Beste Lage…

…ist das hier am Eppendorfer Baum, wenn man Leierkastenmusik mag. Ein bärtiger Drehorgelmann (Typ Settembrini für Arme) lief gestern den ganzen Nachmittag die Straße auf und ab. Er besitzt anscheinend nur eine Platte, also immer dieselbe Leier von irgendsoner Taube, und auf die Idee, dass ein gleichmäßiges Drehen der Kurbel einen angenehm gleichförmigen Rhythmus erzeugt, war er auch noch nicht gekommen, also: eiernde Taube! Dann der alte Trick: vor jedem der Geschäfte blieb er so lange stehen, bis der Besitzer herauskam und ihm etwas Geld in die Schale warf, reinste Erpressung, alles auf Kosten der hier ja notorisch armen Anwohner.
Dafür nochmal bei Google Earth kontrolliert: sollten wir tatsächlich irgendwann mal den Mietvertrag unterschreiben, wären um unsere neue Wohnung herum 4 Eisdielen in einer Entfernung von weniger als 300 Metern. Der Sommer kann kommen!

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Morgen früh, wenn Gott will…

…werd ich nicht nur vom obligatorischen DLF-Radio auf Maximallautstärke geweckt, sonder schaffe es auch noch, rechtzeitig um 6:17 an der U-Bahn zu sein, um 7uhrirgendwas am Flughafen und irgendwasnach8 sogar in einem Flugzeug nach Hamburg zu sitzen. Will schließlich den ersten Advent auch dieses Jahr wieder in einer Stadt verbringen, wo es statt güldenem Christkindlmarkt mit alkoholisierten Italienern und vielen roten Bäckchen einen aggressiv-lichterkettenblinkenden "Hanseatischen Weihnachtsmarkt" gibt, der etwa soviel Charme hat wie die Harley Days (Cohu berichtete). 6:17 ist jedenfalls eine für mich sehr ungewohnte Berufstätigenzeit. Der Anblick der halbtoten Bürodrohnen, in deren Reihen ich mich vermutlich auch bald einreihen darf, ist immer wieder deprimierend. Naja, wenigstens ist morgen nicht U-Bahn-Pärchentag

Näher am Menschen

Man wird ja bescheiden an so trüben Tagen mitten im Wintersemester: irgendwie muntern mich die die irre getexteten Plakate der CSU-Fraktion im BA Bogenhausen auf.

 (Die CSU jenseits des Englischen Gartens hat ja u.a. durch den messerscharfen Chirurgen Thomas "Bert" Zimmermann auch schon in anderen Zusammenhängen eine gewisse volksnahe Rührigkeit bewiesen.)

Auf jeden Fall: immer, wenn ich – natürlich mit dem Bus, nicht der "Rot-Grünen Bimmelbahn" – die Stadtteilgrenze ins gediegene Villenviertel  überquere, freue ich mich über das Wort "Trambahnwahn."
…und hoffe insgeheim, dass sich die CSU nicht durchsetzt: ich leide nämlich selbst am "Trambahn-Wahn" und fahre trotz liberaler Grundhaltung die "Bimmelbahn" mit Vergnügen. Pa-Ling!

The Decline Of A Nation: Auswanderer

Wer, um alles in der Welt, würde davon träumen, ausgerechnet nach Deutschland auszuwandern? Der Heimat von Kuckucksuhr, Dieter Bohlen und Holocaust?  Insbesondere, wenn er nicht aus einem Drittweltland kommt, kein verfolgter Dissident ist und zuhause eine Arbeitslosenquote im natürlichen Bereich sein eigen nennt? Der zudem heute noch die Worte “Blitzkrieg” und “Stahlhelm” in seinem Sprachschatz trägt?
Es muss wohl jemand sein, der aus einem Land stammt, in dem es kein einziges wirklich schließendes Fenster gibt und keine funktionierende Tür. In dem Krebspatienten ihre Medikamente illegal über das Internet bestellen müssen, weil sie sie nicht verschrieben bekommen. Wo einer von 300 Patienten (!) aus Pfuscherei im Krankenhaus stirbt, jemand aus dem fettesten Land Europas mit den unverschämtesten Schratzen.
Ja, es muss ein Brite sein! Besonders München ist laut SPIEGEL Online ein beliebtes Ziel der Auswanderer. Bei “toytown munich” habe ich nachlesen, wie es sich für die (oft britischen) Zuagroasten hier anfühlt – sie haben deutsche Lieblingswörter und sie hassen deutsche Supermärkte. Sie erklären mir die neue Absolut-Werbung, die ich bis jetzt ehrlich gesagt nicht kapiert hatte… und ein britischer Neu-Neuhausener schreibt in einem Thread namens “Perpetual Complaints about Germany” sogar:

“You really cannot compare the UK to Germany. I have lived in England, both away from and in London, and Germany is 100 times better. The only reason you could pick the UK over Germany is if you had family there. The quality of life here is far superior. I would go as far as saying that that is a fact.” (toytown germany)

Reizend! Solche Briten werden gerne integriert. Wer jetzt neben dem Linksverkehr noch Gründe sucht, Großbritannien zu verlassen, lese bitte hier nach.

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As time goes by

Ist der Kunstparkt-Ost-Flohmarkt wirklich weg? Vollständig aufgelöst? Das gibts doch nicht. Oh oh oh… [wehklagend verlässt Cohu die Bühne]

Sprachliche Nachträge

Drei Sachen, in chronologischer Reihenfolge.

Erstens: Auf der Rückfahrt aus Österreich, auf der Straße zum dann sich leider als gesperrt herausstellenden Fernpass, sah ich ein Schild mit der Aufschrift: "Lawinenstrich". Ich kenne – man liest ja Zeitung – einiges: Straßenstrich, Babystrich, Bahnhofsstrich – aber was soll ein Lawinenstrich sein? Müssen wir uns hier eine sexuelle Perversion vorstellen, die sich auf Schneemassen bezieht? Oder auf das drohende Erwischtwerden von der Lawine beim Ge-Vau? Ist das mit der "Lawine" vielleicht übertrieben (so wie "Baby", "Straße" und "Bahnhof", wo es doch in Wirklichkeit um "Teenager", "Rückbank" und "Bahnhofsklo" geht) und es sind nur kleine bis mittelgroße Schneebälle involviert? Aber die brennendste Frage: warum stellen die Tiroler dafür ein Schild auf? Ist das etwa erlaubt? Tsk.

Zweitens: die U-Bahn-Dame sagt jetzt "Sendlinger Tor" endlich richtig. Die SWM lesen Münchenblogger.

Drittens: diese Firma stellt u.a. kleine München-Buttons her (gesehen beim Breitengrad in der Schelling, nicht im Internetz). Auf denen steht "Minga – I moag [sic] di".
Welche Lehre ziehen wir daraus? Von einer Firma, die das gleiche Graffel für Hamburg und sogar Berlin (!) macht, kauf ich doch sowas nicht. Zumal die Aussage eine offensichtliche Lüge ist. Ich weiß gar nicht, wer mich mehr hasst, "Minga" oder Berlin. Beide Städte haushalten sehr gezielt mit ihrer Zuneigung (ja, in der Hinsicht kann sogar Berlin haushalten!). Und kennt ihr eigentlich irgendeinen Münchner (nicht aus Landshut, Erding oder FFB zugezogen oder im Volksmusik- oder Trachtenbereich tätig), der Minga sagt?

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Riesenfete

Cohu ist in der Hinsicht zwar vollkommen durchschnittlich, findet die Idee aber irgendwie drollig: eine Party für extra für große Menschen. Ne, jetzt nicht sowas wie alle Weltkriegsgewinner und Nobelpreisträger und Playmates und Entdecker von Naturgesetzen und Gewinner von Diekmann-Ähnlichkeitswettbewerben, also allen, denen was Großes gelungen ist, sondern einfach körperlich lange Leute.
Die Party findet am 21. in München in den Elserhallen statt, näheres hier. Interessant:

“8,00 Euro für Frauen ab 1,80 m und Männer ab 1,90 m
Körpergröße (Hilfsmittel sind erlaubt)
12,00 Euro für kleinere Gäste”


Als Zwergerl kann man sich den Zugang zum extralangen Menschenmaterial also auch – für Geld oder Plateauschuhe – teuer erkaufen!
Ach ja, und für alle Großen, die an dem Tag keine Zeit haben oder Megahits der 80er und 90er ebensowenig ertragen wie “Aktuelles”: in Cohus näherer Verwandtschaft gibt es ein Paar mit mittlerweile zwei Kindlein, die körpergrößemäßig etwa 40cm auseinanderliegen und doch zueinander gefunden haben. Geht doch! Weiß allerdings nicht, ob andersherum eine Zwei-Meter-Frau mit einem Einssechzigmanschgerl glücklich geworden wäre: oh du tyrannische gender role.

Drunten

Gestern abend stieg Cohu hinab in den Orkus der Subkultur. Dafür ging es über die Stadtteilgrenze nach Schwabing. Ganz in der Nähe meiner bescheidenen Heimstätte gibt es nämlich ein von philosophischer Fachschaft und Bürgerinitiative freigeräumtes Kellergewölbe, in dem sich hin und wieder eine Schar von Wiss- bzw. Bierbegierigen einfindet, um die philosophischen Geheimnisse unseres und aller davor (und danach!) liegenden Jahrtausende zu lüften. Besonders schön die “Nietzsche-Bar” in einem ehemaligen Luftschutzkeller. Gadamer soll hier verkehrt haben, ist aber nun tot, weshalb man auf Prof. Wilhelm Vossenkuhl – seines Zeiches Cohus Doktorvater und nebenbei noch Nachfolger von Robert “Ich beweise Es” Spaemann auf dem Lehrstuhl I für Philosophie der LMU, zusätzlich Autor des Weltbestsellers Philosophie für die Westentasche, 127 S., 9,90€ – zurückgriff.
Nach einem Diavortrag über Occam (der von Rasiermesser, Altschwabinger Straße und “Name der Rose”) gab es erstmal Skiffle-Musik, die jedoch aufgrund der Urlaubsreise des Waschbrettisten entgegen der Wikipedia-Beschreibung vollständig ohne improvisierte Instrumente auskam. Dafür hatten sie einen brekeresken (ihr geht recht in der Annahme, dass ich dieses Wort grad erfunden habe) Kontrabassisten. Schließlich und endlich kam es zur Einführung in das neue Buch des Gastes “Die Möglichkeit des Guten. Ethik im 21. Jahrhundert” mit “renitenten” (WV) Fragen eines skandinavischen Kollegen. Ich selbst habe das Buch nicht, ahem, noch nicht gelesen, kann Euch aber dahingehend beruhigen, dass das Gute auch im 21. Jahrhundert noch möglich ist. Das Schlechte auch. Weil sonst gäbs im 21. Jahrhundert am Schluss gar keine Ethik mehr und das Buch wäre deprimierend, der Untertitel falsch gewählt und ich könnte meine Diss einrollen und als Fliegenklatsche benutzen. Falls sich jetzt jemand Sorgen gemacht hatte.

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Die Einfältigkeit des Langstreckenläuferbewunderers

Gestern war ja, wie ihr vielleicht – wenn auch nicht laufender-, so vielleicht doch an-der-gesperrten- straße-stehend-und-abwartenderweise – mitbekommen habt, München-Marathon. Cohu verfolgt dank ihrer Olypark-nahen Heimstätte (im Olympiastadion ist meist die “Siegesfeier”) diesen und andere Läufe schon seit einigen Jahren, und kann das alles eigentlich nur von Herzen unterstützen. Geschmacklich und auch vom Standpunkt der Lärm- und Umweltbelastung her gesehen ist so ein Marathonlauf sicher ein probateres Mittel, eine Midlifecrisis zu bewältigen oder zumindest einzugrenzen, als die üblichen roten Sportwägen, Cabrios, Harleys und/oder toupierten Blondinen in den 30ern, die sich der hormonell herausgeforderte Mann sonst gerne anschafft. Und auch die weiblichen Wechseljahre sind mit dem ein oder anderen Dauerlauf sicher leichter zu ertragen, vielleicht schon deshalb, weil man dann nicht mehr so genau weiß, woher die Hitzewallungen, Venenprobleme und sexuelle Dauererschöpfung eigentlich kommen: vom Ablaufen der gebärfähigen Lebensperiode oder vom Ablaufen zu vieler Kilometer. Genug der Präliminarien und genug von positiven Begleiterscheinungen des Langstreckenlaufs. Eines muss nämlich endlich aufhören. Marathon um Marathon muss ich mir – wenn ich grad, selbstverständlich außerhalb der Laufstrecke, irgendwo hinjogge – etwa einmal pro Kilometer (!) von irgendwelchen Marathonfans anhören: “Höhö, sie sind hier falsch!”, “Da drüben gehts zum Marathon!” – “Sie ham sich wohl verlaufen!”  oder, nach dem Zieleinlauf: “Jetzt biste aber viiiel zu spät dran” – und vermutlich glaubt jeder der Rufer, er haben einen einmalig lustigen Witz gerissen. Ich bitte daher nächste Saison um Hinweise in der Lokalpresse und im Radio: “Zum-Marathon-gehts-hier-lang”-Sprüche sind langweilig und ab jetzt verboten! – Danke für ihre Aufmerksamkeit.

Vor verschlossenen Türen

Mei, mei, mei. Eine "Wiesn-Suff-Affäre" (tz) hat es jetzt natürlich noch gebraucht von Seiten des allseits geschätzten Jungpolitikers Baretti, äh, Dr. Baretti von den Truderinger Böllerschützen, dessen erklärtes Ziel immerhin der "Erhalt christlicher Werte in der Politik"(!) ist. Mein kleiner Tipp: wenn man um 11 ins Käferzelt nicht hineinkommt, einfach durch die Küche marschieren. Einen Stadtratsausweis brauchts dafür nicht, auch nicht die Androhung, "das Haus zu zerlegen". (Der alte "durch-den-Zaun-wuzl-Trick", den so mancher schlanke Leser dieses Blogs schon erfolgreich angewandt hat, dürfte beim doch bereits relativ abgerockten "Sudetendeutschen" Baretti nicht mehr funktionieren).
Warum man sich diesen immer wieder an der Grenze der Legalität bzw. des Anstandes agierenden Bazi von Seiten des Stadtrats immer noch gefallen lässt, ist mir ein Rätsel, vermutlich zeichnet sich der "Ältestenrat" (die tagen vermutlich unter der Dorfeiche?) durch besondere Altersmilde aus.
Also, von dem Skandal hat vermutlich ja jeder Münchner dank der az-Schlagzeilen (siehe Abb.) schon gelesen, aber: gerade für momentan Abwesende ist der Baretti interessant. Man sehe sich in diesem Zusammenhang bitte den Betreff des Antrags 02-08 / F 00801  unseres parteilosen Lieblingsstadtrates an…