Minima Moralia Bavarica

Gerade hab ich – hab ja keinen Fernseher – beim NDR das Skript einer "Zapp"-Sendung vom Mittwoch gelesen. Da hab ich mich an einer Stelle ehrlich gesagt ein bisserl gewundert.
Es geht erstmal um die unappetitliche Affäre um Bürgermeister Ole und den allseits beliebten Ronald Barnabas Schill:

Dieser Mann [Schill] wollte seine Macht retten, indem er versuchte, andere in den Dreck zu ziehen. Er glaubte, dass die sexuelle Orientierung eines Bürgermeisters die Hamburger schockieren würde. Ronald Schill, August 2003: "Ich weiß von Herrn von Beust selbst, dass er homosexuell ist. Ich weiß auch von Herrn Kusch selbst, dass er homosexuell ist." Doch selbst die Boulevard-Presse sprach von "dreckiger Homo-Erpressung" und verteidigte die Privatsphäre des Hamburger Bürgermeisters. Hamburg ist eben nicht Bayern.

Das war Cohu bekannt! Aber wie schlimm ist es in Bayern wirklich, in diesem Bundesland, das bekanntlich nicht nur mehrheitlich von grenzdebilen Seppeln bewohnt, sondern auch noch von der institutionalisierten Doppelmoral regiert wird – im Gegensatz zu Hamburg, einem Paradies von Moral, Anstand und Zivilcourage?

Denn hier – im CSU-Land – herrschen offenbar andere Verhältnisse. Die musste auch Theo Waigel kennen lernen, als er 1993 Ministerpräsident werden wollte. Kurz vor der Wahl wurde seine außereheliche Beziehung öffentlich gemacht. Edmund Stoiber war damals sein politischer Konkurrent. Parallelen zu Seehofer?

Ja, und die gibt es natürlich. Aber was mich an diesem Text aufregt: die Annahme, dass jemand, der die offen schwule Orientierung eines Bürgermeisters o.k. findet, es auch o.k. finden muss, von einem Politiker vertreten zu werden, der außereheliche Affären (oder im Fall Seehofer: eine Zweitfamilie) hat. Um die Frage des Privatlebens von Politikern soll es jetzt mal gar nicht gehen, auch nicht um die Frage, ob die CSU rückwärtsgewandt oder doppelmoralisch oder gar homophob ist, eher um eine allgemeinere Feststellung:
Homosexualität ist eine sexuelle Orientierung, die selbstverständlich niemandem vorzuwerfen ist und die auch nicht unterdrückt oder verschwiegen werden muss. Der Unterhalt nebenehelicher Beziehungen ohne Einverständnis oder Wissen des Partners (insofern fällt Waigel hier vielleicht ein bisserl raus, das weiß ich nicht) – sei das nun in homosexuellen oder heterosexuellen Ehen – entspringt hingegen einer freien Lebensentscheidung, die man für verwerflich und falsch halten kann, insbesondere, wenn Kinder involviert sind. Punktum.
Das sagt Euch Cohu, die an soviel bayrischer Moral dann doch noch festhalten will, auch ohne der CSU anzugehören.

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Kuschlig warm

Auch wenn mich jetzt Stilpächter und Geschmackspäpste verspotten werden: Cohu ist immer wieder froh, wenn sie vom Eppendorfer Edel-Altbau in den maxvorstädter Nachkriegs-Glasbaustein-Bunker zurückkommt, den Sie (noch) ihre Wohnstätte nennt. Hohe Decken, Stuck, Jugendstil-Türen und -Kacheln in Ehren, und auch die wunderschönen Dielenböden: in sowas ist Cohu lieber nur zu Besuch. Ich kann Zug auf den Tod nicht leiden, genausowenig wie stickige, staubige Heizungsluft – da hat man es  in einer mit Nachtspeicheröfen beheizten Wohnung schwer. Und dann überall diese Winkel und schiefen Wände! Ne, ne, dann doch lieber mein rechtwinkliger Betonkasten, mit Zentralheizung und ohne teuflische Durchlauferhitzer. Jedenfalls im Winter, im Sommer kann sogar Cohu sich für Altbauten erwärmen. [Interessant wäre es zu wissen, ob es in der Steinzeit, als die Leute gerade die ersten Holzhütten gebaut hatten, welche gab, die lieber weiter in zugigen, düsteren Höhlen wohnten, mit der Begründung: “Es hat einfach Stil!”? Vermutlich war die Begründung eher sowas wie UGGA AGA UGG!].
Egal, denjenigen, die unter ihrer zugigen Altbauwohnung leiden, empfehle ich jedenfalls (so sie denn in München wohnen), den Besuch einer Kuschelparty. Der dort vorhandene “Kuscheltrainer” schlägt Weltenweisers Tierpsychologen jedenfalls um Längen…

Menschen Klonen: eine Erfolgsstory

Die Unkenrufe der Menschenklongegner hielt Cohu sowieso schon immer für unbegründet – dieser Amphibienschrei hier scheint mir z.B., wenn man überhaupt sowas wie ein Argument in dem Text findet, mit dem berühmten (obacht, Nazivergleich) gesunden Volksempfinden und, was wunderts bei einem ZEIT-Artikel, mit der intrinsischen Falscheit des Kapitalismus zu argumentieren ("Am Ende der vom Kapitalismus anempfohlenen Strategie der Optimierung steht der geklonte Mensch.") Soso! Das kann nichts Gutes heißen, wenn in der Zeit vom Kapital die Rede ist, aber warum so negativ?

Hier in Eppendorf z.B. hat man durchaus gute Erfahrungen mit dem Klonen gemacht. Während die erste Testreihe, der "männliche Eppendorfer Klon" EPKLON (m), aufgrund von Inhomogenitäten und mentaler Inkontinenz schon nach wenigen Jahren zum Auslaufmodell geriet und reihenweise von Unternehmen wie Froschfields, Baker&McKinsey, PCB und Accentuate* aufgekauft wurde, um schüttere Managementränge aufzufüllen, hat man mit dem weiblichen Modell, EPKLON (w), eine wahre Erfolgsstory geschrieben. Nach einer Studie im Auftrag  der Stadt Hamburg verschönert die Besiedelung mit 3000 Individuen dieses Klonstammes das Eppendorfer Straßenbild um 15%, die Bevölkerungzuwachsrate im Stadtteil stieg um 60%, und das Bruttostadtteilprodukt (insbesondere in den Segmenten Kinder-, Damen- und Hundekleidung sowie Accessoires) stieg um 120%.
Einige werden jetzt sagen: Klone unter uns? Klone könnten unser Nachbar sein? Und wir haben nix gemerkt? Deshalb gibt es ja Cohu: ich zeige Euch, wie man EPKLON (w) erkennt. Besondere Merkmale:

– Naturblonde Haare, mindestens schulterlang, bevorzugt im "sportlichen" Pferdeschwanz streng nach hinten gebunden
– Ebenmäßige, keinesfalls durch Anflüge von Natürlichkeit (weglassen von Make-Up o.ä.) verfälschte Gesichtszüge, bevorzugtes Schminkmittel: Augenbrauenstift
– EPKLON (w) ist überdurchschnittlich groß und schlank, man beachte vor allem die klontypisch langen und dünnen Beine.
– der EPKLON (w)- Busen ist niemals größer als Körbchengröße B
– Alle Klone der Reihe EPKLON (w) tragen produktionsbedingt die gleiche Nase sowie Lippen
– Kleidung: olivgrüner Anorak, evt mit Pelzbesatz, am Rücken eine Bestickung, die auf ein teures Label hinweist; enge "Seven" Jeans, und, absolut unabdingbar: hohe, über den Hosen getragene dunkelbraune Lederstiefel (werden von der Klonfabrik gestellt, deren Stylist doch ein gewisses Faible fürs Militärische hat)
– ebenfalls von der Klonfabrik gestellt: eines der drei "EPKLON (w) Accessories", nämlich wahlweise 1 Hund (Rassehund – Cocker oder Retriever), 1 Kind (Im Bauch oder im altmodischen Korb-Kinderwagen; typische Namen: Aurelian, Marie-Antoinette), 1 nagelneues Hollandrad mit großen Körben vorne und hinten, womit wir überleiten zu den typischen Verhaltensweisen:
– Shopping (z.B. in der Hunde-, Umstandsmoden- oder Schokoladenboutique). Kaffeetrinken (Petit Café), Cocktails schlürfen im Goldfisch.

Ähnliche Klonprogramme soll es auch schon in Berlin geben (Stichwort "Prenzlauer Popmutter"). Wenn ihr auch in Eurem Stadtteil endlich nützliche und hübsche Klone haben wollt, wendet Euch vertrauensvoll an den zuständigen Bezirksausschuss und an die Firma "Pinneberg Klonfabrik GmbH", Postfach 11111, 25474 Pinneberg.

*Unternehmensnamen aus rechtl. Gründen geändert

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Viele verachten die edele Musik: zu Recht!

Heute dazugelernt:
Erstens: Es gibt, was unbegabte Straßenmusikanten angeht, Schlimmeres als Drehorgel. Siehe Abb.
Zweitens: Es sind annähernd unendlich viele Interpretationen von “Oh when the Saints” möglich, wenn man künstlerischen Anspruch und Kreativität nur simultan weit genug herunterschraubt.

Hypothesen:
Erstens: Wenn the Saints tatsächlich mal go marching in, wirst Du, Bürscherl, sicher nicht in der number sein, weil Du nämlich Deinen Mitmenschen mit erbärmlichem Gepruste ihr Leben zur Hölle gemacht hast. Und außerdem jedesmal, wenn jemand was in deinen Kasten wirft, aufhörst zu spielen, Dich vorbeugst und nachzählst, bevor Du Dich bedankst. Ich habe es gesehen, Gott hat es auch gesehen, und wenn nicht, werde ich ihn, oder soll ich sagen IHN, darauf hinweisen!
Zweitens: Eine Violine wäre noch schlimmer. Es sei denn, man lässt mir zuliebe den Teufelsgeiger von Eppendorf wiederauferstehen…

Beste Lage…

…ist das hier am Eppendorfer Baum, wenn man Leierkastenmusik mag. Ein bärtiger Drehorgelmann (Typ Settembrini für Arme) lief gestern den ganzen Nachmittag die Straße auf und ab. Er besitzt anscheinend nur eine Platte, also immer dieselbe Leier von irgendsoner Taube, und auf die Idee, dass ein gleichmäßiges Drehen der Kurbel einen angenehm gleichförmigen Rhythmus erzeugt, war er auch noch nicht gekommen, also: eiernde Taube! Dann der alte Trick: vor jedem der Geschäfte blieb er so lange stehen, bis der Besitzer herauskam und ihm etwas Geld in die Schale warf, reinste Erpressung, alles auf Kosten der hier ja notorisch armen Anwohner.
Dafür nochmal bei Google Earth kontrolliert: sollten wir tatsächlich irgendwann mal den Mietvertrag unterschreiben, wären um unsere neue Wohnung herum 4 Eisdielen in einer Entfernung von weniger als 300 Metern. Der Sommer kann kommen!

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Morgen früh, wenn Gott will…

…werd ich nicht nur vom obligatorischen DLF-Radio auf Maximallautstärke geweckt, sonder schaffe es auch noch, rechtzeitig um 6:17 an der U-Bahn zu sein, um 7uhrirgendwas am Flughafen und irgendwasnach8 sogar in einem Flugzeug nach Hamburg zu sitzen. Will schließlich den ersten Advent auch dieses Jahr wieder in einer Stadt verbringen, wo es statt güldenem Christkindlmarkt mit alkoholisierten Italienern und vielen roten Bäckchen einen aggressiv-lichterkettenblinkenden "Hanseatischen Weihnachtsmarkt" gibt, der etwa soviel Charme hat wie die Harley Days (Cohu berichtete). 6:17 ist jedenfalls eine für mich sehr ungewohnte Berufstätigenzeit. Der Anblick der halbtoten Bürodrohnen, in deren Reihen ich mich vermutlich auch bald einreihen darf, ist immer wieder deprimierend. Naja, wenigstens ist morgen nicht U-Bahn-Pärchentag

Du sollst Dir ein Bild machen!

Auf diese Aktion des lobenswerten BILDblog möchte ich hiermit mit besonderer Vehemenz hinweisen. Ja, da habe ich schon mal mindestens eine Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen…
Mein Stil ist sowas aber sowieso nicht – Gleiches mit Gleichem vergelten ist mir zu alttestamentarisch. Wenn Ihr aber keine derartigen Bedenken, einen Fotoapparat/-handy und einen Wohnsitz bevorzugt in Hamburg-Eppendorf habt, dann heißt es: Linse gewienert und immer der Ölspur nach!