Ein Blog. Aussschließlich über grantige Hasen.
Ein Blog. Aussschließlich über grantige Hasen.
Wow – bin gerade beinahe rückwärts von meinem ergonomischen Giersberger-Bürostuhl gepurzelt – unsere Fakultät hat einen nigelnagelneuen Webauftritt, oder soll ich sagen, einen "Neuen WEB-Auftritt". Da wird man doch jetzt endlich mal zentral alle Gastvorträge, Diskussionsveranstaltungen, Ringvorlesungen etc. auf einer Seite… aber zu früh gefreut. Das Abgrasen der über den Campus verstreuten Schwarzen Bretter bleibt uns armen Philosophen also doch nicht erspart, und so manches Seminar wird weiterhin nur im Geheimzirkel der Eingeweihten abgehalten, während auf Vorträge am Vortag hektisch mit einer "bitte erscheinen Sie zahlreich"-Mail hingewiesen wird, die allerdings auch nur Ausgewählte Rezipienten bekommen. Liebe Philosophen, wir müssen doch nicht für immer im Mittelalter verharren!
Mein Tipp: von jedem zum Semesteranfang eine kleinere Anzahl an Reisetauben (so 20 Stück dürften reichen) einsammeln, und diese dann etwa 1 Woche vor der Veranstaltung mit einer Einladung losschicken.
(Bildausschnitt: John Frederick Lewis, "Gefangene Taube", 1864)
Achtung: beim Shiva in der Augusten/Hessstr., einem ansonsten sehr empfehlenswerten kleinen Inder, ist es ratsam, die beiden Worte “sehr scharf”, die neben dem Begriff “Chicken Vindaloo” abgedruckt sind, ernst zu nehmen. Die Wirkung des (immerhin sehr appetitlich aussehenden) Gerichts, das sich hinter diesem Begriff verbirgt, ließ beim (gottseidank mit Cohu nicht identischen) Rezipienten als erstes den Gedanken “Warum verwenden die Amerikaner sowas eigentlich nicht als Foltermittel” aufkommen – im danach folgenden Kampf mit dem Killer-Karai hätte ich beinahe einen meiner treuesten Leser verloren! Immerhin: er war sehenden Auges ins Unglück gelaufen. Warum man überhaupt scharf essen soll, können wir natürlich bei Wikipedia nachlesen. Angeblich dient es:
1. der Senkung (!) der Körpertemperatur – ich hatte da vorgestern einen anderen Eindruck, das mit dem Schwitzen kann allerdings hinkommen. Bei der IT, der zweiten Versuchsperson, habe ich gestoppt, es hat ca. 7,3 Sekunden gedauert, bis die ersten Schweißperlen auf die Stirn traten.
2. als Geschmacksverstärker – da war nur ein Geschmack: scharf. Und der war sehr stark. Kann sein, dass die Schärfe sich noch selbst verstärkt hat. Das konnte ich (die dritte Versuchsperson) aber dann nicht mehr rausschmecken.
3. der Ausschüttung des Glückshormons Endorphin – das allerdings macht Sinn, denn Wikipedia sagt uns auch: “Das Endorphinsystem wird unter anderem in Notfallsituationen aktiviert. Die Endorphinausschüttung ist der Grund, warum manche schwer verletzte Menschen zunächst keine Schmerzen verspüren.”
Zunächst heißt in diesem Fall: für die ersten 10 Sekunden. Ich bleib beim vollkommen schmerzlosen Chicken Badam Pasanda. Da muss ich allerdings die Rosinenhasser unter Euch vorwarnen…
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Sinnlos im Internet Flashgames spielen –> 1 schlechtes Gewissen
Hungrigen Menschen Reis spenden –> 1 gutes Gewissen
Englischvokabeln lernen –> 1 gutes Gewissen
Macht: 2:1 für gutes Gewissen.
Wer den Punktvorteil ausnützen will: sofort hier hinsurfen!
Cohu hat seit ihrer Kindheit eine geheime Leidenschaft. Leider musste sie feststellen, dass diese nur wenigsten teilen, ja, dass sie von der überwiegenden Mehrheit der Gesellschaft abgelehnt wird. In meinem Umfeld stieß ich auf heftig angewiderte Reaktionen. Freundschaften zerbrachen, Beziehungen wurden schütter, ich verlor mehrere Jobs, ja, ich erwog bereits, mich in therapeutische Behandlung zu begeben, um mir die (wenn man meiner Umwelt glauben mag) perverse Vorliebe abgewöhnen zu lassen. Ich versuchte schließlich, meine unnatürliche Neigung vor allen zu verbergen und dieser Leidenschaft nur noch nachzugehen, wenn ich mich alleine und unbeobachtet wähnte. Das machte natürlich alles nur noch schlimmer! Tag und Nacht konnte ich nur noch an eines denken:
Das ist er nämlich, mein geheimer Fetisch: diese köstlichen kleinen grünen Köpfchen, die normale Menschen schon als Kleinkind angewidert ausspucken. Die Kröten des Gemüsegartens, könnte man sagen
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Mein Leben war, ob meiner missgeleiteten Neigung, ein Trümmerhaufen. Aber heute abend schöpfte ich Hoffnung. Durch den Amateur Gourmet bin ich auf dieses Rezept gestoßen, das angeblich selbst die hartnäckigsten Feinde der köstlichen Brüssler Sprossen zu knacken weiß – habe mich allerdings hier nicht an die Zutaten gehalten, praktisch nur an die Zubereitungstechnik.
Erstmal werden die Rosenkohlköpfe geputzt, gewaschen und halbiert. Dann habe ich etwa 2 EL Sonnenblumenöl und 1/2 Tl Öl von geröstetem Sesam (bei den Asia-Zutaten, das darf man nicht weglassen!) zugegeben und alles schön vermischt. Die halben Köpfe wurden dann in eine Auflaufform gesetzt, mit der Schnittfläche nach unten, und vierzig Minuten bei 200° Umluft (wenn man keine Umluft hat, dementsprechend heißer, also so 230°) gebacken. Am Schluss sehen sie praktisch schon verbrannt aus, also sehr, sehr dunkelbraun (und papierartig knusprig), aber noch nicht schwarz. Dann habe ich etwas Butter dazugegeben und die Soße angerührt: ca 2 EL warmes Wasser, darin einen guten TL braunen Rohrohrzucker aufgelöst. Dazu einen TL vom "Dijon-Senf mit Honig" (gibt es von Maille) und einen Spritzer Zitronensaft. Als krönender Abschluss kamen noch eine Handvoll Pistazienkerne dazu. Und was soll ich sagen: ein Gedicht. Der manchmal selbst mir etwas unangenehme Kohlgeschmack der Röschen verschwindet vollständig, stattdessen werden sie sehr nussig und süßlich – das muss eigentlich jedem schmecken! Aufgrund seines Aussehens, und da ja Halloween schon wieder naht, gebe ich diesem großartigen Gericht den Namen "Gebackene Kröten", oder, für den francophilen Gourmet: "Crapauds au four".
Normale Menschen könnten dazu gut ein Stück kräftiges Fleisch essen (Schwein, Wild, Ente und vor allem Gans kann ich mir gut vorstellen), und evt. einen Kartoffelgratin. Cohu, als Rosenkohlfetischistin, hat das ganze Pfund Rosenkohl alleine verputzt und brauchte auch keine Beilagen dazu.
Ich hoffe, dass sich aufgrund dieses Rezepts bald eine Jüngerschar von neu bekehrten Rosenkohlfetischisten um mich schart, und ich meine Leidenschaft nicht mehr nur in the closet ausleben muss!
Um einen in einem Bergwerksstollen Verschollenen zu befreien, gräbt ein 15-Köpfiges Team in Wales seit Mittwoch mit Baggern, Schaufeln und Händen einen Hügel auf; Flutlicht und Generator wurden aufgestellt. Ein ferngesteuerter Roboter mit Kamera ist unterwegs.
Und jetzt kommt das britische an der Nachricht: beim Verschollenen handelt es sich um einen blinden, tauben, 18 Jahre (!) alten Terrier-Mischling namens Sprogget (nicht zu verwechseln mit Sprocket, dem Fraggles-Hund, s.Abb.)
Lobenswerte, tätige Tierliebe. Aber ein Detail im Artikel lässt aufhorchen:
"They could hear the dog whimpering around three to four metres underground, and before they left for the night they dropped chocolate bars and crisps down the fissure to try to sustain Sprogget through his second night underground.
But on Friday morning there was no sound of the dog." (BBC News)
Hm. Ich hätte jetzt gedacht, solch überzeugte Hundefreunde wüssten, dass Schokolade für Hunde giftig und eine Packung salzige Chips nicht der geeignetste Snack für ein Lebewesen ist, das vermutlich seit Tagen keinen Zugang zu Wasser hatte. Aber dem Briten, der sogar seine Kinder fast ausschließlich mit Schokoriegeln und Walker’s Crisps ernährt, ist sowas vermutlich nicht zu vermitteln…
Gute Nacht, Sprogget! Wenigstens kamst Du so auf Deine alten Tage noch in die BBC News.
Stephen Fry [wem der Name jetzt nichts sagt: einfach leise weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen]
also, Stephen Fry hat seit drei Wochen ein Blog. Das zwar bis jetzt aus lediglich zwei etwas sehr langen Einträgen zu den Themen "Ruhm" und "Smartphones" besteht, aber das kann ja noch werden. Dieser Absatz hier dürfte zumindest schon mal einen unter meinen Lesern neidisch machen:
"I have, over the past twenty years been passionately addicted to all manner of digital devices, Mac-friendly or not; I have gorged myself on electronic gismos, computer accessories, toys, gadgets and what-have-yous of all descriptions, but most especially what are now known as SmartPhones. PDAs, Wireless PIMs, call them what you will. My motto is:
I have never seen a SmartPhone I haven’t bought." (Stephen Fry: Device and Desires)
Die Spambeauftragten von Campus LMU melden gerade: im Uni-Kindergarten ist noch ein Platz für “ein dreijähriges Mädchen” frei. Cohu fragt sich skeptisch: muss Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts und des Alters schon so früh anfangen? Was sagt das AGG dazu?
[Noch was. Warum ist eigentlich die Frauenbeauftragte der Uni für die Führung der Kindergarten-Warteliste zuständig?
Ach so. Weil ja Frauen für die Kinderversorgung und so Gedöns natürlicherweise prädestiniert sind, während Männer lediglich Sperma, Windelgeld sowie 94% aller deutschen Professoren zu stellen haben. Hatte ich ganz vergessen, ich Dummelchen!]
(Bild: Mary Cassatt via Zeno.org)
Endlich wird dem Internetzpublikum deutlich gemacht, dass Begeisterung für Musik nicht genetisch vorbestimmt sein kann. Wie könnte eine Anti-Aoide wie Cohu sonst so einen Blutsverwandten haben?
(Vielleicht ist es bei mir aber auch so wie in dem schönen Spruch, den unsere Omas oder gar Mütter für Schwule parat hatten: nur noch nicht die Richtige gefunden. Musik, in meinem Fall.)
Der treue Leser Oweh ließ mir vor dem Tirol-Urlaub einen schönen Nazivergleich zukommen, den ich natürlich gleich meiner Sammlung einverleiben will.
Und zwar ist es so, dass es ja diese Mobilfunkgegner gibt. Besonders strenge Mobilfunkgegner sind die sogenannten "Elektrosensiblen." Die bekommen im Strahlbereich von Mobilfunkmasten schreckliche Schmerzen. Diese Schmerzen werden es dann auch gewesen sein, die den mit ebendiesem Zipperlein geschlagenen Mobilfunkgegner Gottlieb Pischeltsrieder aus Icking dazu veranlassten, bei einer öffentlichen Veranstaltung Ende September folgendes zu sagen:
"Die Elektrosensiblen lassen sie verkommen wie die Minderheiten – die Juden und Zigeuner – im Dritten Reich. "
Der Sprecher der Wolfratshausener Mobilfunkgegner, Hans Schmid, bestätigte dies laut SZ – Mobilfunk sei für Elektrosensible "eine Art Folter" – und meinte rechtfertigend: "natürlich rede ich nicht davon, dass wir uns vergleichen mit der Situation im KZ und dem Holocaust." Eine, wie ich meine, ganz gelungene Einschränkung, die mich darin bestätigt, dass ich meine Nachbarn auch weiterhin mit Nazis vergleichen kann. Schließlich grüßen sie nicht im Treppenhaus. Juden wurden im Dritten Reich bekanntlich auch in keinem Treppenhaus gegrüßt. Mag sein, jaja, meine Nachbarn denunzieren mich nicht und lassen mich (noch) nicht abtransportieren – dennoch fühle ich mich deutlich an den Nationalsozialismus erinnert! Natürlich nicht im Holocaust-Sinn. Aber so vom Prinzip her! (*)
Nazis beiseite, ein Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung der Elektrosensibilität finde ich ganz drollig:
"…dabei war jedoch auch festzustellen daß entsprechende Symptome invers zur Anwesenheit von elektromagnetischen Feldern auftraten, das heißt sie traten paradoxerweise bei Abwesenheit auf und nicht bei Anwesenheit." (Wikipedia, meine Hervorhebung)
Also, tuts dem Herrn Pischeltsrieder den Gefallen und schickt, wenn ihr demnächst in Icking seid, eine fette MMS oder macht doch gleich ein UMTS-Videotelefonat. Wenigstens einen einfachen Anruf solltet ihr hinkriegen. Denn ohne brummenden Sendemast und in Ermangelung elektromagnetischer Wellen wird der Elektrosensible zum jammernden (und potentiell nazivergleichenden) Elend!
[(*) Das Beispiel hat Cohu nur zur Illustration erdacht. In Wirklichkeit bin ich diejenige, die ihre Nachbarn, ganz Nazi-mäßig, nicht grüßt! Oder würde ich soviel bloggen, wenn ich auch nur ein Fünkchen Sozialkompetenz hätte?]
(Bild: Wikimedia Commons/ Malene Thyssen)