Be careful what you wish for

Seitdem ich letzten Sonntag das Interview mit Lafontaine gehört habe, in dem er vehement dazu aufforderte, sich in praktisch allen Bereichen der Politik an Skandinavien zu orientieren –

“Wir setzen auf ein ganz einfaches Rezept. Wenn ich in der Schule nicht vorbereitet war und die Aufgaben nicht lösen konnte, hatte ich zumindest so viel Verstand, von dem Nachbar abzuschreiben, von dem ich wusste, er kann es besser. Und dies empfehle ich den Deutschen seit vielen Jahren. Und hier empfehlen wir die nordischen Staaten, Schweden, Dänemark, Finnland, die auch nach dem internationalen Ranking der Neoliberalen, also dem World Economic Forum, die besten Vorstellungen geben, sowohl in der Bildung als in der Forschung als auch in der wirtschaftlichen Entwicklung, hohes Wachstum, hohe Beschäftigung und natürlich ein größerer Staatsanteil als in Deutschland. Diese manische Sucht hier in Deutschland, den Staat so schlank und so mager wie möglich zu machen, führt auch zu negativen ökonomischen Entwicklungen. Also, die Linke sagt, wenn ihr es nicht besser könnt, schaut bei den nordischen Staaten ab.”(Deutschlandfunk)

…also, seit ich dieses Interview vor ner Woche gehört habe, hab ich mich, bösartig, wie ich bin, gefragt: diese Skandinavier! Irgendwas müssen die doch falsch machen! Aber mir fiel einfach nichts ein. Köttbullar, Rentierschinken, Kindergartenplätze bereits für Ei- und Samenzellen, geschmackvolle Möbel, schöne blonde Mädchen, Elche, etc. pp.
Und wie ich da so nachdenke – eventuell ist Formaldehyd in den IKEA-Möbeln drin? – gibt es doch glatt einen Störfall in einem schwedischen Atomkraftwerk, der sich gewaschen hat. Jetzt also ganz im Sinne meiner rein theoretischen Überlegungen! Eine gewisse Befriedigung kann ich nicht verhehlen.
(Und jetzt Obacht: Querköpfe könnten ja einwenden, was versagt habe, seien nicht die Skandinavier, sondern vielmehr ein deutsches Aggregat. Aber: gehört AEG nicht seit zwei Jahren zu Elektrolux, einer schwedischen Firma? Ha!)

Grundfragen…

…zu beantworten, ist ja für mich als Philosophin meine ureigentliche Berufung! Üblicherweise eher sowas wie Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?, aber sowas interessiert ja heutzutage, wo die Sinnsuche an Gestalten wie Hahne, Schirrmacher, Ratzinger und  Franz-Josef Wagner outgesourced wird, niemanden mehr, also muss ich mich wohl oder übel von meiner Heimat, dem abstrakt-Geistigen, Analytischen, Potentiellen in die Heimstätte meiner Leser, ins menschlich-Konkrete, Sensationalistische, Aktuale hinabbegeben. Tsk! Das alles habt ihr nur dem Glücklichen zu verdanken. Also hier die Fragen:

Warum bloggst du?
Als alte Utilitaristin handle ich stets nach der Maxime John Stuart Mills: "(…) actions are right in proportion as they tend to promote happiness, wrong as they tend to produce the reverse of happiness. By happiness is intended pleasure, and the absence of pain; by unhappiness, pain, and the privation of pleasure. (…)" – jetzt für die Nichtphilosophen: ich blogge, weils mir Spaß macht. Die ganze "Seht, was ich im fernen Oxford mache"-Geschichte war nur ein Vorwand!

Seit wann bloggst du?
Seit September 2003

Selbstportrait
Siehe links oben.

Warum lesen deine Leser deinen Blog?
Siehe auch links oben. Ich habe die Vermutung, dass mindestens die Hälfte meiner Leser nur auf meine Seite kommt, um den Rollover-Zwinkereffekt des Cohu-Mädchens auszulösen…

Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf deine Seite kam?
…die andere Hälfte der Leser sind, momentan zumindest, Zeugen Jehovas. Die suchen nach "befreiung greifbar nahe".

Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?
Keiner, denn…

Dein aktueller Lieblings-Blog?
…ich lese am liebsten meinen eigenen. Da gibt es keine bösen Überraschungen! Sollte die Nennung des eigenen als Lieblingsblog zur Disqualifikation führen, nominiere ich als Subsidiärkandidaten den großartigen Shopblogger.

Welchen Blog hast du zuletzt gelesen?
Den von Flix, da hab ich ja das Stöckchen her.

Wie viele Feeds hast du gerade im Moment abonniert?

Feeds? Hat das was mit Essen zu tun? Nein, ich brauch keine Abos. Hatte mal so einen RSS-Reader, der hat mich enorm überfordert. Ehrlichgesagt überfordern mich sogar die dynamischen Lesezeichen vom Baumpanda. Aber ich hab sehr schön geordnete Favoriten!

An welche vier Blogs wirfst du das Stöckchen weiter und warum?
An den Herrn Bauer, weil er vorgestern im Rund seiner Promotion-Damen so ein herzerfrischender Anblick war.
An das Frollein Schmied, weil ich sie zum Mondfisch-Liebhabertum bekehrt habe.
An den Weltenweisen, weil ich seinen Namen lustig finde.
Das vierte Stöckchen werfe ich in die Leere des Universums, das darf sich nehmen, wer will!

[Nachtrag: Eure ID für den lustigen Stöckchentracker ist 1111 – bitte hier eintragen!]

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Decline of a Nation: Here comes the sunfish

Über die Einwanderung des wundersamen Mondfisches mola mola in Britische Gewässer hatte ich ja schon berichtet. Muss am Klimawandel liegen. Warum ich hingegen, wenn ich dieses Foto eines britischen Nachwuchsichtyhologen anschaue, von einer andauernden Heiterkeit erfasst werde, ist nicht so einfach zu erklären…vielleicht funktioniert es bei Euch ja auch.

Paradise Lost?

Die Wende des Nordbads vom Blümchenhauben-Paradies zum Muskelstähltempel hatte sich ja vor ein paar Monaten schon ungut angekündigt durch die Einführung des “Aquaspinning”. Aber das war wohl von Seiten der SWM erst der Anfang, was das Anlocken körperbewusster junger Menschen (im Gegensatz zu alten Schrumpelpflaumen) angeht: heute entdeckten meine chlorgeröteten Augen im Foyer eine Ankündigung für die “Eröffnung von Münchens größtem Fitness- und Aquacenter” Anfang 2007:

“Das Angebot im Detail:

hochwertiger Gerätepark/Reha-Training
umfangreiches Cardiocenter mit TV
Schwimmhalle (ca. 1.700 m2 mit Aqua Aerobic und Aqua Spinning)
großer Wellnessbereich auf 730 m2 mit Damen-Saunatag, finnischer Sauna, Außensauna auf der Terrasse, Dampfbad, Sanarium, Dachterrasse, Liegewiese u. v. m.
Group Fitness
zwei große Kursräume mit abwechslungsreichem Kursprogramm: Spinning, Aerobic- und Wellness-Kurse, Rückentraining etc.
Gastronomie: Cafe am Nordbad CaN mit 140 m2 Sonnenterrasse – Zugang auch über die Schwimmhalle möglich”

Sogar ein sogenanntes “Instruktoren-Team aus Diplom-Sportwissenschaftlern (Univ.), staatlich geprüften Gymnastiklehrern, Physiotherapeuten etc.” wollen sie herbeischaffen. Hilfe! Ich will doch nur in Ruhe altern und im Kreise von Greisen meine paar Bahnen runterschwimmen, in My Adidas. Bis jetzt kam es praktisch nicht vor, dass mich jemand überholt hat (obwohl ich nur Brust schwimme), aber was, wenn jetzt dann die Sehnen- und Muskelberge ankommen (siehe Abb.), die Cardio- und TV- gestählten Besucher von Fitnesskursen? Die Venice Beach tragenden Aerobic-Schönheiten? Die marathontrainierenden workaholischen Familienväter der “Arschloch-Generation” (mir wurde gesagt, die Anfang 40-jährigen heißen jetzt so)?
Cohu kann jetzt nur hoffen, dass die relativ hohen Preise (billigster Tarif: 54 €/Monat, ohne Sauna, bei 24-Monatiger Vertragsbindung) die ganzen Fitnesswahnsinnigen abschrecken. Oder aber der saublöde Name “Aquacenter”. Gehts noch? Ein 33m-Becken hat das Nordbad, das ist alles. Ich hab auch ein Aquacenter daheim, bei mir heißt es Badezimmer!

Hasta La Victoria Siempre

Kaum schaut sich Cohu Woody Allen’s zweiten Film, “Bananas”, an, in dem Woody als Quasi-Fidel-Castro auftritt, inklusive falschem Bart, schon kündigt sich in Kuba ein neuer Machtwechsel an (das Schönste daran, wie immer, die taz-Schlagzeile: “Castro nicht mehr fidel”). Also: sehr zu empfehlen, der Film. Meine Lieblingsszene: nach erfolgter Revolte wird der (Ché-artige) Rebellenführer verrückt und verkündet der jubelnden Menge vor dem Palast: “Amtssprache ist ab jetzt Schwedisch. Die Bewohner von “San Marco” sind aufgefordert, ab jetzt halbstündlich ihre Unterwäsche zu wechseln. Die Unterwäsche ist ab jetzt außen zu tragen, damit wir das kontrollieren können…”
Fast so gut wie Dr. Udo Brömme (“Alte weg von der Straße”) , wirklich ein politisches Naturtalent! Oh nein – Dr. Brömmes Seite ist verschwunden – wer soll jetzt mein politisches Vorbild sein?

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