Decline of a Pallid Nation

Jaja, ich weiß, diese Kategorie nervt. Schon lange will ich sie abschaffen. Aber irgendwie kommt dann doch immer wieder eine Meldung, die mich davon abhält.  Heute z.B. berichtet der Guardian, dass in Schottland Schüler in der Anwendung von Selbstbräuner unterrichtet werden, auf Geheiß der Schulkrankenschwester, um ihnen den Besuch von Solarien auszureden:

In the first of a series of such sessions, Lisa Fulton, a training expert
with Fake Bake, will give pupils tips on how to apply fake tan next week. Ms
Fulton also plans to tell the pupils about her celebrity clientele, in the hope
that stars will have influence where health experts do not. (…) She plans to
run a campaign called Save Your Skin in schools across Scotland before extending
it to the rest of the UK.” (Guardian)

“Fake Bake!” – Als das Vereinigte Königreich noch eine große Nation und die größte Kolonialmacht war, hätte es das nicht gegeben. Damals hatte, wer was auf sich hielt, halt noch einen Platz an der Sonne.

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Juristenschwemme

Als ob's nicht

genug davon
gäbe: jetzt ist

der
auch wieder auf dem Arbeitsmarkt (via
Fark.com
).

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Total gestört

…ist mein Telefon seit heute morgen. Wie man früher in den Krimis und Horrorfilmen, wenn die Dunkelheit sich langsam senkte über dem verlassenen Landsitz, so schön gesagt hat, als voraussichtliches junges hübsches Opfer eines psychopatischen
Killers oder Zombies: “Leitung tot!” Hab natürlich auch sofort bei der Telekom angerufen und gemailt. Gerade bekomme
ich folgende Mail:

Sehr geehrter Herr Hxxxxx,
wir informieren Sie über den aktuellen Stand Ihrer Störungsmeldung für die
Rufnummer: +49 89 xxxxxxxxx.

Sie haben uns heute 11:00Uhr angerufen Auftrag leigt Außendienst Morgen
vormittag Servic Technika Fahrt zu Vermitlungsstelle prüft Ihre Telefon Ltg
bekommen sie RR auf Handy

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Technischer Kundendient von T-Com

Gut, offensichtlich scheint da jemand am anderen Ende zu sitzen, der nicht so gut schreiben kann, was mir ja egal ist, so lange er meinen Anschluss repariert bekommt. Aber folgende Signatur fand ich dann doch erstaunlich:

Bitte beachten Sie, dass diese E-Mail automatisch vom System generiert
wurde.

Das System, das automatisch eine derart falsche Mail generieren kann, möcht ich mal kennen lernen…oder lieber doch nicht!

Höllenlärm

Wenn man einen richtig zünftigen Nazivergleich sucht heutzutage, schaut man am bestennach New York, wo man ja teilweise schon aufgrund strikter Suppen-Bestellvorschriften als “Nazi” gilt. Ähnlich ergangen ist es den Betreibern eines Windparks im Staate New York:

“In a recent symposium held by the Concerned Citizens for Steuben County, one
speaker compared the sound of the spinning blades and whirring machinery (which
most people find inaudible from fairly close distances) to the noises Nazi
troops tortured Jews with during the holocaust.”
(Wired)

Überhaupt sind die Windkraftgegner anscheinend Freunde direkt aus dem Leben gegriffener Vergleiche:

“Wind turbine opponents say the financial gain to be had does not outweigh
the disadvantages. “It’s like putting lipstick on a pig,” said Larry Newhart, a
challenger of the turbine projects. “You can dress it up however you want but
it’s still a pig.””


…aber ein Schönes!

Pflichtvorlesung

Nur den Wenigsten ist ja die Gabe geschenkt, ein in einem stickigen Uni-Hörsaal  hinter kleinen, bandscheibenzerfetzenden Klapp-Bänken eingesperrtes, teilweise noch unter Nachwirkungen der Pubertät leidendes Publikum zu fesseln, und in
Deutschland habe ich das (soweit ich mich erinnern kann) überhaupt noch nicht erlebt. Es gibt es jedoch eine Vorlesungsreihe, die ich mit größter Freude besuchen würde: die nämlich, die Robert Gernhard anlässlich der
Heine-Gastprofessur der Uni Düsseldorf im Jahr 2006 halten wird (WDR-Interview). Abgesehen von seiner enormen künstlerischen Produktivität (die manchem vielleicht aus dem “Buch OTTO” unserer Jugend noch in verschwommener Erinnerung ist) hat Gernhard noch eine andere beeindruckende Eigenschaft: ich kann ihn definitiv nicht unter den Tisch trinken. Reschpekt!

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Decline of a Nation, mal wieder

Jetzt hat doch die britische Regierung tatsächlich eine Werbekampagne für Bier unterbunden, in der ein Mann von spärlich bekleideten Frauen umgeben ist, und zwar, weil es Brauereien seit einiger Zeit verboten ist, ihre Produkte mit “seduction or social success” in Verbindung zu bringen.  Hintergrund dieser Maßnahme kann ja wohl kaum sein, dass es sich dabei um die Vorspiegelung falscher Tatsachen handelt: der eine oder die andere wird bestätigen können, dass der gemeinsame Genuss alkoholischer Getränke tatsächlich die Wahrscheinlichkeit erhöht, attraktive Sexualpartner rumzukriegen (ob man sie dann im nüchternen Zustand auch noch so attraktiv findet, ist, zugegeben, eine andere Frage). Empirisch wird dieser Zusammenhang ja gerade durch Zahlen aus Großbritannien bestätigt: siehe dazu Teenagerschwangerschaften und Binge Drinking.

Auch stellt sich mir die Frage, wie man ein Produkt bewerben soll, ohne es in Verbindung mit “seduction or social success” zu bringen. Wenn schon ein Geschirrspülmittel offensichtlich nicht anders beworben werden kann als durch die Hervorhebung der Tatsache, dass es die sozialen und romantischen Erfolgschancen  des Verwenders erhöht, was sollman denn dann zu Bier sagen? Dass es gut schmeckt? Ha.
Erstaunlich auch, dass der in der Kampagne so begehrte Biertrinker den Kopf eines Widders trägt (für mich als Chimärenforscherin natürlich hoch brisant). Dieses Detail bewertet die Brauerei noch als Entlastung in Anbetracht der vorgeworfenen Sexualisierung alkoholischer Getränke:

“It said the idea of a ram in the depicted situations was “so preposterous”
that viewers would understand the unreality of the scenarios and would not link
the beer with improved social standing or sexual success.”


Was der von Bewunderern umgebene, bierschlürfende Bockschädel aber tatsächlich aussagt, bringt ein in den Common Rooms britischer Colleges stark verbreitetes Poster auf den Punkt: “Beer. Getting ugly people laid since 1700.”

Ein Diamant ist unerträglich!

Hier
wird erklärt, warum man Diamanten nicht mal geschenkt nehmen (geschweige denn
kaufen) sollte: den ersten Grund ("1. You've Been Psychologically Conditioned To
Want a Diamond") finde ich zwar idiotisch, denn wenn ich einen Wunsch habe, ist
es mir egal, woher der kommt, solange er erfüllt wird. Jetzt mal ganz abgesehen
davon, dass ich gar keinen Diamanten will!

Aber die Tatsache, dass man Diamanten praktisch nicht oder nur ganz weit
unter Wert weiterverkaufen kann (von wegen, "pay the rental / of your humble
flat or help you / at the automat") und vor allem, dass sie unter ganz
grauenhaften Bedingungen hergestellt werden (4-10), ist dann doch überzeugend.

Obwohl ich hier eine Verschwörung wittere:
Schokolade kann
man nicht mehr verschenken, weil man sonst Kindersklaverei fördert, genauso wie

Gold
, Blumen
fallen eh schon lange aus, und von
Pelz will ich gar nicht
erst anfangen. Ich will ja gar nicht wissen, wie viele Männer inzwischen unter
dem Vorwand der political correctness ihren Freundinnen Carrera-Rennbahnen,
Michelle Hunziker-Kalender und Akku-Bohrer zu Weihnachten schenken… Um sowas
zu verhindern: Diamanten müssen ja wirklich nicht sein. Ein Ring, wie er mir
gefällt, ist ganz und gar nicht unvergänglich und besteht aus drei Dingen:
Bierteig, Butterschmalz und Zwiebeln!

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Lackierter Limerick

So lange gab es schon keinen der köstlichen Reime mehr, also hab ich (beim Fingernägellackieren, glaubst es!) fix einen gedichtet:

There once was a girl who would faint
As soon as she smelled fresh paint
She dated an artist
Who said it the smartest:
“I think that your ailment is quaint.”

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Beim Schreiben…

…sagt Molière, ist es wie bei der Prostitution: Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld. Soweit bin ich ja auch schon gekommen, aber bevor mein handschriftlicher Lebenslauf einem Graphologen (?) in die Hände fällt, habe ich meine Schrift  hier analysiert. Einige Aussagen waren schmeichelhaft (Computadora ist überdurchschnittlich
intelligent. Computadora gibt sich sehr beherrscht bzw. diszipliniert und besitzt einen ausgeprägten Ordnungssinn. Sie arbeitet sehr genau und zeichnet sich durch rationales, analytisches Denken aus.)
einige zutreffend (Sie versucht, die eigene Meinung durchzusetzen. Wenn sie etwas besser weiß als andere, muss sie es ihnen auch unbedingt mitteilen. Sie hat ihre eigene Meinung,die auch gegen äußere Widerstände durchgesetzt werden, unabhängig von der Meinung anderer.) und einige lagen ganz, ganz weit daneben (Computadora ist anderen Menschen gegenüber immer offen und aufgeschlossen. Der Umgang mit Menschen macht ihr Spaß, der ideale Arbeitsplatz ist da, wo sie mit anderen Menschen zu tun hat. Privat- und Berufsleben trennt sie sehr stark voneinander.)

Natürlich überlege ich jetzt, wie ich meine Handschrift noch mehr meinem Idealcharakter anpassen könnte. Soll ich meine Vorliebe für Alleine-am-Schreibtisch-sitzen besser durch eine stark linksgeneigte Schrift ausdrücken? Oder könnte ich meine Rechthaberei dadurch übertünchen, dass ich kleine Kringel als I-Punkte mache?

Was aber bei der Charakterbeschreibung fehlt und was zudem auch auf jeden, der diesen Test macht, zutreffen würde: Computadora ist von wichtigen Aufgaben leicht abzulenken, wenn sie Zugang zum Internet hat.

Helden meiner Jugend

Alles fesche Männer – Vorkriegsware! Was den Nachteil hat, dass von den Herren nicht mehr viele übrig sind. In Anbetracht meiner laufenden Bewerbung muss ich vornweg das mehr oder weniger gut gehütete Geheimnis lüften, dass ich im Alter von ca. 5 Jahren beim abendlichen Tagesschauen kundtat, den damaligen Ministerpräsidenten unseres Freistaats ehelichen zu wollen. Zu meiner Verteidigung darf ich vielleicht sagen, dass mir das Konzept des Heiratens damals insgesamt noch etwas rätselhaft war, so war z.B. meine Puppe “Püppie” mit einem Stoffpferd (“Galoppel”) verheiratet (jaja, jetzt kommt mir nur nicht wieder damit).
Abgesehen von dieser Verirrung in die Politik bewunderte ich Forscher und Entdecker, wobei die jahrelange und wiederholte Lektüre Ihrer Expeditions-Bücher (Kon-Tiki, Ra, Jäger auf dem Meeresgrund, Geheimnisse und Rätsel des Meeres, Das Jahr der Wildgänse, Galapagos, Wettlauf zum Pol, Im Reich der tausend Atolle…) meinen Charakter offensichtlich überhaupt nicht beeinflusst hat. Ich reise sehr ungern, wobei ich schon jedes Verlassen meines Stadtviertels, das Umsteigen erforderlich macht, als “Reisen” definieren würde. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu früh von den vielgestalten Gefahren der Welt –  hässliche Muränen, internierende Engländer, Curare-getränkte Giftpfeile – erfuhr?
Ich schweife ab: nachdem ich schon den Tod von Konrad Lorenz (1989), Jacques-Yves Cousteau (1997) und Thor Heyerdahl (2002) beklagen musste, hat es nun leider auch den Erstbesteiger der Eiger-Nordwand (s.a. Doppel) und Lehrer des Dalai Lama, Heinrich Harrer, erwischt. Dabei wurde ihm noch zu Lebzeiten  ein grauenhaftes Denkmal in Form des Hollywoodfilms “Seven Years in Tibet” gesetzt. In Wirklichkeit sah Heinrich Harrer auch noch im hohen Alter nach mehr aus als dieses aalglatte Knopfnasenbubi, dieses windigs Zigarettenbürscherl, dieses windigs, das ihn 1997 verkörpern durfte!
Bleiben nun – und hoffentlich sehr lange – als Objekte meiner Bewunderung noch  Hans Hass (Jhg. 1919) und Irenäus Eibl-Eibesfeldt (Jhg. 1928)… und der Vorsatz, sämtliche populärwissenschaftliche Abenteuerbücher, die ich damals verschlungen habe, noch mal zu lesen.

(Bild: Wikipedia)