Hüttenheinrich

Ein gar nicht so schlechter Artikel über Walden. Mit  Kapitalismuskritik und Wirtschaftskrise hat das Buch jetzt nicht sooo viel zu tun, finde ich, eher mit dem Guten Leben, aber seis’ drum, irgendeinen Aufhänger braucht man wohl für sonen Artikel. Überhaupt, hab ich schon erzählt, dass ich SPON aus meinen Favoriten verbannt habe und stattdessen nur noch FAZ.net lese? Mein Blutdruck ist spürbar gesunken. Bis halt dann wieder ein Arktikel über den Gebärstreik der Akademikerinnen rauskommt (bzw. die übermäßige Gebärfreude der Moslems, im wöchentlichen Wechsel mit irgendeiner abgefahrenen "Debatte" zwischen Männern über 80).

Egal, der Artikel passt jedenfalls bestens dazu, dass Cohu beim Amerikaurlaub im Borders nicht zu Atlas Shrugged (momentan allen Ernstes Platz 7 der US-Bestsellerliste!) sondern als Ersatz des zerlesenen Altexemplars zu einer preiswerten, netten Ausgabe des guten Heinrich griff. Gute Bücher kann man nicht oft genug lesen.

(Bild: Wikimedia Commons)

Sumpfmythen

Erstens, kurze Zwischenmeldung für die Meerjungfrauenfreunde unter meinen Lesen. Und zwar: die Behauptung, dass Seeleute Manatees früher für Meerjungfräuleins gehalten hätten, ist wohl eher so eine Art Insiderwitz unter Menschen, die so ein Tier einmal leibhaftig vor Augen hatten:

Zweitens, man soll nicht Zickzacklaufen, wenn man von einem Alligator verfolgt wird, sagen die Park Rangers. Gegenteilige Behauptungen gehören zum Standardrepertoire aller Möchtegern-Nehbergs. Lirum larum, sagt Cohu, und weist mit der ihr eigenen Klugscheißerei Akribie darauf hin, dass es, was Verfolgungsjagden zwischen Mensch und Alligator angeht, einfach viel zu wenig empirisches Material gibt, um daraus tragbare Aussagen über die beste Fluchtstrategie abzuleiten. Die weitere Bemerkung der Frau Rangerin, man möge in die hiesigen Sümpfe einfach immer jemanden mitnehmen, der langsamer ist als man selbst, überzeugt jedoch. Pragmatismus: eine uramerikanische Erfindung!

Kühle Blonde

Bekanntlich ist es hauptsächlich unser Bier, das den glorreichen Ruf unserer wunderschönen bayerischen Heimat weit über alle geographischen Grenzen hinweg verbreitet. Weltweit schätzt man das Lowenbrow, das Hofbrowhouse und das Octoberfest.

Aber dass ich erst über den Umweg eines nur in den USA erhältlichen, durchaus g’schmackigen Exportbieres namens "St Pauli" lernen durfte, dass Bremerinnen weit ausgeschnittene Dirndl tragen und einen Körperbau haben, den man eigentlich nur Bayerinnen zutrauen würde  – wer hätte das gedacht?

(Hmmmm, die Bierfrau ist in Wirklichkeit weder Nord- noch Süddeutsche, sondern Slovakin, die nach kurzer Recherche zu großen Teilen in den USA hergestellt wurde. So ist das eben mit gutem Bier: in Bayern daheim, in der Welt zuhause.)

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Großes Quiz: Wer errät das Reiseziel?

Jaja, so ein spontaner Kurzurlaub ist nicht zu unterschätzen – die Vorbereitung wird natürlich mit wissenschaftlicher Präzision und daher zunächst einem angemessen intensiven Quellenstudium angegangen. Die Mehrzahl der Bücher und Karten stammen aus der großzügigen Leihgabe einer passionierten Amerikareisenden, habe es allerdings auch nicht versäumt, entsprechende Belletristik zu bestellen.

(Im Hause Cohu gibt es übrigens Nachwuchs!)

Die Statistik der Dummen

Es gibt zwei Dinge, die die deutsche Presse über alles liebt:
1. "Neueste Ergebnisse amerikanischer Top-Wissenschaftler" und
2. "Beweise dafür, dass Amis total doof sind"

Wenn man beides in einem haben kann, ist es praktisch unmöglich, zu widerstehen. So ging es wohl auch sueddeutsche.de, wo man behauptet: "Eine Studie zeigt, dass die Bewohner konservativer US-Staaten häufiger Internet-Pornos anschauen als die demokratischen – die roten Staaten sind die Rotlicht-Staaten."

Aha, soso. Den leidgeprüften Leser dieser Publikation wird es nicht überraschen, dass genau das aus Herrn Edelmans Studie natürlich nicht hervorgeht. Vielmehr zeigt sie lediglich, dass Menschen aus red states eher dazu neigen, für Pornos zu bezahlen (ausschlaggebend waren nämlich Kreditkartendaten).

Das wiederum könnte schlicht daran liegen, dass die roten Bundesstaaten einen höheren Altersdurchschnitt haben, und dass ältere Herrschaften nicht wief genug sind, an kostenloses Amüsiermaterial zu kommen. Zum Beispiel. Aber "Alte Leute können nicht googeln" wäre halt bei weitem keine so gute Schlagzeile wie "Der Porno der Prüden". 

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Cojones

"March Madness" hat nichts mit der statistischen Spitze der Verschlimmerung psychischer Erkrankungen im Frühjahr zu tun, sondern bezeichnet üblicherweise die Endrunde des US-College-Basketballs. Irrsinn trifft es ganz gut – sogar der mächtigste Mann der Welt nimmt sich fünf Minuten Zeit, um öffentlich seine Tipps abzugeben und besteht darauf, trotz NATO-Gipfel und Zeitverschiebung ein paarmal einschalten zu wollen: "Air Force One does have DirecTV…" (Präsidententipp sind übrigens die Tar Heels).

Auf die Idee, die March Madness als perfekten Zeitpunkt für eine Vasektomie zu verkaufen, muss man allerdings erstmal kommen:

Schedule your vasectomy for one of the prime 24 slots during the first days of the tournament! You get a recovery kit – and most importantly – a doctor’s note stating you need to sit on the couch and watch basketball! (Oregon Urology Institute)

(In den USA ist diese ambulante OP übrigens viel, viel verbreiteter als in Europa. Aber wenn die europäischen Urologen erstmal draufkommen, ihre Dienste kurz vor der Fußball-WM anzubieten…)

(Bild: Wikimedia Commons)

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Und von da an gings bergab (1)

Im Slate’schen “Shoot the Recession” – Fotopool gibt es ja einige schöne Bilder. Am besten gefallen hat mir aber das da. (Humor ist übrigens, wenn man trotzdem lacht)

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Canis nimis familiaris

Familie Obama legt sich jetzt also angeblich einen Portugiesischen Wasserhund zu.

Vielleicht liegt es an meiner negativen Grundeinstellung (oder daran, dass ich als Katzenfreundin dem Gedanken eines hundeartigen Haustiers insgesamt eher skeptisch gegenüberstehe), aber: Obamas Amtsvorgänger waren da schon etwas kreativer.

Im Haushalt Roosevelt etwa gab es u.a. nicht nur diverse Hunde, einen Dachs, eine Ratte und einen einbeinigen Hahn, seine Tochter hielt sich auch eine Strumpfbandnatter mit dem Namen “Emily Spinach.” Benjamin Harrison, der 23. Präsident, hatte zwei Opossums (Opossi? Opossen?), James Buchanan (15. Präsident) angeblich einen Adler, Präsident Nr. 6 John Quincy Adams hielt Seidenraupen – ganz zu schweigen von Calvin Coolidge (30. Präsident). Er war nämlich nicht nur Namensgeber des Coolidge-Effekts, nein, neben unterschiedlichsten Kötern hielt er auch Waschbären, einen Esel, eine Gans, zwei Junglöwen namens “Tax Reduction” und “Budget Bureau”, einen Schwarzbären, eine Duckerantilope, ein Wallaby sowie – Tusch – ein Zwergflusspferd. Diese interessanten Informationen entnehme ich der Wikipedia-Liste der Präsidentenhaustiere.

(Bild: Wikimedia Commons/Lutz Mischa Heitmüller)

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Nee

“Glotzende Weltmacht

Egal ob jung oder alt, blind oder blöd: Jeder Amerikaner sieht jeden Tag fünf Stunden fern. (…) Es verwundert also nicht, wenn das Marktforschungsinstitut Nielsen nun vermeldet, dass der Durchschnittsamerikaner vergangenes Jahr mehr ferngesehen hat, als je zuvor. 151 Stunden im Monat, um genau zu sein. Das entspricht fünf Stunden, die jeder Amerikaner jeden Tag, egal ob jung oder alt, blind oder blöd, vor der Glotze verbringt. (sueddeutsche.de)

Genau das, lieber Herr Kreye, bedeutet das Ergebnis von Nielsen natürlich nicht. Es mag z.B. auch durchaus der Fall sein, dass der durchschnittliche deutsche Journalist, egal ob jung oder alt, blind oder blöd, soviel von Statistik versteht, dass er den Unterschied zwischen Mittel- und individuellen Werten durchschaut – deshalb gilt das aber noch lange nicht für jeden Journalisten…

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Birds do it, Whales do it

New Yorker Leser, also nicht jetzt Leser des New Yorker sondern Leser in New York, jedenfalls: aufgehorcht! Nächste Woche Donnerstag Pflichttermin im Philoctetes Center for the Multidisciplinary Study of Imagination, nämlich:  "Living in the Musical Moment: Interspecies Jamming with Whales, Birds, and Humans." Für uns bedauernswerte Nicht-Neujorker wird der artübergreifende Jazzabend wohl gestreamt.

Und wenn mich nicht alles täuscht, dürften unter den Cohu-Lesern auch einige sein, die sich für das Video hier interessieren: "The Presumption of Rationality: Psychological Challenges to Legal Certainty" – mit Peter Brooks (Yale/Princeton), Anne Dailey (moderator), Carol Gilligan (NYU), Nomi Stolzenberg (USC), Kenji Yoshino (NYU).

Wer weiß, wie lange das Philoctetes Center noch solche abgefahrenen Veranstaltungen organisiert – einer der großen Finanziers des Instituts war nämlich der Große Bernie, von dem es andernorts heißt:

"He out-Ponzied Charles Ponzi. He out-Princed Chuck Prince. He could have taught the Egyptians how to build pyramids. In the history of high-stakes grifting, he out did them all. A Robin Hood with Alzheimer’s; he stole from the rich. If he’d only remembered to give to the poor he’d be a hero!" (Bill Bronner)

Für die hoffentlich wenigen unter meinen Lesern, die wider Erwarten weder Interspecies Jazz noch einer Dekonstruktion der juristischen Rationalitätsannahme etwas abgewinnen können, zum Trost Shirley MacLaine und Frank Sinatra – letzterer passenderweise in der Rolle eines pseudorationalen Juristen mit Gesangstalent.