Et Tu, Felix

Was sehen meine armen, Keratoconjunctivitis sicca-geschundenen Augen? Das kann, das darf nicht wahr sein. Im Felix nebenan reißen sie die gesamte Inneneinrichtung raus, samt beleuchteter Poser-Flaschensammlung und Edelstahl-Küchengewächsen. Das Lokal wird wohl gerade geschlossen, für einen “Relaunch” wäre es doch wohl etwas zu früh? (Anders beim ehemaligen Odeon, da hat jetzt von einer Woche auf die andere ein hart an der Peinlichkeitsgrenze vorbeischrammender Thai-Trend-Schuppen aufgemacht. Aber so ein zackiger Relaunch geht nur via Koksskandal, im Felix natürlich ausgeschlossen!).
Ja, also, bitteres Schicksal Schließung, um Gottes willen! Wo soll Cohu jetzt in Zukunft hingehen, wenn sie unweigerlich an “trendige Lokale von New York oder London” erinnert werden will? Wo soll man in Zukunft, ob der fuseligen Cocktails, Kuba weinen sehen, und das für 18 Euro? Wo werden mich meine Schritte hinführen, wenn ich mich nach dem penetranten Duft alten Frittierfetts und den Polohemden der Jeunesse Dorée sehne? Wo werde ich hier überhaupt noch die Möglichkeit haben, richtige Schlägereien auf- und neben dem Bürgersteig zu bewundern – mitten in der Maxvorstadt? Und das Grölen und Pöbeln, wie es so sanft in meinen Hinterhof dringt, der Nachtigallenschlag der Großstadt – wenn er verstummt, was soll mich denn dann in den Schlaf wiegen?
Mal sehen, was da als nächstes aufmacht. Wobei man sagen muss, zur Rückbesinnung auf überkommene Werte: auch das gute alte Sausalitos von gegenüber hat einiges zu bieten. (Das ist sozusagen ein McCocktail, für die Leser, deren Kleinstadt bis jetzt vom gutartigen Geschwür dieser Texmex-Kette verschont geblieben ist). Aber lest selbst:

Eine Bar ist nicht genug? OK – denn wir haben zwei!
Beide randvoll mit allem für Deinen Hals. In der Türkenstrasse 50, dem Herzen Schwabings.

Den Rhythmus bestimmen wir. Hier wird literweise Adrenalin gepumpt. Hier brennt die Luft. Die Kontaktzone für Körper und Seele. Die Nightlife-Location  – mit Cocktail-Terrasse im Innenhof!

Hier ist die Szene Schwabings. Die echte Attraktion.
Im SAUSALITOS Münschen/Schwabing sind alle Willkommen.
Wenn sie frisch sind. Und feiern können. Und auf das Besondere stehen.

Your place to be!

Das Robbenrätsel

Hohenzollern-Ecke Hiltenspergerstraße steht auf einem Flecken etwas heruntergekommener Grünanlage dieser Brunnen, der ein Mädchen darstellt, das seltsamerweise eine Robbe auf der Schulter trägt. Um das Rätsel um den Seehund (ist ja doch ein eher ungewöhnliches Motiv) aufzuklären, bin ich natürlich sofort zur unvergleichlichen Seite "München und seine Springbrunnen" gesurft, und habe das gute Stück auch gefunden, leider stehen da – bis auf den Künstler – auch nicht mehr Infos. Ferdinand Liebermann war anscheinend ein Nazi, aber warum er dem Mädel diesen verdammten Flossenfüßler auf die Schulter setzt, bleibt ungeklärt. Eine Hommage an das erfolgreiche Nazi-Zwerg-U-Boot "Seehund"?. Ein nicht minder verwirrende Deutung des Seehunds als Symbol bietet das Online-Traumlexikon.
Noch eine rätselhafte Pinnipede findet sich außerdem am Hinterausgang des LMU-Hauptgebäudes: auf Augenhöhe (ja, lacht nur, für Cohu ist es Augenhöhe!) finden wir auf einer Seite der Tür eine Eule (logisch, Weisheit und so), auf der anderen jedoch ein gut als solches identifizierbares Walroß. Was soll das denn bitte? Die einzige Referenz, die mir zu Walrössern einfällt, ist die hier, aber was in aller Welt hat das mit der Uni zu tun? Es sei denn, man stellt sich die Austern als Studenten vor. Mahlzeit!

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Unterirdisch

Die Münchner U-Bahn-Stationen sind ja schon mal nicht schlecht (zu bewundern sind sie auf FloSchs feiner U-Bahn-Seite). Cohus Lieblingsstation ist "Josephsburg," auch, wenn es außer dem U-Station leider nicht viele Gründe gibt, in Berg-am-Laim auszusteigen. Aber: noch viel coolere U-Bahnhöfe (bzw. Tunnelbana-Höfe) gibts in Stockholm. Müsste eigentlich auch noch viel Geld sparen, so zu bauen, oder?
Überhaupt, was moderne Gestaltung angeht: der Lokal-Kulturteil der SZ war heute überschrieben mit "MÜNCHNR KULTUR". Ich schwanke noch zwischen der Interpretation "gewohnheitsmäßige Schlamperei" und der Auslegung, dass die SZ-Redakteure jetzt auch versuchen, auf den Web 2.0-Zug aufzuspringen.

Verfressen

Nach Cohus gestrigem Besuch im Asia-Feinkostladen Van Hoi steht das Wochenende kulinarisch im Zeichen von, äh, Ost-Asien. Gestern gabs Sushi, ganz fein mit Limetten-Chili-Thunfischcreme und welche mit California-Füllung (eigentlich Gurken-Avocado-Surimi). Das Surimi hab ich durch Krabben ersetzt, da mir diese Staberl nicht ganz koscher vorkamen (dabei ist, buchstäblich gesprochen, genau das Gegenteil der Fall!).
Allerdings hab ich aus Versehen koreanisches statt japanisches Nori erwischt (YangBan Seasoned Seaweed), wohl weil mich die Werbeaufschrift "Grown on underwater rocks!" sowie die überschwängliche Jodwarnung so beeindruckt haben: nicht mehr als ein Blatt soll man am Tag davon essen, äh, hätte man davon essen sollen. Zu spät. Aber mit meiner Jod-Überdosis bin ich jetzt zumindest ein paar Tage vor einem Unfall im Isar II geschützt! GAU, du kannst kommen. Und überhaupt: das koreanische Algenzeugs fand ich viel besser als das gewohnte japanische, weil es richtig dünn, fast durchsichtig, und schön würzig war. Heute gabs dann japanische Udon-Nudeln (Sanuki, sehr dicke, weiche, Weizennudeln) in einer feinen Hühnersuppe.

Van Hoi am Hohenzollernplatz (oder auch in der Augustenstr.) ist übrigens sehr zu empfehlen – richtig groß, sauber, mit riesigem Tiefkühlsortiment und begehbarem Kühlraum (da gibts auch die frischen Udon-Nudeln) und auch sonstigem Asiazubehör wie Kocher, Geschirr, etc. Allein das Betrachten von getrockneten Tintenfischen, Shrimps-Glibber in Gläsern und Lychee-Schleim-Dessert in kleinen Plastiktütchen ist, wenn auch nicht notwendigerweise appetitanregend, so doch eine kulturelle Erfahrung, die baldigst in Angriff zu nehmen Euch Cohu empfiehlt.
P.S.: Wasabi-Erbsen nicht vergessen! Die sind inzwischen ja so in, dass sich, so vermutet Cohu, die gesamte Vanity-Fair Redaktion tagelang nur von ihnen und Bionade ernährt.

Gwissenswurm, beispielsmäßig

Obwohl ich kein Faschingsmensch bin: ich hab eigentlich grundsätzlich nix gegen Verkleiden, grottige Musik, grelle Farben und großen Radau. Und deshalb war Cohu – wenn sie diese Saison schon zum schätzungsweise 27en Mal den Biedersteinerfasching verpasst – gestern zumindest im "Gwissenswurm" im Resi. Dieses schöne Stück von Ludwig Anzengruber (O-Text gibt’s hier) wurde vom berüchtigten Franz "Schimmerlos" Kroetz zu einem sog. Bauernmusical umgewandelt (Premiere war Ende Januar). Cohus Urteil: großartiger, origineller und originaler, unlangweiliger, pornografischer, blasphemischer, kopfloser, kraftvoller Spaß und Schmarrn! Allein die Bühne (siehe Fotos) wäre Grund genug, sich das Stück anzusehen. Genauso die geniale Bühnenmusik von Rudolf Gregor Knabl. Die Schauspieler durchgehend überzeugend, besonders das Volksschauspieler-Urgestein Gutmann/Kleinheinz in den Hauptrollen. Ein bisserl störend war, dass der  Knecht (Marcus Calvin) den Dialekt (eine Art "künstliches Tirolerisch", schon bei Anzengruber so angelegt) nicht sooo überzeugend hingekriegt hat. Aber aufgrund der zahlreichen Musical-Einlagen und des abstrus-grell-comicmäßigen Bühnenbildes fiel das gar nicht so auf. Mag sein, dass die schon bei Anzengruber angelegte und bei Kroetz zum fulminanten Ausbruch kommende Religionskritik Cohu milde gestimmt hat (Cohu berichtete), aber auch ohne Riesenpappjesus und Gesundbeten hätte mir das alles gut gefallen. Nicht so einigen Empörten, die vor dem Schlussapplaus zur Tür liefen, weil es ihnen dann doch zu viel war – arme, gebeutelte Mitte!

Fast genausoviel Spaß hatte ich dann nachträglich auch an der Lektüre der Kritiken – der BR fragt sich, ob eine "derartige Neuinszenierung wirklich notwendig" war. Cohu kann dies reinen Gewissens mit "Nein" beantworten. Neuinszenierungen sind nie notwendig, schon das Schreiben von Theaterstücken ist ziemlich überflüssig, und das von Theaterkritiken gleich dreimal. Die Frage erinnert mich an gestrenge (bayrische!) Eltern, die den strunzbesoffen und zugekifft nach Hause kommenden Sohn fragen: "Hat’s des jetzt wirklich ‘braucht?" – und jeder Freund des Rock’n’Roll, so auch Kroetz, weiß, dass die Frage vollständig am Thema vorbei geht.
Noch lustiger aber die Deutschlandfunk-Kritik (hier auch .mp3). DLF, ich mag Euch wirklich, aber das nächste Mal schickts doch bitte eine Kritikerin, die eine Chance hat, das Stück zu verstehen – rein sprachlich hats da glaub ich bei Frau Dr. Cornelie Ueding schon ausbissn, die ist so beschäftigt damit, sich über den Dialekt zu amüsieren, dass sie zum Stück gar nicht kommt, geschweige denn zur Inszenierung. Und da ist sie dann enttäuscht bzw. fühlt sich "deplaziert in einem ernstzunehmenden Theater", weil sie statt der Canapés und Pastetchen, die sie sonst vorgesetzt bekommt, in einen dicken, fettigen, süßen und marmeladetriefenden Faschingskrapfen beißen muss…

Also, Gwissenswurm ist zu empfehlen, jedenfalls für echte Rock’n’Roller.

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Kurze Korrektur

Hab mich heut morgen getäuscht und muss mich korrigieren: die Sicherheitskonferenz hat auch ihre heiteren Seiten. So z.B. die Rede von Mr. Gates, der sich (zumindest anfänglich) als Stand-Up-Comedian wider den düstren Geist des Putin betätigt. Hoffen wir, dass es was beiträgt zur globalen Entspannung. Und, von hier, noch eine lustige Preisfrage: Do you know of any other state in our region which has been so much dedicated to democracy as Iran? Mir würd jetzt, so ganz spontan, schon einer einfallen, aber irgendwie hab ich das dumpfe Gefühl, dass die Antwort dem Herrn Laridschani nicht ganz passen würde…

Cohu: von Eifersucht zerfressen!

Die IT geht nämlich heute auf den Chrysanthemenball. Für alle Nichtmünchner: das ist praktisch der (das?) münchner Ball-Event direkt nach dem Lokalderby Bayern / 60er (oder meinetwegen Unterhaching). Beim Namen kommen dem Freund von Horti- und Japanischer Kultur gleich zwei Assoziationen: Obacht, Pyrethrum! Und natürlich: Chysanthementhron, ein in Buchstabierwettbewerben beliebtes Wort, das man nach neuer Rechtschreibung aber sicher weit einfacher Krüsantementron buchstabiert. Mit beidem hat der Ball nix zu tun.
Vielmehr ist es der Hauptzweck, Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln bzw. Debütantinnen in die Gesellschaft einzuführen, mit Hilfe der (Zitat) "Herren Vertreter der Münchner Corps Isaria, Suevo-Guestphalia und Normania-Vandalia, der KdStV Trifels sowie weiterer Herren". "Weitere Herren" hört sich nicht so toll an, wo sind die denn übriggeblieben? Egal, denn: das Debütieren geht sowieso nur bis zum Alter von 25, deshalb muss ich mein restliches Leben jetzt sozusagen am Rande letzterer fristen, weil ich die Frist versäumt hab. Aber ich bin auch keine Dame.
Jedenfalls: die IT wird sich an den 16-25-Jährigen und ihren feschen Burschen mit nationaler Gesinnung delektieren, und Cohu bleibt allein zuhaus. Naja, wenigstens geht er in Begleitung!

(Bild: Wikimedia Commons)

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Es gibt kein zweites Leben im ersten

Ok, draußen ist es zu kalt und ungemütlich. Stadtspaziergang kann man trotzdem machen. Noch viel besser als Google Earth ist dafür der "Bird’s Eye View" von local.live.com geeignet. Hier kann man z.B. die Nackerten im Englischen Garten anschauen (siehe Abb.) oder das Tollwood-Festival.
Ein schwacher Trost dafür, dass mein Computer anscheinend zu grafik-schwach ist, um Second Life zu spielen. Dabei hatte ich schon so einen putzigen Wüstenfuchs-Avatar ausgesucht…

Jetz schneibts oiwei no

Den ganzen Winter durch blühen die Kirschbäume, Ballerinas und Formal Shorts werden mit fröhlicher  Ignoranz der Jahreszeit weiter getragen, und die immer fetter werdenden Eichhörnchen (zumindestens die im E-Garten) machen sich nicht die Mühe, einen Winterschlaf auch nur anzufangen. Nur prompt an dem Tag, an dem Cohu nach Hamburg fliegen will, muss es zu schneien anfangen. Ich bin jetzt wirklich niemand, der sich über wetterbedingte Verkehrsmittelausfälle beklagt (lieber bleib ich in München, als im schneewolkenverhangenen Erdinger Moos zu verpuffen oder über Düsseldorf mit einem Malle-Charter zu kollidieren), aber warum muss gleich die ganze Aktuelle-Abflüge-Anzeige des Flughafens zusammenbrechen (naja, zumindest ist sie alle paar Minuten down)? Ist das etwa grad der aller-aller-erste Schneefall über dem FJS-Airport ever? Und die SMS-Benachrichtigung – normalerweise vollkommen überflüssig, jetzt wärs aber ganz praktisch, zu erfahren, ob man überhaupt rausfahren muss – ist außer Betrieb. Naja, noch habe ich Hoffnung…

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Schallplattennadelladen

Cohu ist ja, wie ihr vielleicht wisst, keine große Freundin des Klangartefakts, insbesondere findet sie es aufreibend, euterpische bzw. aoidische (wo sind die Musenspezialisten?) Gebilde im Alltagsbetrieb als dekoratives Beielement ständig aufgedrängt zu bekommen. (Übersetzung: Radio aus!)
Aber dann und wann brauche selbst ich altes Pechohr tonale Unterstützung, etwa beim Wäscheaufhängen Johnny Cash oder beim Pilosophie-des-Geistes-Lernen Beachboys (das ist gottseidank Vergangenheit!). Wie praktisch, wenn man dann einen Plattenspieler und gleich mehrere Gebrauchtplattenläden im Wohnblock hat.
Nun zum eigentlichen Anlass des Blogeintrags: Frollein W. hat mich heute darüber aufgeklärt, dass es in der Landwehrstraße ein Geschäft nur und extra für Plattennadeln gibt, das sog. Tonnadel-Paradies. Wer hätte das gedacht, jetzt kriegt mein weniger geheimnisvoll als störend knisternder Technics SL D 310 also sogar noch eine neue Nadel!
(Ja, ich hab das jetzt eigentlich nur wegen der Überschrift gebloggt.)

(Bild: Wikimedia Commons)

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