Arm, und nicht mehr so sexy.

Das Deutsche Museum, einst Stolz der Münchner und Quelle unvergesslicher Kindheitserinnerungen (zumindest bei Cohu), übrigens sogar das größte Naturwissenschafts-Museum der Welt, ist inzwischen anscheinend derart unterfinanziert, dass z.B. in der Physikabteilung  (die Cohu heute besuchte) fast schon ein Viertel der Exponate "vorrübergehend außer Betrieb", der Rest in sichtbar schlechten Zustand ist. Für die Kultur ist anscheinend wesentlich mehr da, wenn man sich den anhaltenden Bauwahn im Kunstareal so anschaut. Ja, und da wundert man sich dann, wenn die Söhne (und vor allem auch Töchter) am Schluss halt lieber Kunstgeschichte, Germanistik oder Altphilologie studieren, als sich den Naturwissenschaften zuzuwenden…

(Bild: Wikimedia Commons)

Kruzinesn!

Jetzt hab ich schon wieder die Auer Dult verpasst. Da war ich überhaupt noch nie, obwohl ich mir ganz sicher bin, dass ich sie super fände. Erst im Juli gibts wieder eine. Wenigstens hab ich neulich noch die Landshuter Frühjahrsdult (auch bekannt als Gschwerlfest) überquert, das muss jetzt an Volkstümlichkeit halt erstmal genügen.

(Für norddeutsche Leser:
Kruzinesn = Beim Gekreuzigten!
Dult = Kirmes, Jahrmarkt
Gschwerl = Sozial Schwache, siehe auch Begriffserklärung des Tagesspiegels)

Kostbares Nass

Im Lokal "Kranz" (Qype) in der Klenzestraße Hans-Sachs-Straße (fragt mich nicht, wie es mich dahin verschlagen hat, eigenlich ist mir das viel zu ‘gschleckt) gibt es einen sehr guten Orangenkuchen. Und "Lebendiges Wasser." Jetzt mal ehrlich: ich mag mein Wasser ganz, ganz tot. Aber lebendig reicht nicht, für die … ja für wen eigentlich, für die synodisch-periodisch Fixierten? Werwölfe?… also vermutlich einfach für die, die zuviel Geld haben, gibt’s das untote H2O auch aus  "Vollmondabfüllung," für 8 €/Liter. Wer gibt sich schon mit M-Wasser zufrieden, wenn er sowas haben kann?

P.S. Geschäftsidee nach kurzem Googeln: wenn man das Vollmond-Wasser auch noch aus Fatima bezöge, könnte man (moment, da muss mir die IT mal kurz was ausrechnen) 1780 € pro Flasche verlangen.

(Bild: Wikimedia Commons)

Luxus ist…

…sich zwischen pakistanisch (schmatz!), thai (mjam!) und italienisch (knurps!) nicht entscheiden zu können. Bayrisch ist, nach dem Servicedesaster letztes Mal, erst mal gestorben. Aber was soll man auch von einem Lokal halten, das lange Zeit mit Maßen "Caibierinha" warb, Spareribs auf dem "Holzbrett’l" (sic) serviert und das stolz präsentierte "Mir red’n Boarisch"-Schild lediglich damit rechtfertigen kann, dass die Bedienungen, wenn sie schon hochdeutsch reden, so doch zumindest einen typisch münchnerischen Grant aufweisen. Naja, genug genörgelt – jetzt wird entschieden. Vietnamesisch!

Premierenpremiere

Cohu kombinierte gestern in raffinierter Folge Natur (Aidlinger Höhenweg bei Murnau, allerdings keineswegs barfuß!) mit Kultur: “Tod eines Handlungsreisenden” am Resi. Das Stück kannte ich zwar (keine Ahnung von wo und wann) schon gut, aber auf einer Premiere war ich überhaupt noch gar nie! Also stadtfertig und ausgehfein gemacht und unter die Münchner Kultureliten (die bezeichnenderweise u.a. aus Markwort und Riekel bestehen) gemischt. Jetzt für die Kulturbanausen und Simpsonsglotzer unter Euch: da gehts um so eine Art Gil Gunderson, den american dream und dysfunktionale Familien, also jetzt eher nicht so lustig.
Die Inszenierung war klassisch, raffiniert und un-kapitalismuskritisch (mei, da hätten andere ein kommunistisches Manifest draus gemacht). Brilliert hat natürlich wieder der Landanwalt, diesmal im wahrsten Sinne des Wortes: theaterdiamantenbesetzter Stetson und Funkel-Chaps, dazu noch lässige Sprüche (“Als ich 17 war, ging ich in den Dschungel, als ich 21 war, kam ich heraus. Und bei Gott, ich war reich!”) – ein Traum von einer Rolle. Der SZ-Kritiker, der neben uns saß (jedenfalls wurde gemunkelt, das sei er gewesen, ich hätte aufgrund des gezückten Notizblocks, des bärtigen Aussehens und des äußerst zurückhaltenden Klatschens eher auf einen überengagierten Gymnasialdeutschlehrer mit akuter Urikopathie geschlossen), also, der Kritiker fands laut Kurzkritik “noch lange nicht bedeutsam oder gar gut.” Ja mei, die Süddeutsche hab ich eh schon lange abbestellt, also kann es mir wurscht sein. Cohu-Prädikat kriegt die Inszenierung trotzdem, und Lambert Hamel in der Hauptrolle bescheinige ich auch keinen “freundlichen Erfolg,” sondern Genialität! Aber ich versteh ja auch nix davon.

Aufzucht

Dass man in einer "guten Gegend" wohnt, merkt man seit neuestem an Import-Nannies, die hier geduldig weißblonde Kleinkinder durch die Straßen zerren und dazu noch einen Kinderwagen (bevorzugt Bugaboo oder auch gerne einen original antiken Classic Pram) vor sich her schieben. In Nanny-Uniform, gestärkter Kittelschürze (!), und – um die zweisprachige Erziehung der Eliten von morgen zu gewährleisten – ohne auch nur ein einziges Wort Deutsch zu beherrschen. Kinderkrippe ist was für Ossis! Komme mir hier schon ganz New-Yorkerisch-globalisiert vor.
P.S.: Noch ein Kennzeichen: Wenn die Feuerwehr einen Einsatz hat, liegt’s nicht etwa an popeligen Schwel- oder dramatischen Dachstuhlbränden. Sondern, wie grad eben, an Mercedes-Oldtimern mit undichter Ölwanne.

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Einmal volltanken

Habt Ihr Euch auch schon mal gefragt, was jetzt eigentlich in die ehemalige Tankstelle "Metropol"-Garage in der Georgenstraße eingezogen ist? Ich dachte ja erst ein Kunstbuchhandel, aber ganz falsch. Der gute Onkel S. hat uns neulich darüber aufgeklärt, und hier stehts nochmal ganz ausführlich: da hat ein Investmentbanker Kunstsammlung (und Büro) aufgeschlagen.
MIttwochs von 4-6 kann man das besichtigen, nur zu, die Aufsichtsdame ist sehr nett, und einen schön gestalteten kleinen Prospekt bekommt man auch noch. Momentan wird der super-minimalistische (leider schon 2003 verstorbene) Künstler und Yalie Fred Sandback ausgestellt. Also, nicht der Künstler selbst, wir sind ja nicht bei "Körperwelten", vielmehr seine Faden-Draht-Installationen und einige Lithographien. Hier findet man noch einen ganz interessanten Text Sandbacks.

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Schall und Rauch

Manche Namen geraten ja schnell aus der Mode: da können ein paar Jahre doch einen ganz erstaunlichen Unterschied machen.
Ein preiswertes, aber immer wieder amüsantes Vergnügen für die Münchner unter Euch: geht mal in den Rathaus-Innenhof und schaut Euch dort die Aushänge an. Da steht unter anderem eine lange Auflistung der Namen, die Eltern ihren Kindern gegeben haben: ein Jean-Jacques Rammerl oder eine Kleopatra Rampfmoser würden auf diesem Schwarzen Brett, glaub ich, gar nicht weiter auffallen…ansonsten ist der Schwall an "Annas", "Leas", Lenas", "Lucas", "Leons" und "Finns" etwas deprimierend. Dann doch lieber "Aurelian Elvis", insbesondere, wenn man für den Burschen eine politische Karriere plant!

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Nimm und Lies

So, nun hat Cohu auch mal eine Bloglesung miterlebt! Fand das, auch wenn es mit dem Anfang etwas dauerte, sehr amüsant. Meine persönlichen Favoriten: MC Winkels und Dr.Sno*s jeweilige Biesel-Geschichten! Die House-Party-Story von Nilzenburger kannte ich leider schon, aber der Vortrag war einmalig. Von Herrn Libbertz war ich positiv überrascht, da ich schon Hardcore-Porno befürchtet hatte, war aber dann doch wirklich ganz nett, auch hat er eine sehr schöne Stimme. Frau Rose bestärkte mich immerhin in der Überzeugung, dass Alkoholabstinenz (der bin ich ja jetzt schon seit längerem ausgeliefert) vielleicht gar nicht das Allerschlechteste ist manchmal, was mich ein wenig darüber hinwegtröstete, dass es im Privée nur Pepsicola (örks) und kein alkfreies Bier gab. Aber am besten natürlich: habe endlich mal Felix kennengelernt und ihm den Unterschied zwischen Schlafzimmer und "Schlafzimmer" erklärt und natürlich auch den Dr., der mir im Rahmen einer Carbon-Offsetting-Strategie gleich versprach, für mein Kommen zur Lesung einen Olivenbaum im (italienischen) Garten seiner Eltern zu pflanzen. Sage ihm jetzt nur niemand, dass ich zu Fuß da war!

Abendgestaltung

Cohu (Erkennungszeichen Computadora-T-Shirt) und die IT (Erkennungszeichen: Begleiterin mit Computadora-T-Shirt) gehen heute abend zur Bloglesung. Wir sehen uns!