Partizipation

…um mal ein anderes schönes Fremdwort zu verwenden. Gestern also Bürgerversammlung meines Stadtbezirks. Zuallererst: ich hab vorher mal vorsorglich Giana Sisters auf meinem Handy installiert. War aber gar nicht nötig. Zunächst gab es einen Polizeibericht der Polizeiinspektion 12: beim Ludwig-/Leopoldstr.-Schwerpunkteinsatz im Sommer wurden 200
Rotlicht-Radler (!) und 1100 andere Verstöße festgestellt. Im Frühjahr ist aufgrund der großen Nachfrage eine weitere Schwerpunktaktion geplant. Nach der offenen Drogenszene (“Haben wir nicht und bekommen wir auch nicht!”) kam der Polizist zum Tagesordnungspunkt “spektakuläre Ereignisse”, womit zeitgleich die Stadtbezirks-Karte von der hinter ihm stehenden Tafel fiel. Dies bezeichnete der PHK, einer spontanen Eingebung folgend, als das zweifellos spektakulärste Ereignis unseres Bezirks im Jahr 2005, ansonsten sei das Hauptproblem “Parkdruck”.

Kommen wir zum Antragsteller Gerhard M., wohnhaft Hessstraße, zweifellos ein Anhänger eines Münchner Zweitligisten, der fünf Anträge und eine Anfrage einbrachte. Zunächst stellte der Herr M. fest, die Beschilderung der U-Bahn in der Theresienstraße sei unzureichend, was zur Folge hätte, das ihm als unbescholtenem Bürger im Zwischengeschoß immer wieder die Frage nach dem Weg zu den Pinakotheken gestellt werde, von Menschen, die “kaum deutsch oder überhaupt kaum sprechen” könnten. Eine “Weltstadt mit Herz”, so Herr M., habe dies doch nicht nötig. Nach diversen anderen Anträgen (Bieseln am Alten Nordfriedhof, verschwundene Container am Maßmannpark, etc.) wies Herr M. unter Bezugnahme auf die Schwerpunkteinsätze der Polizei im Sommer darauf hin, er habe im Sommer, vor dem Lokal “Kupferglocke” sitzend, in einer Stunde 37 (!) Radler auf dem Bürgersteig der Theresienstraße vollkommen verkehrswidrig vorbeifahren sehen. Herr M. regte an, die Theresienstraße polizeilich “unter die Lupe zu nehmen.”

Daraufhin kam es von Seiten der Antragstellerin G., wohnhaft Theresienstraße, fast zum Straßenkampf. Das eigentliche Problem sei die noch nicht gelungene Umsetzung des “holländischen Modells” (keine Ahnung, aber hört sich geil an,
oder?) in unserem Bezirk. Überhaupt sei eine Freigabe der Theresien Höhe Schleißheimer für das Fahrrad in beide Richtungen zu erwägen. Dreisterweise stellte die G. dann sogar noch den Antrag, Höhe Theresien 93, einen
“Fahrradparkplatz” einzurichten, wofür Herr M. natürlich nur ein mattes Lächeln übrig hatte.

Nachdem von unserer bekanntermaßen einseitig fahrradfreundlichen Stadtverwaltung der Radlparkplatz bewilligt worden war, meldete sich auch noch ein Herr aus der Kaulbachstraße. “Von der CSU,” so der engagierte Bürger, stünden “immer noch die Plakate herum”, so dass er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit “den Singhammer” ertragen müsse. Nach der Antragstellung wies der Bürger auch auf die Möglichkeit zur Selbsthilfe hin, er habe “einen Seitenschneider zuhause”, den er auch einzusetzen drohe, “wenn das nicht bald erledigt wird.” Auch sei die Sperrung am amerikanischen Generalkonsulat insofern inkonsistent, als man von der Schönfeldstraße “leicht mal eine Bombe hineinwerfen” könne, während die Königinstraße unsinnigerweise weiträumig abgesperrt sei. Die
Moderatorin Lindner-Schädlich wies in beiden Fällen pflichtgemäß auf die Strafbarkeit hin. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, für die Simpsonsfans unter uns, eine Mitbürgerin, die mehrmals dazu aufforderte (in Anbetracht von Fußgängerüberwegen, Ampelschaltungen und Einbahnstraßenregelungen) “auch mal andie Kinder zu denken, kann mal jemand an die Kinder denken?”
Axel “Unser Bua” Berg und Lucki Spänchen kamen übrigens nicht zu Wort, dafür aber die sog. “Kinder- und Baumschutzbeauftragte des Bezirksausschusses Maxvorstadt: Soviel für heute aus dem Bezirk 3.

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