Crash Blossoms

Zu den vielen Freuden, die dem Nicht-Englischsprecher versagt bleiben, gehören kryptische Zeitungsüberschriften. Manchmal führen sie (selbst bei Muttersprachlern) nur zu Kopfzerbrechen, manchmal aber auch zu großem Amüsement. Darüber berichtete neulich sogar die NYT, und lieferte für das Phänomen folgende Erklärung:

“Since English is weakly inflected (meaning that words are seldom explicitly modified to indicate their grammatical roles), many words can easily function as either noun or verb. And it just so happens that plural nouns and third-person-singular present-tense verbs are marked with the exact same suffix, “-s.” In everyday spoken and written language, we can usually handle this sort of grammatical uncertainty because we have enough additional clues to make the right choices of interpretation. But headlines sweep away those little words — particularly articles, auxiliary verbs and forms of “to be” — robbing the reader of crucial context.” (On Language: Crash Blossoms)

Soviel zur Theorie. Viel lustiger ist aber die Praxis:

British Left Waffles on Falklands

Torture professor John Yoo in San Mateo

Police vow to murder victim’s family

Prostitutes appeal to Pope

Gator Attacks Puzzle Experts

Reagan Wins on Budget, but More Lies Ahead

Der Name des Phänomens, Crash Blossoms, stammt übrigens von dieser Überschrift. Und ein entsprechendes Blog gibts natürlich auch schon…

Kryptozoologie

Was sind das nur für seltsame Spuren auf dem Garagendach im Hof? Wenn es eine Katze war, hat sie ziemlich riesige Sprünge gemacht…aber jetzt wird es unheimlich:

…die Spuren enden am Regenrohr! Gottseidank gibt es bei Wikipedia für genau solche Fälle eine übersichtliche Liste der Kryptiden. Vielleicht war es ein Jersey Devil? Eine Manananggal? Oder, etwas altmodischer, ein Yeti (die mögen ja Schnee!). Das Fenster bleibt jedenfalls erstmal zu, nicht dass mich noch eine Chupacabra aussaugt…

Kulturen

Oben: British Empire. Unten: Deutsche Kolonien

Der spärlichen Sammlung des Völkerkundemuseums merkt man schon ziemlich deutlich an, dass Deutschland es nie so richtig zur Kolonialmacht gebracht hat. Da haben es andere Länder irgendwie leichter.

Interessanter als viele Ausstellungsstücke wäre übrigens bei allen traditionellen “Völkerkunde”-Museen eine Kritik des ganzen Konzeptes: Warum eigentlich nur fremde Kulturen ausstellen, unter Auslassung unserer eigenen (wir haben keine Kultur, wie sind ja schon zivilisiert)? Warum die Obsession mit dem Primitiven und Ursprünglichen (wäre die zeitgenössische amerikanische Kultur nicht genauso spannend wie die der amerikanischen Ureinwohner: Ritual und Statushierarchie auf dem WalMart-Parkplatz)? Und vor allem: Woher kommt dieses ganze Zeug? Geklaut, abgeluchst, einfach mitgenommen, oder ganz redlich gekauft…die Geschichte wäre jedenfalls bei jedem Stück interessant.

Vom Konzept her hat das Ganze jedenfalls teilweise eine gewisse Ironie: die Ausstellungstexte sind merklich bemüht um politische Korrektheit, bei jedem Yamslöffel (oder was auch immer) wird der kulturelle Tiefgang herausgestellt, ganz klare Sache – diese Kulturen sind der unseren gleichwertig, oder eigentlich überlegen – aber dann stellt man in einem Eck Grabstelen aus Pakistan aus. Eine davon mit der (nebendran fein säuberlich übersetzten) Inschrift, dass dieses Grab und die Blumen darauf niemals jemand stören möge, es sei ein himmlisch-paradiesischer Platz des Friedens in alle Ewigkeit…

(Bilder: Wikimedia Commons)

Einen Seeaff / kann nichts erschüttern

Heute im Bus zum Schwimmbad bemerkt, dass Brille auf der Nase statt Kontaktlinsen in den Augen. Kurz darüber nachgedacht, doch noch umzukehren. (Cohus naturbelassenes Sehvermögen entspricht etwa der Phototaxis eines Geißeltierchens, oder für Nichtbiologen: Wenn ich in die Männderdusche ginge, würde ich es nicht merken. Höchstens nach haptischer Erkundung der näheren Umgebung.) Dann aber doch das Schwimmen gewagt, ganz ohne Sichtkorrektur. Und, siehe da: Ein Wunder! Unter Wasser, nur mit einer ungeschliffenen Schwimmbrille angetan, konnte ich sehen wie ein Adler (oder sagen wir: wie ein Pinguin). Ein kurzer Blick ins Becken zeigte mir alle Schwimmer, die ich über der Wasseroberfläche nur schemenhaft oder gar nicht sah, gestochen scharf. Ich konnte sogar die Fliesen zählen.

Ungefähr so...

Man könnte das jetzt vermutlich irgendwie mit ein bisserl Optik auf Oberstufenniveau erklären, aber Moment mal, nicht so schnell! Ich deute es als weiteres Indiz für die Theorie vom aquatic ape,also dem Wasseraffen (nicht zu verwechseln mit dem Seamonkey – so geschickt wurden in den USA die aus Yps bekannten Urzeitkrebschen vermarktet – oder der Affenfamilie der Meerkatzen). Kurz gesagt ist die aquatic ape hypothesis die Theorie,

“nach der die Vorfahren der Menschen (Frühmenschen) in ihrer Evolution – der Hominisation – eine teilweise aquatische (wasserlebende) Phase durchgemacht haben sollen.” (Wikipedia: Wasseraffen-Theorie)

Als Argumente dafür werden angeführt: das menschliche Unterhautfettgewebe (sonst haben das nur Robben und Wale), der angeborene Tauchreflex (bekannt vom Nirvana-Cover), unsere Schwimmhäute (?), unser aufrechter Gang (Ok, das ist kompliziert) und unsere Nacktheit (wieder: genauso wie bei Meeressäugern), unser schwach ausgebildeter Geruchssinn und unsere seltsame Nasenform, die ein freihändiges Tauchen ermöglicht, sowie der hohe Salzgehalt menschlicher Tränen und Schweißabsonderungen, der eher zu Meeresgetier passen würde.

Und dazu kommt jetzt auch noch – Trommelwirbel und Tusch!-: scharfe Sicht unter Wasser! Ich weiß nicht, wie das bei meinen Lesern ist, aber ich stamme eindeutig von solchen Wasseraffen ab…

(Bild: PLoS Biology: Wild Gorillas handy with a stick, via: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Noisy Romps

“GIRLS at Cambridge University have been ordered to have sex more quietly after complaints about the noise.
All 400 undergraduates at Newnham female college were warned after 30 people grumbled to bosses in a month. An email from student union President Lizzy Cole, 19, said: “Newnham corridors funnel sound and walls are very thin. Please remember to be discreet in your activities, especially during late/early hours of the day.”
Students are mortified. (…)”

via Complaints about Cambridge Uni girls’ noisy romps | The Sun |News.

Mal wieder eines der vielen Gebiete, wo die unselige “Universität” Cambridge von wirklichen Eliteunis lernen könnte. Z.B. von Oxford: Das letzte reine Frauencollege (St Hilda’s) hat man dort nämlich 2008 endlich von der traditionellen Geschlechterseparation befreit. Und wie wir alle wissen: Wenn man Männer ständig um sich hat, sind sie gar nicht mehr sooo spannend.

(Eine transatlantisch-feuchte Alternativlocation für noisy romps haben die Studenten in Yale schon 2007 entdeckt. – Cohu berichtete natürlich!)

Deprimierend

“There is a strong link between heavy internet use and depression, UK psychologists have said.

The study, reported in the journal Psychopathology, found 1.2% of people surveyed were “internet addicts”, and many of these were depressed. The Leeds University team stressed they could not say one necessarily caused the other, and that most internet users did not suffer mental health problems.”

via BBC News – ‘Internet addiction’ linked to depression, says study.

Besonders schön:

“The conclusions were based on 1,319 responses to an on-line questionnaire.”

Mit solchen bahnbrechenden “Ergebnissen” verankert sich Leeds wohl auch wissenschaftlich auf Dauer in der dritten Liga…

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Rustici pauperrimi

Gibt es eigentlich was Tolleres als Flechten?

Rein rhetorische Frage, liebe Leser – Flechten sind natürlich unübertroffen.(*) Im nächsten Leben werde ich Lichenologin!

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Payback

Tolstoi beim Schach (Wikimedia Commons)

In Zeiten des Maulens älterer Herren über den technischen Fortschritt ist es doch mal ganz erfrischend zu lesen, was für eine positive Einstellung zum Beispiel Garry Kasparow zu Computern hat. Nochmal zur Erinnerung: das ist der Typ, der 1997 als erster amtierender Schachweltmeister gegen einen Computer (den berühmten “Deep Blue), verlor. Er hätte also allen Grund, zu klagen – wie es bei Schirrmacher so schön heißt: “Mein Kopf kommt nicht mehr mit”.

Aber stattdessen macht der Kasparow genau das Gegenteil:

“With the introduction of super-powerful software it became possible for a youngster to have a top- level opponent at home instead of needing a professional trainer from an early age. Countries with little by way of chess tradition and few available coaches can now produce prodigies. (…)

“What if instead of human versus machine we played as partners? My brainchild saw the light of day in a match in 1998 in León, Spain, and we called it “Advanced Chess.” Each player had a PC at hand running the chess software of his choice during the game. The idea was to create the highest level of chess ever played, a synthesis of the best of man and machine…”

via The Chess Master and the Computer – The New York Review of Books.

Vielleicht sollte es Schirrmacher ja mal mit Schach probieren. Das hält geistig jung. Gibt’s sicher auch als iPhone-App.

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Google-Safari, Luxusmodus

Oh, die seligen Stunden, die Cohu schon mit Google Earth, Google Maps und Google Streetview verbracht hat! Atlanten blättern war mal: heute spaziert man durch die Straßen fremdester Länder, fliegt über Himalaya-Gletscher und sieht sogar mal eine Elefantenherde durch die Savanne laufen, wenn man Glück hat:

Cohus neuester Google-Zeitvertreib liegt im Immobiliensektor. Wenn man auf einem Google-Maps-Kartenausschnitt, der in den USA liegt, unter “Suchoptionen” “Immobilien” auswählt, findet man dort interessante Dinge (Achtung: das geht nur unter maps.google.com, nicht auf der .de-Domain). Der Amerika-Kenner scrollt natürlich sofort Richtung Kennebunkport, und entdeckt dort solche Schmuckstücke wie:

(Mehr Bilder vom Anwesen findet man beim Klick auf “mehr Info” in der Sprechblase).

Dabei würde ich ja fast noch eher zur Privatinsel “Gooseberry Island” tendieren, denn “This one-of-a-kind treasure with over 1.4 lush acres will invoke the romantic adventurer in all of us”:

Zu kalt da oben? Dann ist vielleicht ein Abstecher nach Key Largo angesagt – für nicht mal 4 Mille bekommt man schon das hier:

Wenn man noch Vierzehn Millionen Dollar drauflegt – ich meine, wenn wir schon dabei sind, Häuser zu kaufen, sollten wir keinen falschen Geiz walten lassen! – bekommt man auch auf den Keys eine eigene Insel (bzw. 4!). Und da gilt dann auch: “Plenty of dock space for all of your yachts.” – Gottseidank! – Denn, mal ehrlich – dieses ewige Parkplatzsuchen mit der Dritt- oder Viertyacht macht doch wirklich keinen Spaß…

Le superflu, chose très nécessaire

Cohu auf der Suche nach der nutzlosesten Maschine der Welt!

Versuch 1: Der “Nothing Grinder” (Nichts-Mahlwerk):

(Bild: Wikimedia Commons)

Trotz des vielversprechenden Namens: ganz unnütz ist das Ding wohl doch nicht. Man kann damit nämlich eine Ellipse konstruieren – siehe “Proclus-Ellipsograph”. Viel zu nützlich!

Versuch 2:  “A Tool to Deceive and Slaughter” – trotz des dramatischen Namens tut dieser Rechner nichts anderes, als sich selbst auf eBay zu verkaufen:

“Artist has created a work of art titled “A Tool to Deceive and Slaughter (2009)” (“the Artwork”) which consists of a black box that places itself for sale on the auction website “eBay” (the “Auction Venue”) every seven (7) days. The Artwork consists of the combination of the black box or cube, the electronics contained therein, and the concept that such a physical object “sells itself” every week.” (ebay)

Also wirklich ziemlich nutzlos! Die Freude ist aber von kurzer Dauer: Wenn man das Ding gekauft hat, muss man damit rechnen, dass es sich innerhalb einer Woche wieder selbst weiterverkauft.

Versuch 3: Der veritable Gipfel der Nutzlosigkeit. Seht selbst: