Herbe Enttäuschung

Diese Angestellten immer. Hab ich meine IT extra nach Ascona geschickt, damit cohu’s blog einen eigenen Korrespondenten für die Nationalmannschaft vor EM-Beginn hat. Wir Blogger werden schließlich immer professioneller heutzutage, da kann man nicht immer nur über die Baustelle vorm Haus oder Kochrezepte schreiben. Und dann erreicht mich sowas:

Sind vorhin schon am Mannschaftshotel vorbeigelaufen! Ist aber alles abgezäunt, man sieht leider gar nix!

An seiner Paparazzo-Technik muss der junge Mann noch etwas feilen. Andere legen sich da etwas mehr ins Zeug

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Pssst!

Dass im reizend bunten "Merian-live" Reiseführer namens "Wo Italien am schönsten ist", den ich irgendwann mal im Ramschverkauf für 9,95 erstanden habe, auf mehr als 500 Seiten die Marken – als einzige Region übrigens – mit keinem einzigen Wort erwähnt werden, und dass nicht mal Urbino, das immerhin zum Weltkulturerbe gehört, sich im Index findet, genauso wenig wie die Sibillinischen Berge, das…

deute ich jetzt mal als sehr gutes Zeichen. Zugegeben: Es ist auch wirklich hässlich da unten.

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Cohu sucht…

…für die IT und sich eine schöne Ferienwohnung/ein Ferienhaus in den Marken/Marche für den Spätsommer. Uns interessiert das Hinterland, weniger die Küste. Wer unter den werten Lesern und Leserinnen war schon mal in dieser Region und kann ein paar Tipps geben?

Wenn die Inseln Mauern tragen

Cohus Venedig-Aufenthalt war wissenschaftlich wie touristisch ein voller Erfolg: Ich empfehle allen LMU-Angehörigen (und gegebenenfalls auch meinen Lesern von der Duke University), einmal ein Seminar auf San Servolo zu besuchen. Blockseminare sind wohl die effektivste Form, sich ein Thema zu erschließen, und: Selbst bei Regen kann man sich nachmittags mit Tischkicker und (welch ungewohnter Luxus!) sogar zimmereigenen Fernsehern gut unterhalten. So konnte ich etwa meine (noch) miserablen Italienischkenntnisse durch einen beeindruckenden Tarot-Kartenleger und anspruchsvolle Talkshows schulen. Bei schönem Wetter lassen sich Nachmittage und Abende mit bloßem durch-die-Gassen-Schlendern vortrefflich verbringen. Wer wie wir einen Reiseführer von 1972 mitgebracht hat (Danke, Herr Ford!) wird darin sogar einige nicht mehr existente Brücken und früher wohl noch betretbare Ruinen verzeichnet finden, nicht jedoch die Isola San Servolo: die war nämlich bis 78 eine psychiatrische Anstalt und somit kein Bildungsbürger-Material. Ein klein wenig gruselig wirkt die Insel – jedenfalls bei Dunkelheit und Nebel – heute noch, vor allem aufgrund der rundum angebrachten meterhohen Mauern, die nur ab und zu mit vergitterten Öffnungen den Blick auf die Lagune freigeben.
Den tiefgreifenden Erholungseffekt von Paternalismuskritik, Vaporetti, Pizza "Tira e Molla" und Aufenthalt in fürsorglicher (!) Sanatoriumsatmosphäre konnte der mehrstündige Flughafen-Wahnsinn auch nicht ganz zunichte machen – irgendwie hätte man dieses Chaos aber schon ahnen können bei einem Airport, der nach einem der notorischsten Lügner der Weltgeschichte benannt ist…

(
Bild: Letcombe/wikimedia commons)

Inselrätsel

…da fährt Cohu jetzt mal kurz hin.

Sieben Jahre in Grosny

In der taz findet sich ein hochinteressanter Artikel über das Chinabild des Westens, insbesondere im Bezug auf den Tibetkonflikt:

Die Berichterstattung in den westlichen Medien wiederum gleicht einer Art Hysterie. Schon lange gilt Tibet in Europa und Nordamerika als etwas ganz Besonderes und Mystisches. Tibet wird als ein exotisches Gebilde angesehen, das idealisiert und als "rein" begriffen wird, als "Mythos Tibet", wie ein vor einigen Jahren erschienenes Buch dieses Phänomen nannte. Hier sei auch daran erinnert, dass Tibet vor 1950 keineswegs eine harmonische, auch nur annähernd demokratische, sondern eine stark hierarchisch organisierte Klassengesellschaft war, die selbst der Dalai Lama als "feudal" charakterisiert hat: mit einer erblichen und besitzenden Adelsklasse an der Spitze und einer großen Zahl armer oder landloser Kleinbauern – auch wenn niemand mehr dorthin zurück möchte.  (Thomas Heberer in der taz)

Flagge der tschetschenischen Exilregierung

Wer weiß: hätte mein Jugendheld Heinrich Harrer nicht in Lhasa, sondern in Tschetschenien seine Zuflucht gefunden und ein dementsprechendes Buch geschrieben, dass man dann wiederum mit Brad Pitt hätte verfilmen können, würden die Lisa Simpsons dieser Welt Free Tchetchnia rufen (wenn es sich auch nicht so schön anhört).

In dieser Hinsicht haben die Tschetschen aber eher Pech gehabt.

Hallo Nachbar

Nicht nur im Realen beschäftige ich mich mit meiner Nachbarschaft, nein, auch im Virtuellen.
So weckt es natürlich gleich mein Interesse, dass auf "www.çohu.org" eine neue Seite entstanden ist –  anscheinend geht es dort um etwas Ehrenwertes, nämlich, so mich meine beschränkten Kenntnisse des Albanischen nicht täuschen, eine im Kosovo ansässige Organisation "für Demokratie, Anti-Korruption und Menschenwürde." (Letztere heißt, sehr nett: "Dinjitet"). Inhaltsunabhängig hat das Albanische dank der vielen e-Punkte ein reizendes Schriftbild (siehe Abb. und Text) Was es alles gibt!

Propaganda in deutschen Schulen!

Mindestlöhne hatten wir schon, die Jungausländerkriminalität überlasse ich anderen (obwohl ich schon sagen muss, “Die Lippe” bringt da einige Brüller – “Die Sprache im Miteinander muss Deutsch sein.” – bring das doch erstmal Deinen Landeskindern bei!).
Also zum Thema:
Foreign Policy berichtet von “gefährlicher Indoktrination”, die allerdings nicht in Scientology-Kindergärten, sondern an europäischen Staatsschulen stattfindet! Was wird dem Schüler beigebracht? Eine starke Abneigung gegen den Freien Markt.
So liest der französische Oberschüler in seiner Histoire du XXe siècle (2005):

“Wirtschaftswachstum führt zu einer hektischen Lebensform, zu Überarbeitung, Stress, Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und, so sagen manche, sogar zu Krebs.”

Die Übel des Kapitalismus kann – so “Foreign Policy” – kein Franzose mit Schulabschluss mehr ignorieren, sogar komplizierte Vorgänge wie “Globalisierung” werden ihm, natürlich als Alptraumszenarien, nahegebracht, während er hinsichtlich ökonomischer Grundprinzipien, wie Angebot und Nachfrage, vollständig unbeleckt bleibt.
Aber auch in Deutschland ist es nicht besser. Schulbücher erzählen über die Wirtschaft fast ausschließlich aus der Perspektive des (gewerkschaftsvertretenen, betriebsratsorganisierten, kündigungsgeschützen) Festangestellten – der Unternehmer wird als Karikatur, inklusive Zigarre oder lächlich mit Handy, dargestellt. Es wird empfohlen, sich zum Thema “Globalisierung” doch mal bei attac (zweifellos einer neutralen, objektiven Instanz) zu informieren. Die Lösung für Arbeitslosigkeit? Arbeitsagentur, Montagsdemos, ABM-Maßnahmen. Wirtschaftswachstum beruht auf Ausbeutung der Dritten Welt (die übrigens auch ausschließlich in dieser Funktion des “Ausgebeuteten” in deutschen Schulbüchern vorkommt).
Laut FP führt diese Indoktrination in unseren Ländern zu einem “anti-market bias”, und diese Einstellung wiederum gefährdet die wirtschaftlichen Aussichten Europas. Wer den Markt nicht versteht, und vor allem, wer ihm nicht vertraut, wird kein Geschäft aufmachen:

Taught that the free market is a dangerous wilderness, twice as many Germans as Americans tell pollsters that you should not start a business if you think it might fail.

Zu tatsächlichen Auswirkungen auf die europäische Produktivität kann ich wenig sagen. Fest steht, dass das deutsche Schul- und Unisystem einen mit exzellenten Noten bis zur Promotion, ach, was sag ich, bis zur Habil kommen lässt, ohne die Grundlagen des Wachstumsbegriffs, des Marktbegriffs, oder gar große Denker wie Smith oder Hayek auch nur gehört zu haben. Auch Leitartikler großer Tageszeitungen kommen weitestgehend ohne die “unsichtbare Hand” zurecht. Alles aufgrund der Propaganda in den Schulen.
Für mich ist die Konsequenz klar. Meine Kinder kommen in eine von libertären Radikalen betrieben Privatschule, vorher werden die schon in der Wiege zu unternehmerischer Tätigkeit angehalten. Warum mit der Schaufel zuschlagen, wenn man dem Kindkollegen den Bagger auch abkaufen kann? Zum Einschlafen gibts Onkel Miltie mit “Free to Choose.” Counterprogramming ist angesagt!

Reisebericht

Abb.1: Kultureller Widerstand am "Café Erdpyramiden"

Da der bayrische Wald uns tourismustechnisch leider nicht überzeugen konnte (Cohu berichtete), ging unser letztjähriger Jahresendurlaub also doch ins Ausland, zur besser kompatiblen Destination Südtirol, genauergesagt auf den Ritten, einen Berg überhalb von Bozen, und zwar in dieses Gasthaus. Zusätzlich zu etwa 25 aktuellen Reiseführern hatten wir auch noch einen "Merian" aus dem Jahre 1957 dabei, der sich insbesondere hinsichtlich der politischen Situation im schönen Südtirol als sehr instruktiv erwies.
Die Italianisierung, die damals insbesondere im Bozner Raum betrieben und vom Innsbrucker Merian-Autor beklagt wurde, hat wider Erwarten nicht zu einem vollkommenen Verlust deutschtiroler Kultur geführt – siehe Abb. 1. Dies mag auch daran liegen, dass der Italiener (wie etwas unsere Mit-Hotelgäste) bis heute keine Winterreifen aufzieht, was ihn in der Gebirgsregion empfindlich benachteiligt. Die tiefreichende Verwurzelung der Tiroler in der deutschen Kultur sieht man u.a. daran, dass an jedem Kastanienbaum große Schilder angebracht sind, die das Sammeln von Maroni unter strenger Strafandrohung untersagen ("Privatbaum!"), d.h. was dem Starnberger sein BMW ist dem Südtiroler seine Keschte. Säkularisierungstendenzen sind hier allerdings noch nicht so weit vorgedrungen, so gibt es zumindest am Ritten eine Kirchen-, Marterl-, Votivtaferl- und Kreuzweg-Dichte, die die von Handymasten, ach was, die von Handys, in belebten Großstädten weit in den Schatten stellen dürfte. Am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, wurde in der von uns aufgesuchten Wallfahrtskirche "Maria Saal" übrigens laut Aushang für "an AIDS Erkrankte" gebetet, und zwar "besonders für Frauen und Kinder".

Abb. 2: Priapische Pyramide

Immerhin konnten wir aber dank des italienischen Einflusses einen Abend in einer Pizzeria zubringen und erfolgreich dem sonst allgegenwärtigen Nocken-, Knödel- und Gröstl-Terror der Tiroler Stuben (auch hier deutliche Anklänge an das, was Siebeck so gerne als "Plumpsküche" bezeichnet), zu entfliehen. Das Hotelrestaurant der "Bemelmans Post", die früher lange Jahre sogar Sigmund Freud während seiner Sommerfrische beherbergt haben soll und eine wunderschöne Jugendstil-Esshalle ihr eigen nennt, war leider ausgebucht. Klar ist allerdings, was den von dunklen Trieben faszinierten Vater der Analyse nach Klobenstein gelockt hat: es können nur die Rittner Erdpyramiden gewesen sein, zur Illustration s. Abb. 2.

Abb. 3: Runkelstein

Wintersport war mangels Schnee (selbst auf über 1500m) nicht drin, daher ging es schließlich noch ins Tal nach Bozen zum "Schloss Runkelstein" (s. Abb. 3). Die Burganlage ist für allem für ihre tatsächlich sehr beeindruckenden Profanfresken bekannt und nennt sich nach einer Restaurierung und neuem "Branding" Anfang dieses Jahrtausends auch "Die Bilderburg". Etwas im Widerspruch zu dieser Marketingstrategie steht, dass man keine Fotos oder sonstigen Filmaufnahmen der Fresken machen darf (hier immerhin eine sehr dürftige Galerie auf der Seite der Stadtgemeinde Bozen, die keinen guten Eindruck von den Fresken vermittelt). Also bleibt dem werten Leser alles in allem gar nichts anderes mehr übrig, als selber mal hinzufahren. Meinen 57er Merian kann ich Euch gerne leihen.

Star and Stripes

Für alle Wissensdurstigen: "Was Liberia (ja, das Land in Afrika) mit den USA zu tun hat". Das ist eine ziemlich abgefahrene Geschichte, die ich tatsächlich noch nie gehört hatte.
(Wers noch nicht kennt: "USA erklärt" ist mal wieder eine dieser exzellent recherchierten, mit Liebe geschriebenen Netzpublikationen in Blog-Form, die alles Geseiher traditioneller Journalisten über den Qualitätsmangel im Netz Lügen straft.)

(Bild: Wikimedia Commons)