Und die Bibel hat doch recht.

…zumindest, auf Kirchgänger bezogen, mit dem Dictum: Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst.
Dass die katholische Kirche mit ihren Ritualen brandgefährlich ist, hat Cohu schon als Kind geahnt und – zur Erheiterung ihrer großen Geschwister – stets darauf bestanden, bei der großräumigen Weihrauch-Begasung in der Christmette bekäme sie keine Luft mehr.
Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt:

“Der lästige Feinstaub: Nicht nur auf den Straßen ist er ein Problem, nein, auch in der Kirche – zumindest in der katholischen. Was manch benebelter Kirchgänger vielleicht ahnte, meint jetzt ein findiger Klimatologe der Uni Duisburg-Essen bewiesen zu haben: Nach seinen Studien kann die Feinstaub-Belastung in katholischen Kirchen an hohen Feiertagen den EU-Grenzwert kurzzeitig um mehr als das Vierfache übersteigen. Vor allem der Weihrauch, der an hohen Feiertagen in den Kirchen benutzt wird, treibe den Wert auf bis zu 220 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft hoch, erklärt Dr. Stephan Weber (32). Der EU-Grenzwert für das Tagesmittel liegt bei 50 Mikrogramm.” (Kölnische Rundschau)

Naja, so schlimm ist das doch nicht. Man soll ja nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen. Am Schluss fällt den EU-Hanseln noch ein, dass der Weihrauch jetzt verboten gehört. Oder, noch absurder: dass man in der Kirche nicht mehr rauchen darf. Ha!

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Freiheit oder Tod

Bei den schon von Herrn Flix bemerkten brav gekleideten Grüppchen, die momentan in München herumlaufen, handelt es sich nicht etwa um evangelische Christen, wie ich noch mutmaßte, sondern um (Zitat Flix) “andere Verrückte”, nämlich die Zeugen Jehovas. Diese begehen seit drei Tagen im Oly-Stadium einen “Sonderkongress” – die ganze Ackermannstraße steht voller Busse, und deren Inhalt singt und betet im etwa zu 75% gefüllten Stadium. Ich sage absichtlich nicht “feiert”, denn bei dem Thema sind die Zeugen ja etwas empfindlich (fand es ja früher immer ganz toll, dass die ihren Geburtstag nicht feiern – ist mir nämlich auch immer eher unangenehm – aber Nachteil: die Geburtstage von anderen Leuten werden ja dann auch nicht begangen. Nichts für Cohu!).
Etwas seltsam finde ich, dass Münchens offizielles Stadtportal den Kongress mit keinem Wort erwähnt, angeblich werden immerhin 45.000 Besucher erwartet.
Das – auf lilanen Ansteckern zur Schau getragene – Motto ist: “Befreiung greifbar nahe.” Da denkt man sich als unbedarft Vorbeilaufende, Befreiung, das weckt schöne Assoziationen, sowas wie: 8. Mai ’45, Sklavenbefreiung, Mandela, Befreiung Bayerns von der CSU, Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht, die sexuelle Befreiung, aber hauptsächlich die Befreiung von meinem mordsmäßigen Seitenstechen beim Mini-Bergerl-zum-Olystadium-Hochhecheln. Aber bei überzeugt Religiösen ist so ein pragmatischer Ansatz natürlich verfehlt, in echt freuen die adrett Gekleideten sich nämlich auf die “Befreiung durch Gottes Königreich”, bei der es zunächst mal eher unschön wird (insbesondere für die Nicht-Erwählten):

“Die Zeugen Jehovas glauben an eine bald stattfindende Apokalypse, das sogenannte Harmageddon. Die einzigen Überlebenden dieser Endschlacht werden die Zeugen Jehovas sein. Nach dem Gott nun die Herrschaft übernommen hat, entsteht eine Zwei-Klassengesellschaft unter den Überlebenden. 144000 geistgesalbte Wesen werden mit Christus in seinem himmlischen Königreich als Könige regieren, der Rest der Zeugen muss sich mit einem Leben auf der neuen Erde begnügen.” (link)

Na, das ist aber nicht mehr so sympathisch. Cohus Tipp: Obacht bei jeder Verkündung eines “Tausendjährigen Reichs” !

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Selig sind die, die arm an Haaren sind

David Plotz, der in Slate gerade die gesamte Bibel liest und darüber bloggt, ist begeistert über eine Passage aus dem Dritten Buch Mose (Levitikus): Gott (zumindest der jüdisch-christliche Gott) liebt die Glatzköpfigen!

Best passage of the day: Leviticus interrupts these dire leprous warnings to reassure men that, yes, it’s OK to be bald. “If a man loses the hair of his head and becomes bald, he is pure.” And it gets better! God also approves of male-pattern baldness. “If he loses the hair on the front part of his head and becomes bald at the forehead, he is pure.” So throw out that Rogaine! God loves a cue-ball, baby! (Slate: Blogging the Bible)

Na, das erklärt einiges: zum Beispiel, warum Zizou trotz der unverzeihlich dummen Verwendung seiner Glatze im Finale den “Goldenen Ball” bekommen hat!

L’enfer, c’est les autres

Da hatte ich mir ja nach einer Spiegel-Meldung große Sorgen gemacht: angeblich sei es für eine wirkliche, auch kirchenamtliche Trennung von der katholischen Kirche nicht ausreichend, vor staatlichen Stellen den Kirchenaustritt zu erklären. Um die ersehnte Exkommunikation zu erreichen, müsse man auch noch den zuständigen Pfarrer um Entlassung anflehen!
Cohu hatte jetzt schon befürchtet, dass sich nach ihrem Tode herausstellen könnte, dass sie insgeheim trotzdem noch katholisch war, und dann: statt im Jenseits mal endlich meine Ruhe zu haben, käme das ganze Programm mit Fegefeuer, Hölle bzw. Himmel (haha), inklusive Auferstehung im Fleische am Jüngsten Tag. Blöd gelaufen!
Gottseidank hat Kalle Lehmann das jetzt aber gegenüber der KNA nochmal klargestellt:

"Wer vor der staatlichen Behörde seinen Kirchenaustritt erklärt, vollzieht damit in aller Öffentlichkeit und mit amtlicher Beurkundung den Abfall von der katholischen Kirche. Er erfüllt damit den kirchenrechtlichen Tatbestand des Schismas."

Allerdings meint Lehmann, im Bezug auf die Bedeutung der Exkommunikation, auch:

"Hier kommt es heute oft zu Missverständnissen. Mit der Exkommunikation wird nicht die Zugehörigkeit zur Kirche beendet. Insofern wird das Wort "Kirchenaustritt" oft falsch aufgefasst. Die betreffende Person ist und bleibt auf Grund der Taufe Glied der Kirche, verliert aber – solange die Exkommunikation nicht aufgehoben ist – die Rechte, die mit der vollen kirchlichen Communio verbunden sind."

Es gibt also – nach Ansicht der Katholiken selbst –  anscheinend gar keine Möglichkeit, aus diesem Verein (in den man ja üblicherweise nicht freiwillig und selbsttätig eingetreten ist) wieder rauszukommen. Hm, also dieses krampfhafte Festhalten an ehemaligen Mitgliedern kenn ich sonst eigentlich nur von der GEZ (die mir auch drei Jahre nach dem Verkauf meines Fernsehers immer noch tapfer Formulare zuschickt, in denen ich meinen – angeblich vorhandenen – neuen Fernseher anmelden soll). Oder aus anderen weltanschaulich wirren Bereichen. Normale Organisationen sind doch heilfroh darüber, Schismatiker und Problemfälle loszuwerden.

Lästerlich

Bin ja gespannt, wann es die ersten Proteste von Hindus gegen den aktuellen Spiegeltitel gibt. Oder wann die CSU Strafanzeige stellt, um gegen die Verunglimpfung religiöser Symbolik vorzugehen. Wo bleibt eigentlich die entsprechende Gesetzesänderung? Oder brauchts da erst eine blutige Intervention à la Kali?

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Zwei Fliegen mit einer Klappe

Forderungen von Claudia Roth, angesichts des Rahman-Prozesses einen Abschiebestopp für afghanische Nicht-Muslime/Konvertiten zu beschließen (Tagesspiegelartikel find ich jetzt grad nicht), kann ich nur unterstützen. Erstens würde man damit den Verfolgten, wie es auch die  außenpolitische Stellungnahme des Auswärtigen Amtes vorsieht, Schutz bieten. Und zweitens könnte man effektiv dem Mitgliederschwund der Kirchen entgegenwirken. Wenn ihnen schon die Deutschen weglaufen – einige afghanische Asylanten wären bei so einer Regelung sicher stark an einer Mitgliedschaft interessiert!

Habemus Pizzam

Schon mal eine Domino’s Pizza gegessen? Und überlebt? Bäh! Meiner Meinung nach ist die Domino-Pizza mit ihrem Pappkarton-Boden und ihrem völlig undefinierbaren Belag die neunte Todsünde der zivilisierten Menschheit. Und sie setzt eine Grundformel der Nahrungsmittel-Hedonologie geradezu übernatürlich außer Kraft, nämlich das kalorisch-hedonische Axiom, das einen exponentiellen Zusammenhang zwischen Wohlgeschmack und Kaloriendichte statuiert. Für die Hedonologie vor Domino’s war es schlicht unvorstellbar, dass ein Nahrungsmittel mit derart hoher Kaloriendichte sowas von ungenießbar ist! Dies widerspricht doch vollkommen der naturinhärenten Gerechtigkeit, die dafür sorgt, dass Nahrhaftigkeit mit Schmackhaftigkeit zusammenfällt.

Irgendwie habe ich ja schon immer geahnt, dass hinter diesem Produkt ein Irrer steckt. Jetzt ist es amtlich: Der Gründer von Domino’s, Tom Monaghan, will eine “rein katholische” Stadt in den USA gründen:

The idea is to create a community for 35,000 people – including 5,000 students at a new university – in which, for example, cable television is controlled so there is no pornography, and there are no places where an abortion can be carried out. The Catholic philanthropist said pharmacies in the town would not sell contraception because their owners would be able to put conditions in lease agreements. (Guardian Blog)

Hallo, Herr Monaghan! Wenn es Gott gäbe, hätte er schon früher eingegriffen und die Herstellung dieser Schreckenspizzen in den Geschmacksrichtungen “Philly Cheese Steak” und “Bacon Cheeseburger” verhindert!

Christentum heute

Sehr gut, dass in der CSU wenigstens einer für das “C” im Parteinamen arbeitet: der Stadtrat Hans Wolfswinkler fordert, den Abschiebestopp für irakische Jugendliche, teilweise Vollwaisen, bald aufzuheben. “Die rechtlichen Voraussetzungen sind doch da, es herrscht kein Krieg und kein Bürgerkrieg mehr. Warum sollte man die nicht auch zurückschicken?” (SZ – leider kostenpflichtig). Ja, warum bloß?

Was man so lesen muss: Christliche Chimären

Russell DiSilvestro: "A Neglected Solution To The Problem Of The Metaphysical And Moral Status Of The Human-Animal Chimera", Ethics & Medicine, Summer 2004.
 
"In answering the metaphysical question posed above, I argue that the doctrine of the Incarnation, and in particular the doctrine of the two natures of Christ, provides good reasons for thinking that such a two-species creature is possible. Just as Jesus was fully human and fully God, it makes sense (even if it never in fact comes about) that a human-animal chimera could be fully a member of species a and fully a member of species b."

Man sollte schon darüber nachdenken, ob eine "vernachlässigte Lösung" in manchen Fällen nicht sogar zu Recht vernachlässigt ist…

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Gottlose machen’s besser

Also, dass ich jetzt schon wieder auf dieses leidige, seit der Aufklärung eigentlich obsolete Thema zurückkommen muss…aber gerade bin ich auf diesen Artikel gestoßen: eine Studie soll zeigen, dass Religion dem sozialen Gelingen einer Gesellschaft nicht zuträglich ist:

“In general, higher rates of belief in and worship of a creator correlate
with higher rates of homicide, juvenile and early adult mortality, STD
infection rates, teen pregnancy and abortion in the prosperous democracies.
(…)
“The widely held fear that a Godless citizenry must experience societal
disaster is therefore refuted.”

Nimm das, Hohmann!

[Update: fairerweise muss man darauf hinweisen, dass diese Studie natürlich nicht gerade lupenrein aussieht: “Like religion itself, this study fulfills a spiritual need (the need to diagnose Americans as bible-pounding dummies), but delivers a lot less than it promises.” (reason.com’s Hit&Run). Hit&Run verlinkt praktischerweise auch noch auf einen besonders elaborierten Nazivergleich: God – the Original Fascist]

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