Linguistisch Schwach

Wer hat sich den Ausdruck “sozial schwach” ausgedacht? Offensichtlich meint man damit meistens Arme, d.h. finanziell Schwache; wenn ich jedoch “sozial schwach” höre, denke ich intuitiv eher an jemanden wie
MahmutAhmadinedschad, Kim Jong Il oder Robert Hoyzer, also Asoziale, die keine Freunde haben. Aber, Obacht!, die Anzahl der Freunde hängt doch (zumindest außerhalb Münchens) nur unwesentlich davon ab, wie viel Geld man hat? Auch hier ist eine Übersetzung in den Dialekt mal wieder unabdingbar, egal, ob Ober- oder Niederbayern: wenn
von “sozial Schwachen” die Rede ist, ist vermutlich eigentlich das Gschwerl gemeint, und die “sozial schwächer gestellten” hat man als Grattler zu verstehen. In beiden Fällen fallen soziale und finanzielle Verwahrlosung
zusammen, was man jedoch mit den verlogenen Euphemismen der Hochsprache implizit anzudeuten in der Lage ist, ohne beleidigend zu werden.
Á propos Grattler: morgen ist Donnerstag. Donnerstag ist Zeitungsdieb-Tag. Und ich geh jetzt zum Karstadt und kauf eine Mausefalle!

Dass wir das noch erleben durften!

Endlich, eine Sokolov-Kritik.

"(…) In solchen Momenten ist man geneigt, für Handyklingeln im Konzert mehrjährige Freiheitsstrafen zu fordern. Doch Sokolov ließ sich nicht beirren und führte seinen Schubert zu einem fulminanten Ende. Uff!

Aber damit nicht genug: Nach der Pause setzte er sogar noch einen drauf.(…)

Während das Publikum danach, beglückt und überwältigt, seine letzten Kräfte beim Trampeln und Bravobrüllen verausgabte, war Sokolov, der traumhafte Tasten-Titan, lange nicht am Ende – und schickte sechs Zugaben hinterher. Unglaublich." (Hamburger Abendblatt)

Überwältigend? Unglaublich? Uff? Traumhafter Tasten-Titan ????

Aufgabe: Das nächste mal die Kritik bitte in Comic- bzw. Mangaform verfassen. Und bitte noch mehr Fuchsche Wortschöpfungen einbauen ("Die Karten des Konzertveranstalters waren vollkommen überteuert – Grrr!")

 

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Constantia

Juhuuu, in
Office 12
ist eine Schriftart nach mir benannt
! (Und nein, es ist nicht Comic Sans).
Introducing "Constantia":

Vergleich
der Beständigen: Die Schrift sieht – wie ich – relativ unauffällig aus. Ebenso
zutreffend: "relatively small x-height", "classic proportions" und "slight
squareness." Aber: "long extenders" habe ich nicht. Im Gegenteil, wenn ich Hosen
kaufe bekomme ich jedes Mal den Eindruck, dass die Beine der Durchschnittsfrau
um die 30cm länger sind als meine. Ts. Und so alberne Serifen hab ich auch
nicht.

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Scriptor non calculat

Heute in der SZ (in einem seltsam-wirren Artikel betreffend den Vorschlag, die objektbezogene in eine subjektbezogene Theaterförderung zu ändern)

Würde nicht jede Theaterkarte mit insgesamt zwei Milliarden Euro
Steuergeldern alimentiert, könnte sie am Schalter nicht für 25 Euro verkauft
werden, sondern müsste 250 Euro kosten.”

Hm. Würde jeder SZ-Artikel einmal redigiert, wäre das Abo noch n paar Euro
teurer. Also bin ich mal still jetzt.

Ach ja. Morgen fahre ich wieder nach München, um den Nikolaus nicht zu verpassen, hehe. Vom katholischen Bischof zur Ikone des Consumerism – das ist eine Karriere ganz nach meinem Geschmack!

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Was Stiftungen wollen

Ein Alumnus einer hier nicht näher zu bezeichnenden Stiftung schreibt mir bezüglich meiner Bewerbung bei selbiger:

Im Prinzip ist ja klar, was sie wollen: “Nach meiner jahrelangen ehrenamtlichen Arbeit für die *** [Partei] wurde ich von Mutter Theresa als persönliche Referentin angefordert. Dieses Angebot mußte ich leider wegen meiner Tätigkeit als Generalsekretär der UNO ablehnen. Dagegen war es mir ein Leichtes, bereits im Alter von 17 zwei deutsche und zwei ausländische Studiengänge mit summa cum laude cum summa cum laude abzuschließen und bin seither Ehrendoktor der Harvard Universität…”

So mach ma’s!

Süß und knusprig

Süß ist die email-adresse dieser spam-mail:

Eher knusprig sind dagegen vermutlich die "Ziegel"-Gerichte, die im
Prospekt meines Liefer-Asiaten angepriesen werden:

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Was man so lesen muss

"Mit der Emanzipation der Form ist die konstitutive Bedürftigkeit des
Lebens in einem gegeben und bildet mit ihr einen unteilbaren Tatbestand. – Die
Freiheit im Verhältnis zur Materie, die im stoffwechselnden Sein der Form sich
tätigt, bedeutet ipso facto zugleich Angewiesenheit auf Materie; und zwar eben
nach dem Maße der Umsatzdynamik der Form, das doch andrerseits gerade der Index
ihrer ontologischen Freiheit ist."
[Hans Jonas, Das Prinzip Leben (1994), S. 181]

Ja, und deshalb freue ich mich auch diesmal wieder wahnsinnig, dass ich einen
kontinentalphilosophischen Text lesen darf!

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Alle Macht den Keksen!

Mehr cohu – mehr Unfug!

Damals gab es sie noch, eindeutige, markige Wahlkampf-Sprüche:

Alle Nicht-Marxisten wählen Nr. 3 (FDP, 1949)

Keine Experimente (CDU, 1957)

Wer einmal schon für Adolf war, wählt Adolf auch in diesem Jahr (Adolf Schärf, SPÖ, wurde 1957 mit diesem Slogan österreichischer Bundespräsident)

Ja, und heute muss man sich mit sowas zufrieden geben:

Vertrauen in Deutschland (SPD, 2005)

In Bayern leicht missverständlich:

Zeit für den Wechsel (CSU, 2005)

Mein persönlicher Liebling:

Freiheit ohne Angst (Stephanie Jung, SPD, 2005)

Der einzige, der heute noch überzeugend sloganisieren kann, ist doch Dr. Udo Brömme, MdB:

Alte weg von der Straße! Mehr Wichskabinen! Zukunft ist für alle gut! (2002)

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Im Institut…

…hängen folgende Schilder auf dem Klo:

"Fenster nicht öffnen! Lüftung funktioniert sonst nicht!"

und

"Toiletten bitte sauber verlassen!"