What’s Love Got To Do With It

Das Buch "Schwester Helga – Du maximierst mein Glück: Der Arztroman zur Mikroökonomie" versucht angeblich, die Welten von Romantik und Mikroökonomie durch Humor zu vereinen. Einen Trailer (ne, echt) und eine Website gibts von dem Buch auch schon. Also mal ernsthaft: ist mein Humorzentrum irgendwie blockiert oder wirkt das einfach wahnsinnig… unwitzig? In der FTD erklärt der Autor seine Motivation:

"Bei meinem VWL-Studium habe ich mich wie viele Kommilitonen an der Mikroökonomie gerieben", sagt Hönscheid. "Das ist ja ein grundlegendes Fach, doch es wird leider sehr dröge präsentiert: sehr mathematisch, sehr abstrakt – und völlig unerotisch." (FTD.de)

Lass mal, bevor ich mir eine schlechte Parodie auf eine schlechte Parodie von Mikroökonomie in Form einer schlechten Arztromanparodie reinziehe, lese ich ja noch lieber "The Mathematics of Marriage: Dynamic Nonlinear Models" von James D. Murray. Dieser genialische Brausekopf hat in seinem langen Wissenschaftlerleben laut Wikipedia unter anderem die Biomechanik von Schleudersitzmechanismen, Narbenbildung, Tumore, das Entstehen von Fingerabdrücken und die Territorien von Wölfen untersucht. Und es dann in Angriff genommen, die Ehe als mathematisches Modell nachzubilden. Scheint jedenfalls, was das Wesen dieser Institution angeht, schon mal in die richtige Richtung zu gehen:

"Unter dynamischen nichtlinearen Systemen versteht man solche, die auch Speicherelemente besitzen. (…) Die Systemantwort hängt somit auch von der Vorgeschichte, also von der Stärke der vorangehenden Erregung ab." (Wikipedia)

 

Posted in Fröhliche Wissenschaft, Gedrucktes. Comments Off on What’s Love Got To Do With It

Nee

“Glotzende Weltmacht

Egal ob jung oder alt, blind oder blöd: Jeder Amerikaner sieht jeden Tag fünf Stunden fern. (…) Es verwundert also nicht, wenn das Marktforschungsinstitut Nielsen nun vermeldet, dass der Durchschnittsamerikaner vergangenes Jahr mehr ferngesehen hat, als je zuvor. 151 Stunden im Monat, um genau zu sein. Das entspricht fünf Stunden, die jeder Amerikaner jeden Tag, egal ob jung oder alt, blind oder blöd, vor der Glotze verbringt. (sueddeutsche.de)

Genau das, lieber Herr Kreye, bedeutet das Ergebnis von Nielsen natürlich nicht. Es mag z.B. auch durchaus der Fall sein, dass der durchschnittliche deutsche Journalist, egal ob jung oder alt, blind oder blöd, soviel von Statistik versteht, dass er den Unterschied zwischen Mittel- und individuellen Werten durchschaut – deshalb gilt das aber noch lange nicht für jeden Journalisten…

Posted in Fröhliche Wissenschaft, Gedrucktes, U.-S.-A.! U.-S.-A.!. Comments Off on Nee

Birds do it, Whales do it

New Yorker Leser, also nicht jetzt Leser des New Yorker sondern Leser in New York, jedenfalls: aufgehorcht! Nächste Woche Donnerstag Pflichttermin im Philoctetes Center for the Multidisciplinary Study of Imagination, nämlich:  "Living in the Musical Moment: Interspecies Jamming with Whales, Birds, and Humans." Für uns bedauernswerte Nicht-Neujorker wird der artübergreifende Jazzabend wohl gestreamt.

Und wenn mich nicht alles täuscht, dürften unter den Cohu-Lesern auch einige sein, die sich für das Video hier interessieren: "The Presumption of Rationality: Psychological Challenges to Legal Certainty" – mit Peter Brooks (Yale/Princeton), Anne Dailey (moderator), Carol Gilligan (NYU), Nomi Stolzenberg (USC), Kenji Yoshino (NYU).

Wer weiß, wie lange das Philoctetes Center noch solche abgefahrenen Veranstaltungen organisiert – einer der großen Finanziers des Instituts war nämlich der Große Bernie, von dem es andernorts heißt:

"He out-Ponzied Charles Ponzi. He out-Princed Chuck Prince. He could have taught the Egyptians how to build pyramids. In the history of high-stakes grifting, he out did them all. A Robin Hood with Alzheimer’s; he stole from the rich. If he’d only remembered to give to the poor he’d be a hero!" (Bill Bronner)

Für die hoffentlich wenigen unter meinen Lesern, die wider Erwarten weder Interspecies Jazz noch einer Dekonstruktion der juristischen Rationalitätsannahme etwas abgewinnen können, zum Trost Shirley MacLaine und Frank Sinatra – letzterer passenderweise in der Rolle eines pseudorationalen Juristen mit Gesangstalent.

Im Herzen sind wir alle rot

Schon vor einiger Zeit widmete die in einem fast vollständig roten Schreibtischhabitat lebende Cohu der Frage "Ist Rot die Farbe der Sieger?" einen Artikel. Ergebnis: die Wissenschaft ist, wie bei eigentlich allen relevanten Fragen, gespalten. Zwar gewinnen Sportler mit roten Trikots überdurchschnittlich oft Turniere (das sagen Anthropologen und Bayernfans), aber wer Intelligenztests absolviert, schneidet, von roten Farbeindrücken beeinflusst, eher schlechter ab (das sagen Psychologen).

Die NYT berichtet heute von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in dieser Angelegenheit. Ein roter Farbeindruck, so eine neue Studie,  kann auch leistungsverbessernd wirken, allerdings nur bei einer bestimmten Art von Aufgabe:

"In the study, published Thursday on the Web site of the journal Science, researchers at the University of British Columbia conducted tests with 600 people to determine whether cognitive performance varied when people saw red or blue. Participants performed tasks with words or images displayed against red, blue or neutral backgrounds on computer screens."

Red groups did better on tests of recall and attention to detail, like remembering words or checking spelling and punctuation. Blue groups did better on tests requiring imagination, like inventing creative uses for a brick or creating toys from shapes.

“If you’re talking about wanting enhanced memory for something like proofreading skills, then a red color should be used,”

Das, liebe Leser, erklärt wohl, warum Cohu zur Zeit so fleißig vor sich hin korrigiert, aber so wenig bloggt. Zur Abhilfe schenke man mir blaue Vorhänge.

(Übrigens: wer nur genug Rot im Herzen trägt, kann sogar in wenig vorteilhaften Dunkelazurblau phänomenale Tore schießen.)

Pädagogischer Eros, statistisch betrachtet

Der großartige Greg Mankiw macht auf eine interessante statistische Untersuchung aufmerksam –  die Wissenschaftler James Felton et al. haben sich in ihrem Paper Attractiveness, Easiness, and Other Issues: Student Evaluations of Professors on RateMyProfessors.com mit den Daten der amerikanischen Seite "Rate My Professors" beschäftigt. Dort haben Studenten die Möglichkeit, ihre Professoren nicht nur fachlich, sondern auch im Hinblick auf ihre sexuelle Attraktivität hin zu bewerten. Felton et al. untersuchen die Korrelationen zwischen unterschiedlichen Bewertungskritierien. Was Mankiw – und uns – aber sogar noch mehr interessiert, sind die fachvergleichenden Unterschiede hinsichtlich der sexuellen Attraktivität der Professoren (und -innen). Crooked Timber fragt also: in welchen Fächern finden sich die heißesten Dozenten? Die Ergebnisse sind der Abbildung zu entnehmen.

Der erste Platz der Languages ist vielleicht noch dadurch zu erklären, dass fremde Sprachen einen gewissen erotischen Reiz ausstrahlen – wer, liebe Leser, ist nicht schon angesichts eines reizenden Akzents regelrecht dahingeschmolzen? (Eine der seltenen Ausnahmen von dieser zeitlosen Regel findet sich hier).

Aber schon bei Platz zwei brechen alle Erklärungsmodelle zusammen. Jura? Wir müssen hier natürlich eine Einschränkung machen: die Daten beruhen auf Bewertungen nicht aller Studenten oder gar der Gesamtbevölkerung, sondern natürlicherweise nur auf der Einschätzung der Jurastudenten – sie scheinen also ihre Professoren überdurchschnittlich heiß zu finden, unabhängig davon, was der Rest der Welt dazu sagen würde. Man kann hoffen, dass ein ähnliches Erklärungsmodell auch auf den dritten Platz – Religion – anzuwenden ist – oder verpassen wir Nicht-Theologen da was?

Warum nun verlinkt Herr Mankiw auf diese Ergebnisse? Am Ranking seines eigenen Fachs kann es nicht liegen: VWL liegt erwartungsgemäß weit abgeschlagen grade mal einen Platz vor Mathematik. Aber zumindest mit seinem eigenen Ranking bei Ratemyprofessors.com dürfte er zufrieden sein:

"Mankiw is probably God in human form. He’s one of the most attractive men I’ve ever seen and some say he has brains as well. I’ve never seen his wife, but I bet she’s a looker." (Mankiws Bewertung bei ratemyprofessors.com)

Eine deutsche Professorenbewertungsseite findet man übrigens unter MeinProf.de. Kriterien wie "Hotness" werden da leider nicht berücksichtigt, vermutlich aus der irrigen Annahme heraus, solche Dinge seien fürs gedeihliche Lernen irrelevant. Vor ein paar tausend Jahren war man da in Europa schon mal weiter. Mit dem pädagogischen Eros meinte Platon nämlich beileibe nicht rein asexuelle Nettigkeiten, auch, wenn man das in allzu schultauglich sterilisierten Interpretationen seines Werks heute gerne so darstellt. Vielleicht haben wir es dieser großen Tradition zu verdanken, dass die Philosophie es – trotz der bekannten Vorliebe ihrer Vertreter für die Beschränkung auf geistige Qualitäten – doch noch auf einen respektablen neunten Platz schafft.

Sprechender Sprachatlas

Freunden des "Kleinen Bayerischen Sprachatlas" wird das da vermutlich auch gut gefallen.

Wie heißt bei Euch ein Küken? Den Ausdruck Biberl findet man auf der Karte gar nicht (obwohl ihn einige Sprecher dazusagen). Dabei braucht man den doch so dringend für den Kinderreim:

Rennfahrer Biberl
scheißt ins Küberl
scheißt wieder raus
Du bist draus.

Singerl dagegen kenne ich jetzt wieder nur als unsterbliche Volksschauspielerin (s. Abb.). Dass Ausdrücke wie Scheedan oder, noch besser, Gläppm, für "vertrocknete Kotklumpen an Kuhschenkeln" mitsamt dem bairischen Dialekt aussterben müssen, ist doch schade. Könnte man die Wörter nicht einfach umfunktionieren und z.B. als Bezeichnung für junge Neonazis verwenden?
(Bild: Wikimedia Commons)

Er war jung und brauchte das Geld

Eine wahrhaft schockierende Geschichte serviert uns da die SZ:

"Manchen Studenten ist jedes Mittel recht, um ein Stipendium zu bekommen. Ein besonders dreistes Beispiel liefert ein Student, der sich gleichzeitig bei der CSU nahen Hans-Seidel- [sic] und der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) beworben hatte. Weil er bei der FES nicht aufgenommen wurde, drohte er daraufhin mit dem Parteiaustritt aus der SPD und vergas [sic] auch nicht zu erwähnen, dass er wenigstens bei der Hans-Seidel-Stiftung [sic] untergekommen sei. Nach Rücksprache zwischen den Stiftungen wurde die Förderung eingestellt, weil der Student seine Bewerbung bei unterschiedlichen Werken verschwiegen hatte." (sueddeutsche.de)

Liebe nichtakademische Außenwelt, setz Dich und atme tief durch, ich habe eine ganz schlechte Nachricht: die Bewerbungsrunden und Stipendiatenkarteien der Stiftungen sind voll von Leuten, die mit den "Idealen" der sie finanzierenden Institutionen nichts anfangen können. Da sind manche dabei, die nie in einer Partei waren und auch nicht vorhaben, je in eine einzutreten. Unpolitische. Oder Politische, die sich aber lieber die Hand abhacken würden, als jemals die Partei zu wählen, die ihrer Stiftung "nahe steht".  Und die kirchlichen Stiftungen beherbergen, habe ich mir sagen lassen, nicht nur bis zur Ehe jungfräuliche Katholiken und andere treue Gottesdienstbesucher, sondern alles bis hin zum schändlichen Atheisten. Wie heißt es so schön bei Elvis? One for the money, two for the show…

Das von der SZ geschilderte "besonders dreiste Beispiel" des hemmungslosen Stipendiumsstrichers hat ein Charakteristikum, das im deutschen Stipendienwesen sehr selten ist: Ehrlichkeit. (Und, OK, vielleicht auch noch eine große Portion Dummheit, die erfahrungsgemäß in fast allen Lebensbereichen hinderlich ist).

Auf die Idee, Geld für  wissenschaftliche Forschungs- und Bildungsvorhaben ausgerechnet von politischen Parteien und Kirchen verteilen zu lassen, muss man aber auch erstmal kommen. Das System führt natürlich dazu, dass Projekte und Menschen benachteiligt sind, die nicht in den deutschen Parteienkonsens passen. Löbliche Ausnahme ist die Studienstiftung, die weltanschaulich neutral ist – aber auch nur weniger als die Hälfte der Gelder verteilt. Auch diese Stiftung betont aber, wie alle Förderwerke, die Wichtigkeit des berühmten "gesellschaftlichen Engagements". "Wer sich nur für sein Studium interessiert, wird nicht aufgenommen", Streber unerwünscht. Um mal in meinem Fach zu bleiben: ein junger Wittgenstein hätte in diesem System sicher keinen Pfennig Geld gesehen, Frege erst recht nicht, ganz zu schweigen von Kant (private Tischgespräche zählen nämlich nicht als "gesellschaftliches Engagement").

Damit nicht genug der Seltsamkeiten: das Kriterium der, wie es so schön heißt, "Bedürftigkeit", ist für die Förderwerke (im Gegensatz übrigens zu vielen privaten Stiftungen) irrelevant. So wird wohl so mancher generös mit tausend Kröten Taschengeld im Monat versorgt, der Mietshäuser sein eigen nennt – Hauptsache, er ist "gesellschaftlich engagiert". Darunter fällt auch die Organisation eines Charitydinners für Papas Rotarier.

Das alles wäre schön und gut, wenn es sich bei dem Geld um Parteivermögen, also z.B.  Spenden von Privatleuten, handeln würde. Private Stiftungen haben schließlich auch freie Hand, wenn es darum geht, wen sie fördern wollen –  ist ja ihr Geld. Anders ist das bei den parteinahen Förderwerken:

"Seit 2006 erhöht das Bildungsministerium jährlich die Mittel zur Begabtenförderung, die an die elf großen Förderwerke fließen – von 80,5 Millionen Euro in 2006 auf 113,2 Millionen in 2008."

Von den Stipendiaten gehören wie gesagt etwas weniger als die Hälfte der weltanschaulich neutralen Studienstiftung an. Folglich gibt der Steuerzahler inzwischen jährlich einen beträchtlichen zweistelligen Millionenbetrag aus, um über den Umweg "Stipendium" die Interessen und den Einfluss großer politischer Parteien und Kirchen zu stärken – und das nennt sich dann "Begabtenförderung." Irgendjemand, scheint mir, hat da eine ziemlich begabte Public-Relations-Abteilung.

[Liebe SZ, das ist übrigens der kritische Artikel über die politischen und kirchlichen Förderwerke, den ich, natürlich wesentlich besser geschrieben und ordentlich recherchiert, gerne mal bei Euch oder einem Eurer Kollegen gelesen hätte. Aber PR und Nutzwertjournalismus liegen Euch einfach mehr, nicht wahr?]

Oxford Dispatch: A Cathedral to Science

Das Oxford University Museum of Natural History wurde Ende der 1850er Jahre als Andachtsstätte der Wissenschaftsgläubigen errichtet und dient noch heute als beeindruckendes Monument dieser Glaubensrichtung und Stützpunkt ihrer wirkmächtigen Propheten. Diejenigen unter meinen Lesern, die Anhänger der religio scientiae sind, Jünger Darwins, Freunde des glücklichen Zufalls, aber auch alle Hobbycetologen, Harry-Potter- oder Alice-im-Wunderland-Fans, und schließlich auch alle, die Kuriositäten lieben, bitte ich darum, mich mit einem beherzten Klick auf untenstehendes Bild auf einen kurzen Rundgang in diese Wallfahrtsstätte zu begleiten.

Posted in Fröhliche Wissenschaft, Oxford Dispatch. Comments Off on Oxford Dispatch: A Cathedral to Science

μαιευτική

Heute, um 12:26, kam nach, äh, 36-monatiger Schwangerschaft (und trotzdem noch 6 Tage vor dem errechneten Geburtstermin!) endlich Cohus Kind zur Welt. Es wiegt 915 Gramm, ist 178 Seiten lang und wird in den nächsten Monaten erst noch den gründlichen Untersuchungen diverser Experten unterzogen, bevor es das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Ich für meinen Teil begebe mich jetzt erstmal in den wohlverdienten Mutterschutz.

Aber, aber…

Werbevideos können auch gut sein. Und dabei kommt es wirklich nicht drauf an, wie sperrig das ist, was man verkaufen will: man braucht nur den richtigen Groove. Boxen aufgedreht und zurückgelehnt, und ich verspreche, nie wieder über Physiker zu lästern (zumindest nicht über die vom CERN)!