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| Anfang vom Ende: Jack und Roberto |
Ich muss mich jetzt mal outen. Nein, ich war nicht in der Waffen-SS, nicht mal bei StudiVZ. Habe auch keinen Fußpilz bzw. Warzen. Auch – moment, kurz Nachsehen – keine Läuse.
Aber: ich sehe ca. seit… also, seit ich mich erinnern kann, Lindenstraße. Mit ein, zwei Jahren Pause mangels Fernseher, aber seit Folge 1000 ist das ja auch, mit ein paar Tagen Verspätung, online. Nun wird also jede Woche (sobald die IT aus dem Haus ist), "LiStra" geschaut, wie der Fachmann sagt.
Ich weiß nicht, ob jemand unter meinen Lesern die Serie verfolgt und mutig genug ist, dies zuzugeben – aber die Einreihung des Roberto Buchstab in die lange Reihe der LiStra-Toten war schon ein echter Hammer, so rein dramaturgisch. Junge Liebe! Gerade erst aufgeflammt, und schon eiskalt zerstört! Cohu griff gerührt nach trocknenden Taschentüchern und tröstender Schokolade.
Und stöberte danach mit morbidem Interesse in der Galerie der Verblichenen der Lindenstraße: unvergessen, wenn wir schon bei Liebe sind, der "Doppel-Freitod" von Ernst-Hugo von Salen-Priesnitz und Amélie von der Marwitz (ist das wirklich schon zehn Jahre her?!). Und natürlich der lang herbeigesehnte Bratpfannenmord des unerträglichen Pfarrers Steinbrück. "Lisa, gibs ihm!", höre ich noch den innerlichen Ruf aus meiner Kindheit nachhallen.
Da kann HBO noch so tolle Serien fabrizieren: irgendwie bin ich auf Lindenstraße geprägt. Hätte ich allerdings dieses Soap-Fabrikat nicht schon als Jungmensch gezwungenermaßen ein Jahrzehnt mitkonsumiert, könnte ich die geballte Peinlichkeit, die da jeden Sonntag abend auf einen einwirkt (besonders schön immer der aktuelle politische Bezug!), aber wohl kaum aushalten…