Kühle Blonde

Bekanntlich ist es hauptsächlich unser Bier, das den glorreichen Ruf unserer wunderschönen bayerischen Heimat weit über alle geographischen Grenzen hinweg verbreitet. Weltweit schätzt man das Lowenbrow, das Hofbrowhouse und das Octoberfest.

Aber dass ich erst über den Umweg eines nur in den USA erhältlichen, durchaus g’schmackigen Exportbieres namens "St Pauli" lernen durfte, dass Bremerinnen weit ausgeschnittene Dirndl tragen und einen Körperbau haben, den man eigentlich nur Bayerinnen zutrauen würde  – wer hätte das gedacht?

(Hmmmm, die Bierfrau ist in Wirklichkeit weder Nord- noch Süddeutsche, sondern Slovakin, die nach kurzer Recherche zu großen Teilen in den USA hergestellt wurde. So ist das eben mit gutem Bier: in Bayern daheim, in der Welt zuhause.)

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Untergang des Abendlandes

Etwa durch Vermehrung der Unterschicht? I wo: es kommt noch viel schlimmer. Das Abendland (lies: bürgerliche Mittelschicht) geht  für mich dann unter, wenn die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung allen Ernstes einen lobpreisenden Artikel über New Burlesque veröffentlicht:

Ein neues Phänomen ist in Deutschland angekommen: Burlesque. Das ist eine ironische Form des Strips, die auch Frauen gefällt. Es darf schlüpfrig sein, auch vulgär. Billig ist es nie. Und es wird viel gelacht. (FAZ.net)

Ach Gott. Als Akademikerin ist man bei diesem Fachblatt der upper middle class eh schon unter Reproduktionszwangs-Dauerbeschuss. Aber dass mir jetzt auch noch ironisches Strippen gefallen muss….

(Ich bin eine durch und durch amerikafreundliche und, wie der Ami so schön sagt, sex positive Person, aber Porno durch eine Comedymühle zu drehen, damit er am Schluss “ironisch” und “lustig” ist und – juhuuu! – dann sogar Frauen gefallen darf, jedenfalls in einem “ironischen” Sinne – das finde ich derart reaktionär und im schlimmsten Sinne amerikanisch-protestantisch prüde, dass es mich schüttelt. Die Idee kommt wohl aus der gleichen Ecke wie die Auffassung, die sexuelle Revolution der Siebziger hätte aus “Erotikkomödien” bestanden. Und Emmanuellefilmchen waren dann wohl feministische Propaganda. Na logo.)

(Bild: Josephine Baker, 1927, aus den Wikimedia Commons)

Großes Quiz: Wer errät das Reiseziel?

Jaja, so ein spontaner Kurzurlaub ist nicht zu unterschätzen – die Vorbereitung wird natürlich mit wissenschaftlicher Präzision und daher zunächst einem angemessen intensiven Quellenstudium angegangen. Die Mehrzahl der Bücher und Karten stammen aus der großzügigen Leihgabe einer passionierten Amerikareisenden, habe es allerdings auch nicht versäumt, entsprechende Belletristik zu bestellen.

(Im Hause Cohu gibt es übrigens Nachwuchs!)

Offen und ehrlich

Marxisten haben wie alle religiöse Fundamentalisten nicht ganz zu Unrecht den Ruf, unbelehrbar zu sein. Dass jetzt aber ein antikapitalistischer Arbeitskreis des LMU-Fachschaftskonvents so ehrlich zu eben dieser Eigenschaft steht, erfreut: die lesen einmal die Woche "Das Kapital" und sind "gegen Argumente"!

[Den für die Domain engagierten Texter hätten sie aber auch gleich noch für Veranstaltungstitel beschäftigen sollen. Mit "Die Krise der „Realwirtschaft“ – bringt die Kritik der kapitalistischen Produktionsweise zur Anschauung" kann ich weder syntaktisch noch semantisch was anfangen…]

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First We Take London

Leonard Cohen live in London, 18 Juli 2008. Und zwar das gesamte Konzert von 2 1/2 Stunden. Das Video gibt’s aber nur für eine Woche: Hier.

 

(Bild: Rama/Wikemedia Commons)

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Du gehst mir sowas vom am Arsch vorbei

Dem Twitter-Medium steht Cohu ja tendenziell leidenschaftslos gegenüber: einerseits finde ich die Idee ganz lustig, schließlich schreibe ich auch die eine oder andere Facebook-Statusmeldung, was wohl so ähnlich ist wie "twittern", andererseits lese ich keine Twitter-Feeds (mit einer einzigen Ausnahme, für die ich aber vollumfänglich meine Hormone verantwortlich mache). Also insgesamt eher meh.

Aber was ich immer wieder lustig finde: wie sehr sich Leute über Twitter ereifern können, und was dahinter oft für ein seltsames Menschen- und Weltbild steht. Eine der am meisten vorgebrachten Behauptungen von Twitter-Skeptikern ist eigentlich immer sowas:

"Also mich interessiert es einfach nicht, was irgendwelche Leute zu Mittag gegessen haben, ob sie grade auf den Bus / das Flugzeug / einen Termin warten oder welches Youtube-Video sie grade gesehen haben. Für sowas hab ich einfach keine Zeit."

Das ist ja an sich schön und gut und ich will niemandem vorschreiben, welche Prioritäten er im Leben zu haben hat, mich wundert es aber immer, mit welcher Inbrunst und moralischem Überlegenheitsglauben diese Behauptung vorgetragen wird. Als wäre es ein Beleg für wirkliche menschliche Größe, dass einem die alltäglichen Belange und Gefühle, Sorgen und Freuden anderer Menschen vollkommen am Arsch vorbeigehen. Was hat man eigentlich für ein Menschenbild, wenn man stolz darauf ist, an anderen Menschen grundsätzlich erstmal kein Interesse zu haben – es sei denn, man kennt sie "wirklich" und "in echt" oder sie übermitteln nützliche Informationen? Wo folgerichtig auch jeder, der seinen Frust, Spaß oder einfach nur seine Langeweile der Umwelt in harmlosen Kurzmeldungen mitteilt, als "Narzist" oder "Exhibitionist" gilt? Sind für Menschen, die sich über die Idiotie von Twitter aufregen, eigentlich grüßende Nachbarn und übers Wetter ratschende Kassiererinnen, plaudernde Omas in der U-Bahn oder im Wartezimmer, "nur zum Ratschen" anrufende Freunde oder, um im Bild zu bleiben, zwitschernde Vögelchen, eigentlich auch narzistische, lärmende Belästigung und Ablenkung von eigentlich Wichtigem (was auch immer das ist)?

Wäre ja ok. Ich bin ja wirklich die Letzte, die ein Problem mit introvertierten Misanthropen hätte. Ich weiß nur nicht, ob es das ist, was Twitter-Skeptiker eigentlich signalisieren wollen…

(Bild: Martin Cathrae, flickr)

Für den Wahlkampf ungeeignet

"Der Konsum kinderpornografischer Materialien wird von einer Vielzahl der Pädophilen als eine Möglichkeit interpretiert, sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen, ohne direkte sexuelle Übergriffe zu begehen (…) Das Verlangen, Kinderpornographie zu konsumieren geht mit z.T. erheblichem Leidensdruck einher."  (FAQ des Projekts "Dunkelfeld" der Charité Berlin)

Viele von dieser Störung Betroffene suchen händeringend nach therapeutischer Beratung und Behandlung, finden diese jedoch selten – und dann oft leider erst, wenn sie schon zum Täter geworden sind. Seit ein paar Jahren gibt es das erste größere Projekt zur präventiven Therapie von Pädophilie an der Charité Berlin:

"Pädophile finden in Deutschland praktisch keine ambulante Behandlung", sagte Christoph Ahlers, Psychologe am Berliner Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin damals im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Psychotherapeuten lehnten es aus Angst vor den Reaktionen der Umwelt meist ab, Betroffene zu behandeln. Dabei litten diese oft unter seelischen Nöten: "Wer hierher kommt, hat einen großen Leidensdruck. Offiziell glaubt uns kaum jemand, dass es diese Personen gibt, obwohl sie uns auch von anderen Kliniken überwiesen werden", so Ahlers. Die über tausend Hilfesuchenden  bestätigen, wie groß der Bedarf ist. "Die Hälfte aller Männer, die Interesse an dem Projekt hatten, ist mehr als hundert Kilometer in die Hauptstadt gereist" (SPON)

Die Verbesserung des Beratungs- und Therapieangebotes läuft trotz vielversprechender Ergebnisse der Charité-Studie eher stockend an. Die Bundesregierung unterstützt jetzt das Berliner Projekt mit mickrigen 250.000 Euro pro Jahr, und auch die sind bis jetzt nur auf 3 Jahre bewilligt. Vergleichbare Projekte in den Ländern werden wohl ähnlich schwachbrüstig daherkommen (Schleswig-Holstein etwa gibt 80.000 Euro dafür her – wow.). Lustige Stoppschilder und Ankündigungen wie "Bundesregierung nimmt Kinderporno-Nutzer ins Visier" sind halt wesentlich wahlkampftauglicher.

[Die wichtigsten Informationen und Links zur geplanten Internetsperre finden sich im Wiki des AK Zensur. Dort verlinkt man auch auf eine Wette: Was wird als nächstes zensiert? Mein Platz 1 wären ja die Anonymisierungsdienste.]

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Decline of a Nation: Thumping away

Die Bibliotheken des Vereinigten Königreichs sind weltbekannt und wunderschön (wobei es natürlich auch hässliche Ausnahmen von der Regel gibt, wie diese Bruchbude). Die Bibliothekskunst auf der Insel war jahrhundertelang absolute Spitze. Wenn man in relevanten Bestandszahlen und nicht in Regalkilometern misst, ist die British Libary angeblich sogar die größte Bibliothek der Welt, und wenn die, wie ihr Chef fordert, jetzt dann bald auch noch das gesamte Internetz archiviert, wird das wohl auch in Zukunft so bleiben.

Und was machen die Briten mit dieser Tradition? Fangen natürlich an, in ihren Bibliotheken grauenhafte Dudelmusik abzuspielen. Die pensionierte Oxford-Dozentin Doraine Potts ist erschüttert:

"I was trying to choose a book in my local library but I just couldn’t concentrate. That’s how loud it was. The beat was just thumping away." (telegraph.co.uk)

Andernorts werden angeblich sogar Speisen und Getränke sowie Handys im Lesesaal geduldet. Der nächste logische Schritt für die britischen Bibliothekskultur: Gorillas an der Buchausgabe!

Decline of a Nation: Sehr verdächtig

Die Geschichte ist an sich eine klare Sache: ein ganz eindeutig hochsuspekter Ösi fliegt mit seinem Sohn nach London, um dort hoch zweifelhafte Fotos vom öffentlichen Personennahverkehr zu machen – an-geb-lich aus rein ästhetischem Interesse. Haha! Von wegen! Wir kennen die fiesen Geschmacksverirrungen unserer Nachbarn zwar leider nur zu gut, aber geh heast, Bushäuserln? Das ist dann doch zu weit hergeholt! Tapfere Londoner Polizisten haben das alles als durchtriebenen Plan österreichischer Weltherrschaftsanstreber (es wäre nicht das erste Mal!) durchschaut und den beiden windigen Gestalten das Handwerk gelegt. Bravo!

[Am Rande: nicht nur Polizei-Professionalität ist typisch britisch – auch die Berichterstattung ist es. In seinem Artikel über die fotolöschende Heldentat der Met demonstriert der Guardian nämlich mal wieder, dass er’s noch drauf hat: ein wahres Feuerwerk an Tippfehlern wird da losgelassen, der Bushäusl-Terrorist heißt abwechselnd Matza, Matzka, Matkza und einmal sogar Matka. Grauniad halt. Sogar Sueddeutsche.de würde da vor Neid erblassen!]

Aber Scherz beiseite, insgesamt muss man sagen, dass sich die London Metropolitan Police mittlerweile wirklich von einer Totalversager-Institution zur großartigsten Anti-Terror Einheit der Welt gemausert hat! Man denke nur an die tollen neuen Anti-Terror Plakate – diese kontrastieren z.B. eine idyllische Straßenszene mit Frauen und Kindern mit den Worten

"Hier wird keine Bombe explodieren, weil vor ein paar Wochen ein Passant gemeldet hat, dass sich jemand die Überwachungskameras ansieht. – Verlassen Sie sich nicht auf andere; wenn Ihnen etwas verdächtig erscheint, melden Sie es der Anti-Terrorismus-Hotline!" (pdf-link)

Die Plakate haben nicht nur schon hunderte, ach was, tausende von Terroranschlägen verhindert, darunter den dunklen Doppeldeckerbusbombenplot (das schreit nach einer Schlagzeile!) der zwei fadenscheinigen Wiener – die Poster sind auch zu Recht bei besorgten Bürgern sehr beliebt. Wie man hier sieht,  haben einige sich inzwischen sogar verbesserte Motive ausgedacht, um die Met beim Anti-Terror-Kampf propagandatechnisch zu unterstützen. Weiter so!

(Hier auch noch schöne Exemplare. Mit der wirklich wahnwitzigen Behauptung: Communities can defeat Terrorism. – Logo. Und den Zweiten Weltkrieg haben wir gewonnen. Dank  Verdunkelung.)

(Bild: U.S.-Nationalarchiv, via Wikimedia Commons)

“…so that I’m not screwed by a bear.”

Isabella Rossellini mag seit gut 16 Jahren zu alt sein für Lâncome – aber sie hat immer noch genug jugendliche Energie, mittlerweile schon die zweite Staffel Filmchen für das Projekt "Green Porno" abzudrehen. Während die erste Staffel der charmanten Mikro-Kurzfilme sich dem Sexualleben der landlebenden Kleinlebewesen widmete (Insekten, Spinnen, Schnecken, Würmer), geht es in "Green Porno Season 2" um diverses Seegetier – darunter Fische, Seesterne, Wale und, meine persönliche Lieblingsfolge: Napfschnecken (Limpets). Die Filme beider Staffeln kann man hier ansehen. Keine Zeit ist keine Ausrede, die Filmchen dauern jeweils nicht länger als eine Minute.

(Dazu ein Interview in Salon und ein deutschsprachiger Artikel in SPON. Und nein, liebe Chip: das sind keine "Erotikfilme". Wobei es eine schöne Vorstellung ist, dass der eine oder andere picklige Jüngling aufgrund der Chip-Meldung auf rassige Italienerinnen-Action hofft…und dann das da über seinen Handybildschirm flackert.)

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