Holla die Seekuh!

Wenn man Tiere auf Google Maps sucht, tut man gut daran, sich an die beleibten zu halten. Also Elefanten, Wale oder Nilpferde (viele Nilpferde).

Aber jetzt das Beste: Seekühe. Genauer gesagt: karibische Seekühe, die sogenannten Manatees. Die Region um Tampa an der Westküste Floridas bezieht ihren Strom von unter anderem aus dem Kohlekraftwerk “Big Bend Power Station”. Im Abwasser dieses Industriejuwels tummeln sich im Frühjahr, wo die Küstengewässer empfindlich kalt werden, angeblich dutzende bzw. sogar hunderte verfrorene Manatees, um sich die Stummelflossen zu wärmen. Bis jetzt musste man diese Geschichte einfach nur glauben (oder auch nicht), dank Cohu könnt ihr das aber nun selbst auf Google Maps überprüfen:

Bad Griesbach ist nix dagegen! Und es kommt noch besser: die Elektrizitätswerke haben zwei Webcams eingerichtet. Man darf diese, O Wunder der Technik, sogar selbst steuern. Ob die Seekuh-Therme gerade gut besucht ist, konnte ich noch nicht feststellen – gegen die Zeitverschiebung hat man ja leider noch nix erfunden (im Januar waren angeblich mehr als 200 Stück dort…). Um den ungeduldigen Lesern die Stunde bis zum floridianischen Sonnenaufgang zu versüßen, hier noch ein selbst geschossenes Manateeporträt aus Homosassa Springs:

It’s all very German

In einem ausführlichen Artikel beschreibt der amerikanische Journalist Jacob Heilbrunn den aktuellen Zustand Deutschlands:

“It has something of a nanny-state feel to it since cars are basically verboten—and where they aren’t, as in Berlin, anarchists have been torching them nightly. Even as some residents fume about capitalism and state oppression, they lead highly regulated lives that depend on draconian government laws mandating everything from energy efficiency down to almost the final turn of the water faucet. Its residents seek liberation from the free-market ethos by circumscribing their freedoms. It’s all very German. It’s also become somewhat problematic.”

(Jacob Heilbrunn in The National Interest)

Autos quasi verboten? Der soll mal nach München kommen… Damit ihr nicht den ganzen Artikel lesen müsst, hier jedenfalls schon mal seine Schlussfolgerung:

“Germany will falter alongside the Continent, as an aging population and a lack of productivity drag both down into an economic morass.”

So einen ausgeprägten, tiefdunkelschwarzen Pessimismus von Weltuntergangsformat kennt man eigentlich ja nur von Deutschen – sogar in dieser Disziplin schlagen uns die Amis also jetzt schon. Es geht wirklich bergab!

Crash Blossoms

Zu den vielen Freuden, die dem Nicht-Englischsprecher versagt bleiben, gehören kryptische Zeitungsüberschriften. Manchmal führen sie (selbst bei Muttersprachlern) nur zu Kopfzerbrechen, manchmal aber auch zu großem Amüsement. Darüber berichtete neulich sogar die NYT, und lieferte für das Phänomen folgende Erklärung:

“Since English is weakly inflected (meaning that words are seldom explicitly modified to indicate their grammatical roles), many words can easily function as either noun or verb. And it just so happens that plural nouns and third-person-singular present-tense verbs are marked with the exact same suffix, “-s.” In everyday spoken and written language, we can usually handle this sort of grammatical uncertainty because we have enough additional clues to make the right choices of interpretation. But headlines sweep away those little words — particularly articles, auxiliary verbs and forms of “to be” — robbing the reader of crucial context.” (On Language: Crash Blossoms)

Soviel zur Theorie. Viel lustiger ist aber die Praxis:

British Left Waffles on Falklands

Torture professor John Yoo in San Mateo

Police vow to murder victim’s family

Prostitutes appeal to Pope

Gator Attacks Puzzle Experts

Reagan Wins on Budget, but More Lies Ahead

Der Name des Phänomens, Crash Blossoms, stammt übrigens von dieser Überschrift. Und ein entsprechendes Blog gibts natürlich auch schon…

Kryptozoologie

Was sind das nur für seltsame Spuren auf dem Garagendach im Hof? Wenn es eine Katze war, hat sie ziemlich riesige Sprünge gemacht…aber jetzt wird es unheimlich:

…die Spuren enden am Regenrohr! Gottseidank gibt es bei Wikipedia für genau solche Fälle eine übersichtliche Liste der Kryptiden. Vielleicht war es ein Jersey Devil? Eine Manananggal? Oder, etwas altmodischer, ein Yeti (die mögen ja Schnee!). Das Fenster bleibt jedenfalls erstmal zu, nicht dass mich noch eine Chupacabra aussaugt…

Kulturen

Oben: British Empire. Unten: Deutsche Kolonien

Der spärlichen Sammlung des Völkerkundemuseums merkt man schon ziemlich deutlich an, dass Deutschland es nie so richtig zur Kolonialmacht gebracht hat. Da haben es andere Länder irgendwie leichter.

Interessanter als viele Ausstellungsstücke wäre übrigens bei allen traditionellen “Völkerkunde”-Museen eine Kritik des ganzen Konzeptes: Warum eigentlich nur fremde Kulturen ausstellen, unter Auslassung unserer eigenen (wir haben keine Kultur, wie sind ja schon zivilisiert)? Warum die Obsession mit dem Primitiven und Ursprünglichen (wäre die zeitgenössische amerikanische Kultur nicht genauso spannend wie die der amerikanischen Ureinwohner: Ritual und Statushierarchie auf dem WalMart-Parkplatz)? Und vor allem: Woher kommt dieses ganze Zeug? Geklaut, abgeluchst, einfach mitgenommen, oder ganz redlich gekauft…die Geschichte wäre jedenfalls bei jedem Stück interessant.

Vom Konzept her hat das Ganze jedenfalls teilweise eine gewisse Ironie: die Ausstellungstexte sind merklich bemüht um politische Korrektheit, bei jedem Yamslöffel (oder was auch immer) wird der kulturelle Tiefgang herausgestellt, ganz klare Sache – diese Kulturen sind der unseren gleichwertig, oder eigentlich überlegen – aber dann stellt man in einem Eck Grabstelen aus Pakistan aus. Eine davon mit der (nebendran fein säuberlich übersetzten) Inschrift, dass dieses Grab und die Blumen darauf niemals jemand stören möge, es sei ein himmlisch-paradiesischer Platz des Friedens in alle Ewigkeit…

(Bilder: Wikimedia Commons)

Einen Seeaff / kann nichts erschüttern

Heute im Bus zum Schwimmbad bemerkt, dass Brille auf der Nase statt Kontaktlinsen in den Augen. Kurz darüber nachgedacht, doch noch umzukehren. (Cohus naturbelassenes Sehvermögen entspricht etwa der Phototaxis eines Geißeltierchens, oder für Nichtbiologen: Wenn ich in die Männderdusche ginge, würde ich es nicht merken. Höchstens nach haptischer Erkundung der näheren Umgebung.) Dann aber doch das Schwimmen gewagt, ganz ohne Sichtkorrektur. Und, siehe da: Ein Wunder! Unter Wasser, nur mit einer ungeschliffenen Schwimmbrille angetan, konnte ich sehen wie ein Adler (oder sagen wir: wie ein Pinguin). Ein kurzer Blick ins Becken zeigte mir alle Schwimmer, die ich über der Wasseroberfläche nur schemenhaft oder gar nicht sah, gestochen scharf. Ich konnte sogar die Fliesen zählen.

Ungefähr so...

Man könnte das jetzt vermutlich irgendwie mit ein bisserl Optik auf Oberstufenniveau erklären, aber Moment mal, nicht so schnell! Ich deute es als weiteres Indiz für die Theorie vom aquatic ape,also dem Wasseraffen (nicht zu verwechseln mit dem Seamonkey – so geschickt wurden in den USA die aus Yps bekannten Urzeitkrebschen vermarktet – oder der Affenfamilie der Meerkatzen). Kurz gesagt ist die aquatic ape hypothesis die Theorie,

“nach der die Vorfahren der Menschen (Frühmenschen) in ihrer Evolution – der Hominisation – eine teilweise aquatische (wasserlebende) Phase durchgemacht haben sollen.” (Wikipedia: Wasseraffen-Theorie)

Als Argumente dafür werden angeführt: das menschliche Unterhautfettgewebe (sonst haben das nur Robben und Wale), der angeborene Tauchreflex (bekannt vom Nirvana-Cover), unsere Schwimmhäute (?), unser aufrechter Gang (Ok, das ist kompliziert) und unsere Nacktheit (wieder: genauso wie bei Meeressäugern), unser schwach ausgebildeter Geruchssinn und unsere seltsame Nasenform, die ein freihändiges Tauchen ermöglicht, sowie der hohe Salzgehalt menschlicher Tränen und Schweißabsonderungen, der eher zu Meeresgetier passen würde.

Und dazu kommt jetzt auch noch – Trommelwirbel und Tusch!-: scharfe Sicht unter Wasser! Ich weiß nicht, wie das bei meinen Lesern ist, aber ich stamme eindeutig von solchen Wasseraffen ab…

(Bild: PLoS Biology: Wild Gorillas handy with a stick, via: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Noisy Romps

“GIRLS at Cambridge University have been ordered to have sex more quietly after complaints about the noise.
All 400 undergraduates at Newnham female college were warned after 30 people grumbled to bosses in a month. An email from student union President Lizzy Cole, 19, said: “Newnham corridors funnel sound and walls are very thin. Please remember to be discreet in your activities, especially during late/early hours of the day.”
Students are mortified. (…)”

via Complaints about Cambridge Uni girls’ noisy romps | The Sun |News.

Mal wieder eines der vielen Gebiete, wo die unselige “Universität” Cambridge von wirklichen Eliteunis lernen könnte. Z.B. von Oxford: Das letzte reine Frauencollege (St Hilda’s) hat man dort nämlich 2008 endlich von der traditionellen Geschlechterseparation befreit. Und wie wir alle wissen: Wenn man Männer ständig um sich hat, sind sie gar nicht mehr sooo spannend.

(Eine transatlantisch-feuchte Alternativlocation für noisy romps haben die Studenten in Yale schon 2007 entdeckt. – Cohu berichtete natürlich!)

Deprimierend

“There is a strong link between heavy internet use and depression, UK psychologists have said.

The study, reported in the journal Psychopathology, found 1.2% of people surveyed were “internet addicts”, and many of these were depressed. The Leeds University team stressed they could not say one necessarily caused the other, and that most internet users did not suffer mental health problems.”

via BBC News – ‘Internet addiction’ linked to depression, says study.

Besonders schön:

“The conclusions were based on 1,319 responses to an on-line questionnaire.”

Mit solchen bahnbrechenden “Ergebnissen” verankert sich Leeds wohl auch wissenschaftlich auf Dauer in der dritten Liga…

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