“Do you have the right to sing the blues?”

"Yes, if:
a. your first name is a southern state-like Georgia
b. you’re blind
c. you shot a man in Memphis.
d. you can’t be satisfied.

No, if:
a. you were once blind but now can see.
b. you’re deaf
c. you have a trust fund. "

(Aus: How To Sing The Blues)

Andere Personen, die das Recht haben, den Blues zu singen: Zahnfleischbluter Murphy, wegen seines Namens, und natürlich: der unvergessene Rory Gallagher, nicht nur, weil er es konnte, nicht nur, weil die Iren ja praktisch auch als unterdrücktes Volk gelten und damit nicht als "weiß" im eigentlichen Sinne, sondern weil ein Mann, der so Gitarre spielt, einfach alles darf (ist soweit ich weiß auch positivrechtlich so geregelt). Für Empfindsame: sein ganz klassischer Walkin’ Blues. Für weniger Empfindsame mit großen Boxen und stabilen Trommelfellen: sein, äh, etwas weniger klassischer Bullfrog Blues. Und, um das mal richtigzustellen: diese wasserstoffblonde quäkende Dame hat definitiv nicht das Recht, den Blues zu singen, auch wenn sie lauthals Gegenteiliges behauptet!

Decline of a Nation: Krampfhaft

Das neue Logo für die Olympischen Spiele 2012 in London, das ich hier aus bestimmten Gründen lieber nicht abbilde, wurde heute vorgestellt. Für die einen ist es "dynamic, modern and flexible", für die anderen (nämlich Cohu) die expressiv-mitreißende visuelle Umsetzung eines tonisch-klonischen Grand-Mal. Krzgrmpff!

Decline of a Nation: No Use Eating A Dead Dog

Ein britischer Performancekünstler (über den ich hier schon mal ausführlich berichtete, Stichwort: Schwanenbraten) hat in einer Live-Radiosendung auf offener Straße Hund gegessen, um gegen die Jagd-Gewohnheiten der Monarchen, insbesondere die inhumane Fuchsjagd von Prinz Phillip, zu protestieren. To add insult to injury, wie man im Englischen so schön zu sagen in der Lage ist, hat auch noch Yoko Ono mitgespachtelt.
Verspeist wurde (teilweise) ein "Welsh Corgi", eine Hunderasse, die, soweit ich weiß, durch eine Kreuzung zwischen Dackel, Schäferhund und Fledermaus erzeugt wird, wobei bei den Welpen die komplizierte Praxis des Beinchen-Kupierens angewandt wird (s. Abb.). Ein Rudel dieser Zeckenteppiche umschwärmt bekanntermaßen stetig Queen Elisabeth.
Corgi also, gedünstet mit Äpfeln und Zwiebeln. Jedoch:

"It was pretty disgusting. I’ve never tasted anything like it — it was gray and had a very funny smell. It was horrible." (MSNBC)

Hm. Vielleicht, lieber Herr Gowan, lag das daran, dass ihr einen Hund verwendet habt, der "eines natürlichen Todes" gestorben ist – so wird das natürlich nichts. Hundegreisenfleisch. Und warum denn Äpfel, um alles in der Welt? Warum nicht eine schön scharfe Bosintang-Suppe? Ach Großbritannien, wann lernst Du endlich kochen…

(Bild: Wikimedia Commons)

Teufelsgeiger

Nein, es geht wider Erwarten nicht um die IT, obwohl sie jetzt sogar in einem richtigen Orchester mitkratzt. Sondern um einen echten Geigenvirtuosen, der gerade im Nebenhaus einen Brahms herunterspielt, dass es eine Freude ist. Dieser Neuzeitpaganini beeindruckt mit seiner Brillianz sogar Cohu, die ja eigentlich keine Freundin von Streichinstrumenten ist. Sieh da, man kann dem schändlichen Instrument gar himmlische Töne entlocken!
Schade, dass der Herr (oder die Dame) mit dem Gefiedel im Laufe seiner Karriere vermutlich 200 Elternpaare auf die Idee bringen wird, dass "Der Noel/Die Jaqueline doch auch mal Geige lernen könnte!" – und damit viel Leid in die Welt.

Your tax dollars at work

Wenn man öffentlich-rechtlichen Anstalten wie der FFA schon Millionen in den Rachen stopft, um die Qualität des deutschen Films zu verbessern, dann ist es doch tröstlich, dass die Kröten nicht nur für Schund wie "Herr Bello" , "Rennschwein Rudi Rüssel 2 – Rudi rennt wieder" und "Das Parfum" ausgegeben werden, sondern auch mal richtige Qualitätsprodukte gefördert werden. Z.B. "Der Goldene Nazivampir von Absam 2 – Das Geheimnis von Schloss Kottlitz." Allein der Name hätte m.E. bereits einen Oscar verdient! Worum geht es?

Wenn es nach General Donovan ginge, dann würde sich der Militärgeheimdienst der Vereinigten Staaten um wirklich wichtige Dinge kümmern, denn von denen gibt es im Oktober 1942 mehr als genug. Läßt die Waffen-SS doch nach Atlantis forschen und nackt germanischen Druidenriten frönen – wer glaubt schon an okkulte "Wunderwaffen"? Doch wohl kein vernünftiger amerikanischer Patriot – höchstens William Blazkowicz, der einzige Brillenträger des Geheimdienstes.
Und doch… kann man eindeutige Warnungen ignorieren? Filmaufnahmen? Beweise?
Was geht wirklich vor im Schloß von Kottlitz? Wer tötete Smokey Savallas? Wonach forscht das "Ahnenerbe der SS"? Wer hat das Gerippe von Graf Dracula aus der Walachei verschwinden lassen? Was verbindet einen fanatischen SS-General, unterirdische Laboratorien voller deutscher Wissenschaftler und eine Grube mit geschmolzenem Gold?
Fragen über Fragen – und ausgerechnet William Blazkowicz wird in die Alpen geschmuggelt, um Antworten zu finden. Aber was ihn auf Schloß Kottlitz erwartet, hätte niemand auch nur im Traum ahnen können…
(Teaser)

Am Montag wird der (leider nur 45 min. Kurz-)Film in Cannes vorgeführt.

(Bild: Chris Hirschhäuser)

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Premierenpremiere

Cohu kombinierte gestern in raffinierter Folge Natur (Aidlinger Höhenweg bei Murnau, allerdings keineswegs barfuß!) mit Kultur: “Tod eines Handlungsreisenden” am Resi. Das Stück kannte ich zwar (keine Ahnung von wo und wann) schon gut, aber auf einer Premiere war ich überhaupt noch gar nie! Also stadtfertig und ausgehfein gemacht und unter die Münchner Kultureliten (die bezeichnenderweise u.a. aus Markwort und Riekel bestehen) gemischt. Jetzt für die Kulturbanausen und Simpsonsglotzer unter Euch: da gehts um so eine Art Gil Gunderson, den american dream und dysfunktionale Familien, also jetzt eher nicht so lustig.
Die Inszenierung war klassisch, raffiniert und un-kapitalismuskritisch (mei, da hätten andere ein kommunistisches Manifest draus gemacht). Brilliert hat natürlich wieder der Landanwalt, diesmal im wahrsten Sinne des Wortes: theaterdiamantenbesetzter Stetson und Funkel-Chaps, dazu noch lässige Sprüche (“Als ich 17 war, ging ich in den Dschungel, als ich 21 war, kam ich heraus. Und bei Gott, ich war reich!”) – ein Traum von einer Rolle. Der SZ-Kritiker, der neben uns saß (jedenfalls wurde gemunkelt, das sei er gewesen, ich hätte aufgrund des gezückten Notizblocks, des bärtigen Aussehens und des äußerst zurückhaltenden Klatschens eher auf einen überengagierten Gymnasialdeutschlehrer mit akuter Urikopathie geschlossen), also, der Kritiker fands laut Kurzkritik “noch lange nicht bedeutsam oder gar gut.” Ja mei, die Süddeutsche hab ich eh schon lange abbestellt, also kann es mir wurscht sein. Cohu-Prädikat kriegt die Inszenierung trotzdem, und Lambert Hamel in der Hauptrolle bescheinige ich auch keinen “freundlichen Erfolg,” sondern Genialität! Aber ich versteh ja auch nix davon.

Einmal volltanken

Habt Ihr Euch auch schon mal gefragt, was jetzt eigentlich in die ehemalige Tankstelle "Metropol"-Garage in der Georgenstraße eingezogen ist? Ich dachte ja erst ein Kunstbuchhandel, aber ganz falsch. Der gute Onkel S. hat uns neulich darüber aufgeklärt, und hier stehts nochmal ganz ausführlich: da hat ein Investmentbanker Kunstsammlung (und Büro) aufgeschlagen.
MIttwochs von 4-6 kann man das besichtigen, nur zu, die Aufsichtsdame ist sehr nett, und einen schön gestalteten kleinen Prospekt bekommt man auch noch. Momentan wird der super-minimalistische (leider schon 2003 verstorbene) Künstler und Yalie Fred Sandback ausgestellt. Also, nicht der Künstler selbst, wir sind ja nicht bei "Körperwelten", vielmehr seine Faden-Draht-Installationen und einige Lithographien. Hier findet man noch einen ganz interessanten Text Sandbacks.

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Ausweitung der Kampfzone

 Ist ja keine Kunst. Oder?

Manch ein Leser mag bei Lektüre dieser Einträge schon befürchtet haben, dass es in Cohu’s Blog ab jetzt – neben so abgefahrenen oder soll ich sagen: grandiosen Kategorien wie "Nazivergleich" und "Decline of a Nation" bald auch eine Kategorie "Aquarium" geben wird.
Zwar wäre dies durchaus gerechtfertigt. Denn die Aquaristik erfüllt zunächst einmal vollständig das Kriterium, das bestimmend ist für die heutige zivilisierte Hochkultur, zu der ja auch Cohu’s Blog zweifellos zählt: absolute Sinn- und Zwecklosigkeit. Ja, schau her, Theaterstück mit Aussage: Scheiße, Bild wo was drauf ist: Kacke, Buch mit Geschichte: Nix da! Sogar Kino mit wo zack, zack, bumm, bumm: geht nur mit Bruce Willis! Es muss ein wenig indiemäßig wirr dahinplätschern, interpretationsfreundlich und unfestgelegt, und das ist gut so. Ich könnte meine sinn- und zweckloses Becken, das nix macht außer Strom verbrauchen und ein bisserl Wasser verdunsten, jetzt also auch verkaufen als Installation unter dem Titel: "Rekonstruktion einer Pfütze 21/R" und keiner hätte das Recht, mir EU- und städtische Fördergelder zu verwehren, obwohl Moment, da wär ich am Ende noch eine Epigonin, ein schwacher Abklatsch, denn  in Glaskästen schwimmende Tiere hats in der modernen Kunst schon zur Genüge.
Nun, jetzt wo ich oben schon vorschnell ein zwar hingeschrieben habe, muss hier wohl oder übel ein aber kommen: die Aquaristik ist, egal, wie man es dreht und wendet, nicht jedermanns Sache. Es ist wohl inzwischen so, dass dieses Thema im Leben der Mehrheit der Bevölkerung eine relativ geringe Bedeutung hat. Ich würde sogar sagen – und Obacht, wieder eine Parallele zur Hochkultur – allen bis auf eine verschwindend geringe Minderheit von Menschen, die (nach gängiger, wenn auch evt. fehlerhafter Auffassung) zuviel Zeit oder einen an der Waffel hat, geht dieses Thema vollständig am Arsch vorbei!
Und deshalb bekommt Cohu’s Aquarium ein eigenes Blog.

Post für Cohu

Vom Amazon-DVD-Verleih, bei dem ich seit ein paar Wochen mitmache, kam heut endlich "Brust oder Keule", m.E. der beste (ok, sagen wirs gleich so: der einzige überhaupt erträgliche) Louis-de-Funès-Film. Nein, moment, "Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe" ist natürlich auch super. Oder "Louis taut auf".
Jetzt bin ich ja mal gespannt, ob man etwas, was man als Kind wahnsinnig lustig fand, im doch schon gesetzten Alter noch wertschätzen kann…beim "Buch Otto" hat’s nur teilweise funktioniert.

P.S. Für mich natürlich Keule!

Nimm und Lies

So, nun hat Cohu auch mal eine Bloglesung miterlebt! Fand das, auch wenn es mit dem Anfang etwas dauerte, sehr amüsant. Meine persönlichen Favoriten: MC Winkels und Dr.Sno*s jeweilige Biesel-Geschichten! Die House-Party-Story von Nilzenburger kannte ich leider schon, aber der Vortrag war einmalig. Von Herrn Libbertz war ich positiv überrascht, da ich schon Hardcore-Porno befürchtet hatte, war aber dann doch wirklich ganz nett, auch hat er eine sehr schöne Stimme. Frau Rose bestärkte mich immerhin in der Überzeugung, dass Alkoholabstinenz (der bin ich ja jetzt schon seit längerem ausgeliefert) vielleicht gar nicht das Allerschlechteste ist manchmal, was mich ein wenig darüber hinwegtröstete, dass es im Privée nur Pepsicola (örks) und kein alkfreies Bier gab. Aber am besten natürlich: habe endlich mal Felix kennengelernt und ihm den Unterschied zwischen Schlafzimmer und "Schlafzimmer" erklärt und natürlich auch den Dr., der mir im Rahmen einer Carbon-Offsetting-Strategie gleich versprach, für mein Kommen zur Lesung einen Olivenbaum im (italienischen) Garten seiner Eltern zu pflanzen. Sage ihm jetzt nur niemand, dass ich zu Fuß da war!