Vorübergehend!? Von wegen, seit Sommer warte ich drauf, liebe/r/s VIOLAS’ (bevor jetzt wieder Beschwerden kommen, der Apostroph gehört da wirklich hin, vermutlich weil sich die wohlhabenden Eppendorfer wie alle Oberschichtsdeutschen so gerne im douleur exquise erboster Sickiaden ergehen). Jedenfalls, wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, usw usf., und hier der Lohn meiner Mühen:

Echte Hamburger Pfeffersäcke, die besten Sorten in frischester Qualität, Cohu-Flugimport aus der Hansestadt. Wenn man sich daran gewöhnt hat, damit zu kochen, versteht man, warum einmal ganze Wirtschaftsimperien um den Pfeffer herum aufgebaut waren: in guter Qualität ist er nämlich einer der potentesten Geschmacksverstärker (und man bedenke: damals gabs noch kein Natriumglutamat!)
Im Lokal Brodersen genoss ich übrigens auch noch das beste Wiener Schnitzel meines Lebens. Dabei ist es eigentlich bekannt für "original Hamburger Spezialitäten" (und wieder Achtung, Sickianer: ein Viertelgeviertstrich zuviel an dieser Stelle, und man landet hier!). Damit der bayerisch-österreichische Kulturraum diese Schande nicht mehr allzu lange auf sich sitzen lassen muss, darf ein Besuch bei Herrn Figlmüller jetzt nicht mehr lange aufgeschoben werden…
Das hat schon einen Touch Verzweiflung, wenn man wie Cohu eine Handvoll (ok: ein gutes Dutzend!) Jahre nach Erreichen der Volljährigkeit noch versucht, ein Instrument wie die treue Fiedel zu erlernen. Wenn das Rosshaar mal wieder besonders missmutig quälend über den Stahl kratzt, liegt der Gedanke nah: “Zu spät! Alles zu spät! Ich kann vielleicht noch die Bogenhand lernen. Oder die Spielhand. Aber für beides bin ich einfach zu alt! Vielleicht doch Triangel? Oder Bratsche?”
Aber, liebe Leser, es gibt Hoffnung. Das hier war die Blues-Sängerin Alberta Hunter im zarten Alter von 28. Nicht schlecht – aber auch nicht das Tollste, was man je gehört hat.
Spulen wir doch mal ein halbes Jahrhundert – ja, fünfzig Jahre – vor in ihrem Leben und sehen uns an, was das bisserl Üben in der Zwischenzeit gebracht hat:
Und hier ist sie nochmal, mit einer unglaublichen Performance des Liedes “Two-fisted Double-Jointed Rough ‘n’ Ready Man” vier Jahre später – also im Alter von 86:
Ich kombiniere: es ist nie zu spät.
Die morgige Verleihung des ersten Feministischen Pornofilmpreises auf Europäischem Boden ist ja an sich eine gute Sache, wenn auch ziemlich verspätet – eine lebendige Bewegung zur feministischen Demokratisierung oder Verteidigung von Sex bzw. Pornos gibt es auf dem amerikanischen Kontinent schon seit den 80er-Jahren, während bei uns nach wie vor eine unheilige Allianz aus DworkinianerInnen und anderen Ideologen den Diskurs beherrscht.
Aber mal ehrlich: wenn die taz dann dazu aufruft, Pornos sollten “die Lebensrealität von Frauen ausdrücken”, reichts einem doch schon wieder. Realistische Pornos! So eine idiotische Kopfgeburt kann doch nur aus Richtung Links kommen, also aus der gleichen Ecke wie gesunde Pizza, lebendes Wasser oder Recycling-Klopapier!
Was den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften angeht, deuten die Wett-Quoten momentan auf Eugene Fama. Da laut Famas Effizienzmarkthypothese von 1970 Märkte (und somit auch Wettmärkte), funktionieren, kann das Nobelpreiskommittee eigentlich nicht danebenliegen: Wenn Famas Hypothese stimmt, gewinnt er den Nobelpreis – wenn Fama den Nobelpreis nicht gewinnt, stimmt seine Hypothese nicht! (so erklärt bei Marginal Revolution).
Ein lustiges Bild enthält außerdem eine andere Theorie Famas. Die Kursbewegung von Aktien lassen sich laut Fama als "random walk", also Zufallspfad, beschreiben – d.h. als Weg, bei dem die Richtung eines jeden einzelnen Schritts nicht von der Richtung der vorhergegangenen Schritte beeinflusst wird und also überhaupt nicht vorhersagbar ist. "Random Walks" spielen auch in anderen Bereichen der Wissenschaft (z.B. Molekularbewegung) eine Rolle. Mathematisch Unbegabte stellen sich hier ein aus dem echten Leben gegriffenes Beispiel vor – den torkelnden Zufallspfad eines besoffenen Matrosen:
A "drunken sailor" stands in one of the two crossroads and he wants to leave the town. Since the sailor is very drunk, the probabilities of travelling up, down, left or right are equal. What is the probability for the sailor to reach each one of the six town exits? (The Drunken Sailor Problem, inklusive anschauliches Applet)
Das ist doch gleich ganz was anderes als die albernen verhungernden Esel oder neurotischen Barbiere, mit denen man’s in der Philosophie zu tun hat…
Der jahrelang juristisch umstrittene Werbespot der taz, der jetzt doch ausgestrahlt werden darf, ist einerseits vollkommen harmlos, aber andererseits – und das ist viel schlimmer – doch irgendwie überhaupt nicht lustig. Eher extrem unsympathisch, würd ich jetzt mal sagen, ähnlicher Effekt wie bei den Mac vs.PC-Spots (Cohu berichtete). Seht selbst:
Aber andererseits, die taz ist damit ja ganz am Puls der Zeit bzw. der Zeit voraus. Denn mit diesem widerlichen Klassenkampf-von-oben-Ton machen sie sich bei der neuen Generation von FDP-Wählern sicher beliebt (und das sagt mit mir wohlgemerkt jemand, für den sowohl FDP-Wählen als auch taz-Lesen zumindest zur optionalen Lebenswirklichkeit gehört). Der Herr in Ballonseide scheint mir jedenfalls, so von der Konstitution her, in der Regel weit nach 11 Uhr aufzustehen…
Zur Feier der Deutschen Einheit ist traditionell der Verzehr einer berüchtigten Frucht angesagt: Musa paradisiaca sapientum. Und ein ganz verwestlichtes Rezept brauchen wir, nehmen wir also eins aus dem Herzen des Kapitalismus: Banana Bread, das verwirrenderweise kein Brot ist, sondern eher ein Kuchen. Dafür vermischen wir 200g weißes und 75g Vollkornmehl mit 2 TL Backpulver und 1/2 TL Natron sowie einer Prise Salz, dazu kommen ca. 100 g weißer, 40g Vollrohr- und 10g Vanillezucker. Dann werden in einem Topf 100 g Butter und 75g Peanut Butter in etwa 80ml Milch geschmolzen. Etwas abkühlen lassen, 2 Eier dazu und verrühren. Und jetzt das Wichtigste: 3-4 dekadent-überreife Bananen!

Diese krummen Symbole des Freien Marktes – und jetzt werden sich auch die Altkommunisten unter meinen Lesern freuen! – aggressiv mit der Gabel zermatschen. Wer sich nach noch nicht mal 20 Jahren mit Bananen noch nicht so richtig auskennt, dem sei gesagt: auf jeden Fall schälen! Schließlich ganz am Schluss, wenn der Ofen schon vorgeheizt und die Kastenform vorbereitet ist, die flüssigen Zutaten mit einem Holzlöffel unter die trockenen rühren (nicht zu lange, Klümpchen sind ok), die Bananen dazu, wenn man will auch noch ne Hand voll Walnüsse, und alles bei 180° C etwa eine Stunde backen:

Das Brot eignet sich, da es nicht zu süß ist, gut fürs Frühstück. Und zum Backen brauchts natürlich einen Soundtrack:
Dieses Lied gabs unter dem Titel “Ausgerechnet Bananen” übrigens auch als deutschen Schlager – adaptiert wurde es von Fritz Löhner-Beda. Bei Lektüre seines Lebenslaufes vergeht einem die Lust auf Einheitsfeiern allerdings gründlich. Eine neuere Adaption dürfte leider wesentlich bekannter sein: der idiotische 5-Minuten-Terrine-Werbesong…
Ich sags Euch, für dieses Thema brauch ich jetzt langsam eine eigene Kategorie (hallo, IT?) – also jedenfalls, ein wunderbarer Jodelsong, der auch textlich wunderbar zum eben verstrichenen Wahlkampf passt (Red Klartext, Mädel). Außerdem ist zumindest dieses Video davon – genau wie die neue Regierung – sowas von Retro.
Der Aaron Neville singt wirklich so, also in echt. Laut Wikipedia ist das sein persönlicher “Vibrato-Gesangsstil … der durch Gene Autrys Jodeln beeinflusst ist”. Für meine unprofessionellen Ohren hört sich das ja fast schon nach Melodyne an (bekannter ist das unter dem Namen “Cher-Effekt”, aua). Egal, mit dem Neville steht jedenfalls fest: Jodeln kann man man nicht nur in den Bergen, sondern auch in New Orleans.