Wer war das?

Dass der Singhammer für die Vorratsdatenspeicherung stimmt, verwundert nicht (sieht man dem doch schon an). Der heldenhafte Direktwahl-Sozi von München-Nord,  Axel Berg, hat sich allerdings auch nicht entblödet, bei dieser Unverschämtheit mitzumachen. Eine Namens-Liste zum Abstimmungsverhalten findet sich hier (pdf).
P.S. Gauweiler stimmte übrigens mit Nein.

Bügelbrüder

Schöpferische Zerstörung charakterisiert, wie jeder wirtschaftswissenschaftliche Bildung Vorschützende und damit auch Cohu weiß, den Kapitalismus. In diesem Sinne freut es mich besonders, dass die unsägliche Schnitzelbude in der Schellingstraße (Cohu berichtete) nach nur ein paar Monaten schon wieder pleite gegangen ist und somit Ressourcen für bessere Unternehmungen frei wurden. Nun versucht sein Glück ein neuer Bagel-Laden (übrigens auch wieder ein Franchise-Betrieb) namens "Bagel Brothers."
Ich selbst bin ja eine große Freundin der amerikanischen Lochlauge,  frage mich allerdings, ob das lange gutgeht. Die Lage ist nicht so toll, zumal sich in nicht all zu weiter Entfernung zwei "Deli Stars" und ein unabhängiger Bagelshop befinden. (Nach Cohus ökonomischem Halbwissen muss das allerdings nicht von Nachteil sein, Konkurrenz belebt das Geschäft! Wir kennen das Prinzip von stets in Gruppen auf Partnerfang gehenden Teenagern).
Wer sich die aufwendig gestaltete und vor allem überschwänglich betextete Seite des Unternehmens ansieht, bekommt zumindest den Eindruck, dass ein ausgeprägter Geschäftssinn hinter dieser Firma steckt. Die Gründer waren Unternehmensberater, was man doch noch etwas heraushört:

Bagelsandwiches, Gourmetcoffee und ihre damit verbundene Philosophie sind Teil einer aktuellen, urbanen Lebensart: Individuell und persönlich, schnell, aber nicht lieblos, qualitätsbewusst, aber nicht verschwenderisch. (Bagel Brothers)

Man sieht schon: die kochen nicht nur mit Natronlauge, sondern mit einem astreinen mission statement. Übrigens: eine Stelle als "Bagel-Maker (m/w) Vollzeit" ist da auch noch zu vergeben. Voraussetzung: "Enthusiastisch freuen Sie sich selbst zu früher Stunde auf "Ihre" Teiglinge". Huiui! Naja, wenigstens haben sie nicht geschrieben "Stehen Sie auf Löcher? Fangen Sie bei uns an!"
Losgehen soll es mit den Bagels anscheinend Ende November. Cohu hält Euch auch weiter auf dem Laufenden.

(Bild: Wikimedia Commons)

Döner statt Angst

Auf dem Weg zum gestrigen Mini-Bloggertreffen (Mini-Treffen, nicht Mini-Blogger) im kurdischen Lokal  Diyar wurden Cohu und IT, bequem im 100-er Bus sitzend, Zeugen der “Freiheit statt Angst”-Demo. So wahnsinnig viele waren nicht unterwegs – wie Felix treffend anmerkte, greift der Bau eines Transrapid (die Demo war etwa 10000 mal größer) ja auch wesentlich stärker in die bürgerlichen Freiheiten ein als so eine läppische Vorratsdatenspeicherung. Oder habt ihr etwa was zu verbergen?!
Das Diyar ist übrigens – trotz der lämmchenlastigen Karte – durchaus zu empfehlen und die Wörthstraße beeindruckt durch unmünchnerische Weitläufigkeit und Altbausubstanz, sowie natürlich durch ihre Anwohner (das hab ich jetzt toll eingebaut, oder?). Beeindruckend und eine geeignete Nachspeise waren auch die hier (fast so gut wie Waffeln).
Das Mini-Blogtreffen muss jetzt natürlich das nächste Mal in der benachbarten (türkischen) Taverne Merhaba durchgeführt werden. Ansonsten ist das politisch einseitig!
Anbieten würde sich danach evt. auch noch ein armenisches Restaurant. Wobei Wladimir Kaminer in seinem Buch “Küche Totalitär” etwas abschreckend schreibt:

“Die armenische Küche, eine der ältesten der Welt, bekam einen Ehrenplatz im Kochbuch des sozialistischen Imperiums. Besondere Merkmale dieser Küche sind Salate, Gras und Gewürze, die in der restlichen Welt als nicht essbar gelten, die originell zubereiteten Fleischgerichte, die zarten Süßigkeiten und das Nationalgetränk, der Kognak Ararat.

Wie schade, dass es gar kein armenisches Lokal in München gibt. Beschränken wir uns also vorerst auf sowjet-armenische Witze vom “Radio Eriwan”.

Sollen sie doch Kuchen essen!

Luitpold Karl Joseph Wilhelm von Bayern, Namensgeber der Prinzregententorte

In unserer heutigen, hektischen und haltlosen Zeit versuchen immer mehr Menschen, durch Drogen, Pornos und Rock’n’Roll den Genuss eines Stückes altmodischer Torte den Weg zum guten Leben zu finden. Dafür braucht es natürlich auch ein gewisses Ambiente, idealerweise ohne Lounge-Mucke, Pony-und-Ballerina-Chicks und sonstige Modernitäten wie "Soja Latte" (?). Leider ging in den vergangenen Jahren in vielen der in Frage kommenden Etablissements die Authentizität nach und nach verloren. Dem Sell-Out anheimgefallen sind das Café Jasmin, das Café Mozart, und inzwischen sogar die Konditorei Schneller, obwohl es dort wenigstens noch einen ordentlichen Nusskuchen gibt.
Aber obacht, jetzt kommt Cohu’s Geheimtipp: unter der schon recht vielversprechenden Adresse "Glückstraße 1" findet sich, gleich hinter dem Wittelsbacherplatz (der im Übrigen momentan mit einem reichlich vergammelten Siemens-Hauptgebäude erstaunt), also eigentlich direkt an der Kardinal-Döpfner-Straße, die Konditorei Erbshäuser. Hier wurde vor 120 Jahren die Prinzregententorte erfunden, und sie wird noch heute nach Originalrezept hergestellt. Der Verkaufsraum strahlt im Glanz vergangener Dynastien, angenehm ruhig ist es, und man kann sich zwischen den verlockenden Torten gar nicht entscheiden. Das Café selbst ist eines der wenigen übriggebliebenen echten Oma-Cafés, Stilmöbel und Draperien müssen sein. Ich persönlich rate zum Mohnkuchen – ein wahres Kunstwerk! -, aber ein Stück Prinzregenten muss man dann vermutlich auch noch nehmen (für die Kultur). Wer jetzt sagt, "zu schön um wahr zu sein", der kann sich auf der Seite "erbshaeser.com" vom Gegenteil und außerdem von der Wahrheit des Diktums von den "Laptops und Lederhosen" überzeugen.

(Bild: Wikimedia Commons)

Wer hätte das gedacht: Weapons of Mass Destruction in der Maxvorstadt

Achtung: beim Shiva in der Augusten/Hessstr., einem ansonsten sehr empfehlenswerten kleinen Inder, ist es ratsam, die beiden Worte “sehr scharf”, die neben dem Begriff “Chicken Vindaloo” abgedruckt sind, ernst zu nehmen. Die Wirkung des (immerhin sehr appetitlich aussehenden) Gerichts, das sich hinter diesem Begriff verbirgt, ließ beim (gottseidank mit Cohu nicht identischen) Rezipienten als erstes den Gedanken “Warum verwenden die Amerikaner sowas eigentlich nicht als Foltermittel” aufkommen – im danach folgenden Kampf mit dem Killer-Karai hätte ich beinahe einen meiner treuesten Leser verloren! Immerhin: er war sehenden Auges ins Unglück gelaufen. Warum man überhaupt scharf essen soll, können wir natürlich bei Wikipedia nachlesen. Angeblich dient es:

1. der Senkung (!) der Körpertemperatur – ich hatte da vorgestern einen anderen Eindruck, das mit dem Schwitzen kann allerdings hinkommen. Bei der IT, der zweiten Versuchsperson, habe ich gestoppt, es hat ca. 7,3 Sekunden gedauert, bis die ersten Schweißperlen auf die Stirn traten.
2. als Geschmacksverstärker – da war nur ein Geschmack: scharf. Und der war sehr stark. Kann sein, dass die Schärfe sich noch selbst verstärkt hat. Das konnte ich (die dritte Versuchsperson) aber dann nicht mehr rausschmecken.
3. der Ausschüttung des Glückshormons Endorphin – das allerdings macht Sinn, denn Wikipedia sagt uns auch: “Das Endorphinsystem wird unter anderem in Notfallsituationen aktiviert. Die Endorphinausschüttung ist der Grund, warum manche schwer verletzte Menschen zunächst keine Schmerzen verspüren.”

Zunächst heißt in diesem Fall: für die ersten 10 Sekunden. Ich bleib beim vollkommen schmerzlosen Chicken Badam Pasanda. Da muss ich allerdings die Rosinenhasser unter Euch vorwarnen…

Clash of Civilizations

Ein älteres, ländlich gekleidetes Ehepaar schlendert breit gestreut die Fürstenstraße entlang, wobei es sich der Mann schön zentral auf dem Radlweg gemütlich macht. Es kommt, wie es kommen musste: ein ungeduldiger Mountainbiker prescht heran, nähert sich ihm auf Millimeter, und der Arme kann sich nur durch einen (buchstäblichen) Seitensprung davor retten, Spikes in die Wadeln und Lenker in die Nieren gerammt zu bekommen.
Empört schreit die Frau: "Sowas gibts bei uns daheim aber ned!"
Man wusste, dass in Franken die Uhren anders gehen, aber dass sie dort das Rad noch nicht erfunden haben, war mir auch neu…

(Bild: Wikipedia)

Lamm, Löwe, Laus und Made

Seppi, Seppi, Seppi, man hat es nicht leicht als CSU-Bürgermeisterkandidat, das wußtest Du schon, bevor Du Dich, gleich einem schwarzen Lamm, auf den Weg zur Wahlkampf-Schlachtbank gemacht hast. Aber dass man (oder zumindest: die AZ) es Dir gleich als Nazi-Spruch auslegt, wenn Du die Münchner SPD-Ratsmehrheit und Ude als "Laus in Pelz und Mähne des bayerischen Löwen" bezeichnest und "Entlausung" forderst (SZ), damit hast Du dann doch nicht gerechnet. Der focus berichtet denn auch über Dein schäbiges Dementi:

"Später sagte er, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass mit dem Begriff „Entlausung“ die Vergasung der Juden in der Nazizeit verharmlost wurde. Und er entschuldigte sich bei allen, „die sich durch meine Worte verletzt fühlen“. Er bleibe aber bei seinen inhaltlichen Aussagen, wonach die SPD „wie die Made im Speck“ ohne eigenen Beitrag von CSU-Projekten wie dem Flughafenbau oder dem Transrapid profitiere." (Focus)

Oh, Seppi, Seppi, neinnein,  jetzt bitte nichts mehr sagen, Du machst alles nur noch schlimmer. Ich erinnere an einen Skandal, der sich 2005 ereignete – ich zitiere von der Seite des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma:

"Einen Fall besonders scharfer Hetze, der sich gegen unsere Minderheit als Ganzes richtet, stellt der Artikel eines bayerischen Kriminalbeamten im Fachblatt „Bund Deutscher Kriminalbeamter“ aus dem Oktober 2005 dar. Der Polizeibeamte unterstellte, „Sintis“ hätten erklärt, „dass man sich als ‚Made im Speck‘ der bundesrepublikanischen Wohlfahrtsgesellschaft fühle“. Derartige Tiervergleiche mit „Maden“ und „Ungeziefer“ gehörten schon zum gängigen Vokabular der NS-Propaganda. Der Zentralrat hat nach der Veröffentlichung dieses empörenden Beitrags bei den zuständigen Landesjustizbehörden Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt." (Romani Rose: Roma und Sinti: Gleichstellung für Europas größte Minderheit in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 07/2007)

Tipp von der Nazivergleichssammlerin aus der Maxvorstadt: von den Nationalsozialisten erbittert verfolgte Minderheiten – seien es nun Sinti und Roma oder bayrische Sozis – sollte man nicht mit irgendwelchem Getier vergleichen. Sowas wird nämlich grundsätzlich in meiner Sammlung abgeheftet. Sonst noch viel Erfolg im Wahlkampf!

(Bild: Wikimedia Commons)

Auf Restaurantsuche

Zum Restaurant "Kalypso" in der Agnesstraße sagt munichx:

"Typisch griechisches Restaurant mit typisch griechischer Küche und Einrichtung. Das Personal ist auch sehr griechisch, aber zuvorkommend."

Hat das ein Türke geschrieben?

Eine lange erwartete Quantifizierung

Wir wussten ja, dass München toller ist als die Hauptstadt – aber um wie viel toller ? Nun gibt es endlich Zahlen: wenn Menschen bereit sind, für das Leben in München 70% mehr zu zahlen als für das Leben in Berlin, heißt das in Präferenzen übersetzt, dass München auf den Bevölkerungsdurchschnitt gerechnet exakt 70% toller gefunden wird als Berlin.
(Für mich persönlich sind es eher sowas wie 200%. Keine 10 Pferde brächten mich für läppische 200€ im Monat nach Berlin!)

Apostasie, oder: Abfall vom Glauben

Da hatte ich mich am Sonntag morgen um halb neun schon gefreut, als ich einen Stadtangestellten mit einen dieser kleinen orangen Müll-Lastwägelchen im Miniformat den Bürgersteig an der Ludwigstraße hab runterfahren sehen. Ich hatte Hoffnung geschöpft und den Glauben an die Güte der Welt und vor allem der Landeshauptstadt wiedergewonnen. Aber dann…
Es geht darum: Maxvorstadt hat ja ein Müllproblem, Cohu berichtete. Euch wird jetzt vielleicht statt des Müllproblems mehr interessieren, was ein normaler Mensch an einem Sonntag vor halb zwölf überhaupt auf der Straße macht, aber wir sind hier ja nicht beim Wunschkonzert, sondern in einem Privatblog, und da bestimme ich!
Also, der Abfallentsorger. Lichtgestalt in Orange. Messias der Müllbeutel. Er steigt tatsächlich bei jedem der kleinen, hoffnungslos überquellenden Eimerchen aus. Er nimmt den Rahmen/Deckel ab. Er bückt sich sogar, hebt umliegende Papiere und Unrat auf, um sie in die Tonne zu befördern. Aber dann: statt die Tüte rauszuziehen und in seinen Wagen zu werfen, hebt er seinen bestiefelten Fuß und tritt mehrmals kräftig auf den Müll, um ihn zusammenzudrücken und Raum in der Tonne zu schaffen. Dann zieht er den Stiefel wieder raus — Cohu hofft immer noch, atemlos — aber der Müllmann dreht sich um, geht zum Wagen und kommt vermutlich erst nächste Woche wieder. Oder übernächste.
Im E-Garten findet sich neben dem Weg zum Monopteros eine Reihe überquellender Eimer, eigentlich ist die ganze Wiese müllübersät, was etwa fünfzig darin herumstochernde Krähen und Möwen sehr freut. Vielleicht können die Geier, die in Spanien aufgrund einer EU-Verordnung nix mehr zum Fressen finden und jetzt ruhelos Europa durchstreifen, auf der Suche nach Tierischem, einfach mal hier vorbeischauen.