Stoibers untreue Freundin

Ach, nicht, was ihr wieder denkt! Es geht nicht um eine (unschöne) Bekannte oder gar um eine schöne Unbekannte, sondern um  die Sprache.
Cohus offizieller Lieblingsjournalist und (bald!) zertifizierter Kleist-Experte erklärt nämlich in der WAMS, wie es Unseremnochimmersehrverehrtenministerpresadenten Edmund Stoiber in 14 Jahren Amtszeit gelang, Kleists Sprachtheorie zu widerlegen. Die Häme, die auf den armen Einserjuristen ob seiner rhetorischen Figuren einprasselte, sei ungerechtfertigt:

"Denn Stoiber unterliegt im Kampf mit der Syntax nicht, weil er ein Tölpel ist, sondern weil er ein Schnelldenker ist.
Eine genaue Betrachtung seiner Sprachverwirrungen lehrt: Stoiber weiß sehr genau, was er sagen will, die beabsichtigte Aussage scheint aus dem Wortgestrüpp stets deutlich hervor." (David Deißner in der WAMS)

(Natürlich kann der Preißen-Deißner nicht wissen, dass "Schnelldenker" in Bayern eine ungleich schlimmere Beschimpfung ist als "Tölpel", darüber wollen wir aber mal großzügig hinwegsehen).

Für einen mindestens genauso wichtigen Analyse-Ansatz, was die Stoibersche Sprache angeht, möchte ich hinweisen auf Clark und Fox Tree (2002): "Using uh and um in spontaneous speaking", Cognition (84)1, S. 73, die eine "Ehrenrettung des Äh" betreiben-

Sie fanden dabei, dass das typische "Uh" oder "Äh" neben den ausgesprochenen Aussagen Informationen auf einer "zweiten Ebene" enthalten: So vermittelt ein "Äh" oft Informationen über den Gedankenfluss des Sprechers, die dieser seinen Zuhörern mitteilen will. Außerdem kann der angebliche Pausenlaut Hinweise auf den Wert einer Aussage enthalten: Wird etwa das "Äh" vor eine Antwort gesetzt, weiß der Zuhörer, dass die Antwort zwar plausibel ist, aber Unsicherheiten enthält. (Thomas Mavridis)

Hat also…äh…alles seine Richtigkeit mit Stoibers Stottern. Ihr seht, jetzt wo der Mann aus Wolfratshausen mit ca. 1,8 Beinen im politischen Grab steht, heißt es selbst bei Cohu: Nihil nisi bene…

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Personal Ethics

Beste Nigerian-Scam-Anrede bis jetzt:

“Dear sir/madam
Do accept my sincere apologies if my mail does not meet your personal ethics. I will introduce myself (…)”

Schön auch das Oxford-Englisch:

“I will not fail to bring to your notice that this business is hitch-free and that you should not entertain any fear, as the whole required arrangement has been made for the transfer.”

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Näher am Menschen

Man wird ja bescheiden an so trüben Tagen mitten im Wintersemester: irgendwie muntern mich die die irre getexteten Plakate der CSU-Fraktion im BA Bogenhausen auf.

 (Die CSU jenseits des Englischen Gartens hat ja u.a. durch den messerscharfen Chirurgen Thomas "Bert" Zimmermann auch schon in anderen Zusammenhängen eine gewisse volksnahe Rührigkeit bewiesen.)

Auf jeden Fall: immer, wenn ich – natürlich mit dem Bus, nicht der "Rot-Grünen Bimmelbahn" – die Stadtteilgrenze ins gediegene Villenviertel  überquere, freue ich mich über das Wort "Trambahnwahn."
…und hoffe insgeheim, dass sich die CSU nicht durchsetzt: ich leide nämlich selbst am "Trambahn-Wahn" und fahre trotz liberaler Grundhaltung die "Bimmelbahn" mit Vergnügen. Pa-Ling!

Sprachliche Nachträge

Drei Sachen, in chronologischer Reihenfolge.

Erstens: Auf der Rückfahrt aus Österreich, auf der Straße zum dann sich leider als gesperrt herausstellenden Fernpass, sah ich ein Schild mit der Aufschrift: "Lawinenstrich". Ich kenne – man liest ja Zeitung – einiges: Straßenstrich, Babystrich, Bahnhofsstrich – aber was soll ein Lawinenstrich sein? Müssen wir uns hier eine sexuelle Perversion vorstellen, die sich auf Schneemassen bezieht? Oder auf das drohende Erwischtwerden von der Lawine beim Ge-Vau? Ist das mit der "Lawine" vielleicht übertrieben (so wie "Baby", "Straße" und "Bahnhof", wo es doch in Wirklichkeit um "Teenager", "Rückbank" und "Bahnhofsklo" geht) und es sind nur kleine bis mittelgroße Schneebälle involviert? Aber die brennendste Frage: warum stellen die Tiroler dafür ein Schild auf? Ist das etwa erlaubt? Tsk.

Zweitens: die U-Bahn-Dame sagt jetzt "Sendlinger Tor" endlich richtig. Die SWM lesen Münchenblogger.

Drittens: diese Firma stellt u.a. kleine München-Buttons her (gesehen beim Breitengrad in der Schelling, nicht im Internetz). Auf denen steht "Minga – I moag [sic] di".
Welche Lehre ziehen wir daraus? Von einer Firma, die das gleiche Graffel für Hamburg und sogar Berlin (!) macht, kauf ich doch sowas nicht. Zumal die Aussage eine offensichtliche Lüge ist. Ich weiß gar nicht, wer mich mehr hasst, "Minga" oder Berlin. Beide Städte haushalten sehr gezielt mit ihrer Zuneigung (ja, in der Hinsicht kann sogar Berlin haushalten!). Und kennt ihr eigentlich irgendeinen Münchner (nicht aus Landshut, Erding oder FFB zugezogen oder im Volksmusik- oder Trachtenbereich tätig), der Minga sagt?

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Onomatopoeia

Gibt es ein Wort, das klanglich besser zu seinem Denotat passt als Lesbentrommelgruppe? Ich glaube, bis auf Pfandflaschenautomat (man kann die Flaschen mit einem blecherenen Hall und ein wenig Zischen verschwinden hören) fällt mir keines ein. Deutsch ist schon was Tolles.
Wie ich gerade sehe, gehört die Lesbentrommelgruppe außerdem zu den wenigen Ausdrücken, die nur einen einzigen Googlehit hervorbringen. Äh, also jetzt sind es dann alsbald 2.
Sichere mir hiermit den Romantitel Die Lesbentrommel. Das surreal-groteske Werk wird mich bei seinem Erscheinen im Alter von 32 Jahren schlagartig berühmt machen; erst gegen Ende meines Lebens werde ich zugeben, in meiner Jugend Mitglied der Landshuter JU gewesen zu sein.

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Freud und Leid

Jedesmal, wenn ich an einem Versicherungsbüro in der Nähe vorbeigehe, lese ich: PRIESTERRENTE. Natürlich steht da was anderes. Anscheinend macht sich mein Unterbewusstsein, ganz im Gegensatz zu mir selbst, große Sorgen um die Altersversorgung von Geistlichen.
Seltsame Dinge geschehen aber nicht nur in meiner Psyche. Der Politologe Prof. Oberreuter der Uni Passau sagte heute Mittag in einem Deutschlandfunkinterview (hier leider nur Auszüge) auf die – nach Ausführungen über Probleme in den Ostländern – gestellte Frage "Hat die CDU eine Antwort auf die NPD?" nach einer kurzen Pause sichtlich verwirrt: "Sagten sie SPD oder NPD?". Was wohl ein Freudianer dazu sagen würde?

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Ein Konigreich fur einen Umlaut

…ob jetzt die die österreichischen Politiker Dummkopf, Tollpatsch und Trottel überhaupt noch ins Kabinett kommen?

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Freudsche und sonstige Fehlleistungen

Als ich heute nach Gorgonzola-Rezepten für Gnocchi-Soßen suchte, las ich mehrmals: Bauschimmel statt Blauschimmel. Vermutlich will mich mein Unbewußtes daran erinnern, dass ich mich lieber mal um die antimykotische Behandlung des immer noch gesundheitsschädlich müffelnden Wasserschadens in meiner Rumpelkammer kümmern sollte, statt in mühsamer Kleinarbeit Kartoffelnocken zu formen. Letztere sind mir übrigens – Fehlleistung Nummer 2 – zerfallen, so dass ich sie weggießen und als Abendessen Tortillachips und Buttermilch (“Wenns schee macht!”) genießen musste. Für die Nachwelt: “überwiegend festkochende” Kartoffeln sind für die Zubereitung von Kartoffelnockenteig ungeeignet, man braucht wohl tatsächlich mehlige. Na, vielleicht sollte ich einen Kochkurs bei Felix belegen!
[Nachtrag zur Fehlleistungtheorie: laut Freud ist übrigens, wenn ich ihn richtig verstehe, jede Fehlleistung (typisch: Versprechen, Verschreien, äh, -schreiben und Verlesen) eine “Freudsche”, d.h. hat einen tieferen Sinn, der in der Psyche verborgen liegt. Empfehle Euch zur Weiterbildung, Erbauung aber vor allem Erheiterung die Lektüre seiner “Psychopathologie des Alltagslebens” – inwieweit Freuds Theorien mit der Wirklichkeit korrespondieren, ist, angesichts seiner enormen, ausufernden Phantasie und Assoziationskraft und seines grandiosen Stils zumindest mir relativ wurscht]

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Hör mir auf mit Zweipunktnull!

Botschaft an die Welt: es gibt Phrasen bzw. Phrasenbausteine, die kann ich nicht mehr hören, auch, wenn sie noch nicht mal zwei Jahre alt sind. Dazu gehört "Du bist (…)", das seit der unseligen Bertelsmannkampagne schon für jeden denkbaren Zweck verwendet wurde (der kleine Bruder dieses Phrasenteils, "Wir sind (…)", gezeugt von der Bildzeitung im Überschwang der Papstbegrüßung, ist gottseidank nicht ganz so beliebt, obwohl…).
Und auch das Anhängen von "2.0" an alle möglichen Worte nervt die arme Cohu. Ursprünglich wurde dieses Attribut – außerhalb der Bezeichnung von Softwareversionen – nur von Totalnerds verwendet, um kategorische Neuerungs- bzw. Verbesserungsschritte in ihrer Umgebung zu bezeichnen ("Hö, ich hab mir jetzt mal n Hemd gekauft, hey krass, des is praktisch ein T-Shirt 2.0!"). Dann kam natürlich Web 2.0. Und jetzt springt auch noch Apple auf und bezeichnet auf der WWDC 2006 das neue Betriebssystem "Leopard" als "Vista 2.0"
Haha! Aber ich find das nicht lustig. Hört auf, dieses hirnrissige two oh zu verwenden, sonst geht es noch in die Alltagssprache über, und eure Mama erzählt Euch dann nächstes Jahr von der "Geschirrspülmaschine 2.0", die sie sich jetzt gekauft hat. Wollt ihr das wirklich?

Auf das Zauberwort kommt’s an!

Zwei kleine Buben am Nordbad: "Halt doch bitte mal dein Maul, du blödes Arschloch!" – Der andere, wohlerzogen, zurück: "Halt Du doch bitte mal selber Dein Maul, Du Scheißwichser!"