Uff.

Aus dem Wikipediaeintrag zu "Bedeutung (Sprachphilosophie)":

"Auch unter dieser Perspektive zeigt die Diskussion zwar immer differenziertere Positionen, aber am Ende keine inhaltliche Entwicklung. […] Es scheint, dass diese Diskussion zwar zu immer besseren und differenzierteren Argumenten führt, aber nicht entscheidbar ist, weil alle Argumente je nach Ausgangspunkt gravierenden Gegenargumenten ausgesetzt sind."

Willkommen in der modernen Philosophie. In diesem Zusammenhang auch interessant, das wiki "How to Catch a Greased Pig", eine detaillierte Anleitung zum Fangen eingeölter Schweine.

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Alte weg von der Straße und mehr Kinder für Deutschland.

Mit Hilfe der Reproduktionsmedizin ist es gelungen, bei einer 64-jährigen deutschen türkischen Frau eine Schwangerschaft herbeizuführen. Das Kind kam vergangene Woche in einer deutschen Klinik zur Welt und ist wohl Produkt einer im Ausland vorgenommenen Befruchtung und Einpflanzung einer (gespendeten) Eizelle.
Der Kinderschutzbund und andere äußerten sich über den Vorgang empört. So etwas entspreche nicht dem Kindeswohl,denn, so das Hauptargument:

“Ein Kind sollte die Möglichkeit haben, das Erwachsenenalter mit Begleitung seiner Eltern zu erreichen.”

Interessant fände ich in diesem Zusammenhang, wie sich der Kinderschutzbund äußern würde zu einem Fall, in dem eine 30-Jährige eine Schwangerschaft anstrebt, die weiß, dass sie innerhalb der nächsten Jahre an einer schweren Erkrankung (z.B. Chorea Huntington) sterben wird. Würde man der Kranken – die davon ausgehen kann, dass sie noch 10 bis 15 Jahre zu leben hat – wirklich vom Kinderkriegen abraten?
Fast noch mehr interessieren würde mich die Ansicht des Kinderschutzbundes (und anderer Gegner der “Seniorenschwangerschaft”) zur absichtlichen Zeugung eines Kindes durch einen männlichen Senioren  – haben Herr Beckenbauer (Vater mit 59) oder Herr Picasso (Vater mit 69) eine Ermahnung (zur Not post mortem) des Kinderschutzbundes zu befürchten, weil sie das Kindeswohl gefährden? Mal ganz zu schweigen von Anthony Quinn – Vater mit 82! Ob die Schwangerschaft “künstlich” oder “natürlich” herbeigeführt wurde, scheint mir in diesem Zusammenhang nicht weiter relevant zu sein.

Beachtenswert ist das moralische Urteil des Kinderschutzbundes aber nicht nur aufgrund sich anbietender Analogien, sondern auch, weil es, wie ich vermute, auf einer moralischen Verirrung beruht. Man verurteilt die späte Schwangerschaft, mit dem impliziten Argument, eine frühe Schwangerschaft – und damit das Aufwachsen des Kindes mit einer jüngeren Mutter – wäre besser gewesen. Zur Alternative steht aber gar nicht eine frühe Schwangerschaft mit dem betreffenden Kind, sondern… gar keine Schwangerschaft. Es wird, abstrahiert gesehen, also argumentiert, für das Wohl des betreffenden Kindes sei es besser, wenn es gar nicht erst gezeugt worden wäre – ein, wie ich finde, doch recht lustiges Ergebnis. Ich bin mir nicht sicher, ob der Kinderschutzbund das so wirklich meint.
Ganz aufschlussreich finde ich dann auch den Kommentar von Frau Stewens (Familienministerin Bayerns, CSU):

“Ich möchte das moralisch nicht bewerten, aber die Natur hat sich schon was dabei gedacht, dass man ab einem bestimmten Alter keine Kinder mehr kriegen kann.”

Die Weisheit der Mutter Natur als Ratgeber für Familienpolitik. Da bin ich jetzt einfach mal sprachlos.

[Edit: habe einem faz-Artikel noch ein paar genauere Angaben zum Fall entnommen und oben dementsprechend korrigiert/ergänzt]

Decline of a Nation: nasty, brutish, and short


So schaut’s typischerweise bei den BBC News UK aus. Jedesmal, wenn ich diese Seite aufschlage, kommt es mir wie ein Wunder vor, dass in Großbritannien überhaupt noch Menschen am Leben sind…
Unvermittelt kommt einem diese Textpassage in den Sinn, die jedoch schon ein paar hundert Jahre vor der Einrichtung von BBC-Seiten verfasst wurden:

"(…) no commodious Building; no Instruments of moving, and removing such things as require much force; no Knowledge of the face of the Earth; no account of Time; no Arts; no Letters; no Society; and which is worst of all, continuall feare, and danger of violent death; And the life of man, solitary, poore, nasty, brutish, and short." (Leviathan)

Der Autor dieser weltberühmten Zeilen war, wie könnte es anders sein, natürlich: Engländer! Ist das genetisch?

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Ich rieche, rieche Menschenfleisch!

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich hier mal einen Zombie-Film empfehlen würde. Aber bei dem Gruselwetter bleibt einem ja gar nix anders über. Also, Cohu-Prädikat für "Shaun of the Dead". Der Untertitel "A Romantic Comedy. With Zombies" verrät schon ganz gut, worum es geht. Hier auch bei Wikipedia, aber Obacht, Spoiler! Interessant im Übrigen auch die Geschichte der Zombies in der Voodoo-Kultur.
Wem das alles zu splatterig ist, der kann sich auf "philosophische Zombies" beschränken, denen sogar in der renommierten Stanford Encyclopedia of Philosophy ein umfänglicher und ganz und gar unblutiger Eintrag gewidmet ist. Warnung: diese Zombies sind (zumindest für den Nicht-Philosophen) stinklangweilig und fressen nicht mal Gehirne. Gähn!

(Bild: Joel Friesen/Wikimedia Commons)

Substance abuse und: Praecox oder Boeseman?

Falls sich jemand über die herabgesetzte Postfrequenz wundert: Cohu wird grade zerrieben zwischen 1. einer Seminararbeit (hoffentlich meiner letzten) und 2. den Ansprüchen der modernen Aquaristik.
ad 1.: Ich weiß nicht, warum ich dieses Fach studiere. Ich habe diesen Text gefunden. Ihn am nächsten Tag nochmal gelesen. Ihn nach dem Mittagessen nochmal angeschaut. Dann: nochmal genauer inspiziert, mit Hilfe einer  Tafel "Rausch Nouméa Edel-Vollmilch Plantagenschokolade aus Neuguinea Edel-Kakao". Was ich bis jetzt verstanden habe: es gibt mindestens sechs Sachen, die man unter "Substanz" verstehen kann. Grob gesagt, "Substanzen" sind irgendso Dinger (es sei denn, man versteht was anderes drunter). Zu mehr hat es von meiner Seite aus leider nicht gereicht. Dysmetaphysie, eindeutig.
ad 2.: Als Cohu ihr erstes Aquarium bekam, kaufte man sich üblicherweise ein 40cm-Becken, warf ein wenig Rollsplit, Wasserpest und fünfzehn Goldfische hinein, füllte mit Leitungswasser auf und gut wars. Menschen mit Filter oder (Wunder der Technik!) Ausströmerstein waren Profis der Aquaristik. Heutzutage schaut’s da ein bisserl anders aus. Lange Zeit war fraglich, ob ich nach heutigen Standards in meinem alten (immerhin 200-Liter)-Becken, das in den vierten Stock zu tragen wir gestern die Freude hatten, überhaupt irgendwelche Fische außer die ungeziefermäßigen lebendgebärenden Zahnkarpfen halten kann. Immer wieder erstaunlich auch, dass in zahlreichen Aquaristikforen Filtertuning (ne, echt!) und sonstige technische Fragen wesentlich regeren Anklang finden als Nebensächlichkeiten wie etwa die, äh, wie hießen sie? Fische. Aber da muss ich jetzt durch! Der momentane Favorit ist ein Ährenfisch mit dem schönen Namen Melanotaenia praecox, bzw. treffender: Diamant-Regenbogenfisch, oder aber: M. boesemani (Harlekin-Regenbogenfisch, siehe Abbildung). Ist er nicht ein Prachtkerl? Falls hier jemand seinen Möchtegernzynismus ausleben möchte: essen könnte man sie vermutlich schon, wäre aber ein sehr teures Vergnügen. Ihr entschuldigt, ich muss weiter die Kalkränder aus dem Alt-Aquarium kratzen.

(Bild: Eileen Kortright, Wikimedia Commons)

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O tempora, o mores

In Höffes "Lexikon der Ethik" findet sich unter dem Stichwort "Ehelosigkeit" nur ein Verweis: "–> Verzicht". Ich weiß nicht, ob das heute wirklich noch so empfunden wird…da hat sich seit 2002 wohl einiges geändert. Vielleicht ist ja auch lediglich der Verzicht auf Steuervorteile gemeint.

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Minima Moralia Bavarica

Gerade hab ich – hab ja keinen Fernseher – beim NDR das Skript einer "Zapp"-Sendung vom Mittwoch gelesen. Da hab ich mich an einer Stelle ehrlich gesagt ein bisserl gewundert.
Es geht erstmal um die unappetitliche Affäre um Bürgermeister Ole und den allseits beliebten Ronald Barnabas Schill:

Dieser Mann [Schill] wollte seine Macht retten, indem er versuchte, andere in den Dreck zu ziehen. Er glaubte, dass die sexuelle Orientierung eines Bürgermeisters die Hamburger schockieren würde. Ronald Schill, August 2003: "Ich weiß von Herrn von Beust selbst, dass er homosexuell ist. Ich weiß auch von Herrn Kusch selbst, dass er homosexuell ist." Doch selbst die Boulevard-Presse sprach von "dreckiger Homo-Erpressung" und verteidigte die Privatsphäre des Hamburger Bürgermeisters. Hamburg ist eben nicht Bayern.

Das war Cohu bekannt! Aber wie schlimm ist es in Bayern wirklich, in diesem Bundesland, das bekanntlich nicht nur mehrheitlich von grenzdebilen Seppeln bewohnt, sondern auch noch von der institutionalisierten Doppelmoral regiert wird – im Gegensatz zu Hamburg, einem Paradies von Moral, Anstand und Zivilcourage?

Denn hier – im CSU-Land – herrschen offenbar andere Verhältnisse. Die musste auch Theo Waigel kennen lernen, als er 1993 Ministerpräsident werden wollte. Kurz vor der Wahl wurde seine außereheliche Beziehung öffentlich gemacht. Edmund Stoiber war damals sein politischer Konkurrent. Parallelen zu Seehofer?

Ja, und die gibt es natürlich. Aber was mich an diesem Text aufregt: die Annahme, dass jemand, der die offen schwule Orientierung eines Bürgermeisters o.k. findet, es auch o.k. finden muss, von einem Politiker vertreten zu werden, der außereheliche Affären (oder im Fall Seehofer: eine Zweitfamilie) hat. Um die Frage des Privatlebens von Politikern soll es jetzt mal gar nicht gehen, auch nicht um die Frage, ob die CSU rückwärtsgewandt oder doppelmoralisch oder gar homophob ist, eher um eine allgemeinere Feststellung:
Homosexualität ist eine sexuelle Orientierung, die selbstverständlich niemandem vorzuwerfen ist und die auch nicht unterdrückt oder verschwiegen werden muss. Der Unterhalt nebenehelicher Beziehungen ohne Einverständnis oder Wissen des Partners (insofern fällt Waigel hier vielleicht ein bisserl raus, das weiß ich nicht) – sei das nun in homosexuellen oder heterosexuellen Ehen – entspringt hingegen einer freien Lebensentscheidung, die man für verwerflich und falsch halten kann, insbesondere, wenn Kinder involviert sind. Punktum.
Das sagt Euch Cohu, die an soviel bayrischer Moral dann doch noch festhalten will, auch ohne der CSU anzugehören.

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Haben Klone eine Seele?

Die Antwort auf diese Frage findet sich im – sehr empfehlenswerten – Bioethics Blog. Und ich muss mich jetzt erstmal von einem schmerzhaften Lachanfall erholen, meine Nerven beruhigen und Kerzen und Streichhölzer suchen, um der Katastrophenwarnung des DWD Genüge zu tun…

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Ich weiß, dass Du nichts weißt

Bis diese Debatte bzw. Bewegung es nach Deutschland schafft, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Cohu weiß zumindest schon, auf welcher Seite sie nicht steht.
Wenn sich aber die Wissenschafts- und die Gottesgläubigen heftig darum streiten, wer das "monopoly on truth" besitzt, freut sich die Dritte: selbstverständlich hat die Philosophie als mater scientiae den einzig richtigen Zugang zur Welt und ihrer Wahrheit. Wir wissen, wo’s langgeht!
Gerüchte, dass deshalb so viele von uns Taxifahrer werden, muss Cohu – ihres Zeichens ja sowieso schon lange überzeugte Außenweltskeptikerin und Solipsistin – vehement zurückweisen: beweist Ihr mir erstmal, dass es Straßen, Taxis und andere Personen als potentielle Fahrgäste überhaupt gibt, ganz zu schweigen von Euch selbst!

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Gruselig!

Gestern hat es mein Leib- und Magen-, zudem auch noch Diss-Thema, die “human-animal interspecifics”, ja sogar auf die erste Seite dieser Publikation geschafft: britische Stammzellenforscher planen die Herstellung von Mensch-Kuh-Chimären. Herr Illinger versah dieses Thema allerdings mit einem Kommentar, der mich ob seiner unbegründet-alarmistischen und – jedenfalls im Bezug auf die zentrale Frage, was es mit der ethischen Bewertung solcher Experimente auf sich hat – fast vollständig argumentfreien Darstellung der komplexen Sachlage doch sehr enttäuschte. Titel: “Die Angst vor der Chimäre” – erster Satz “Schon beim ersten Hinsehen kommt Grusel auf.”, letzter Satz: “In dieser Situation ist es auch aus Sicht der Wissenschaft kontraproduktiv, Laborversuche anzukündigen, die in der Öffentlichkeit vor allem eines auslösen: Grusel.” Dazwischen: nicht viel mehr als Stammzellenforscherbashing. Was die Frage der ethischen Vertretbarkeit von Chimärismus-Versuchen mit (angeblich) in der Bevölkerung vorhandenen Angstgefühlen zu tun haben soll, bleibt bei Illinger leider vollkommen offen. Manche finden Schwule und Lesben gruselig, manche Schwarze, manche alte Leute, manche (ich z.B.) Musicals und Softeis: trotzdem kommt man nicht auf die Idee, das alles zu verbieten. Dafür bedarf es schon irgendeiner Rechtfertigung. Wer wissen will, wie ein solches Argument im Bezug auf Chimären aussieht, aussehen könnte, oder ob es so eines überhaupt gibt, muss meine Diss lesen…wenn sie denn mal fertig ist.
Jedenfalls: manchmal ist man doch froh, die SZ abbestellt und für so manchen Unfug nicht auch noch Geld bezahlt zu haben.