Höllenlärm

Wenn man einen richtig zünftigen Nazivergleich sucht heutzutage, schaut man am bestennach New York, wo man ja teilweise schon aufgrund strikter Suppen-Bestellvorschriften als “Nazi” gilt. Ähnlich ergangen ist es den Betreibern eines Windparks im Staate New York:

“In a recent symposium held by the Concerned Citizens for Steuben County, one
speaker compared the sound of the spinning blades and whirring machinery (which
most people find inaudible from fairly close distances) to the noises Nazi
troops tortured Jews with during the holocaust.”
(Wired)

Überhaupt sind die Windkraftgegner anscheinend Freunde direkt aus dem Leben gegriffener Vergleiche:

“Wind turbine opponents say the financial gain to be had does not outweigh
the disadvantages. “It’s like putting lipstick on a pig,” said Larry Newhart, a
challenger of the turbine projects. “You can dress it up however you want but
it’s still a pig.””


…aber ein Schönes!

Pflichtvorlesung

Nur den Wenigsten ist ja die Gabe geschenkt, ein in einem stickigen Uni-Hörsaal  hinter kleinen, bandscheibenzerfetzenden Klapp-Bänken eingesperrtes, teilweise noch unter Nachwirkungen der Pubertät leidendes Publikum zu fesseln, und in
Deutschland habe ich das (soweit ich mich erinnern kann) überhaupt noch nicht erlebt. Es gibt es jedoch eine Vorlesungsreihe, die ich mit größter Freude besuchen würde: die nämlich, die Robert Gernhard anlässlich der
Heine-Gastprofessur der Uni Düsseldorf im Jahr 2006 halten wird (WDR-Interview). Abgesehen von seiner enormen künstlerischen Produktivität (die manchem vielleicht aus dem “Buch OTTO” unserer Jugend noch in verschwommener Erinnerung ist) hat Gernhard noch eine andere beeindruckende Eigenschaft: ich kann ihn definitiv nicht unter den Tisch trinken. Reschpekt!

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Decline of a Nation, mal wieder

Jetzt hat doch die britische Regierung tatsächlich eine Werbekampagne für Bier unterbunden, in der ein Mann von spärlich bekleideten Frauen umgeben ist, und zwar, weil es Brauereien seit einiger Zeit verboten ist, ihre Produkte mit “seduction or social success” in Verbindung zu bringen.  Hintergrund dieser Maßnahme kann ja wohl kaum sein, dass es sich dabei um die Vorspiegelung falscher Tatsachen handelt: der eine oder die andere wird bestätigen können, dass der gemeinsame Genuss alkoholischer Getränke tatsächlich die Wahrscheinlichkeit erhöht, attraktive Sexualpartner rumzukriegen (ob man sie dann im nüchternen Zustand auch noch so attraktiv findet, ist, zugegeben, eine andere Frage). Empirisch wird dieser Zusammenhang ja gerade durch Zahlen aus Großbritannien bestätigt: siehe dazu Teenagerschwangerschaften und Binge Drinking.

Auch stellt sich mir die Frage, wie man ein Produkt bewerben soll, ohne es in Verbindung mit “seduction or social success” zu bringen. Wenn schon ein Geschirrspülmittel offensichtlich nicht anders beworben werden kann als durch die Hervorhebung der Tatsache, dass es die sozialen und romantischen Erfolgschancen  des Verwenders erhöht, was sollman denn dann zu Bier sagen? Dass es gut schmeckt? Ha.
Erstaunlich auch, dass der in der Kampagne so begehrte Biertrinker den Kopf eines Widders trägt (für mich als Chimärenforscherin natürlich hoch brisant). Dieses Detail bewertet die Brauerei noch als Entlastung in Anbetracht der vorgeworfenen Sexualisierung alkoholischer Getränke:

“It said the idea of a ram in the depicted situations was “so preposterous”
that viewers would understand the unreality of the scenarios and would not link
the beer with improved social standing or sexual success.”


Was der von Bewunderern umgebene, bierschlürfende Bockschädel aber tatsächlich aussagt, bringt ein in den Common Rooms britischer Colleges stark verbreitetes Poster auf den Punkt: “Beer. Getting ugly people laid since 1700.”

Ein Diamant ist unerträglich!

Hier
wird erklärt, warum man Diamanten nicht mal geschenkt nehmen (geschweige denn
kaufen) sollte: den ersten Grund ("1. You've Been Psychologically Conditioned To
Want a Diamond") finde ich zwar idiotisch, denn wenn ich einen Wunsch habe, ist
es mir egal, woher der kommt, solange er erfüllt wird. Jetzt mal ganz abgesehen
davon, dass ich gar keinen Diamanten will!

Aber die Tatsache, dass man Diamanten praktisch nicht oder nur ganz weit
unter Wert weiterverkaufen kann (von wegen, "pay the rental / of your humble
flat or help you / at the automat") und vor allem, dass sie unter ganz
grauenhaften Bedingungen hergestellt werden (4-10), ist dann doch überzeugend.

Obwohl ich hier eine Verschwörung wittere:
Schokolade kann
man nicht mehr verschenken, weil man sonst Kindersklaverei fördert, genauso wie

Gold
, Blumen
fallen eh schon lange aus, und von
Pelz will ich gar nicht
erst anfangen. Ich will ja gar nicht wissen, wie viele Männer inzwischen unter
dem Vorwand der political correctness ihren Freundinnen Carrera-Rennbahnen,
Michelle Hunziker-Kalender und Akku-Bohrer zu Weihnachten schenken… Um sowas
zu verhindern: Diamanten müssen ja wirklich nicht sein. Ein Ring, wie er mir
gefällt, ist ganz und gar nicht unvergänglich und besteht aus drei Dingen:
Bierteig, Butterschmalz und Zwiebeln!

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Lackierter Limerick

So lange gab es schon keinen der köstlichen Reime mehr, also hab ich (beim Fingernägellackieren, glaubst es!) fix einen gedichtet:

There once was a girl who would faint
As soon as she smelled fresh paint
She dated an artist
Who said it the smartest:
“I think that your ailment is quaint.”

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Beim Schreiben…

…sagt Molière, ist es wie bei der Prostitution: Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld. Soweit bin ich ja auch schon gekommen, aber bevor mein handschriftlicher Lebenslauf einem Graphologen (?) in die Hände fällt, habe ich meine Schrift  hier analysiert. Einige Aussagen waren schmeichelhaft (Computadora ist überdurchschnittlich
intelligent. Computadora gibt sich sehr beherrscht bzw. diszipliniert und besitzt einen ausgeprägten Ordnungssinn. Sie arbeitet sehr genau und zeichnet sich durch rationales, analytisches Denken aus.)
einige zutreffend (Sie versucht, die eigene Meinung durchzusetzen. Wenn sie etwas besser weiß als andere, muss sie es ihnen auch unbedingt mitteilen. Sie hat ihre eigene Meinung,die auch gegen äußere Widerstände durchgesetzt werden, unabhängig von der Meinung anderer.) und einige lagen ganz, ganz weit daneben (Computadora ist anderen Menschen gegenüber immer offen und aufgeschlossen. Der Umgang mit Menschen macht ihr Spaß, der ideale Arbeitsplatz ist da, wo sie mit anderen Menschen zu tun hat. Privat- und Berufsleben trennt sie sehr stark voneinander.)

Natürlich überlege ich jetzt, wie ich meine Handschrift noch mehr meinem Idealcharakter anpassen könnte. Soll ich meine Vorliebe für Alleine-am-Schreibtisch-sitzen besser durch eine stark linksgeneigte Schrift ausdrücken? Oder könnte ich meine Rechthaberei dadurch übertünchen, dass ich kleine Kringel als I-Punkte mache?

Was aber bei der Charakterbeschreibung fehlt und was zudem auch auf jeden, der diesen Test macht, zutreffen würde: Computadora ist von wichtigen Aufgaben leicht abzulenken, wenn sie Zugang zum Internet hat.

Helden meiner Jugend

Alles fesche Männer – Vorkriegsware! Was den Nachteil hat, dass von den Herren nicht mehr viele übrig sind. In Anbetracht meiner laufenden Bewerbung muss ich vornweg das mehr oder weniger gut gehütete Geheimnis lüften, dass ich im Alter von ca. 5 Jahren beim abendlichen Tagesschauen kundtat, den damaligen Ministerpräsidenten unseres Freistaats ehelichen zu wollen. Zu meiner Verteidigung darf ich vielleicht sagen, dass mir das Konzept des Heiratens damals insgesamt noch etwas rätselhaft war, so war z.B. meine Puppe “Püppie” mit einem Stoffpferd (“Galoppel”) verheiratet (jaja, jetzt kommt mir nur nicht wieder damit).
Abgesehen von dieser Verirrung in die Politik bewunderte ich Forscher und Entdecker, wobei die jahrelange und wiederholte Lektüre Ihrer Expeditions-Bücher (Kon-Tiki, Ra, Jäger auf dem Meeresgrund, Geheimnisse und Rätsel des Meeres, Das Jahr der Wildgänse, Galapagos, Wettlauf zum Pol, Im Reich der tausend Atolle…) meinen Charakter offensichtlich überhaupt nicht beeinflusst hat. Ich reise sehr ungern, wobei ich schon jedes Verlassen meines Stadtviertels, das Umsteigen erforderlich macht, als “Reisen” definieren würde. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu früh von den vielgestalten Gefahren der Welt –  hässliche Muränen, internierende Engländer, Curare-getränkte Giftpfeile – erfuhr?
Ich schweife ab: nachdem ich schon den Tod von Konrad Lorenz (1989), Jacques-Yves Cousteau (1997) und Thor Heyerdahl (2002) beklagen musste, hat es nun leider auch den Erstbesteiger der Eiger-Nordwand (s.a. Doppel) und Lehrer des Dalai Lama, Heinrich Harrer, erwischt. Dabei wurde ihm noch zu Lebzeiten  ein grauenhaftes Denkmal in Form des Hollywoodfilms “Seven Years in Tibet” gesetzt. In Wirklichkeit sah Heinrich Harrer auch noch im hohen Alter nach mehr aus als dieses aalglatte Knopfnasenbubi, dieses windigs Zigarettenbürscherl, dieses windigs, das ihn 1997 verkörpern durfte!
Bleiben nun – und hoffentlich sehr lange – als Objekte meiner Bewunderung noch  Hans Hass (Jhg. 1919) und Irenäus Eibl-Eibesfeldt (Jhg. 1928)… und der Vorsatz, sämtliche populärwissenschaftliche Abenteuerbücher, die ich damals verschlungen habe, noch mal zu lesen.

(Bild: Wikipedia)

Philosophiemagister…

…verlassen ja, so der gängige Witz (?) in TU-Mensa-Kreisen, jede Party zügig, sobald der Gastgeber die Pizza bezahlt hat. Die Wahrheit (bzw.  zumindest eine für Spiegel Online überraschend gute Annäherung daran) lässt sich hier nachlesen:

"Der Philosophiestudent als unausweichlicher Fall für Hartz IV – dummes Gerücht oder bittere Wahrheit? Professoren beteuern: Ihre Absolventen haben auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen. Denn sie sind kreativ und stehen mit beiden Beinen auf dem Boden." (Unispiegel)

Tatsächlich: dadurch, dass man als Philosoph während des Studiums praktisch auf jeder Party einmal die Frage beantworten musste: "Und, wovon willst Du mal leben?" hat man erstens einen Fundus an kreativen Antworten parat, die sich auch exzellent für die Bewerbungsgespräch-Hammerfrage "Wo sehen Sie Sich in fünf Jahren?" wiederverwerten lassen ("Prostitution ist jetzt ja legalisiert worden…" – "Ich bin Beamtentochter" – "Ich kauf mir eine Tonne, geh mir aus der Sonne!"). Zweitens ist man durch Kommentare der Art "Ich wollte auch immer so was mit Psychologie machen", "Sinn des Lebens und so, find ich auch voll interessant" oder "Ethik machst Du? Das gibt es doch heute gar nicht mehr!" derart nervenstark, dass man jedes Großraumbüro oder sogar die Arbeit im Telekom-Callcenter aushält. Und drittens brechen derart viele das Studium ab (oder enden als hoffnungslose, bärtige Langzeitstudenten), dass ein in kurzer Zeit mit akzeptablem Ergebnis abgeschlossenes Philosophiestudium einen nicht zu unterschätzenden, für Arbeitgeber interessant machenden Seltenheitswert hat (Durchschnittliche Studienabbruchquote: 26%, in Philosophie mehr als 90%!). Und wenn das alles nichts hilft, bleibt dem Philosophen ja noch die klassische Lösung

(Bild: John William Waterhouse, Wikimedia Commons)

Ist so kalt der Winter

…sogar die Schaufensterpuppen auf der Schellingstraße frieren sichtlich.
Brrrrrr!

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Woo-hooo!

…Jon Stewart, der Mann meiner Träume (u.a.), wird die Oskar-Verleihung moderieren! Hm, ist das jetzt wirklich eine so gute
Nachricht? Erstes Problem: kein Fernseher. Zweites Problem: jemand muss mir die Johansson rausschneiden, sonst wird mir das ganze Vergnügen an Jon vergällt. Unerträglich, diese Frau!

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