So macht man Spin

Man stelle sich diesen Artikel in einem deutschen Leitmedium vor:

Zahlreiche CSU-Wähler sind unhygienisch
Bakterien auf dem Vormarsch: Laut einer Studie des Bundegesundheitsministeriums sind 40 Prozent aller CSU-Wähler Wasser und Seife eher abgeneigt. Jeder siebte CSU-Wähler kann mit Händewaschen und -Trocknen gar nichts anfangen, sechs Prozent sind demnach regelrechte "Saubären."

Frankfurt/Main – Zahlreiche in CSU-Wähler waschen sich nach dem Toilettengang nicht die Hände – das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hervor. Eine kleine Gruppe von sechs Prozent wird demnach als "extrem unhygienisch" eingestuft, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet. Immerhin 14 Prozent der Befragten stünden mit der Seife auf Kriegsfuß und zeigten eine problematische Distanz zur Sauberkeit.
Gesundheitsministerin Ulla Schmid (SPD) sieht darin laut der Zeitung ein "ernstzunehmendes CSU-basiertes Volksgesundheitsproblem".
Für die Studie wurden insgesamt 1750 CSU-Wähler beim Toilettenbesuch beobachtet. Ziel war es, den Nährboden für potentielle Verbreiter von Kolibakterien auszuloten. In Deutschland leben rund drei Millionen CSU-Wähler.

Schön, oder? Gaaaaanz weit unten im Artikel versteckt man den kleinen, wesentlichen Absatz, der sagt:

Der Toilettenforscher Wolfram Brunzacher sagte dem Blatt, die Hamburger Studie komme auch zu dem Schluss, dass unhygienische Einstellungen bei Wählern anderer Parteien etwa ebenso häufig anzutreffen seien. Daher könne nicht gesagt werden, dass die CSU-Nähe Unsauberkeit stärker fördere.

Man vergleiche mit diesem Artikel.

6 Responses to “So macht man Spin”

  1. felix Says:

    Im Sinne einer Medienkompetenz, die ja immer häufiger gerade in Zusammenhang mit dem Internet als unbedingter Lehrplaninhalt für Schulen gefordert wird, sehe ich Vorteile, wenn man in Zukunft für den Unterricht nicht mehr diese teuren Computer anschaffen muß, sondern es reicht, den Spiegel auszuteilen.

  2. terre des pommes Says:

    Ja, aber.Weil der Schiffauer nämlich mit der Schäuble-Studie überhaupt nichts zu tun hat. Und weil der immer, aber auch wirklich immer, wenn irgendwer einen Zusammenhang zwischen Islam und Gewalt vermutet, als erster "selber!" brüllt.Ich verteidige hier nicht die Medienhetze gegen den Islam. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass der Schiffauer das, was da steht, einfach erfunden hat, und dass der brave Journalist, der den Artikel verfasst hat, mal gelernt hat: "immer am Schluss noch a Gegenmeinung neischreim".

  3. cohu Says:

    Wenn der Herr schlicht lügt, finde ich es immerhin auch eine bemerkenswerte journalistische Leistung des Spiegels, das unkommentiert aus fremden Zeitungen (FR) zu übernehmen.

  4. Wolf Says:

    Wie ernst ist eigentlich eine Gegenmeinung zu nehmen, die einen "Toilettenforscher" namens Brunzacher herbeizerrt…?

  5. cohu Says:

    Die Toilettenforschung ist ein respektables Feld, auf das ich nichts kommen lasse.

  6. cohu Says:

    Nur, weil ich grade drüberstolpere, hier in der SZ wird die besondere Verfassungsfeindlichkeit von Moslems von einem anderen Experten relativiert:"Fragt man übrigens Deutsche nach antidemokratischen, ausländerfeindlichen oder antisemitischen Einstellungen, wie das der Soziologe Wilhelm Heitmeyer tut, sieht man, dass die Antworten sich nur graduell unterscheiden. Das ist nicht schön, relativiert aber die Aufregung."Was in dem Zusammenhang "graduell" heißt, wäre dann schon interessant…


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