I think, therefore I Scan.

Im Hause Cohu gibt es eine neue technische Errungenschaft, und zwar ein Epson V10 Bildeinlesegerät, neudeutsch Scanner. Hier ein kurzer Bild-Hochlade-Test. Klicken auf das Bild sollte im Idealfall zu einer größeren Version führen. Ich präsentiere: Grigory Sokolov in einem Linolschnitt von Cohu höchstselbst! Das Bild ist eine freundliche Leihgabe der Sammlung “IT”.

Decline of a Nation: On The Induction of Squirm

Cohu war die letzten Tage durch wichtige Termine schöner (Tierpark) und weniger schöner Natur (Beerdigung) abgelenkt, aber sorgt Euch nicht, meine Berichterstattung über wichtige Vorgänge in der Welt wird nicht abreißen. Schauen wir (wie so oft) nach Großbritannien. Und da muss ich sagen: die britischen Skandale sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Hier könnten sich die Briten mal eine Scheibe von den U.S.-Amerikanern abschneiden. Scrollen wir ans Ende dieser Liste und erinnern wir uns, mit verträumtem Blick, an die herrlichen Sex Scandals der Republikaner. Die ICQ-Nachrichten, die ein gewisser Mark Foley an junge Burschen schickte, können wir hier nachlesen (nicht jugendfrei, aber harmlos). Hier bekommen wir Einblicke in die Vorlieben des Robert Allen (nicht jugendfrei, aber kulturtechnisch interessant, denn wer hätte gedacht, dass männliche Prostituierte für das Entgegennehmen einer sexuellen Gefälligkeit Geld bekommen!). Aber das schönste Beispiel, nämlich den in der Today Show ein übles Missverständnis aufklärenden Larry Craig, finden wir hier (so ziemlich jugendfrei). "Sie kennen das – Klopapier am Schuh?" – lediglich der englische Sprachraum kennt für dieses Gespräch das passende Wort: squirm-inducing.
Aber zurück nach Großbritannien. Was für Skandale haben die denn aktuell zu bieten? Ihr Innenminister hat beim Autofahren mit dem Handy telefoniert. Ein bisschen mehr Anstrengung, bitte. Weil, mit so einem Schmarrn bleibt man keine Weltmacht.

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Opfer für die Umwelt

Angeregt von Frau Birnstiel: eindeutig Gutmensch, und zwar auf voller Linie:

– Ich spüle keine Joghurtbecher aus. Spart Wasser.
– Ich trenne keinen Müll (außer Altglas/Altpapier). Effizienter.
– Ich fliege auf längeren Strecken, statt mit der Bahn oder dem Auto zu fahren. CO2-sparend.
– Ich kaufe selten Öko-Obst. Intensiv-Landwirtschaft spart Flächen. Produktion von Lebensmitteln in klimatisch günstigen Regionen (Neuseeland-Äpfel, Ägyptische Zwiebeln) spart Energie und CO2. Tropen statt Treibhaus!
– Ich kaufe auch gerne Dosen. Frischware ist mir zu energieintensiv (Kühlung, eigene Zubereitung verbrauchen mehr Energie als die Gesamtproduktion von Convenience-Produkten)
– ich sehe davon ab, "Fair" einzukaufen. Mei, diese GEPA-Schokolade ist schon super (vor allem die weiße mit Rohrzucker…). Aber fair trade treibt die Preise nach oben und bringt noch mehr Drittwelt-Farmer dazu, sich durch den Anbau von Kakao oder Kaffee von der Weltwirtschaft abhängig zu machen. Die Spirale der Überproduktion, die der eigentliche Grund für die verdorbenen Rohstoffpreise ist, dreht sich noch schneller.
– Wenn ich mir doch manchmal ein super-regionales, frisch gekochtes, leckeres, chemikalienfreies Öko-Essen gönne (schmeckt einfach besser), habe ich ein schlechtes Gewissen. Denn wo bleibt da die soziale Gerechtigkeit? In Zukunft werde ich mindestens einen Obdachlosen dazubitten.

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Immer an den Leser denken

"Wohin mit den Kindern? Mama oder Krippe – eine Diskussion spaltet die Gesellschaft." Da hat der Focus, wie es seit jeher seine (vielleicht einzige) Stärke ist, die deutsche Diskussion ja schön zusammengefasst.
Väter haben mit der ganzen Sache ja gottseidank nichts zu tun.

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Me likey

Outlook 2007 gefällt mir. Vor allem die Suchfunktion. Yay!

Papier ist geduldig

Neblige Oktobersonntage wie dieser sind perfekte Basteltage. Wem das Pumpkin-Carving eine zu große Sauerei (oder zu amerikanisch) ist, den möchte ich auf einige nette Papierbasteleien hinweisen, mit denen man sich als Druckerbesitzer die Zeit vertreiben kann: zunächst mal, passend zu Halloween, ein Totenkopf-Bausatz  für den Schreibtisch. Die Kollegen wird’s gruseln!
Schöner (aber nur mit dem Farbdrucker machbar) sind der schnappende Tintenfisch sowie das – für jeden nützliche – Zustimmungs-Schaf.

Decline of a Nation: What Lies Ahead

Wissenschaft macht erst richtig Spaß, wenn man das Joch der Falsifizierbarkeit abwirft und sich willenlos der verführerischen Macht der Spekulation hingibt. Das hat auch ein mit Evolutionstheorie befasster Wissenschaftler an der LSE, Oliver Curry, erkannt und vorhergesagt, dass sich die Menscheit langfristig in zwei Unterarten spalten wird:

"The descendants of the genetic upper class would be tall, slim, healthy, attractive, intelligent, and creative and a far cry from the "underclass" humans who would have evolved into dim-witted, ugly, squat goblin-like creatures." (bbc news)

Diese Entwicklung liegt, so Dr. Curry, in weiter Zukunft (immer ein guter Zusatz für Propheten). Leider wird es auch noch 1000 Jahre dauern, bis wir den Eintritt der folgenden Prognose beurteilen werden können:

"Men will exhibit symmetrical facial features, look athletic, and have squarer jaws, deeper voices and bigger penises. Women, on the other hand, will develop lighter, smooth, hairless skin, large clear eyes, pert breasts, glossy hair, and even features. (…)
Social skills, such as communicating and interacting with others, could be lost, along with emotions such as love, sympathy, trust and respect."
(bbc news)

Die Zukunft der Menschheit, das scheint mir anhand dieser Aussagen klar, ist ein … Porno. Wie schade, dass Zeitreisen noch nicht möglich sind. Aber sicherlich wird uns da auch bald ein englischer Wissenschaftler einen hilfreichen Vorschlag machen….

(Bildausschnitt: The evolution of the human skull: ten structural stages. Wellcome Library, London)

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Tränen gelacht

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Burn baby burn

Sachma, haben Irre die taz übernommen? Wenn dem tatsächlich so ist: juhu, höchste Zeit, mit der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft aufzuräumen und sie im Arbeitsleben gleichberechtigt zu behandeln. Wenn nicht: könnt ihr bitte wieder normal werden? Bis jetzt war die taz die einzige deutsche Tageszeitung, für die ich mir noch einen Rest an Respekt bewahrt hatte. Und dann sowas.
Erst ein absolut hirnrissiger Artikel über den angeblich nun endlich erbrachten “Beweis” dafür, dass es “Kindern schadet, wenn die Eltern zuhause sind.” Der “Beweis” besteht aus einer Studie, die zeigte, dass ein Drittel der Kinder von Arbeitslosen sich nach eigener Aussage vernachlässigt fühlt, während bei berufstätigen Eltern nur halb so viele Kinder über zu wenig Zuwendung klagen. Daraus leitet die taz mit der inbrünstiger Überzeugung eines Paranoid-Schizophrenen sofort ein Scheitern des “alten Familienmodells” auf ganzer Linie ab. Dass es vielleicht einen Unterschied geben könnte zwischen Eltern, die unfreiwillig zu Hause bleiben und solchen, die das gerne tun – lirumlarum, das schreiben wir nicht. Oder gar – Gott bewahre! – dass Reiche bessere Eltern sind. Nein, gar nicht daran denken. [Am Rande: was die Studie tatsächlich sagt, ist das Gegenteil. Nämlich, dass Kinder von Doppelverdienern fast dreimal mehr (s. Tabelle 2) über Vernachlässigung klagen als solche aus “klassischen” Familien …] Aber blättern wir dezent weiter.
Evt. zu diesem Artikel, der uns unter der vielsagenden Überschrift “Brenn, Hollywood, brenn” (!) zeigt, dass dieser ganze amerikanische Scheißdreck es nicht anders verdient hat, als in Flammen aufzugehen. Es liest sich wie das Manifest eines zwanghaften Zündlers oder Pyromanen, mit so schönen Formulierungen wie:

“Hollywood ist längst eine Metapher geworden für die ortlose Welt zirkulierender Zeichen. Ein Feuer aber kennt keine Metaphern, es schafft Fakten.”

Deshalb machen wir jetzt einen großen Scheiterhaufen(*) und werfen alle deutsche Tageszeitungen drauf. Für die taz gibt’s zumindest von meiner Seite her keine Ausnahme mehr.

(*) Ich wehre mich im übrigen vehement gegen die Vereinnahmung der Praxis der Schriftenverbrennung durch den deutschen Nationalsozialismus. Das gab’s schon vor mehr als 2000 Jahren und es hat eine lange, stillose und barbarische Tradition.

(Bild: Paul Thurmann, Luther verbrennt 1520 in Wittenberg die Bannandrohungsbulle, Wikimedia Commons)

Bored on the Fourth of July

Cohu hat sich – in einem Anfall von überbordendem Amerikanismus (?) – letztes Wochenende gleich zwei überaus amerikanische Romane gekauft, nämlich "Digging to America" von Anne Tyler und "Independence Day" von Richard Ford. Auf Letzteren (hat im Übrigen nichts mit Außerirdischen zu tun) habe ich mich dann gleich gestürzt. Schließlich stößt man nicht oft auf ein Buch, das in der New York Times als "gripping" beschrieben wird, im Guardian als "a masterpiece" und das sowohl den PEN/Faulkner Award als auch den Pulitzer-Preis bekommen hat.
Leider handelt es sich um das definitiv langweiligste Buch, das ich je gelesen habe; abgesehen von "Sachenrecht" von Schwab/Prüttig, Beck 1993. Ok, dass es von einem geschiedenen Immobilienmakler mittleren Alters handelt, der in der ersten Person ein Wochenende im Juli am Ende des letzten Jahrtausends beschreibt und uns nebenbei seine (ziemlich reduzierten) Lebensweisheiten darbietet – da hat man sich denken können, das hier, äh, keine all zu großen Feuerwerke von plot und suspense abgeschossen werden. Aber andererseits: ich bin ja kein Freund von großer Action. Ich mag z.B. Fontane. Und der Zauberberg gehört zu meinen Lieblingsbüchern, und da passiert sieben Jahre lang außer ein paar mal Türenknallen auch nichts. Aber dieser Ford, das ist doch wirklich ein bisserl zu viel der resignierten Untätigkeit. Ich bin auf Seite 130 (von 450), und bis jetzt ist das Einzige, was passiert ist, dass das Kunden-Ehepar des Maklers ein paar Häuser nicht gekauft hat.

Falls hier nichts mehr gebloggt wird: nehmt das als Beweis dafür, dass man an Langeweile sterben kann.

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