu, die natürlich der Premiere am Dienstag beiwohnte, bestätigen kann. Älter werden wir schließlich alle…hoffentlich bleiben wir dabei so gut gelaunt!

Zusätzlicher Bonus: das Heppel&Ettlich ist umgezogen ins Drugstore in der Feilitzstraße, ein Etablissement, das ich vorher noch nie betreten hatte. Zu Unrecht, wie sich herausstellt: es hat einen enormen, eigentlich (im besten Sinne!) vollständig unmünchnerischen Charme. Die siffigen Siebziger (oder gar Sechziger?) sind hier noch lebendig, und man sieht förmlich vor sich, wie in ein paar Jahren, wenn das Lokal “wiederentdeckt” und gründlich gentrifiziert wird, hier die JegginsträgerInnen und sonstigen Pete Dohertys der Stadt ihre Wodkas bestellen werden (weiß jetzt aktuell nicht, was die trinken, aber Wodka scheint mir plausibel). Lustigerweise äußerte ich diesen Gedanken schon am Dienstag, und zwei Tage später erklärt uns doch tatsächlich unsere weltgewandte Lieblings-SZ-enejournalistin (Stichwort: “In SoHo oder im Meatpacking District in Manhattan fing es einst genauso an…”)  in einem vielbeachteten Artikel:

“Denn dort, wo sich derzeit im Umkreis der Münchner Freiheit Dönerbuden, Boazn und Kleinkunstbühnen aneinanderreihen, dort, wo es derzeit etwas trostlos und schmuddelig aussieht, genau dort ist Platz für die Bohème des neuen Jahrzehnts.” (Requiem für das Glockenbachviertel)

Und ich hab da schon ein kleines Mineralwasser getrunken diese Woche! Cohu am Puls der Zeit!

Bild Dir Deine Meinung

Für Cohu sind die Zeiten der (angeleiteten) Bildung zwar hoffentlich endgültig vorbei, aber das hier hört sich trotzdem ganz interessant an:

“Wann ist Bildung gerecht und gut? Maßstäbe einer zukunftsfähigen Bildungspolitik”

Podiumsdiskussion

Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin Staatsminister a.D. / LMU-Pol.Theorie und Philosophie

Prof. Dr. Michael Kugler / LMU – Musikpädagogik

Prof. Dr. Hildegard Stumpf / KSFH München – Professorin für Soziale Arbeit

Moderation: Frau Dirscherl, Pressesprecherin der LMU

Donnerstag, 14. Januar 2010
18.15 – 19.45 Uhr
im Raum M 118 / Hgb. der LMU

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