Wie ein Grab

In der Schellingstraße versucht eine Frau verzweifelt, durch Zerren an der Leine ihr kleines Yorkshireterrier-Hündchen davon abzuhalten, vor der Buchhandlung Frank an die Karton-Aufsteller zu bieseln. Da der Hund widerborstig bleibt, hebt sie ihn kurzerhand hoch, hält ihn vor ihr Gesicht und ruft: "Burli, kannst Du mir amal sagen, was des soll? Was denkst Du Dir denn dabei!"
Auch ich hatte auf eine erschöpfende Antwort gehofft. Aber Burli schweigt.

Servus im Merhaba

Würde garantiert im Merhaba essen: Atatürk

Cohu ist heute endlich einer Empfehlung des Stadtneurotikers nachgekommen und hat die "Taverne Merhaba", ein türkisches Restaurant im mir vorher auch nicht bekannten Franzosenviertel in Haidhausen, besucht. Nach ca. halbstündiger Parkplatzsuche (das Viertel ist ein sog. Parklizenzgebiet) kamen wir mit ziemlichem Hunger in ein erstaunlicherweise bis auf den Koch und den Kellner vollkommen leeres Lokal! Vermutlich lag’s an der Urlaubszeit oder dem Fußballspiel; ungemütlich war es aber trotzdem nicht in dem hellen, sehr klar und ohne viel Folklore relativ anspruchslos eingerichtetem Gastraum. Wir wurden mit ausgesuchter Freundlichkeit und Höflichkeit bedient. Dann gab es für die IT eine Art  – hör weg, Kemal! – Bifteki, also natürlich die türkische Version davon, (Hacksteak mit Schafskäse gefüllt), und für mich eine auf der Zunge zergehende gebackene Aubergine, gefüllt mit Putenfleischwürfeln in einer Tomaten-Soße mit diesen dünnen hellgrünen türkischen Paprikaschoten. Alles, bis zum kleinsten Reiskorn und der milden Joghurtsauce, war – wie wir es ja inzwischen von der exzellenten türkischen Küche außerhalb der Dönerbuden gewohnt sind – absolut perfekt, was Konsistenz und Würzung anging, frisch,  nicht zu fettig, nicht zu salzig, mit einfach unglaublichem Gemüse, wie man es in deutschen Lokalen selten findet (also auf jeden Fall was für Vegetarier!). Ein würdiger Münchner Ersatz für das Hamburger "Mangal," würde ich sagen, und sogar ganz ohne Diekmann.
Für die Durstigen: im Merhaba wird süffiges Oberbräu Holzkirchen ausgeschenkt, auf den Deckeln steht der griffige Werbespruch "Oben Schaum – Unten Traum" (vom Ringsgwandl wurde das Oberbräu, wie diese Seite berichtet, daher schon mal als "Epileptikerbier" bezeichnet).
Also: der Taverne Merhaba verleihe ich hiermit ein uneingeschränktes Cohu-Prädikat, und das will was heißen. Auf dass ab jetzt alle meine Blogleser nur noch dort essen und wir das nächste mal nicht alleine im Eck sitzen!
[Wenn Ihr Euch den Parkplatz-Trouble ersparen wollt: die nächste U-Bahn Station wäre glaub ich der Ostbahnhof.]

(Bild: Wikimedia Commons)

Da kommt was auf uns zu.

  • …ein Indiz für den Untergang des Abendlandes
  • …so schmerzhaft wie eine Wurzelbehandlung bei gleichzeitiger Beschallung mit Roland Kaiser
  • …einen traurigen Beweis für die Verlorenheit der Jugend und die Sinnlosigkeit des Lebens
  • …was sind Ballerina-Schuhe?
  • …entschuldigen Sie, was ist denn ein “Dürndl”?
  • …ganz O.K., wenn man Leggins dazu trägt

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Im englischen nennt man das wohl “mixed signals”


Regelrecht deprimierend finde ich jedoch diese Konstellation:

(fotografiert an unserer schönen Fernwärme-Baustelle, Schelling Ecke Türkenstr.)

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Rolling on the Ammersee

Was macht man nur bei so einem Wetter? Wer sich einen Helikopterflug auf einen Alpengletscher nicht leisten kann und nicht mal einen Pool (geschweigedenn einen Garten) sein eigen nennt, muss wohl oder übel die Stadt verlassen. Obwohl, nicht ganz, Starnberg ist ja eigentlich nur ein potenziertes München. Aber zuerst zum Ammersee und eine kleine Rundfahrt gemacht. Angeblich gibt es hier sogar einen Schaufelraddampfer, da bekäme man zu dem memphismäßigen Wetter sogar ungefähr noch so ein Gefühl (wenn  Elvis nicht wäre, könnte ich wirklich zum Ike-and-Tina-Fan werden):

Aber ob es im Fünf-Seen-Land auch so zugeht wie in der letzten Strophe?

"You dont have to worry
If you got no money

People on the river are happy to give"

Äh, eher nicht!
Aber zurück zum Ammersee, auch auf einem normalen Dampfschiff kann man es, mit Eis und Schampaninger, ganz gut aushalten.
Und danach muss man zum Häring. Idealerweise sagt man dann den schwitzenden, ächzenden, in der Stadt oder gar im Büro Zurückgebliebenen Bescheid, dass sie einen hier via Webcam beneiden können:
Das macht man bei so einem Wetter!

Oma-Sprüche: Das Grauen der Heßstraße

Unten habe ich ja schon in das Thema “Spruchweisheit der unheimlichen Art” eingeführt. Allerdings fehlte noch etwas Wesentliches. Den wohl gruseligsten aller 50er-Jahre-Sprüche findet man auf einem Nachkriegshaus in der maxvorstädter Heßstraße, illustriert von markerschütternd moderner Lüftelmalerei. Ich hab da mal ein Bild gemacht (entschuldigt die schlechte Qualität, hab nur eine Handykamera):
Für diejenigen, die ihre Lesebrille gerade nicht zur Hand haben (ich weiß, auch mein Publikum wird älter) – da steht:

“Alles bedecken soll ein Haus, drum schwatzt, was drin geschieht, nicht aus. (Sprichwort)”

Auf dem Fresko sehen wir (das kann man jetzt echt schlecht erkennen) eine eitle, schmuckbehängte Tussi mit einer Truhe voller Familienjuwelen, einen sich der Völlerei hingebenden Fresssack, ein knutschendes Pärchen, einen bieselnden Hund, den Fresssack, wie er im Vollrausch darniederliegt, dann tuschelnde Tanten mit Geierköpfen, einen lauschenden Burschen, und schließlich sich empörendes Bürgertum (verwirrenderweise mit Tierköpfen). Links findet sich eine Illustration der Handlungsanweisung (nichts sehen, nichts hören, nichts sagen).
Man kann versuchen, diese grafische Moralpredigt irgendwie positiv zu interpretieren. Gegen Blockwart-Mentalität und Einmischung in die Privatsphäre anderer. Aber trotzdem: ich kriege Gänsehaut davon. Ein beliebtes – und in der Aussage sehr ähnliches – 50er-Jahre-Diktum (eigentlich: das, wenn auch selten explizit ausgesprochene, Diktum der Nachkriegsjahre) wäre übrigens:

“Darüber spricht man nicht!”

Muss i denn?

Für uns, die wir in München wohnen, gibt es nun wirklich überhaupt keinen Grund, Fernreisen anzutreten. Pazifische Inseln? Wir haben Meere in Stadtnähe. Himalaya? Bei uns gibt es Berge, die damit locker mithalten können. Amazonas-Becken? Ach geh weiter, vom Ara bis zum Zitteraal findet man doch sämtliche exotischen Tiere auch ein Stückerl isaraufwärts in Hellabrunn. Traditionelle Völker mit anachronistischen Gebräuchen, urtümlichen Ritualen und seltsamen musikalischen Vorlieben? Dafür müssen wir nicht nach Papua-Neuguinea, da reicht die Pasinger Postwirtschaft. Sogar ein Weltwunder werden wir bald in der Nähe haben, und eine Wunderwelle, die Maui-Brechern Konkurrenz macht, gibt es heute schon. Und auch ein Bermuda-Dreieck, es tat sich um das Jahr 2000 in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft München I auf.
Wer trotzdem unbedingt das Land bzw. die Stadt verlassen will, um nach Zanzibar, Burundi, Jordanien oder gar nach Berlin oder Hamburg zu reisen, dem sei von Cohu folgendes empfohlen: bei "Därr Erlebnisreisen" in der Theresienstraße gibt es – neben supertollem Expeditionszubehör, z.B. Goldwaschpfannen und Trekkingkeksen Typ "Panzerplatte", jeden Freitag und Samstag eine reiseärztliche Ambulanz. Dort kann man sich – nach Angaben der IT – ohne viele Umstände kompetent, schnell und preiswert von einem Tropen- bzw. Reisemediziner beraten und gegen diesen ganzen scheußlichen Sachen impfen lassen, die außerhalb Bayerns noch immer nicht ausgestorben sind, als da wären Polio, Dissidententum, Hepatitis A, Atheismus, Typhus, etc.pp.. Nähere Informationen gibt es hier. Ach ja: Impfpass nicht vergessen!

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Von Schönheit geblendet

Wenn ich der Sprechstundenhilfe von eben Glauben schenken soll, dann sind alle Augenärzte Schwabings bis November (!) ausgebucht.
Ich habs doch geahnt, dass der diesjährige Ballerina- und Leggins-Wahn die Netzhäute schädigt. Und die Wiederkehr der Jeans-Short in wunderschöner grade-eben-bis-zum-Knie-Länge. Man gehe nicht ohne stark verdunkelnde Sonnenbrille auf die Straße!

Schräg

Wollte grade nur schnell nachschauen, wo der 154er Bus jetzt eigentlich langfährt, wo die Schellingstraße gesperrt ist. Dieses Ergebnis bei mvv-muenchen.de fand ich aber dann doch erstaunlich:

So einfach mitten durch die Neue Pinakothek? Kawumm! Ist das der Grund dafür, dass das schöne Brunnen-Café Greco seit Wochen geschlossen ist? Und dann auch noch schräg die Diakonie gerammt. Danke, ich nehm dann doch lieber die Tram…

Extreme

Brrrrr, wäre dank eiskalter Sturmböen bei längerem Warten auf die Tram gerade beinahe erfroren. Trotzdem muss ich sagen, dass ich ganz froh bin, im Gegensatz zur IT nicht gerade in Thessaloniki zu weilen…