Wörter lernen mit Cohu, heute: Schneeklon

Ein “snowclone” ist:

“a multi-use, customizable, instantly recognizable, time-worn, quoted or misquoted phrase or sentence that can be used in an entirely open array of different jokey variants by lazy journalists and writers.” (Wikipedia)

Die englische Sprache enthält, wie fleißige Linguisten herausgefunden haben, insbesondere in ihren gebrauchsjournalistischen oder internettypischen Ausführungen, ein gerüttelt Maß an solchen Bausteinen, wie etwa:

X is the new Y
Nothing says X like Y
X is my middle name
I’ m in ur X Ying ur Z (wer das nicht kennt, vertiefe sich bitte mal in diesen Artikel oder, besser noch, diese Seite, und nehme sich vor, in Zukunft mehr Zeit im Internet zu verbringen!)

Deutsche Beispiele gibts natürlich auch:

Ein Königreich für ein X
X, dein Name ist Y
Die unerträgliche X des Y
X in Zeiten des Y
Am Anfang war das X
X, die die Welt bedeuten
X wird überschätzt
Hauptsache X

Viel Spaß, lieber Leser, beim Weitersammeln und Nachdenken darüber, was Dein Lieblings- (oder verhasstester) Snowclone ist – siehe: Schneeklon-Datenbank (überw. englischsprachig). Schnell fündig wird der Klonsammler erfahrungsgemäß in den Überschriften lieblos (oder flapsig) getippter journalistischer Angebote – allein auf der aktuellen Startseite von sueddeutsche.de findet man diese Schätze:

Wenn der  X mit dem Y
X auf der Spur
Die Sache mit dem X
Der X geht um
X lebt
Freie X für Freie Bürger

Die Bezeichnung “Snowclone” ist übrigens auf ein von angelsächsischen Journalisten öfters verwendetes Klischee zurückzuführen, das sich auf Eskimos und ihre (angeblich) so zahlreichen Wörter für “Schnee” bezieht. So ein Economist-Artikel aus dem Jahr 2003, in dem es hieß: “If Eskimos have dozens of words for snow, Germans have as many for bureaucracy.” Hier gibt es noch ein Dutzend unterschiedliche Ausführungen dieses Schneeklons.

Alles in sechs kleinen Wörtern, Punkt.

Strenge Form gebiert die erstaunlichsten Wortkunstwerke. Sprachs und bestellte sonnetaday’s shakespeare’schen Sonnettnewsletter! Doch auch die Moderne erzeugt Verbalvirtuosen. So zeigt es der Trendsport "Sechswortbiographie". Ein Leben in sechs knappen Worten?  Ein Onlinemagazin hat diese kühne Idee. Vita brevis, und plötzlich: ars auch. Eine sechswortgehorsame Kritik belegt die Machbarkeit. Schon Bestseller – zu kaufen bei Amazon.

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Ein neues Wort erblickt das Licht der Welt

Asselkrapfen, der:  1. süßes marmeladegefülltes Gebäckstück, das zur Abwendung von Sozialkontakten (oft im Büro- oder Arbeitskontext) alleine vor dem –>PC konsumiert wird. 2. [abw.] extrem introvertierter Mensch, syn. –> Aspi.

My english makes me nobody after, et mon francois est meilleur de plus, aber sicher doch!

Wenn Frau Limbach, die Präsidentin des Goethe-Instituts, sich jetzt in einem DLF-Interview dafür einsetzt, dass jeder Deutsche nicht nur die "Kulturtechnik Basic English", sondern auch noch eine zweite Fremdsprache ("Adoptivsprache") beherrschen soll, und das dann noch "so intensiv (…) wie die Muttersprache, wo man sich also auch mit der Kultur des Landes, seiner Geschichte vertraut macht", und dann noch die "Einsicht" vorbringt, "dass Einsprachigkeit Einfältigkeit fördert", dann frag ich mich ernsthaft, ob sie eigentlich weiß, dass der Rest Deutschlands anders aussieht als  das Innere ihres Instituts.
Angeblich verstehen lediglich gut 30 % der Deutschen die Englische Sprache so, dass sie einer Nachrichtensendung im Fernsehen oder einem Zeitungsartikel in Englisch "zumindest ungefähr" folgen können. Und: 6-11% der Deutschen sind funktionale Analphabeten – in ihrer Muttersprache, wohlgemerkt. Vielleicht sollte man sich, statt wenig hilfreiche Vorschläge wie den der  dritten "Adoptivsprache" zu machen, lieber mal der Mehrheit der deutschen Zweisprachigen annehmen. Das sind nämlich keine Akademiker, die ihre paper in english publishen und daneben jetzt noch  Isländisch lernen dürfen inklusive Lektüre von Snorri Sturluson sondern Einwanderer und deren Kinder. Cohu also ausnahmsweise mal vollständig auf der Seite der Sozis, ihr könnts Euch im Kalender anstreichen.
(Warum Türkischunterricht allerdings auf deutsch erfolgen soll, ist mir nicht ganz klar. Mir hallt aus dem gymnasialen Sprachunterricht immer noch das "In English, please!" und das Ideal der Immersion nach. Aber vielleicht darf man den, Zitat Limbach, "einfältigen" Deutschen auch nicht überfordern).

(Bild aus: Heur et malheur, E. d’Erwin, illustrated by H. Castelli, Paris 1877, via Old Book Illustrations)

Gefährliche Wörter

Es gibt Wörter, bei denen sollte man vorsichtshalber doch nochmal nachgoogeln, bevor man sie in einem Text verwendet. Wobei der Effekt so auch ganz lustig ist. <Hier bitte Witz über Arschlöcher einfügen.>
Gesehen im Nachtagenten-Interview Roman Libbertz.

Wieder was gelernt

…vom Tobi, passend zum Valentinstag: als Stalagnat bezeichnet man Stalagmiten/Stalaktiten-Paare, die sich zu einer durchgehenden Tropfsteinsäule vereinigt haben.

…von der alten Pinakothek: Parmigianino ist kein Kosename für Hartkäse, sondern "einer der herausragenden Meister der italienischen Hochrenaissance." (siehe auch Wikipedia).

…vom Kaufhof am Stachus, der das Wort auf seine Abfalleimer druckt: "Wertstoffgemisch" ist ein schöner Euphemismus für Müll.

(Bildausschnitt: Parmigianino, Madonna mit dem langen Hals, Wikimedia Commons)

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Heißer Tipp

64 Wörter

Naja. Aber das ist natürlich ein rechter Schmarrn, von wegen "die häufigsten Wörter der deutschen Sprache". Dass die Jugend heutzutage so schnell tippt, liegt sicher nicht am Schreibmaschinenunterricht im 10-Finger-System, sondern am Chatten/Messaging. Also fehlen da die wichtigsten Wörter, um die wahre Tippgeschwindigkeit zu ermitteln:

LOLZ!!!1
CU

Und natürlich (o)(o).

In space, no one can hear you scream.

Wie kann man den vollkommen normalen, unscheinbaren Filmtitel "Waitress" (es geht um eine laut Kritiken ganz nette Romantic Comedy, die ich gerade auf meine DVD-Bestellliste setzen will), wie kann man also diesen Titel verhunzen zu "Jennas Kuchen – Für Liebe gibt es kein Rezept"?
Warum??? WIE KOMMT MAN AUF SOWAS??? Warum nicht einfach Kellnerin oder meinetwegen Frau Ober?

P.S. Ja, die haben diesen Film wirklich so genannt. Jennas Kuchen – Für Liebe gibt es kein Rezept. Das gibts doch nicht. Soll ich Cohu’s Blog auch so bescheuert umbenennen, mit so einer hirnomatischen Tagline? Wie wäre es mit Cohu’s Blog – Blogpost für Dich oder Cohu’s Blog – Blondinen bloggen besser? Muss mich jetzt erstmal von diesem Schock erholen.
Währenddessen empfehle ich dem werten Leser einen Artikel über den Traumberuf "Movie Tagline Writer". Der Job "Filmtitel-Übersetzer" scheint mir (vom Output her zu urteilen) nicht ganz so gut bezahlt zu werden…

Büschelweise

Das Mittelchen R******* soll laut Werbetafel im Fenster einer Apotheke gegen "anlagebedingten Haarausfall" helfen.
Das muss für die armen Menschen sein, die sich auf Anraten ihres Bankberaters in einen dieser tollen Aktienfonds eingekauft haben, die jahrelang konstant unter Index-Niveau bleiben, während die restlichen paar Prozentchen von Beraterprovision, Gebühren und Ausgabeaufschlag aufgefressen werden.  Aber ob Tropfen da helfen…?

(Bildausschnitt: Angelo Bronzino, Allegorie des Triumphes der Venus, 1540, Wikimedia Commons)

So macht man Spin

Man stelle sich diesen Artikel in einem deutschen Leitmedium vor:

Zahlreiche CSU-Wähler sind unhygienisch
Bakterien auf dem Vormarsch: Laut einer Studie des Bundegesundheitsministeriums sind 40 Prozent aller CSU-Wähler Wasser und Seife eher abgeneigt. Jeder siebte CSU-Wähler kann mit Händewaschen und -Trocknen gar nichts anfangen, sechs Prozent sind demnach regelrechte "Saubären."

Frankfurt/Main – Zahlreiche in CSU-Wähler waschen sich nach dem Toilettengang nicht die Hände – das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hervor. Eine kleine Gruppe von sechs Prozent wird demnach als "extrem unhygienisch" eingestuft, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet. Immerhin 14 Prozent der Befragten stünden mit der Seife auf Kriegsfuß und zeigten eine problematische Distanz zur Sauberkeit.
Gesundheitsministerin Ulla Schmid (SPD) sieht darin laut der Zeitung ein "ernstzunehmendes CSU-basiertes Volksgesundheitsproblem".
Für die Studie wurden insgesamt 1750 CSU-Wähler beim Toilettenbesuch beobachtet. Ziel war es, den Nährboden für potentielle Verbreiter von Kolibakterien auszuloten. In Deutschland leben rund drei Millionen CSU-Wähler.

Schön, oder? Gaaaaanz weit unten im Artikel versteckt man den kleinen, wesentlichen Absatz, der sagt:

Der Toilettenforscher Wolfram Brunzacher sagte dem Blatt, die Hamburger Studie komme auch zu dem Schluss, dass unhygienische Einstellungen bei Wählern anderer Parteien etwa ebenso häufig anzutreffen seien. Daher könne nicht gesagt werden, dass die CSU-Nähe Unsauberkeit stärker fördere.

Man vergleiche mit diesem Artikel.