Decline of A Nation: Miser, miser!

Jeder von Euch, der das Glück hatte, gymnasialen Englischunterricht erdulden zu dürfen ("Hello, boys and girls!") hat sicher früher oder später – wenn der Lehrer gut gelaunt war oder von eigenen Defiziten, z.B. bezüglich des Ti-Äitsch ablenken wollte – unter der Rubrik "Skurrile Briten" auch von der Regelung gehört, dass die die Themse bewohnenden Höckerschwäne traditionell der Queen gehören. Im 12. Jahrhundert hatte man noch einen anderen Appetit und verzehrte Schwäne gerne (ich erinnere an Carl Orffs Lied eines gebratenen Schwans, "Olim lacus colueram", ein Rezept findet sich hier), und dieses Privileg wollte die Königin sich erhalten. Nun haben sich die Geschmäcker geändert, und nur ab und zu gerät einer ins Schwitzen, der etwa – unabsichtlich! – beim Rudern auf dem Cherwell einen Schwan kunstfertig auf einen Streich versenkt (keine Namen!).

Nun hat ein Künstler – unter Todesdrohungen von Tierrechtlern, das ist auch wieder eine historische Besonderheit Großbritanniens – einen Schwan verspeist, um gegen die Monarchie zu protestieren. Dass das alles unter "weird" eingeordnet wird, ist schön und gut, aber der letzte Satz ist doch etwas zu kryptisch:

 "The bird he ate was found dead on a West Country farm. He was not arrested." 

Beim googeln findet man denn auch noch den fast noch seltsameren Fall eines Moslems, der schon am zweiten Morgen des Ramadan so ausgehungert war, dass er sich einen Schwan fing und briet. Logisch:

 “I am a Muslim, I am fasting, I needed to eat.”

Richtig skurril wird es dann, wenn man feststellt, dass das im Jahre 2006 passierte. Und dass der Gute dafür 2 Monate ins Gefängnis (!) wanderte…

Freitagsfußballcontent: “Sail away…

…dream your dreams" heißt es jetzt nicht mehr nur beim Bremer Bier (gibt’s diese Werbung eigentlich noch?) sondern auch bei einem anderen Becks.
Ob das tatsächlich zum (fußballerischen) "Decline of a Nation" beiträgt, kann ich natürlich nicht beurteilen. Fest steht, dass in den USA – wie uns auch Korrespondent Colombo berichtet hat – der Fußball bzw. Soccer ein Frauen- und Mädchensport ist. Und da passt der Herr Beckham – wenn man an seine Zeiten als Metrosexual inklusive Frauenhaarschnitt und Diamantohrringen denkt – dann doch ganz gut rein…

Posted in Decline of a Nation, Sport & Spiel, U.-S.-A.! U.-S.-A.!. Comments Off on Freitagsfußballcontent: “Sail away…

Von wegen Vorkriegsporno

So, jetzt ist genug mit Groschenromanen! Nach dem (sehr amüsanten) "Herr Lehmann"-Prequel "Neue Vahr Süd" von Sven Regener und dem ganz netten Hippie-Outdoor-Roman "Drop City" von T.C. Boyle geht es jetzt zur Abwechslung mal an einen echten Literaturklassiker.
Sons and Lovers von D. H. Lawrence ist an der Reihe. Ich weiß nicht, ob ich eine hart zensierte Ausgabe erwischt hab, ob der Schmutz und Schund erst später kommt oder ob ich einfach schon durch den U-Bahn-Blogger so abgehärtet bin, aber jedenfalls: was Unanständiges hab ich in dem Buch bis jetzt noch nicht gefunden. Aber es ist richtig gut!
Für alle Leser, die sich jetzt aufgrund der Überschrift was Drastisches erhofft hatten, kommt jetzt zumindest noch ein zünftiges Zitat. 1912 wurde "Sons and Lovers" (nicht nur) von einem Verlagshaus abgelehnt, worauf Lawrence schrieb:

Curse the blasted, jelly-boned swines, the slimy, the belly-wriggling invertebrates, the miserable sodding rutters, the flaming sods, the snivelling, dribbling, dithering, palsied, pulseless lot that make up England today. They’ve got the white of egg in their veins and their spunk is so watery it’s a marvel they can breed. (Wikiquotes)

Decline of a Nation: So ein Käse

Die Briten sind ja inzwischen, genau wie die Amerikaner, von einer "Junk-Food"-Hysterie befallen. Großartig die Idee (Cohu berichtete), alle Werbung für dieses Teufelszeug in Kinderprogrammen zu verbieten. Unter diese Müllfraß-Werbeverbot fällt nun aber leider auch Käse – der ist nämlich zu fettig, um den gestrengen Standards der Britischen Fernsehaufsichtsbehörde Ofcom bzw. der der FSA zu entsprechen, genauso wie übrigens, so zitiert zumindest der Telegraph die Nahrungsmittelindustrie, die gute alte Muttermilch. Aber für die macht eh keiner Werbung, von der LLL mal abgesehen.
Ja, dabei hatte damals in England der gute Käse Cohu stark beeindruckt – nicht nur Wensleydale, sondern sogar stinknormaler Cheddar und Stilton (siehe Abb.) korrigierten meine fromagologischen  (oder soll ich sagen: kasuistischen) Fehleinschätzung, nur die Franzosen hätten die Milchfermentation so richtig drauf. Drauf hatte ich nach dem Jahr auch 10 Kilo mehr, das kann aber keinesfalls am Käs gelegen haben. Und selbst wenn. Für ein Kulturgut werd ich gerne fett! Schön find ich in diesem Zusammenhang auch, dass es in Großbritannien eine All-Party Parliamentary Group for Cheese gibt. Wollen die mich nicht mal auf ihr Annual Meeting einladen?

 (Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Cutting Edge

Hier immer noch Umzugschaos und totale körperliche Erschöpfung seitens der Computadora. Immerhin steht der Mittelpunkt meines Lebens wieder fest und stabil auf dem Fundament der Heiligen Schrift (ja, die Bibel eignet sich hervorragend dazu, mein unvermittelt dreibeinig gewordenes EKTORP-Sofa zu stützen!).
Aber das hier wollte ich Euch nicht vorenthalten: Briten geben aufgrund der hohen Selbstmordrate in Gefängnissen, insbesondere durch Erhängen, den Sicherheitsbeamten nun “cut-down tools” auf ihre Rundgänge mit. Eine bessere Methode, um Suizidtode zu verhindern, würde selbst Cohu nicht einfallen! Obwohl, warum teilt man die Messer nicht gleich an die Suizidgefährdeten Strafgefangenen aus? Dann könnten sie sich im Notfall einfach selbst helfen!
(Alternativvorschlag: Installation von Suicide Booths.)

Decline of a Nation: Halleluja!

Eine britische Komodo-WaranIn (Warana? Waran-Kuh? Waranesse?) pflanzt sich fort – und zwar nachweisbar ohne, dass ein Komodo-Waran-Mann beteiligt gewesen wäre (MSNBC). Die Ausbrütung des Geleges wird zu Weihnachten erwartet. Großbritannien kann immer wieder überraschen – mit einer Jungfrauengeburt hätte ich jetzt allerdings am wenigsten gerechnet.
[Ich weiß nicht, was für die Christenheit schockierender sein wird: dass es sich beim Gesalbten diesmal um sieben (!) übelriechende, vor Giftspucke triefende Riesenechsen handelt – oder dass die neuen Messiasse ausgerechnet britische Staatsangehörige sind?]

Posted in Decline of a Nation, Kollektivneurose, Nichtmenschliche Tiere. Comments Off on Decline of a Nation: Halleluja!

Decline of a Nation: Close Shave

Während in der Bundesrepublik glühweinbeschwipste Sozis sinnvolle Vorschläge zur Arbeitsmarktpolitik machen, gehen, weit weg vom Kontinent, in Großbritannien, die Uhren natürlich anders. Im renommierten Fachblatt für Sozialdemokratie  und Kompostwesen “Guardian” erklärt uns ein Charlie Porter, dass Bärte keinesfalls out of date oder gar als politisches oder apolitisches Statement zu verstehen, sondern vielmehr der letzte Schrei sind. Sogar der James Bond lässt ja privat die Borsten sprießen:

“Craig’s facial furniture is at the forefront of a new trend: beards are suddenly everywhere. There are so many beards around, in fact, that facial hair could well become the defining male fashion of the noughties.”

Sodann zieht Herr Porter mehrere mögliche Gründe für dieses Phänomen an den Barthaaren herbei (“dress down” am Arbeitsplatz, Verbreitung nuklearkraftbetriebener 10-klingiger Mega-Rasierer im willenlosen Konsumkollektiv und dadurch Reiz des rebellischen Nichtrasierens, etc.), bis er zum m.E. ausschlaggebenden Grund für die Rückkehr des Bartes kommt:

Or maybe it’s just a result of laziness. Men no longer have to shave, so they don’t. A dermatologist recently told me that for the average man, shaving takes up six months of his life: who wouldn’t want to take a break?

Ich glaube, da hat Herr Porter genau den Punkt getroffen. Faulheit fördert Follikel!
Und jetzt warten wir mal kurz ab, bis Männer erkennen, dass Duschen fast ein Jahr ihres Lebens stiehlt. Händewaschen nach dem Toilettenbesuch frisst weitere 6 Monate. Reinigen der Wohnräume schlägt mit einigen Jahren ins Gewicht, und das langwierige Aufsuchen einer Toilette vor dem Verrichten eines Geschäfts raubt fast Jahrzehnte des Lebens – ganz zu schweigen vom Reinigen, Erhitzen oder gar Töten von Beutetieren vor dem Verzehr. Wenn Männer also auf das Hygiene-und Kulturniveau von Wildtieren herabsänken, hätten sie nach internen Berechnungen von Cohu ca. 30 Jahre mehr Zeit, Dinge zu tun, die ihnen wirklich Spaß machen!!!
Wie der geneigte Leser evt. schon aus meinem leicht sarkastischen Ton abgeleitet hat, ist Cohu keine große Freundin von Bärten. Nichtmal so sehr aus Hygiene- oder Ästethik-Aspekten – im Gegenteil, es gibt Männer, denen Bärte sehr gut stehen! – aber erstaunlicherweise macht ein Bart trotz seiner angeblichen “Männlichkeit” für Cohu sogar den feschesten Mann zum absolut asexuellen Wesen, dessen Attraktivität auf frostige unter Null sinkt.
Und jetzt sage bitte niemand, das wäre nur ein weiterer Grund dafür, sich einen Bart wachsen zu lassen.

Decline of a Nation: Psssssst!

Wenn man der Sun Glauben schenkt – und das tue ich jedesmal, ohne zu zögern, denn was wäre ein Menschenleben ohne Glauben und Vertrauen, ohne Missachtung der physikalischen Welt und Gesetze der Logik? – wurde eine britische Grundschullehrerin gefeuert, weil sie den Schulkindern weismachen wollte, es gäbe keinen Weihnachtsmann. Ja, es kam noch schlimmer:

“Parents were furious when tearful youngsters went home saying they had also been taught elves and fairies did not exist either.”(The Sun)

Und das im Land, in dem einst die Wiege des Empirismus stand.
Wer nun seinen Glauben an die Faszination der typisch britischen Weihnachtstraditionen (ausgenommen Christmas Pudding – Bah!) wieder kräftigen will, ohne den an die Ratio ganz zu verlieren – kurz, wer Verstand und Wahnsinn miteinander zu vereinbaren sucht und auch noch ausgefallene Geschenkideen braucht – der sei auf das Phänomen “Twelve Days of Christmas” (Real Audio) verwiesen und hier insbesondere auf die ganz und gar realitätsverhaftete Verwendung dieses Lieds als ökonomischer Indikator.

Posted in Decline of a Nation, Kollektivneurose. Comments Off on Decline of a Nation: Psssssst!

Decline of a Nation: Sin and Tonic

Besoffene Engländer: manchmal lustig.
Unfug redende Kleriker: oft amüsant.
Pöbelnde, besoffene, spielzeugwerfende englische Bischöfe: fucking hilarious!

The Right Reverend Tom Butler, Bishop of Southwark, reportedly staggered home from an embassy function and climbed into the back of a stranger’s Mercedes, where he started throwing an infant’s toys. He was pulled out but toppled over and suffered several head wounds. Asked to explain himself, he is claimed to have said: ‘I’m the Bishop of Southwark. It’s what I do.’ He then disappeared into the night but left in the car personal belongings including a cross, personal organiser and correspondence with the Home Office. (Guardian)

Auch das ein Berufsrisiko! Alkoholfreier Messwein ist halt weder bei den Katholiken noch bei den Anglikanern zugelassen. Mit einem Traubensaft kannst die Transubstantiation nämlich gleich vergessen (lustig übrigens der erste Suchtreffer, wenn man in der Wikipedia diesen Begriff nachschlägt…).

(Vgl. auch den britischen Bruder im Glauben – Father Jack Hackett.)

Decline Of A Nation: Glänzend geht die Welt zugrunde

Am letzten Glanz eines untergehenden Imperiums erfreuen sich traditionsgemäß die verfeinertsten und verbildetsten Geister jeder Epoche. So auch Cohu. An besonderer Dekadenz durfte ich heute beim samstäglichen Schuhputz teilhaben, die Treter wurden nämlich mit einer ganz besonderen Essenz behandelt:
Die IT hortet – seit einem Einkauf in Oxfords ältestem Schuhgeschäft “Ducker & Son” – noch einen Vorrat der Schuhcreme der (ursprünglich australischen) Marke “Kiwi“. Schon der Name erinnert an Zeiten, als dies Vogels Heimatland Neuseeland noch Teil des British Empire und nicht nur des popeligen Commonwealth war. Die besondere Ausführung “Parade Gloss” in der Farbe “Dark Tan” (Abb. abweichend) lässt nochmals die militärische Stärke eines Weltimperiums aufblitzen, selbst wenn Cohu ihre Treter auch diese Woche nicht zu einer Parade tragen wird. Der “Parade Gloss”-Dose entsteigt ein feiner Duft, der – obwohl die Firma natürlich längst einem amerikanischen Konzern gehört – an die Stiefelkammer eines Landgestüts im Somerset erinnert, jedoch wohl auf Terpentinöl zurückzuführen ist. Die Geschmeidigkeit, Glanztiefe und Farbverteilung ist jedenfalls mit gängigen deutschen Schuhpflegeprodukten (auch z.B. Hochpreissegment wie Tapir) nicht vergleichbar. Leider ist (wohl aus Angst vor erneutem Blitzkrieg?) die Ausführung “Parade Gloss” in Deutschland nicht erhältlich.