Bei den Herren hieß das noch: “wir”


…und man denke an die Drögheit der Formulierung "Deutschlands Katholiken sind Papst". Aber
 die Identifikation mit kickenden Weibern will einem das Leitmedium dann halt doch nicht zumuten. Danke!

[Update: man ist doch nicht davor sicher. Das schreibt nämlich "Tagesschau.de":

Nicht, dass es da jetzt bei den männlichen Lesern zu Gender-Verwirrung kommt…]

Ich lachs mich tot

Wozu man so eine Nasenklammer braucht, war mir bis heute ein Rätsel. Unter Wasser vermeide ich es beim Schwimmen einfach kategorisch, einzuatmen, wozu dann also die Nase zuzwicken? Sehe außerdem mit der Schwimmbrille eh schon bescheuert genug aus. Meine modisch an die 80er angelehnte leucht-pinke Nasenklammer wurde demnach jahrelang nicht benutzt!
Jetzt aber die Umwidmung: die Klammer hat schon was mit Unterwasser-Leben zu tun, aber nur sehr indirekt. Sie ist in Wirklichkeit dafür gedacht, Menschen wie mir zu dienen, die mit einer Person zusammenleben, die der Meinung ist, dass Lachs-Rührei ein akzeptables Sonntagsfrühstück sei.  Ich bin aufgrund meines Hobbies viele Arten von Gestank gewöhnt (Hefegärung, Cyanobakterien, Moder, Pilze, Krill, auftauende Insektenlarven und eigentlich auch tote Fische) – aber der verrottende Salmo salar, den die IT so gerne isst, gibt mir ein Gefühl, das sonst wohl nur Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel kennen. Lange Zeit versuchte ich, dem bestialischen Gestank vom Nebenteller durch Fächern (mit Zeitschriften oder Servietten) oder aufgerissenen Fenstern Herr zu werden. Schluss damit! Ab jetzt gehört die Lachsrührei-Nasenklammer genauso fest zu Cohu’s Küchenrepertoire wie der Zwiebelhack-Schnorchel, der für die Zubereitung von Zwiebelkuchen unabdingbar ist. Ein Lob der modernen Technik!

(Bild: Wikimedia Commons)

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Auf Restaurantsuche

Zum Restaurant "Kalypso" in der Agnesstraße sagt munichx:

"Typisch griechisches Restaurant mit typisch griechischer Küche und Einrichtung. Das Personal ist auch sehr griechisch, aber zuvorkommend."

Hat das ein Türke geschrieben?

Frauen im Internet

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Decline of a Nation: Der letzte macht das Licht aus

In Großbritannien wird es ab 2012 keine normalen Glühbirnen mehr zu kaufen geben – dazu hat sich der Handel in einer freiwilligen Initiative bereit erklärt. Greenpeace und der Opposition geht das nicht weit (und nicht schnell) genug. Freiwillige Initiative, das wär ja noch schöner! Ein Verbotsgesetz muss her! Sofort! Glühbirnen zu Pflugscharen!
Wir sollten uns jedenfalls schon mal vorbereiten: die Müllberge und verschmierten Wände der Insel sowie die fröhlichen Wildbiesler können wir bald im kalten, nichts versteckenden und nichts der Phantasie überlassenden Licht der modernen Energiesparlampe betrachten. 
Ach ja: Heizung und warmes Wasser sind in Großbritannien schon immer verboten (bzw. ganz streng rationiert), wie jeder von Euch, der schon mal das Vergnügen hatte, einen tradtionellen britischen Haushalt zu besuchen, sicher gemerkt hat. Was tun die nicht alles für das Klima!

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Cohu’s Bücher

Die Verlage fürchten sie, die Autoren zittern, die Feuilletonisten erwarten sie sehnsüchtig, und Trauben von Journalisten von FAZ bis 3Sat stehen mit gezückten Mikros unten vor der Tür: es ist mal wieder Zeit für Cohu’s Abrechnung mit den Urlaubsbüchern 2007.

Johnathan Safran Foer: Everything is Illuminated (2002)
Selten ein Buch gelesen, bei dem durch Besprechungen geweckte Erwartung und tatsächliches Lesevergnügen so weit auseinanderklafften. Der “Borat”-Stil des Ukrainischen Reiseführers ist reizend (und war auch sicher viel Arbeit), aber ansonsten kann ich damit einfach nichts anfangen. Kann auch ein Zeichen dafür sein, dass ich eiskalt bin und kein Herz habe, denn nach diversen Kritiken bringt die Lektüre dieses Wunderkind-Werks selbst den härtesten Knochen zu wahren Tränenströmen. Cohu hat höchstens mal gekichert. Bin ich ein Psychopath?

Ian McEwan: Black Dogs (1992)
Nochmal Nazis, zumindest am Rande. Den “Zementgarten” fand ich ja wirklich super. Der kann nämlich schon ganz erstaunlich gut schreiben, der Herr McEwan, auch hier. Ganz schön unheimlich. Aber viel mehr ist, find ich, an dem Buch nicht dran. (Was das mit den schwarzen Hunden auf sich hat, kann sich ein verderbtes Ding wie Cohu schon bei ihrer ersten Erwähnung denken…).Für eine Kurzgeschichte hätt’s gereicht, aber nicht für einen Roman.

Zadie Smith: On Beauty (2005)
Nochmal ein Wunderkind. Und es geht um einen Familienroman, das liegt Eurer Rezensentin. Es ist auch richtig “readable”, so zum Runterlesen am Strand: super. Allerdings hat man nach ca. ner halben Stunde auch schon wieder vergessen, worum es ging, und die Charaktere wecken (vielleicht bis auf Levi) kein besonderes Interesse, da sie sich eh nicht entwickeln oder ändern. Naja, aber das kann man schon empfehlen.

Orhan Pamuk: Schnee (OA 2002)
Um Gottes willen, war das langweilig. Da begebe ich mich mit der Einführung eines das Türkentum verunglimpfenden Werkes in die Türkei in Lebensgefahr, und dann sowas. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, jemals ein Buch mit einem so lätscherten, unsympathischen und weinerlichen Protagonisten gelesen zu haben. Als es (für ihn) schlecht ausgeht, atmet man regelrecht auf. Dabei ist “Schnee” laut Cohu’s Schwester noch das spannendste Buch von Pamuk…naja, jetzt nehmen wir einfach mal an, dass es an der Übersetzung liegt. Denn sonst hätte der ja wohl kaum den Nobelpreis bekommen, mit so einem gaaaanz langweiligen, literarischen Zeug, oder? Hab ich Recht?

Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau (2002)
Angeblich der Roman über das moderne Ägypten. Wenn dem so ist, möge die ägyptische Literatur noch etwas an sich arbeiten. Das ist aber trotzdem ein ganz solides, mitreissendes Buch, das viel von einer Seifenoper (also, wohl am ehesten von der Lindenstraße) hat und einem tatsächlich die ägyptische Gesellschaft etwas näher bringt. Durchaus empfehlenswert!

Friedrich Glauser: Matto regiert (OA 1936)
Ein Krimi, der in einer schweizerischen Irrenanstalt spielt (in der wohl der Autor selbst so manche Zeit verbracht hat). Cohu ist ja ansonsten keine Krimi-Liebhaberin, aber für Glauser mache ich eine Ausnahme, weil das ja schließlich auch (einer der ersten) “literarischen” Krimiautoren ist. Besonders interessant fand ich die Anmerkungen und den Editorischen Bericht (Ausgabe des Limmat Verlags Zürich, 1995)

Herman Melville: Bartleby (1853, in: Billy Budd and Other Stories, Penguin 1986)
Die surreale Geschichte des Schreibers Bartleby muss jeder gelesen haben. Hier kann man das sogar im Internet. Los, auf geht’s! Und ich will jetzt nicht hören “I would prefer not to.”

Henry David Thoreau: “Walden, or, Life in the Woods”(OA 1854), and: “Civil Disobedience” (Signet Classic, 1960)
Aha, jetzt kommen wir zu den guten Büchern. Walden muss nämlich auch jeder gelesen haben. Böse Zungen behaupten, das wär stinklangweilig, weil Thoreau sich seitenlang über die Tiefe seines Tümpels und das Leben von Eichhörnchen auslässt. Lirum, larum! Das Buch wird gelesen, meinetwegen auch da. Zumindest die Economy. Was für ein erfrischender Liberaler, ganz ohne Produktionswahn und Konsumfetischismus! Sonst will ich hier nämlich keinen, auch nur den leisesten, Globalisierungs- oder Kapitalismuskritischen Ton hören. Wer den Thoreau nicht kennt, braucht da gar nicht mitreden. Schluss, aus, Nikolaus!

Marisha Pessl: Special Topics in Calamity Physics (2006)
Wir haben einen Gewinner! Vom etwas Schnulzroman-artigen Cover bitte nicht abschrecken lassen, weiß nicht, was die sich da gedacht haben: es ist ein Thriller. Der ist fast so gut wie “The Little Friend” (Donna Tartt), nur noch etwas lustiger. Hat auch was von Eugenides. Aber Obacht. Das Ding hat 668 Seiten. Wer es aufschlägt, sollte darauf gefasst sein, bis zum Ende der Geschichte nicht mehr ansprechbar und nur eingeschränkt zur Arbeit, Sozialkontakten oder anderen Freizeitbeschäftigungen fähig zu sein. Eine ganz nette Internetseite hat das Buch übrigens auch. Ein großer Spaß!
[Beweis dafür, dass es keinen Gott gibt: die Autorin ist 27 und sieht so aus. Der SPON-Rezensent schäumt ob dieser Ungerechtigkeit vor offensichtlichem Neid derart über (“Steril wie ein Satz OP-Handschuhe”), dass er einem regelrecht leid tut…ach, Herr Henning, sie werden mit ihrer Schreibe sicher auch noch berühmt. Und schön. Und jung. Im nächsten Leben.]

Vögel in Adrasan

Hier mal eine kurze Liste der interessanteren Vögel, die Cohu im Türkei-Urlaub nahe Antalya aufgespürt hat. Jaja, ich weiß, für meinen durchschnittlichen Blogleser nicht besonders interessant, aber vielleicht für den einen oder anderen Birdwatcher, der über Google nach Adrasan sucht. Wohlgemerkt hatte ich nicht mal ein Fernglas dabei, aber diese bunten und exotischen Viecher kriege ich auch grade noch so bestimmt. Voilá:

– Bienenfresser (Merops apiaster, siehe Abb.), ein größerer Trupp lebt in den Hügeln und durchquert mehrmals am Tag das Tal.
– Wespenbussard (Pernis apivoris), kein Wunder, bei den ca 4cm langen Riesenwespen, die überall rumfliegen. Über dem Berg auf der Südseite der Bucht gesichtet. Es gab noch andere Raubvögel, aber ohne Fernglas: keine Chance.
– Eisvogel (Alcedo atthis). Wie nicht anders zu erwarten: am Fluss, der wohl nicht so dreckig ist, wie er stellenweise aussieht.
– Haubenlerche (Galerida cristata), überall am Strand
– Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus). Die Gute (denn es war anscheinend ein Weibchen) konnten wir aus ein paar Meter Entfernung bei der Mottenjagd an einer Straßenlaterne vor dem Hotel beobachten. Gehört habe ich sie seltsamerweise nie, vielleicht war sie nur auf dem Durchzug?
– Gelbsteißbülbül (Pycnonotus xanthopygos). So, den gibts (in Europa) tatsächlich nur an der türkischen Südküste und es handelt sich daher auch um eine neue Spezies auf Cohu’s ellenlanger Artenliste! Gesichtet in den Obstgärten am Fluss.

(Bild: Marek Szczepanek/Wikimedia Commons)

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Reaktorsicherheit

Reaktoren sollen ja – das lehren uns täglich wieder neue Nachrichten aus der Weltpolitik – nur von Leuten betrieben werden, die wissen, was sie tun. Nun betreibt aber auch Eure Cohu einen Reaktor. Entspricht seine neue Konstruktion den Sicherheitsstandards? Oder habe ich eine Rüge der IAEO oder gar internationale Sanktionen zu befürchten? Die (gefühlten und tatsächlichen) Ingenieure unter Euch bitte ich um ein promtes Risk-Assessment. Und zwar hier.

Eine lange erwartete Quantifizierung

Wir wussten ja, dass München toller ist als die Hauptstadt – aber um wie viel toller ? Nun gibt es endlich Zahlen: wenn Menschen bereit sind, für das Leben in München 70% mehr zu zahlen als für das Leben in Berlin, heißt das in Präferenzen übersetzt, dass München auf den Bevölkerungsdurchschnitt gerechnet exakt 70% toller gefunden wird als Berlin.
(Für mich persönlich sind es eher sowas wie 200%. Keine 10 Pferde brächten mich für läppische 200€ im Monat nach Berlin!)

Decline of a Nation: nasty, brutish, and short


So schaut’s typischerweise bei den BBC News UK aus. Jedesmal, wenn ich diese Seite aufschlage, kommt es mir wie ein Wunder vor, dass in Großbritannien überhaupt noch Menschen am Leben sind…
Unvermittelt kommt einem diese Textpassage in den Sinn, die jedoch schon ein paar hundert Jahre vor der Einrichtung von BBC-Seiten verfasst wurden:

"(…) no commodious Building; no Instruments of moving, and removing such things as require much force; no Knowledge of the face of the Earth; no account of Time; no Arts; no Letters; no Society; and which is worst of all, continuall feare, and danger of violent death; And the life of man, solitary, poore, nasty, brutish, and short." (Leviathan)

Der Autor dieser weltberühmten Zeilen war, wie könnte es anders sein, natürlich: Engländer! Ist das genetisch?

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