Dem Regen trotzen

Das Bürgerfest in der Theresienstraße fiel zwar wie der bisherige Sommer so ziemlich ins Wasser, hatte aber doch seine Highlights. In den ausnahmsweise regenfreien Abendstunden aßen wir einen weltrekordverdächtigen Burger (Prädikat bestätigt durch einen amerikanischen Staatsbürger), serviert von der "schönsten Frau der Welt" (Titel verliehen von mehreren geschmackssicheren Herren der Cohu’schen Entourage).

Aber, worauf ich eigentlich hinaus wollte: habe dort das brandneue, druckfrische Büchlein "KulturGeschichtsPfad Maxvorstadt" abgestaubt, das auf dem Bürgerfest erstmals vorgestellt wurde. Eine sehr ansehnliche Broschüre von 96 Seiten mit ausfaltbarer München- und Maxvorstadtkarte und Wissenswertem zum Stadtteil – wußtet Ihr z.B., dass Franz Josef Strauß in einer Hinterhofwohnung der Schellingstr. 49 aufwuchs (heute ist das Nr. 47, Italiener "Arte in Tavola")? Früh übt sich:

"Aus dem der Metzgerei gegenüberliegenden traditionsreichen Schelling-Salon durfte der junge Strauß seinem Vater gelegentlich eine Maß Bier besorgen."

Auch viele interessante Fotos sind in dem Büchlein abgedruckt, z.B. von grasenden Pferden vor der in Schutt und Asche liegenden Pinakothek.

Mittlerweile gibt es neun dieser Broschüren, zu den Stadtteilen: Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt, Au-Haidhausen, Moosach, Ramersdorf-Perlach, Laim, Neuhausen-Nymphenburg, Schwabing-Freimann und Pasing-Obermenzing. Man bekommt sie entweder wie Cohu beim Stand des jeweiligen BA (=Bezirksausschuss) auf Veranstaltungen, in den Stadtteilbibliotheken, im Kulturreferat (Burgstr. 4.), oder hier als pdf.

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Abklatsch

Dass die deutsche Presse gerne mal abschreibt sich gerne mal "inspirieren" lässt von den Erzeugnissen amerikanischer Kollegen, ist ja nix neues. Aber warum das SZ-Magazin fast drei Monate braucht, um diesen Scherz von Slate zu kopieren, ist mir ein Rätsel…vermutlich, weil alle lustigen Witze wie "Barack Obama added prosecuting torturers to interests — Barack Obama deleted prosecuting torturers from interests" schon vom Original aufgebraucht waren? Wenigstens in Studi-VZ-Optik hätte man’s ja wohl umbauen können…Gähn.

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Helden des Alltags

Die findet man in der Konstruktion – nämlich der eines Gebäudes, das den selbst schon eigenlich unglaublichen Hoover Dam noch um Vielfaches an Wahnwitz und Eleganz übertreffen wird – Betonporno mal wieder, liebe Leser!

Und man findet sie in der Dekonstruktion – in der heroischen Gestalt von

"…Denis Scheck, der nach Lektüre bekannte, es entstehe beim Lesen „ein Geruch nach Schweiß wie in der Umkleidekabine eines Fußballoberligisten nach der Halbzeitpause“. (FAZ.net)

Herr Scheck rangiert bei mir direkt nach Frau Durak, übrigens. Also, wenn Euch aus dem Küchenradio dieser Schecklinger mal wieder, Harmlosigkeit vortäuschend, melodisch entgegenschwäbelt: aufgehorcht, das wird ein Spaß!

Sufflogik

"Sorge bereitet der Polizei, dass bei der schweren und gefährlichen Körperverletzung gut ein Drittel der Beteiligten angetrunken war." (AZ)

Also ich finds ja eher besorgniserregend, dass fast zwei Drittel der Täter stocknüchtern waren…

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Symbolisch

Ich verstehe ja die Anreizsituation: Jeder Artikel, der mit einer Nackerten bebildert wird, bringt massig Klicks. Und wenns überhaupt eine Zeitung gibt, der ich die in großem Umfang gönne, dann ist das die AZ. Partymäuse: her damit, und ein Bericht aus dem Silicon Valley fällt ja sowieso in den Lokaljournalisten-Auftrag.
Aber: einen Artikel über Zwangsprostitution mit einem nach Geldscheinen greifenden Halbakt (also, ehrlich: NSFW) zu illustrieren, ist schon ganz speziell. Was kommt als nächstes: Schlagzeile "Studentin vergewaltigt" und dazu ein Girls-Gone-Wild-Foto? Dann doch lieber Betonporno.

Hüttenheinrich

Ein gar nicht so schlechter Artikel über Walden. Mit  Kapitalismuskritik und Wirtschaftskrise hat das Buch jetzt nicht sooo viel zu tun, finde ich, eher mit dem Guten Leben, aber seis’ drum, irgendeinen Aufhänger braucht man wohl für sonen Artikel. Überhaupt, hab ich schon erzählt, dass ich SPON aus meinen Favoriten verbannt habe und stattdessen nur noch FAZ.net lese? Mein Blutdruck ist spürbar gesunken. Bis halt dann wieder ein Arktikel über den Gebärstreik der Akademikerinnen rauskommt (bzw. die übermäßige Gebärfreude der Moslems, im wöchentlichen Wechsel mit irgendeiner abgefahrenen "Debatte" zwischen Männern über 80).

Egal, der Artikel passt jedenfalls bestens dazu, dass Cohu beim Amerikaurlaub im Borders nicht zu Atlas Shrugged (momentan allen Ernstes Platz 7 der US-Bestsellerliste!) sondern als Ersatz des zerlesenen Altexemplars zu einer preiswerten, netten Ausgabe des guten Heinrich griff. Gute Bücher kann man nicht oft genug lesen.

(Bild: Wikimedia Commons)

Untergang des Abendlandes

Etwa durch Vermehrung der Unterschicht? I wo: es kommt noch viel schlimmer. Das Abendland (lies: bürgerliche Mittelschicht) geht  für mich dann unter, wenn die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung allen Ernstes einen lobpreisenden Artikel über New Burlesque veröffentlicht:

Ein neues Phänomen ist in Deutschland angekommen: Burlesque. Das ist eine ironische Form des Strips, die auch Frauen gefällt. Es darf schlüpfrig sein, auch vulgär. Billig ist es nie. Und es wird viel gelacht. (FAZ.net)

Ach Gott. Als Akademikerin ist man bei diesem Fachblatt der upper middle class eh schon unter Reproduktionszwangs-Dauerbeschuss. Aber dass mir jetzt auch noch ironisches Strippen gefallen muss….

(Ich bin eine durch und durch amerikafreundliche und, wie der Ami so schön sagt, sex positive Person, aber Porno durch eine Comedymühle zu drehen, damit er am Schluss “ironisch” und “lustig” ist und – juhuuu! – dann sogar Frauen gefallen darf, jedenfalls in einem “ironischen” Sinne – das finde ich derart reaktionär und im schlimmsten Sinne amerikanisch-protestantisch prüde, dass es mich schüttelt. Die Idee kommt wohl aus der gleichen Ecke wie die Auffassung, die sexuelle Revolution der Siebziger hätte aus “Erotikkomödien” bestanden. Und Emmanuellefilmchen waren dann wohl feministische Propaganda. Na logo.)

(Bild: Josephine Baker, 1927, aus den Wikimedia Commons)

Großes Quiz: Wer errät das Reiseziel?

Jaja, so ein spontaner Kurzurlaub ist nicht zu unterschätzen – die Vorbereitung wird natürlich mit wissenschaftlicher Präzision und daher zunächst einem angemessen intensiven Quellenstudium angegangen. Die Mehrzahl der Bücher und Karten stammen aus der großzügigen Leihgabe einer passionierten Amerikareisenden, habe es allerdings auch nicht versäumt, entsprechende Belletristik zu bestellen.

(Im Hause Cohu gibt es übrigens Nachwuchs!)

Decline of a Nation: Thumping away

Die Bibliotheken des Vereinigten Königreichs sind weltbekannt und wunderschön (wobei es natürlich auch hässliche Ausnahmen von der Regel gibt, wie diese Bruchbude). Die Bibliothekskunst auf der Insel war jahrhundertelang absolute Spitze. Wenn man in relevanten Bestandszahlen und nicht in Regalkilometern misst, ist die British Libary angeblich sogar die größte Bibliothek der Welt, und wenn die, wie ihr Chef fordert, jetzt dann bald auch noch das gesamte Internetz archiviert, wird das wohl auch in Zukunft so bleiben.

Und was machen die Briten mit dieser Tradition? Fangen natürlich an, in ihren Bibliotheken grauenhafte Dudelmusik abzuspielen. Die pensionierte Oxford-Dozentin Doraine Potts ist erschüttert:

"I was trying to choose a book in my local library but I just couldn’t concentrate. That’s how loud it was. The beat was just thumping away." (telegraph.co.uk)

Andernorts werden angeblich sogar Speisen und Getränke sowie Handys im Lesesaal geduldet. Der nächste logische Schritt für die britischen Bibliothekskultur: Gorillas an der Buchausgabe!

Propaganda im Kinderzimmer

Dass die heutigen Teenager fast ausschließlich mit Schuleschwänzen, Alkopops und Schwangerschaften (in genau dieser Reihenfolge) beschäftigt sind und auch sont nichts Gutes im Schilde führen, ist ja an sich nichts Neues.

Dass aber jetzt schon zarte, unschuldige Kindergartenkinder mit einer Bilderbuchreihe namens "Frag doch mal…" eiskalt an Killerspiele herangeführt werden sollen… schockierend! Von der Leyen, übernehmen Sie!