Unten habe ich ja schon in das Thema “Spruchweisheit der unheimlichen Art” eingeführt. Allerdings fehlte noch etwas Wesentliches. Den wohl gruseligsten aller 50er-Jahre-Sprüche findet man auf einem Nachkriegshaus in der maxvorstädter Heßstraße, illustriert von markerschütternd moderner Lüftelmalerei. Ich hab da mal ein Bild gemacht (entschuldigt die schlechte Qualität, hab nur eine Handykamera):
Für diejenigen, die ihre Lesebrille gerade nicht zur Hand haben (ich weiß, auch mein Publikum wird älter) – da steht:
“Alles bedecken soll ein Haus, drum schwatzt, was drin geschieht, nicht aus. (Sprichwort)”
Auf dem Fresko sehen wir (das kann man jetzt echt schlecht erkennen) eine eitle, schmuckbehängte Tussi mit einer Truhe voller Familienjuwelen, einen sich der Völlerei hingebenden Fresssack, ein knutschendes Pärchen, einen bieselnden Hund, den Fresssack, wie er im Vollrausch darniederliegt, dann tuschelnde Tanten mit Geierköpfen, einen lauschenden Burschen, und schließlich sich empörendes Bürgertum (verwirrenderweise mit Tierköpfen). Links findet sich eine Illustration der Handlungsanweisung (nichts sehen, nichts hören, nichts sagen).
Man kann versuchen, diese grafische Moralpredigt irgendwie positiv zu interpretieren. Gegen Blockwart-Mentalität und Einmischung in die Privatsphäre anderer. Aber trotzdem: ich kriege Gänsehaut davon. Ein beliebtes – und in der Aussage sehr ähnliches – 50er-Jahre-Diktum (eigentlich: das, wenn auch selten explizit ausgesprochene, Diktum der Nachkriegsjahre) wäre übrigens:
“Darüber spricht man nicht!”