“Die Isar entspringt im Karwendelgebirge”

Den Spruch mussten wir in der Grundschule immer klassenweise aufsagen; später im Gymnasium dann den Satz  “Le tarn, c’est une rivière” (in Niederbayern hat man weitestgehend die gleichen Lehrmethoden wie in der pakistanischen Madrasa). Leider habe ich aufgrund meiner ausgeprägten Gipfelunkenntnis keine Ahnung, was man da von meinem Lieblings-Isarbadeplatz aus so schön sieht, und ob es vielleicht passenderweise zum Karwendelgebirge gehört?

Beim Bestimmungsversuch habe ich aber Folgendes herausgefunden:

1. Hier gibt’s zahlreiche Alpenpanoramen, und zwar praktischerweise mit Beschriftung (im Bildfenster anklicken “Übersicht ein”, dann werden die Gipfelnamen eingeblendet): München 1, München 2, München 3.

2. Es gibt am Achensee einen Zweitausender namens Unnütz. Aber sind das nicht eigentlich alle Berge?

Kulturen

Oben: British Empire. Unten: Deutsche Kolonien

Der spärlichen Sammlung des Völkerkundemuseums merkt man schon ziemlich deutlich an, dass Deutschland es nie so richtig zur Kolonialmacht gebracht hat. Da haben es andere Länder irgendwie leichter.

Interessanter als viele Ausstellungsstücke wäre übrigens bei allen traditionellen “Völkerkunde”-Museen eine Kritik des ganzen Konzeptes: Warum eigentlich nur fremde Kulturen ausstellen, unter Auslassung unserer eigenen (wir haben keine Kultur, wie sind ja schon zivilisiert)? Warum die Obsession mit dem Primitiven und Ursprünglichen (wäre die zeitgenössische amerikanische Kultur nicht genauso spannend wie die der amerikanischen Ureinwohner: Ritual und Statushierarchie auf dem WalMart-Parkplatz)? Und vor allem: Woher kommt dieses ganze Zeug? Geklaut, abgeluchst, einfach mitgenommen, oder ganz redlich gekauft…die Geschichte wäre jedenfalls bei jedem Stück interessant.

Vom Konzept her hat das Ganze jedenfalls teilweise eine gewisse Ironie: die Ausstellungstexte sind merklich bemüht um politische Korrektheit, bei jedem Yamslöffel (oder was auch immer) wird der kulturelle Tiefgang herausgestellt, ganz klare Sache – diese Kulturen sind der unseren gleichwertig, oder eigentlich überlegen – aber dann stellt man in einem Eck Grabstelen aus Pakistan aus. Eine davon mit der (nebendran fein säuberlich übersetzten) Inschrift, dass dieses Grab und die Blumen darauf niemals jemand stören möge, es sei ein himmlisch-paradiesischer Platz des Friedens in alle Ewigkeit…

(Bilder: Wikimedia Commons)

Kabarest: In Bestform

“Der Seniorenteller dreht sich schon am Horizont. Die Haare werden lichter, die Weine schwerer, im Autoradio läuft plötzlich Bayern 1, und man hat es nicht mal bemerkt. Aber manchmal, wenn der Föhn am Fenster reißt, dann glüht wieder die Lava unter der Asche. Die Männer können noch schmelzen und die Frauen noch schwärmen. Wer nicht auf Feng Shui schwört, spielt jetzt noch einmal den Drachentöter auf dem Mountainbike. Denn zwischen fünfzig und sechzig wird es noch einmal richtig heiß und kalt – die „fliegende Hitze“ hat Mann und Frau voll erfasst.”

via Heppel & Ettlich im Drugstore | Feilitzschstraße 12 | München-Schwabing – *Premiere* Kabarest: In Bestform.

Das Kabarest-Trio (Cohu berichtete) hat ein neues Programm – diesmal geht es um’s Älterwerden. Wie gewohnt amüsant und charmant, wie Cohu, die natürlich der Premiere am Dienstag beiwohnte, bestätigen kann. Älter werden wir schließlich alle…hoffentlich bleiben wir dabei so gut gelaunt!

Zusätzlicher Bonus: das Heppel&Ettlich ist umgezogen ins Drugstore in der Feilitzstraße, ein Etablissement, das ich vorher noch nie betreten hatte. Zu Unrecht, wie sich herausstellt: es hat einen enormen, eigentlich (im besten Sinne!) vollständig unmünchnerischen Charme. Die siffigen Siebziger (oder gar Sechziger?) sind hier noch lebendig, und man sieht förmlich vor sich, wie in ein paar Jahren, wenn das Lokal “wiederentdeckt” und gründlich gentrifiziert wird, hier die JegginsträgerInnen und sonstigen Pete Dohertys der Stadt ihre Wodkas bestellen werden (weiß jetzt aktuell nicht, was die trinken, aber Wodka scheint mir plausibel). Lustigerweise äußerte ich diesen Gedanken schon am Dienstag, und zwei Tage später erklärt uns doch tatsächlich unsere weltgewandte Lieblings-SZ-enejournalistin (Stichwort: “In SoHo oder im Meatpacking District in Manhattan fing es einst genauso an…”)  in einem vielbeachteten Artikel:

“Denn dort, wo sich derzeit im Umkreis der Münchner Freiheit Dönerbuden, Boazn und Kleinkunstbühnen aneinanderreihen, dort, wo es derzeit etwas trostlos und schmuddelig aussieht, genau dort ist Platz für die Bohème des neuen Jahrzehnts.” (Requiem für das Glockenbachviertel)

Und ich hab da schon ein kleines Mineralwasser getrunken diese Woche! Cohu am Puls der Zeit!

Bild Dir Deine Meinung

Für Cohu sind die Zeiten der (angeleiteten) Bildung zwar hoffentlich endgültig vorbei, aber das hier hört sich trotzdem ganz interessant an:

“Wann ist Bildung gerecht und gut? Maßstäbe einer zukunftsfähigen Bildungspolitik”

Podiumsdiskussion

Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin Staatsminister a.D. / LMU-Pol.Theorie und Philosophie

Prof. Dr. Michael Kugler / LMU – Musikpädagogik

Prof. Dr. Hildegard Stumpf / KSFH München – Professorin für Soziale Arbeit

Moderation: Frau Dirscherl, Pressesprecherin der LMU

Donnerstag, 14. Januar 2010
18.15 – 19.45 Uhr
im Raum M 118 / Hgb. der LMU

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Mangelwirtschaft

Backspielhaus an der Ludwigstraße: schon zu. Backspielhaus Glückstraße: dito. Konditorei Erbshäuser: nix. Café Luidpold: erst nächsten Dienstag. Café Kreutzkamm: nix. Manufaktum-Bäcker: erwartungsgemäß nix. Dallmayr-Bäcker: alles weg.

Erst beim Rischart am Marienplatz Krapfen gefunden, “mit roter Marmelade” (Auwehzwick!). Ich habe langsam den Eindruck, bei Krapfen herrschen nicht die heilsbringenden Gesetze des Freien Marktes, sondern fehlgeschlagene Planwirtschaft. Krapfensozialismus. Deshalb heißen die ja auch Berliner!

Wer braucht schon Luca…

…wenn er Jamuna haben kann?

Was man leicht vergisst…

…die Berge sind größer als die Kirchen. Frech und schamlos…

…überragen sie die Frauenkirche. Ja, sie sind sogar…

…größer als der Bayerische Rundfunk! Das nächste Mal: Größenvergleich mit der Nymphenburgerstr. 64.

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Zu heiß gebadet

So muss man es machen:

Wobei der (abgesehen vom Badeanzug) nackte Affe dabei  – neben den Massagedüsen und der Option des danach Abtrocknens und Fönens – noch einen weiteren Vorteil hat: Unterhaltung durch Mitbadende.

Hierzu trägt im Außenbecken des von Cohu bevorzugten M-Bads vor allem eine gesprächige Dame bei – ein bis hin zur perfekt coiffierten Frisur vollständig dem kulturellen Archteyp entsprechendes Schwiegermonster, das seine ZuhörerInnen Tag um Tag mit haarsträubenden Geschichten aus dem Schwiegeruniversium unterhält. Die Badehauben-Matriarchin stürzt sich am liebsten auf Dr. ***, seines Zeichens Mediziner a.D., wortkarg und immer auf der Flucht vor den lautstarken Monologen, aber leider nicht mehr ganz so gelenkig. Daher muss er sich einiges anhören, und so auch die anderen Badegäste. Hauptfiguren in der Fortsetzungsserie: der Sohnemann (schwerarbeitend, rückenleidend), eine nichtsnutzige Schwiegertochter, sowie “das Kind”, ein frischgeschlüpfter Säugling. In der letzten Folge wollte das selbstlose Schwiegermonster an einem Mittwoch sein Enkelkind besuchen. Schwiegertochter war mit einer Freundin verabredet und schlug den Donnerstag vor. Hell hath no fury like a woman scorned! – denn schließlich hätte die Nichtsnutzin ja wohl einmal ihrer Freundin absagen können, wenn ihre Schwiegermutter den Enkel zu sehen wünscht, worauf sie ja wohl einen Anspruch habe! Dr. *** schaute ob dieser Pointe etwas verwirrt und floh schnell unter die schallschluckenden Wasserfalldüsen. Die gestrige Folge war noch packender: das Schwiegermonster beschrieb eine Szene aus dem dysfunktionalen Haushalt des Sohnes. Dieser kommt nach Hause und findet seine Frau “das Kind” stillend vor. Nun muss er – er, der Rückenleidende! – seiner Frau einen Tee und danach sogar noch eine Kartoffelsuppe kochen. Kein Wunder, so das Schwiegermonster, dass er bei dieser eklatanten Überforderung Rückenschmerzen bekommt! Dr.*** müsse sich den Sohn einmal ansehen, sie werde ihn vorbeischicken. Sie habe ihn ja schon oft ins Bad mitnehmen wollen, aber er habe ja nie Zeit.  Überhaupt: mit “dem Kind” werde ins Schwimmbad gegangen zu einem “Baby-Wellness”-Kurs, nicht aber mit dessen Vater, der Wellness ja weitaus nötiger habe! Cliffhanger: Dr. *** gelingt es mit letzter Kraft, unter einem fadenscheinigen Vorwand dem Schwiegermonster zu entkommen…bis zur nächsten Folge, in Ihrem M-Bad.

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Sexy Sendling

Das Viertel mit so pittoresken urbanen Schmuckstücken wie dem Luise-Kiesselbach-Platz (momentan besonders sehenswert!) ist nämlich in den “Top-Ten-Wohnvierteln der Trendsetter” auf Platz eins. Dahinter dann:

2. Au-Haidhausen; 3.Ludwigvorstadt-Isarvorstadt; 4. Altstadt-Lehel; 5. Schwanthalerhöhe; 6.Neuhausen-Nymphenburg; 7. Schwabing-West; 8. Schwabing-Freimann; 9. Untergiesing-Harlaching.

Und, auf Platz 10 – jetzt kommts-: Berg am Laim. Das lockt nämlich Künstler, Kreative und Gutverdiener”. Es wundert mich gar nicht, dass die Maxvorstadt in dem Trendsetter-Ranking überhaupt nicht vorkommt. Schließlich schlurfe ich hier Tag für Tag missmutig durch die Gegend. So eine Cohu kann ein Viertel ganz schön runterziehen!

November

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