Ceci n’est pas un corbeau

Schaufensterdeko beim Suckfüll in der Türkenstraße ("Merke: Wir führen alles was Sie brauchen; was wir nicht führen brauchen Sie auch nicht !"):

"Künstlicher Rabe zur Taubenabwehr, € 26,70, mit 17% Mwst."

 Also, dass man den modernen Großstadtmenschen für der Natur schon derart enfremdet hält, dass es bei einer derart behelfsmäßigen Attrappe des Zusatzes "künstlich" bedarf, ist doch verwunderlich. Ich vermute zudem, dass man den lustigen und preiswerten Gesellen noch für viele andere Dinge verwenden kann als nur für Taubenabwehr (gibt es corvidae-Fetischisten? Oder vielleicht sogar corvidae-Attrappen-Fetischisten? In einer überbordenden Metropole wie München doch sicher!). Als ehemalige Ornithologin muss ich zusätzlich anmerken: wenn das irgendwas nachahmt, dann sicher keinen Raben, sondern eine Krähe, und zwar eine Rabenkrähe. Tsk!
(Was man aber echt mal bräuchte: eine künstliche Plastik-Studentin, die man in Uniseminare setzen kann. Jetzt für niemanden bestimmten. Aber lebensecht müsste sie schon sein.)

Bunnyhill – Wem gehört der Park?

Nein, es geht jetzt sicher nicht um verschwurbelte Kunstprojekte, sondern um den Olympiaberg, an dessen Steilhängen man momentan allabendlich Karnickel und vor allem ihre wahnsinnig drolligen, eben aus den Höhlen spitzenden Jungtiere beobachten kann. Wenn ich auch nur einen Funken fotografisches Talent bzw. zumindest einen Fotoapparat hätte, würde ich Euch hier diese pelzigen Beweise cuninculärer Fruchtbarkeit ausführlich in bildlicher Form vorstellen, aber für das stimmungsvolle Porträtieren kleiner Tierchen sind andere zuständig!
Beeindruckend an den Kaninchen ist nicht nur ihr Wohlgeschmack, sondern auch ihre Fähigkeit, mehrere Würfe von Kaninchenwelpen sozusagen zeitversetzt in ihrer Doppel-Gebärmutter heranreifen zu lassen. Wie schade, dass jedoch sogar im Olympiapark diese Keimzellen der Gesellschaft alljährlich von einem mit zähen Netzen ausgestattetem Großstadtjäger und seinem fiesen Frettchen dezimiert werden. So bedrängt man von staatlicher Seite jetzt auch noch die letzten, die sich ohne Androhung von Vätermonaten fortpflanzen!

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Kneipenkrise

In Uninähe haben ja in letzter Zeit diverse alte Kneipen und Restaurants geschlossen bzw. bis zur Unkenntlichkeit renoviert (ich sag nur Café Schneller: autsch!). Ich finde das allerdings nicht ganz so schlimm bzw. bedenklich wie manch  anderer. Jaja, das La Bohème war schon nett. Aber: das Essen war schlicht ungenießbar. Und ich bin nicht besonders anspruchsvoll. Die Engelsburg? Ja, toll, dass man so ein richtiges Wirtshaus, mit Grattlern und allem Drum und Dran, in der Nachbarschaft hat, aber – mal ehrlich – ich sitz ungern neben Hardcore-Alkoholikern, die Rothändle ohne Filter rauchen und einen dazu passenden rasselnden Husten haben, auch, wenn sie ein großartiges Münchnerisch reden und Mutterwitz haben und Karteln und drollige Sachen wie Eier im Glas und saures Lüngerl essen. Sorry. Es gibt schon Gründe, warum Lokale schließen. Wenns nach mir ginge, dürften auch noch ein paar andere Lokale schließen bzw. neue Pächter bekommen, so z.B. der Simpl (eigentlich meine Lieblingskneipe!), wo man inzwischen zu zweit keinen Dreiertisch mehr besetzen darf und mit ungenießbaren Sachen zu überteuerten Preisen abgespeist wird (bester Kommentar zu Nudeln, die offensichtlich viel zu lange in der Mikro und steinhart waren: "Das servieren wir aber immer so!").
Was diese ganzen neuen Lokale angeht: klar, das Riviera schaut schrecklich aus, genauso wie dieses g’schleckte neue Bistro Adalbert Ecke Ludwig. Geht gar nicht. Cream und Café Schneller sind die abschreckenden Beispiele der Amalienstraße. Aber irgendwann wird auch mal ein schönes Lokal aufmachen an der Uni, und vielleicht auch mal ein neuer Kiosk, an dem man Leberkassemmeln kaufen kann bis tief in die Nacht. Vertrauen wir auch diesmal wieder auf den freien Markt!
(Mir fällt jetzt nur ein Beispiel ein, das wirklich Mut macht in Uni-Nähe: Henkelmann in der Amalien, ein großartiger Imbiss, Ihr werdet einmal dort essen und nie wieder wo anders! Wie bei meiner verstorbenen böhmischen Großmutter!)
Und wenn es schon so lokalpatriotisch à la "Mein Viertel" zugehen muss: das Viertel heißt Maxvorstadt. Bitte.

Dunkle Vorahnung

Ich glaube, da wird im Hause cohu bald ein neues Billy-Regal gebraucht: The Munich Readery öffnet im Februar

Partizipation

…um mal ein anderes schönes Fremdwort zu verwenden. Gestern also Bürgerversammlung meines Stadtbezirks. Zuallererst: ich hab vorher mal vorsorglich Giana Sisters auf meinem Handy installiert. War aber gar nicht nötig. Zunächst gab es einen Polizeibericht der Polizeiinspektion 12: beim Ludwig-/Leopoldstr.-Schwerpunkteinsatz im Sommer wurden 200
Rotlicht-Radler (!) und 1100 andere Verstöße festgestellt. Im Frühjahr ist aufgrund der großen Nachfrage eine weitere Schwerpunktaktion geplant. Nach der offenen Drogenszene (“Haben wir nicht und bekommen wir auch nicht!”) kam der Polizist zum Tagesordnungspunkt “spektakuläre Ereignisse”, womit zeitgleich die Stadtbezirks-Karte von der hinter ihm stehenden Tafel fiel. Dies bezeichnete der PHK, einer spontanen Eingebung folgend, als das zweifellos spektakulärste Ereignis unseres Bezirks im Jahr 2005, ansonsten sei das Hauptproblem “Parkdruck”.

Kommen wir zum Antragsteller Gerhard M., wohnhaft Hessstraße, zweifellos ein Anhänger eines Münchner Zweitligisten, der fünf Anträge und eine Anfrage einbrachte. Zunächst stellte der Herr M. fest, die Beschilderung der U-Bahn in der Theresienstraße sei unzureichend, was zur Folge hätte, das ihm als unbescholtenem Bürger im Zwischengeschoß immer wieder die Frage nach dem Weg zu den Pinakotheken gestellt werde, von Menschen, die “kaum deutsch oder überhaupt kaum sprechen” könnten. Eine “Weltstadt mit Herz”, so Herr M., habe dies doch nicht nötig. Nach diversen anderen Anträgen (Bieseln am Alten Nordfriedhof, verschwundene Container am Maßmannpark, etc.) wies Herr M. unter Bezugnahme auf die Schwerpunkteinsätze der Polizei im Sommer darauf hin, er habe im Sommer, vor dem Lokal “Kupferglocke” sitzend, in einer Stunde 37 (!) Radler auf dem Bürgersteig der Theresienstraße vollkommen verkehrswidrig vorbeifahren sehen. Herr M. regte an, die Theresienstraße polizeilich “unter die Lupe zu nehmen.”

Daraufhin kam es von Seiten der Antragstellerin G., wohnhaft Theresienstraße, fast zum Straßenkampf. Das eigentliche Problem sei die noch nicht gelungene Umsetzung des “holländischen Modells” (keine Ahnung, aber hört sich geil an,
oder?) in unserem Bezirk. Überhaupt sei eine Freigabe der Theresien Höhe Schleißheimer für das Fahrrad in beide Richtungen zu erwägen. Dreisterweise stellte die G. dann sogar noch den Antrag, Höhe Theresien 93, einen
“Fahrradparkplatz” einzurichten, wofür Herr M. natürlich nur ein mattes Lächeln übrig hatte.

Nachdem von unserer bekanntermaßen einseitig fahrradfreundlichen Stadtverwaltung der Radlparkplatz bewilligt worden war, meldete sich auch noch ein Herr aus der Kaulbachstraße. “Von der CSU,” so der engagierte Bürger, stünden “immer noch die Plakate herum”, so dass er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit “den Singhammer” ertragen müsse. Nach der Antragstellung wies der Bürger auch auf die Möglichkeit zur Selbsthilfe hin, er habe “einen Seitenschneider zuhause”, den er auch einzusetzen drohe, “wenn das nicht bald erledigt wird.” Auch sei die Sperrung am amerikanischen Generalkonsulat insofern inkonsistent, als man von der Schönfeldstraße “leicht mal eine Bombe hineinwerfen” könne, während die Königinstraße unsinnigerweise weiträumig abgesperrt sei. Die
Moderatorin Lindner-Schädlich wies in beiden Fällen pflichtgemäß auf die Strafbarkeit hin. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, für die Simpsonsfans unter uns, eine Mitbürgerin, die mehrmals dazu aufforderte (in Anbetracht von Fußgängerüberwegen, Ampelschaltungen und Einbahnstraßenregelungen) “auch mal andie Kinder zu denken, kann mal jemand an die Kinder denken?”
Axel “Unser Bua” Berg und Lucki Spänchen kamen übrigens nicht zu Wort, dafür aber die sog. “Kinder- und Baumschutzbeauftragte des Bezirksausschusses Maxvorstadt: Soviel für heute aus dem Bezirk 3.

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Die spinnen doch!

Allgemein gültiges Naturgesetz: Säugetiere, abgesehen vom Flusspferd, bewegen sich im Wasser entweder schwimmend fort oder gehen unter. Im Nordbad wird dieses Gesetz ja gerne außer Kraft gesetzt. Schon beim Aqua-Jogging fragt sich der Schwimmer: wie weit kann ein Mensch sinken? Also rein metaphorisch, denn mit so einem Schaumstoffgürtel kriegt man die größte Wohlstandswampe nicht weit unter die Oberfläche.  Jetzt wird aber sogar noch sog. Aqua-Spinning betrieben. Das ist, soweit ich es verstanden habe, Fahrradfahren unter Wasser. Wer sich jetzt in Anbetracht der Abbildung schon freut: “Ui, Bikinichicks, die selbst mir nicht davonschwimmen können!” sei gewarnt: die TeilnehmerInnen der Kurse im Nordbad sehen normalerweise anders aus. Freue mich schon auf das Unter-Wasser-Panorama der spinnenden Grazien!

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Morgens, halb 9, im Nordbad

Als ich heute gemütlich meine Bahnen im Nordbad zog (die Anzahl der pro Wendemanöver versenkten Rentner notiere ich mir auf einer kleinen Strichliste am Beckenrand) trottete unser geschätzter Bürgermeister Ude am Becken entlang – weißer Frottee, vollkommen unauffällig! Einige Striche später ging ich zum Dampfbad, wo Ude – dessen Haut- sich nun der Parteifarbe angeglichen hatte – sich gerade wieder einwickelte. Konnte einen Blick auf den Bauch des Stadtoberen ergattern: ein Territorium, das sicher noch kein Dr.Mang gesehen hat! Hosen in dezentem Dunkelgrau (Nadelstreifen? So genau wollte ich aus Respekt vor der Autorität nicht hinsehen). Der muss jetzt leider sein: Normalerweise ist es im Becken ja eher eine schlechte Nachricht, wenn es heißt: “Schau, da schwimmt ein OB!” Heute nicht.

Follow Up: Herr B. sucht ein Zuhause

… gerade erreicht mich die Nachricht, dass Herr B. ein Zuhause gefunden
hat, das zwar vielleicht nicht allen seinen

Kriterien
entspricht, aber immerhin wohnt die "Miss Käferzelt" in der
Nähe…

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Onkel Fritz

Nachdem unser Mann in Casablanca ja letzte Woche seine WG-erfahrene und berühmte Verwandtschaft
so überschwänglich gelobt hat (siehe Kommentare), muss ich jetzt schon mal fragen: Ist das ein Verwandter, der da am Sonntag in meinem Wahlkreis antritt und “unserem Axel” das Direktmandat entreißen will?

Übrigens: einen – nicht nur inhaltlich – äußerst erheiternden Artikel über die Flügelkämpfe innerhalb der München-WASG findet ihr hier. Anscheinend ist Fritz einigen in der “Linken” nämlich nicht links genug, kurz, ein “Sozi”! Ganz im Gegensatz zu Max Brym, der um den Listenplatz mit ihm konkurrierte (der ist nämlich, Zitat, ein “Chaot” und “Putschist”)

“Der Beitrag von Fritz Schmalzbauer war was die rhetorische Begabung betrifft mit Max Brym auf Augenhöhe. Inhaltlich traten jedoch für den Zuhörer deutliche Unterschiede zu tage Schmalzbauer erklärte er sei auch für den „Demokratischen Sozialismus“ man müsse aber vorher im Parlament arbeiten. Als wichtiges Vorbild diene ihm Willy Brandt.

Daraufhin meinte Brym:“ Wenns hier schon um Vorbilder geht, dann halte ich mehr von Rosa Luxemburg“ Auf die Frage was das heißt, meinte Brym: „Rosa hat jede Menge wertvolle Schriften hinterlassen und wurde als Revolutionärin ermordet. Willy Brand hingegen hinterließ nur die Berufsverbote, seine Memoiren und eine Witwe, die ziemlich weit rechts steht.“

An dieser Stelle verlor Schmalzbauer fast die Beherrschung. (…)”

Der Münchner Schorsch

Mein Nachbar, einigen von Euch, die mich schon mal besucht haben, vielleicht als “Blockwart” bekannt (nicht zu verwechseln mit dem Blogwart), hat die Angewohnheit, sich von seinem Balkon aus bzw. im Hof lautstark mit anderen Nachbarn zu unterhalten. Na ja, eigentlich nur mit Nachbarinnen, und zwar den unter-30-jährigen. Unterhalten im Sinne von Monologisieren.
Mich weist er jedes mal, wenn er mich bei den Briefkästen trifft, darauf hin: “Der Postler war schon da! Hast sicher wieder Liebesbriefe kriegt, Madele!”. Meine Nachbarin durfte sich gerade auch wieder einen Sermon anhören über die Gefahren des Rauchens (“I hab zehn Autos g’habt, und in keinem is g’raucht worden, des geht ja ned, in am g’schlossnem Raum”), die Unfähigkeit der Frauen – im Bezug auf die Pflege von Balkonblumen (“I hab ja die Geranien, aus Spanien, haha, naa, und hast Du dein vertrocknets Zeigl jetz weggschmissn? Wo hastes na hintan?”)  und das Kochen (“Wenn ich a Frau hätt, dann tät ich kochen und sie bräucht nur abspülen! Heut gibts wieder ein Bohnengemüse, was ganz was Feins!”). Also, ein echtes Original, wie aus den Münchner Gschichten. Was ich am lustigsten finde: er bezeichnet sich selbst als “Münchner Schorsch” und verwendet wunderbare Idiome wie “Jaa, mit dem Lungenkrebs, da hast dann an Dreck im Schachterl”.
Zudem wird jeder der drolligen Monologe mit einem versöhnlichen Hinweis abgeschlossen: “Naa, du brauchst ned sterben, du bist ja a ganz a Hübsche. Du stirbst noch nicht!” – oder nach einer langen Erzählung über seine Augenoperation: “Aber jetzt siag i wieder, fümfazwanzg Prozent mehr als vorher, jetzt siag i’s wieder alle, die hübschen jungen Madln!”. Reizend!

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