Avantgarde der Frühgeschichte

Hatten die Neanderthaler Musik? Und wenn ja, wie hörte sie sich an? Der Jazzkomponist Simon Thorne (Obacht, Audio) hat im Auftrag des Walisischen Nationalmuseums eine Komposition geschaffen, die dieser Frage nachspüren soll. Hier ein Artikel darüber und hier ein kurzer Ausschnitt.

Jetzt muss ich freilich dazusagen, Cohu ist ja selbst eine große Freundin der Neuen Musik. Unter der Dusche trällere ich Zwölfton-Greatest-Hits (siehe) und wenn ich mal richtig relaxen will, kommt mein Lieblingssong in den CD-Spieler – zum Mitschunkeln:

Aber trotzdem, Herr Thorne: Dass die Neanderthaler eine solch greislige Musik gemacht haben sollen, wie Sie sie da abgeliefert haben, glauben Sie doch selber nicht. Nur, weil die Damen und Herren homo neanderthalensis keine schwarzen Rollkragenpullis, Apple-Computer und Saxophone ihr eigen nannten, können sie ja trotzdem Geschmack, Virtuosität und Groove gehabt haben. So wie z.B. die Baka-Pygmäen – ein heute noch jägerisch und sammlerisch tätiges Volk der Schwesternspezies homo sapiens -, die mir musikalisch viel besser gefallen als das von Ihnen pseudoprimitiv nachempfundene Gewummer, Gedröhne und Gegröhle.

[P.S.: Jodeln rockt! Cohu berichtete.]

Im Herzen sind wir alle rot

Schon vor einiger Zeit widmete die in einem fast vollständig roten Schreibtischhabitat lebende Cohu der Frage "Ist Rot die Farbe der Sieger?" einen Artikel. Ergebnis: die Wissenschaft ist, wie bei eigentlich allen relevanten Fragen, gespalten. Zwar gewinnen Sportler mit roten Trikots überdurchschnittlich oft Turniere (das sagen Anthropologen und Bayernfans), aber wer Intelligenztests absolviert, schneidet, von roten Farbeindrücken beeinflusst, eher schlechter ab (das sagen Psychologen).

Die NYT berichtet heute von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in dieser Angelegenheit. Ein roter Farbeindruck, so eine neue Studie,  kann auch leistungsverbessernd wirken, allerdings nur bei einer bestimmten Art von Aufgabe:

"In the study, published Thursday on the Web site of the journal Science, researchers at the University of British Columbia conducted tests with 600 people to determine whether cognitive performance varied when people saw red or blue. Participants performed tasks with words or images displayed against red, blue or neutral backgrounds on computer screens."

Red groups did better on tests of recall and attention to detail, like remembering words or checking spelling and punctuation. Blue groups did better on tests requiring imagination, like inventing creative uses for a brick or creating toys from shapes.

“If you’re talking about wanting enhanced memory for something like proofreading skills, then a red color should be used,”

Das, liebe Leser, erklärt wohl, warum Cohu zur Zeit so fleißig vor sich hin korrigiert, aber so wenig bloggt. Zur Abhilfe schenke man mir blaue Vorhänge.

(Übrigens: wer nur genug Rot im Herzen trägt, kann sogar in wenig vorteilhaften Dunkelazurblau phänomenale Tore schießen.)

A majore ad minus

Nur mal als kleine Erinnerung: der Vatikan hat schon ganz andere Leute nicht exkommuniziert. Ja, mag da der unbedarfte Ungläubige oder Protestant fragen, was muss man denn dann noch anstellen, um exkommuniziert zu werden?
Schreckliches,  Unaussprechliches!

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Bambi 2.0

"Don’t be evil"?

Von wegen!

[Jessas, endlich ist es so weit. Schon lange wartet Cohu auf eine Gelegenheit, ihren Lesern die wichtige Information mitzugeben, dass die Geschichte vom süßen Bambi vom gleichen Autor stammt wie die tolldreisten Abenteuer der Josefine Mutzenbacher (ein Werk, das ich selbstverständlich nur aufgrund meiner juristischen Vorbildung kenne).]

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Cohu taut auf

Den plötzlichen Wintereinbruch überlebt,  Vladimirs Gasstreik überstanden, und jetzt das: im herrschaftlichen Anwesen, in dem Cohu’s Hauptquartier liegt, hats die Heizung zerrissen. Gestern ein letztes Aufbäumen der Heizanlage mit poltergeistig dröhnenden Rohren und zischenden Radiatoren, und jetzt: alles kalt.
Ein passender Zeitpunkt vielleicht, um sich über den Forschungsstand der Kryonik zu informieren. Schockiert festgestellt, dass auf deutschem Boden so etwas gar nicht möglich ist. Dabei das reizende Wort Friedhofszwang gelernt. Zusammenfassend: die Kryotechnologie ist schon weit entwickelt, es hakt nur noch beim Auftauen. Also doch zu Menschen mit Heizung gefahren.

(Clip aus "Onkel Paul, die Große Pflaume", aka Der Familienschreck aka Die Giftnudel aka Louis taut auf aka Louis, der Giftzwerg aka Der Schläfer aka Der Winterschläfer und, besonders nett: Il Nonno Surgelato, nicht zu verwechseln mit dem Nono Risorto)

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Panopticon

Jahrzehntelang gänzlich unbeobachtet am Schreibtisch schmoren und sich in der viel zu kurzen Mittagspause dann auch noch von den Kollegen Tesa und Traube-Nuss aus der Schublade klauen lassen? Eine wahre Horrorvorstellung, wie schon Jeremy Bentham wusste!

Hier kann man sich zur Abhilfe eine schöne Überwachungskamera aus Papier basteln. Derart sicherheitstechnisch ausgerüstet kommt man sich 1. wesentlich wichtiger vor und 2. schützt den Arbeitsplatz vor diebischen Elstern. Ein voller Erfolg!

(Bild: Deutsches Institut für Normung/Wikimedia Commons)

Rätsel

Welches rätselhafte X, liebe Leser, zieht wohl nächste Woche in Cohus Haushalt ein?

Man braucht zwei kräftige Männer, um X zu tragen.
Wenn man X untenrum tritt, wird es weich oder leise.
Im Zusammenhang mit X spielt die Zahl 88 eine große Rolle.
Obenrum ist X spiegelglatt.
X ist ständig leicht verstimmt und ein bisschen zu laut für kleine Räume.

(Kleiner Tipp: trotz deutlicher Anzeichen ist X kein Neonazi!)

Must, like a whore, unpack my heart with words

Ich muss zugeben, ich hab hier ja schon oft ganz böse über die SZ – insbesondere über ihren Online-Ableger sueddeutsche.de – gelästert und geschimpft. Irgendwie dachte ich, die habens nicht so drauf. Spontane Assoziationskette zum SZ-Onlineangebot: Titten-Bildstrecken, von Praktikanten mühsam betextet, dazu ein wildes Sammelsurium an Tipp- und Sachfehlern, rechts, links, dazwischen, oben und unten Werbung, und zu guter Letzt eine absurde Kommentarpolitik. Aber ich lag ganz falsch. Die Jungs stehen für mich seit gestern noch weit vor der Titanic, weil sie wirklich einen ausgeprägten Humor haben.

Oder kann man es sich anders erklären, wenn Hans-Jürgen Jakobs, der Chefredakteur von sueddeutsche.de, ausgerechnet dieses Buch schreibt?

"Medien sind der Kitt der Zivil- und Bürgergesellschaft. Ein Gemeinschaftswesen ist nicht lebendig ohne Presse und Rundfunk, die den Bürgern gemeinschaftliche Themen liefern. Soziologen wissen, dass Menschen etwas wissen wollen über die Werte, an die sie sich halten können – und von solchen Werten können sie nur in unabhängigen, freien Medien erfahren. Diese Medien stehen, wenn sie stark sind, für Glaubwürdigkeit. Wenn sie diese Qualität verlieren, gehen sie unter im Kampf um die nächste Gesellschaft." (Hans-Jürgen Jakobs: "Geist oder Geld. Der große Ausverkauf der freien Meinung.")

Was haben wir gelacht. Weiter so, Herr Jakobs!

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Plötzlicher Sinneswandel

Cohu hatte bis jetzt eigentlich nie das Bedürfnis, die Stadt Bern zu besuchen. Seit ich aber (wohlgemerkt innerhalb von 2 Tagen…) den Vorrat an Trüffeln aufgebraucht habe, die mir die IT dankenswerterweise von der dort ansässigen Confiserie Läderach mitgebracht hat, ist das anders.

Ich glaube, ich muss unbedingt mal ganz dringend in der nächsten Zeit so bald wie möglich und unverzüglich, unaufschiebbar und unabwendbar nach Bern.

[Inwiefern eigentlich diese schweizer Firma mit dem gleichnamigen deutschen Unternehmen zusammenhängt, ist mir nicht ganz klar…]

(Bild: Wikimedia Commons)

Pädagogischer Eros, statistisch betrachtet

Der großartige Greg Mankiw macht auf eine interessante statistische Untersuchung aufmerksam –  die Wissenschaftler James Felton et al. haben sich in ihrem Paper Attractiveness, Easiness, and Other Issues: Student Evaluations of Professors on RateMyProfessors.com mit den Daten der amerikanischen Seite "Rate My Professors" beschäftigt. Dort haben Studenten die Möglichkeit, ihre Professoren nicht nur fachlich, sondern auch im Hinblick auf ihre sexuelle Attraktivität hin zu bewerten. Felton et al. untersuchen die Korrelationen zwischen unterschiedlichen Bewertungskritierien. Was Mankiw – und uns – aber sogar noch mehr interessiert, sind die fachvergleichenden Unterschiede hinsichtlich der sexuellen Attraktivität der Professoren (und -innen). Crooked Timber fragt also: in welchen Fächern finden sich die heißesten Dozenten? Die Ergebnisse sind der Abbildung zu entnehmen.

Der erste Platz der Languages ist vielleicht noch dadurch zu erklären, dass fremde Sprachen einen gewissen erotischen Reiz ausstrahlen – wer, liebe Leser, ist nicht schon angesichts eines reizenden Akzents regelrecht dahingeschmolzen? (Eine der seltenen Ausnahmen von dieser zeitlosen Regel findet sich hier).

Aber schon bei Platz zwei brechen alle Erklärungsmodelle zusammen. Jura? Wir müssen hier natürlich eine Einschränkung machen: die Daten beruhen auf Bewertungen nicht aller Studenten oder gar der Gesamtbevölkerung, sondern natürlicherweise nur auf der Einschätzung der Jurastudenten – sie scheinen also ihre Professoren überdurchschnittlich heiß zu finden, unabhängig davon, was der Rest der Welt dazu sagen würde. Man kann hoffen, dass ein ähnliches Erklärungsmodell auch auf den dritten Platz – Religion – anzuwenden ist – oder verpassen wir Nicht-Theologen da was?

Warum nun verlinkt Herr Mankiw auf diese Ergebnisse? Am Ranking seines eigenen Fachs kann es nicht liegen: VWL liegt erwartungsgemäß weit abgeschlagen grade mal einen Platz vor Mathematik. Aber zumindest mit seinem eigenen Ranking bei Ratemyprofessors.com dürfte er zufrieden sein:

"Mankiw is probably God in human form. He’s one of the most attractive men I’ve ever seen and some say he has brains as well. I’ve never seen his wife, but I bet she’s a looker." (Mankiws Bewertung bei ratemyprofessors.com)

Eine deutsche Professorenbewertungsseite findet man übrigens unter MeinProf.de. Kriterien wie "Hotness" werden da leider nicht berücksichtigt, vermutlich aus der irrigen Annahme heraus, solche Dinge seien fürs gedeihliche Lernen irrelevant. Vor ein paar tausend Jahren war man da in Europa schon mal weiter. Mit dem pädagogischen Eros meinte Platon nämlich beileibe nicht rein asexuelle Nettigkeiten, auch, wenn man das in allzu schultauglich sterilisierten Interpretationen seines Werks heute gerne so darstellt. Vielleicht haben wir es dieser großen Tradition zu verdanken, dass die Philosophie es – trotz der bekannten Vorliebe ihrer Vertreter für die Beschränkung auf geistige Qualitäten – doch noch auf einen respektablen neunten Platz schafft.