Helden meiner Jugend

Alles fesche Männer – Vorkriegsware! Was den Nachteil hat, dass von den Herren nicht mehr viele übrig sind. In Anbetracht meiner laufenden Bewerbung muss ich vornweg das mehr oder weniger gut gehütete Geheimnis lüften, dass ich im Alter von ca. 5 Jahren beim abendlichen Tagesschauen kundtat, den damaligen Ministerpräsidenten unseres Freistaats ehelichen zu wollen. Zu meiner Verteidigung darf ich vielleicht sagen, dass mir das Konzept des Heiratens damals insgesamt noch etwas rätselhaft war, so war z.B. meine Puppe “Püppie” mit einem Stoffpferd (“Galoppel”) verheiratet (jaja, jetzt kommt mir nur nicht wieder damit).
Abgesehen von dieser Verirrung in die Politik bewunderte ich Forscher und Entdecker, wobei die jahrelange und wiederholte Lektüre Ihrer Expeditions-Bücher (Kon-Tiki, Ra, Jäger auf dem Meeresgrund, Geheimnisse und Rätsel des Meeres, Das Jahr der Wildgänse, Galapagos, Wettlauf zum Pol, Im Reich der tausend Atolle…) meinen Charakter offensichtlich überhaupt nicht beeinflusst hat. Ich reise sehr ungern, wobei ich schon jedes Verlassen meines Stadtviertels, das Umsteigen erforderlich macht, als “Reisen” definieren würde. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu früh von den vielgestalten Gefahren der Welt –  hässliche Muränen, internierende Engländer, Curare-getränkte Giftpfeile – erfuhr?
Ich schweife ab: nachdem ich schon den Tod von Konrad Lorenz (1989), Jacques-Yves Cousteau (1997) und Thor Heyerdahl (2002) beklagen musste, hat es nun leider auch den Erstbesteiger der Eiger-Nordwand (s.a. Doppel) und Lehrer des Dalai Lama, Heinrich Harrer, erwischt. Dabei wurde ihm noch zu Lebzeiten  ein grauenhaftes Denkmal in Form des Hollywoodfilms “Seven Years in Tibet” gesetzt. In Wirklichkeit sah Heinrich Harrer auch noch im hohen Alter nach mehr aus als dieses aalglatte Knopfnasenbubi, dieses windigs Zigarettenbürscherl, dieses windigs, das ihn 1997 verkörpern durfte!
Bleiben nun – und hoffentlich sehr lange – als Objekte meiner Bewunderung noch  Hans Hass (Jhg. 1919) und Irenäus Eibl-Eibesfeldt (Jhg. 1928)… und der Vorsatz, sämtliche populärwissenschaftliche Abenteuerbücher, die ich damals verschlungen habe, noch mal zu lesen.

(Bild: Wikipedia)

6 Responses to “Helden meiner Jugend”

  1. Felix Says:

    Jaja, Helden der Kindheit. ;-P
    Noch bevor ich zeitgenössische Abenteurer wie Thor Heyerdahl & Co. entdeckte, war ich fasziniert von David Livingstone und natürlich Sir Henry Morton Stanley – in kindlicher Verklärtheit natürlich, was deren Menschenbild anging. Bis Sir Francis Drake will ich gar nicht ausholen…

  2. computadora Says:

    Oioioi, das Menschenbild der Entdecker…damit triffst du natürlich einen wunden Punkt. Sogar der ja eigentlich über alle Zweifel erhabene Eibl-Eibesfeldt hat damals in den 90ern, glaube ich, einen Skandal ausgelöst mit seinen Folgerungen aus der Angeborenheit von Xenophobie (siehe zB. http://www.luebeck-kunterbunt.de/seite2/Fremdenangst.htm Für meine Schwester ist das immer noch ein (Zitat!) "Nazi". Aber ehrlich gesagt: wenn ich mir sonstige Jugendbücher anschau, habe die kein besseres Menschenbild (vom Frauenbild gar nicht zu reden) und sind dazu auch noch langweiliger. Am schlimmsten waren jedoch die grandiosen "Problembücher" wie "Rolltreppe abwärts", "Frag mal Alice"…wurgs! Bei solcher Lektüre wird doch aus reiner Opposition jeder zum menschenverachtenden Zyniker.

  3. Benedikt I. Says:

    Mal was anderes: Der Film heißt "Sieben Jahre in Tibet" und nicht "Seven Years in Tibet", nach dem gleichnamigen Buch auch meines Idols H.Harrer, der schon deshalb ein Idol bleiben muss, weil er den Briten ausgebüchst ist. Jedenfalls kann man es mit der Verherrlichung der englischen Sprache echt übertreiben!!! Da freut man sich schon mal über einen Blog-Eintrag in einer für mich verständlichen Sprache, und schon muss man sich wieder die Haare raufen!

  4. computadora Says:

    Äh ja… und der Film stammt auch nicht etwa aus Hollywood, sondern aus *Stechpalmenwald*. Ganz recht.

  5. Benedikt I. Says:

    Steh du mal vor dem Problem, einer Horde durchgeknallter Crack-Nigger erklären zu müssen, dass du den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" super fandest und dir das Scheiß Wort "Ground hog" oder wie das Viech heißen mag, nicht eingfallen ist!

  6. computadora Says:

    Solange es für rassistische Verunglimpfungen noch reicht, würd ich mir bezüglich meiner Fremdsprachenkenntnisse keine Sorgen machen…


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