This Wald is your Wald

Das großartige “Wanderer”-Schild bei German Joys hat mich an ein ähnlich strenges Mahn-Schild erinnert, das ich letzten Sommer auf dem Söldener Gletscher fotografiert habe:

Die naheliegende Frage: Wenn es denn mein Wald ist, warum darf ich dann nicht darin Skifahren?

Der gewiefte Schildtexter hat solche Fragen natürlich von vorneherein verhindert, indem er das “Dein” mit distanzierenden Anführungszeichen versah. Ein passiv-aggressiver Hinweis darauf, dass es natürlich alles andere als mein Wald ist…so ähnlich wie die “frischen” Muscheln, die man so oft auf Restaurantkarten findet!

Die obligatorische amerikanische Entsprechung, was landschaftsbezogene Possessivpronomen angeht:

Keep Calm and Carry On

“Good evening ladies and gentlemen. This is your captain speaking. We have a small problem. All four engines have stopped. We are all doing our damnedest to get them going again. I trust you are not in too much distress.”

via BBC News – When volcanic ash stopped a Jumbo at 37,000ft.

So hat man das 1982 gemacht. Und heute? Ein kleines Aschewölkchen legt ganz England lahm…

Westward the Course of Empire Takes Its Way

Blick auf Berkeley, im Hintergrund das Golden Gate

Falls sich jemand über das momentan etwas eingerostete Blog wundert: Ich bin nicht etwa im Urlaub oder zu beschäftigt, sondern sozusagen durch vorsorglichen Kulturschock in eine leichte Schreckstarre verfallen (auf dieser übersichtlichen Grafik wurde die Phase des preliminary culture shock leider ausgelassen, aber glaubt mir, das gibt es!). In etwa drei Monaten wird Eure Cohu nämlich nicht nur München, sondern auch Bayern, gar Europa, ja, die eurasische Platte verlassen und sich, wo wir schon bei tektonischen Platten sind, quasi direkt auf der San-Andreas-Falte niederlassen, genauer: in Berkeley, Kalifornien, einem Nachbarort des schönen San Francisco. Berkeley ist die Heimat der Hippies, des Berkeliums, der Anti-Kriegs- und der Free-Speech-Bewegung und des Café Latte.

Da höre ich schon den Chor der Amerika-Skeptiker aufheulen, Kalifornien, wähwäh – geschichtslose Wildnis, gesättigt mit dem Blut wehrloser Indianer und Grizzlybären und überhaupt ein Hort der kulturellen Schande, aber Gemach: benannt ist Cohus Zielort immerhin nach einem ganz und gar alteuropäischen Denker, nämlich dem irischen Bischof und Philosophen George Berkeley (das ist der von esse es percipi), der über Amerika Folgendes dichtete:

“Westward the course of empire takes its way;
The four first acts already past,
A fifth shall close the drama with the day:
Time’s noblest offspring is the last.”

Da habt ihrs: der letzte Posten vor dem Osten, glorreiches Ende der Geschichte, angekündigt 1723, vollzogen nun auch von Eurer Cohu. Auf zum Ende der Welt!

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Kosmische Gerechtigkeit

Was habt ihr denn? Ihr wolltet doch so dringend Asche von den Isländern!

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STEP OUTSIDE POSH BOY

Licence to smack – Die Lizenz zum Watschen

“Parents are allowed to give their children a “mild smack”. This right to smack extends to those who have parental responsibility, such as grandparents or other family members.”

BBC News – School smacking loophole closed.

Darf man seinen volljährigen Kindern eigentlich auch “mild smacks”, oder, wie der Bayer sagen würde, eine leichte Watschn geben? Denn wie allen Eltern von erwachsenen Kindern längst klar sein dürfte, hört die Erziehung ja nicht mit dem 18. Geburtstag auf…

Eine Sprache von Aussätzigen

“Zweisprachige Gymnasien: Französisch ja, Türkisch nein!” (taz)

Das verleiht Cohus Plänen, endlich mal Türkisch zu lernen, erneut Auftrieb.

Wenn man darauf achtet, fallen einem da ja viele Kleinigkeiten auf: An jedem Geldautomaten in Deutschland gibt es die alternativen Sprachoptionen “Französisch”, “Englisch”, “Italienisch” und manchmal noch “Spanisch”. Türkisch habe ich bis jetzt nur in einem Automatenmenü entdeckt, und das auch erst vor ein paar Wochen…genauso ist es bei fast allen Internetseiten, z.B. MVV, Bundesregierung. Und die Stadt München setzt noch eins drauf: auf ihrer Seite gibt es neben den üblichen Optionen noch Arabisch, Russisch, Chinesisch und Japanisch – kein Türkisch. Sogar die Seite über “Migration und Integration” gibt’s, soweit ich sehe, nur auf Deutsch.

Eine der wenigen Ausnahmen: für den Text über die Großmarkthalle München hat man sich eine türkische Übersetzung geleistet – Münih Hali. Damit der Türke gleich sieht, was er bei uns zu werden hat…

African Poverty is Falling…Much Faster than You Think!

Ich habe keine Ahnung, wie dieser Artikel unter Ökonomen oder Entwicklungsexperten aufgenommen wird, aber ich fand ihn jedenfalls ganz interessant:

“The conventional wisdom that Africa is not reducing poverty is wrong. (…) We show that:
(1) African poverty is falling and is falling rapidly.
(2) If present trends continue, the poverty Millennium Development Goal of halving the proportion of people with incomes less than one dollar a day will be achieved on time.
(3) The growth spurt that began in 1995 decreased African income inequality instead of increasing it.
(4) African poverty reduction is remarkably general: it cannot be explained by a large country, or even by a single set of countries possessing some beneficial geographical or historical characteristic.”

(African Poverty is Falling…Much Faster than You Think!,
Maxim Pinkovskiy and Xavier Sala‐i‐Martin, NBER Working Paper Nr. 157752010)

Die FAZ hat hier drüber berichtet, erklärt einen Abschnitt der Studie für fragwürdig und meint etwas vage: “Die anderen Ergebnisse, die Hoffnung für Afrika wecken, dürften in der Realität gründen.” Eine etwas detaillierter Besprechung gibt es von Martin Ravallion, dem Direktor der Development Research Group bei der Weltbank: Is African Poverty Falling?

Für Freunde der Trambahn…

…bzw. des Cable Car. Und natürlich für Erdbebeninteressierte:

“In 1905, an unknown cameraman filmed a streetcar trip along San Francisco’s Market Street. The following year, the Great Earthquake struck, and he filmed the trip again. This is a five-minute silent film that edits together excerpts of his two films. Footage from the Prelinger Archives, edited by Matt Lake.”


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Backlash

Die promod-Kollektion mit dem vielversprechenden Namen “City-Amazone” besteht aus brav geschnittenen Klamotten in Leukoplastbeige (oder soll ich sagen Pflasterrosa?), Beige und Schmutzfarben bis hin zu einem etwas unentschiedenen Mittel-Weiß. Das Ganze noch verziert mit braven Rüschen und Glitzerstickereien. Hm, ich hatte mir unter Amazonen ja eher sowas vorgestellt:

Amazone mit Brustpanzer und Faltenmini (ca. 500 v.u.Z.)

Amazone mit modischer Tunika und abgefahrenen Leggins (ca. 420 v.u.Z.)

Amazone mit schlichten Hosen und kessem Oberteil (ca. 470 v.u.Z.)

Gut gerüstete Amazonen in der Schädel’schen Weltchronik

Typische Amazone der Volkskunst des späten 20sten Jahrhunderts

Und jetzt: “Volantkleid mit Pailletten, 44,95”. Das soll ein Amazonenkleid sein? Wenn überhaupt, ist das ein Musterbeispiel für den antifeministischen Backlash! Und zu Eurer blöden Anziehpuppe noch eine Anmerkung: ich weiß nicht viel über Amazonen, aber ich bin mir sicher, sie tragen keine hautfarbenen BHs.

[Alternative Erklärung: die moderne Amazone arbeitet undercover. Sie tarnt sich in gedeckten Farben quasi als erwachsene Prinzessin Lillifee -“Juhuuu, juhuuu, ich reite auf meinem süßen Pony, hihihi!” — und zieht im rechten Moment blitzschnell das scharf geschliffene Schwert aus der “Handtasche in Nubukoptik, 19,95”, um den männlichen Gegner stilecht mit einem Schlag zu enthaupten…]