Crash Blossoms

Zu den vielen Freuden, die dem Nicht-Englischsprecher versagt bleiben, gehören kryptische Zeitungsüberschriften. Manchmal führen sie (selbst bei Muttersprachlern) nur zu Kopfzerbrechen, manchmal aber auch zu großem Amüsement. Darüber berichtete neulich sogar die NYT, und lieferte für das Phänomen folgende Erklärung:

“Since English is weakly inflected (meaning that words are seldom explicitly modified to indicate their grammatical roles), many words can easily function as either noun or verb. And it just so happens that plural nouns and third-person-singular present-tense verbs are marked with the exact same suffix, “-s.” In everyday spoken and written language, we can usually handle this sort of grammatical uncertainty because we have enough additional clues to make the right choices of interpretation. But headlines sweep away those little words — particularly articles, auxiliary verbs and forms of “to be” — robbing the reader of crucial context.” (On Language: Crash Blossoms)

Soviel zur Theorie. Viel lustiger ist aber die Praxis:

British Left Waffles on Falklands

Torture professor John Yoo in San Mateo

Police vow to murder victim’s family

Prostitutes appeal to Pope

Gator Attacks Puzzle Experts

Reagan Wins on Budget, but More Lies Ahead

Der Name des Phänomens, Crash Blossoms, stammt übrigens von dieser Überschrift. Und ein entsprechendes Blog gibts natürlich auch schon…

Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

Die Anwälte von Eldrick Tont Woods haben in Großbritannien eine einstweilige Verfügung erwirkt, die die Veröffentlichung von Nacktfotos ihres Klienten unter Strafandrohung unterbinden soll. Im an die Öffentlichkeit geratenen Dokument findet sich dieses Juwel juristischer Argumentation:

“For an avoidance of doubt this Order is not to be taken as an admission that any such photographs exist, and in the event that these photographs do exist, and it is not admitted, any such images may have been fabricated, altered, manipulated and or changed to create the false appearance and impression that they are nude photographs of our client. Our client is not aware of any images and in any event he would not have consented to any such photographs being taken nor would he have consented to the dissemination and exploitation of the same.” (Tiger Woods injunction – pdf)

Also: es gibt keine Nackfotos; wenn es welche gäbe, wären sie gefälscht oder manipuliert. Gäbe es – was unser Klient bestreitet – echte Fotos, hätte unser Klient ihrer Erstellung nicht zugestimmt. Selbst wenn er ihrer Erstellung zugestimmt hätte, hätte er der Verbreitung der Nacktfotos nicht zugestimmt. Eine Veröffentlichung der gefälschten oder echten (aber sowieso nicht-existenten) Nacktfotos durch wen auch immer ist daher gerichtlich untersagt.

(Ein interessanter Artikel über das berüchtigt drakonische englische libel law und seine bevorstehende Reform findet sich in der NYT.)

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Kindisch

„Ich kann mich doch auch nicht abends im Internet verstecken, sondern muss meine Schüler immer von Angesicht zu Angesicht beurteilen“, sagt die einunddreißigjährige Deutsch- und Ethiklehrerin. „Dieses anonyme Mütchenkühlen finde ich unreflektiert und pubertär.“ (Faz.net zur Lehrerbewertung im Internet)

Wenn einem an einem guten und offenen Verhältnis zu pubertierenden Schülern gelegen ist, wäre es vielleicht (gerade für eine Deutschlehrerin) eine gute Idee, mal etwas an der eigenen Ausdrucksweise zu feilen. Wie wäre es zum Beispiel damit, das Wort "pubertär" nicht als Schimpfwort zu verwenden…?

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Mega-Enttäuschung

“Wer auf einen “Brennpunkt” nach der “Tagesschau” gewartet hatte, wurde enttäuscht. Eigentlich unverständlich. Denn was, wenn nicht dieses Mega-Ereignis, hätte einen “Brennpunkt” gerechtfertigt? (Abendzeitung)

Berechtigte Frage – ich schätze, bei den Nachrichtenagenturen ließen sich an die 150 Meldungen finden, die einen Brennpunkt eher gerechtfertigt hätten. Andererseits: aus alter Brennpunkt-Tradition heraus muss man doch eigentlich immer einen Brennpunkt machen, wenn der Zeiger bis zum Anschlag auf “Alles, was wir wissen, kam grade schon in den Nachrichten” steht, nach dem Muster

Moderator: “Wir schalten jetzt zu unseren Korrespondenten nach X, der uns vor Ort LIVE vom Geschehnis Y berichten wird – Herr Z, können Sie uns hören…???”
(Knacksen und Rausche, Korrespondent Z, idealerweise abgerissen/mit einer beigen Korrespondentenweste bekleidet/unrasiert irgendwo rumstehend, mit der Technik und dem Schlaf kämpfend. Einige Minuten vergehen, bis die Leitung steht…]
Korrespondent Z: “JA – HALLO! – ALSO AUCH HIER IN XYZ BERICHTEN ALLE MEDIEN ÜBER DAS GESCHEHNIS Y – BIS JETZT KÖNNEN WIR NOCH NICHT MEHR SAGEN ALS… ”
(Leitung bricht zusammen, Korrespondent spricht noch einige Minuten ohne Ton, zurück im Brennpunkt-Studio…)
Moderator: “Danke, in der anderen Leitung haben wir jetzt den Experten A, der seit Jahrzehnten mit ebendiesem Thema befasst ist – Herr A, ist es eventuell möglich, dass Ereignis Y sich so und so zugetragen hat????”
(Brüchige Telefonstimme, dazu ein Archivfoto von einem älteren Herrn)
Experte A (genervt): “Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es vollkommen spekulativ, irgendetwas darüber zu sagen, wie sich Ereignis Y zugetragen hat.”
“Wir halten Sie auf dem Laufenden, liebe Zuschauer. Mehr aktuelle Meldungen zum Geschehnis Y gibt es im Brennpunkt um 21:15. Im Anschluss folgt die Serie “Die Landärztin”.”

Das wäre ja wohl mindestens drin gewesen, oder?

Sufflogik

"Sorge bereitet der Polizei, dass bei der schweren und gefährlichen Körperverletzung gut ein Drittel der Beteiligten angetrunken war." (AZ)

Also ich finds ja eher besorgniserregend, dass fast zwei Drittel der Täter stocknüchtern waren…

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Formulierungskunststück

Wie nennt man eigentlich Segregation, wenn man Segregation nicht in den Mund nehmen will? "Auflösung der Koedukation". Aus einem Artikel über eine OECD-Studie zu den unterschiedlichen Schulleistungen von Buben und Mädchen.

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Und der Duden hat doch Recht

(siehe auch “Transgressing the Boundaries” und die “Sokal-Affäre“)

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