Decline of a Nation: Lost in Transplantation

Das öffentliche Gesundheitssystem auf den Inseln: immer wieder liefert es traumhafte Geschichten für Cohu’s Lieblingsrubrik. Diesmal – die BBC berichtet – geht’s um eine Hornhaut, die für die Transplantation gedacht war. Äh, nicht vom Fuß, sondern vom Auge. Die Kornea, wie der Fachmann sagt, lag jedenfalls tatenlos über Nacht auf einem Busbahnhof herum, statt schnellstens zum Transplantats-Empfänger geliefert zu werden. Lustigerweise werden in Großbritannien menschliche Ersatzteile anscheinend schon seit Jahren über den öffentlichen Personenverkehr (d.h. Überlandbusse) befördert, und wenn der Busbahnhof geschlossen ist, muss der Transplantatsempfänger warten…Vielleicht sollte man das ganze nochmal überdenken, schließlich gibt es auch andere Methoden, um Augen zu transportieren, die wesentlich zuverlässiger sind.
Wenn man sich übrigens dieses Google-Suchergebnis ansieht, drängt sich insgesamt der Verdacht auf: das Erlebnis NHS muss man sich ungefähr so vorstellen, wie wenn bei uns die Bahn, die Telekom und die Post gleichzeitig für das Gesundheitswesen zuständig wären.

(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt…

Britische Wissenschaftler sind seit Jahrhunderten die Speerspitze der Forschung. Newton entdeckte die Masse, Cavendish den Wasserstoff, Watt die Dampfmaschine, Dalton das Atom, Bentham die Glücksformel, Fleming das Penicillin,  Crick die DNA, Hawking schwarze Löcher, und Oliver das genießbare englische Essen – wo wären wir ohne diese Genies von der Insel? Wir würden vermutlich immer noch unter Bäumen sitzen und uns wundern, warum uns Äpfel auf den Kopf fallen; würden Sauerstoff trinken, würden mit Pferdekutschen fahren, hätten nichts, worüber wir uns mit dem Iran streiten könnten, wären ungewollt unglücklich, würden an Mandelentzündung sterben, könnten keine lustigen leuchtenden Schweine basteln, würden uns wundern, wo die ganzen Sterne hin verschwinden, und bekämen bei Londonbesuchen nur gesalzenes Porridge und Baked Beans zu essen.

Warum denn bloß?

Aber die britische Forschung prescht weiter voran, um unser Leben lebenswert, unser Streben strebenswert zu machen. Wissenschaftlerinnen der University of Newcastle haben nämlich jetzt eine Studie mit bahnbrechenden Resultaten vorgelegt: erstes Ergebnis, für die Öffentlichkeit schon von beträchtlichem Interesse: Newcastle hat eine Uni.
Zweites Resultat – mit der unglaublichen Anzahl von 209 Freiwilligen haben zwei Neuro-Wissenschaftlerinnen erprobt, welche Farben Menschen spontan bevorzugen. Weltbewegende Erkenntnis: alle Menschen mögen Blau, aber Frauen mögen lieber rötliche (Pink-, Lila-) Töne, während Männer grünliche Schattierungen (Himmelblau, Türkis) bevorzugen. An diesem Punkt könnte man noch sagen: ganz interessant. Aber vollkommen absurd wird’s, wenn die Forscherinnen das Ergebnis interpretieren:


Ling speculates that the color preference and women’s ability to better discriminate red from green could have evolved due to sex-specific divisions of labor: while men hunted, women gatherered, and they had to be able to spot ripe berries and fruits. Another theory suggests that women, as caregivers who need to be particularly sensitive to, say, a child flushed with fever, have developed a sensitivity to reddish changes in skin color, a skill that enhances their abilities as the “emphathizer.” (Time)

…deshalb!

Hui! Cohu interpretiert das ganz anders. Meiner Meinung nach waren die Frauen in der Urzeit dafür zuständig, große Mammuts und Säbelzahntiger zu schlachten sowie Neanderthaler-Stämme zu jagen. Und dabei, so meine Vermutung, haben wir von unseren blutrünstigen Vorfahrinnen eine Vorliebe für rot – rot wie frisches, warmes, salziges MAMMUTBLUT! oder NEANDERTHALERHERZEN – geerbt. Während die Herren der Schöpfung für das Sammeln frischer, grüner Triebe für die Salatbeilage zuständig waren. Bei allem, was wir über die Arbeitsteilung bei den Vorfahren des Menschen wissen (nämlich: nicht viel, um nicht zu sagen: nix), könnte dies durchaus der Fall gewesen sein.
Cohu übrigens mag kein Pink. Aber auch kein Hellblau. Sondern den wunderschönen, warmen, appetitanregenden Farbton, der noch heute Ochsenblut heißt.

(Bilder: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Dogstitution

Kann man diese Augen leihen?
(Bild: Wikimedia Commons)

In London wird im Oktober eine (amerikanische) Firma eine Filiale eröffnen, die den schönen Namen "Flexpetz" trägt. Es geht aber da nicht um den Verkauf von besonders flexiblen Tieren – man denke an sich windende Schlangen, Würmer und Schnecken, gelenkige Äffchen oder Gummibären – nein, vielmehr kann man bei der Flexpetz-Agentur stundenweise Hunde ausleihen.
(Cohu-Vertraute werden wissen, dass es sich dabei um ein Geschäftsmodell handelt, mit dem sich Cohu selbst schon lange selbstständig machen wollte. Das ganze scheiterte daran, dass mir das Risiko zu hoch war. Die Kunden hätten früher oder später davon Wind bekommen, dass aus den altersbedingt nicht mehr für den Service geeigneten Hunden köstliche koreanische Suppe gekocht und kuschelige Luxus-Handtaschen genäht werden, und dann wäre ich dagestanden, mit 300 süßen Welpen!).
Abgesehen davon, dass mich das Geschäftsmodell irgendwie an diese Geschichte im Stern erinnert ("Tagsüber Golden Retriever oder Pudel – abends Begleiter bis in den Park") ist das doch eine sehr löbliche Idee: so werden vielleicht einige Hunde davor bewahrt, in Haushalten zu landen, wo man sich eigentlich nicht ordentlich um sie kümmern kann, weil es nicht genug Zeit oder Platz gibt. Auch vermute ich, dass die Hunde darunter nicht leiden (wenn man charakterlich geeignete aussucht und sie nicht zu oft vermietet).
Aber der Guardian wäre nicht der Guardian, wenn er  es nicht hinbekäme, diesen neuen Service als Indiz für den nahenden Untergang zu deuten. 2382 Worte (ich habe nachgezählt) verwendet Stuart Jeffries darauf, uns – unter Zuhilfenahme eines Soziologen, eines Journalisten, eines Psychologen bis hin zu Freud und sogar eines Ökonomen – zu erklären, dass – o tempora, o mores! – keiner mehr Verantwortung übernehmen will, nicht mal für Hunde, und dass daran (wie könnte es anders sein) der Kapitalismus schuld ist…

Flexpetz is surely symptomatic of a new age in which commitment is on the wane and there is a great deal of money to be made from services that offer traditional pleasures without the pain of ownership. It’s one in which the commitment to owning and maintaining consumer durables (cars, handbags and – if it isn’t too ludicrous to put the next two under such a heading – pets and partners) seems just too much of a bother. (Guardian)

Dass es eventuell more of a bother ist, einen Hund von dieser sauteuren Agentur auszuleihen, als sich einfach einen Welpen zu kaufen und ihn auszusetzen, sobald er einem zu blöd wird, darauf  ist er allerdings nicht gekommen.  Würde aber auch nicht zur These passen…

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Decline of a Nation: Tax me Not!

Einige britische Konservative regen momentan an, die Erbschaftssteuer abzuschaffen. Ein – aus Tory-Sicht – verständliches Anliegen, nur: die Begründung scheint mir in einem Punkt etwas schwach: die Steuer sei "not a popular tax."
Wenn Großbritannien nach diesem Kriterium vorgeht, dürfte auch dort bald das Steuerlevel der Vereinigten Arabischen Emirate erreicht sein.

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Decline of a Nation: Bean me up

Großbritannien – Cohu berichtete – ist schon seit einigen Jahren auf dem Weg, den kulinarischen Olymp zu besteigen bzw. – jetzt, wo das Empire verloren ist – zumindest zur geschmacklichen Weltmacht zu werden. Heute die Meldung, die den absoluten Gourmet-Gipfel wieder ein großes Stück näher bringt: die Dosenfutter-Firma Heinz ("57 Varieties") wird im Oktober ein revolutionäres Produkt auf den britischen Markt bringen. Baked Beans werden dann in Plastikbechern zum Aufwärmen in der Mikrowelle in den Geschäften des Vereinigten Königreichs feilgeboten, zu schlappen 2 Euro 20 das 4-Becher-Gebinde (1,49£).
Der gebackene Phaseolus an sich ist ja schon ein – für den Außenstehenden offensichtlich – von Grenzdebilen ersonnenes Gebräu aus verkochten weißen Hülsenfrüchten, Zucker und Tomatenmark. Aber den Briten ist es nicht verrückt genug, dieses Zeug allen Ernstes mit Würstchen kunstdarmverhülltem Separatorenfleisch zum Frühstück zu servieren. Nicht mal die Abfüllung des süß-salzigen Breis in Dosen und der (bei Studenten beliebte) kalte Verzehr direkt aus letzteren kann ihren Bedarf nach magenumdrehender Wahnsinnspampe befriedigen. Nein, jetzt muss es das Zeug auch noch als 5-Minuten-, äh, 1-Minuten-Terrine geben, damit man danach nicht abzuspülen braucht (was, zugegebenermaßen, bei der tapetenkleisterartigen Konsistenz von Dosenbohnen sehr unangenehm ist).
Cohu hat sich – den nächsten logischen Schritt konsequent vorausdenkend – in Zusammenarbeit mit der Firma Heinz bereits eine Zubereitungsweise des Hülsenfrucht-Schleims patentieren lassen, bei der die Mischung in einem Fläschchen direkt mit Maul-Spender abgefüllt wird (siehe Abb.). Dreißig Sekunden in die Mikrowelle, dreimal kräftig pumpen, genießen. Nächstes Jahr kommt mein "Pump-A-Bean" auf den GB-Markt – auf dass die stolze Nation dank Löffelverzicht noch mehr Zeit bei der Essenszubereitung sparen und die restliche EU endgültig wirtschaftlich abhängen kann.
Lasst mich schließen mit den Worten Jeffersons:

The sun of Great Britain’s glory is fast descending to the horizon. Her philosophy has crossed the Channel, her freedom the Atlantic, and herself seems passing to that awful dissolution, whose issue is not given human foresight to scan.

Decline of a Nation: Stink gets in your eyes

Rauchverbot? Schön und gut, aber eines haben die Gesundheitsapostel und Geruchsempfindlichen nicht bedacht: wenn es in der Wirtschaft nicht mehr nach Rauch stinkt, dann stinkt es nach anderen Sachen. Man bedenke: es halten sich in diesen Räumlichkeiten ja immer noch hauptsächlich biertrinkende, von einem langen Arbeitstag erschöpfte Männer auf, und diese sind halt an sich nicht besonders wohlriechend. So beschreibt es ein britischer Wirt:

“Appetising food smells have increased but others are less attractive, such as stale food and beer, damp, sweat and body odour, drains and — how do you put this nicely? — flatulence.” (Sunday Times)

Na gut, in anderen Ländern würde man versuchen, diesen Düften dadurch Herr zu werden, dass man verdorbenes Essen und Bier entsorgt, Deo aufträgt und – how do you put this nicely? – in Gesellschaft nicht pupst. Nicht so in Großbritannien. Mal im Ernst: die Einrichtung des monströs versifften "Bar Towels", eines kleinen Handtuchs, auf dem die ja  aufgrund des fehlenden Schaums randvollen Pints abgestellt und verschüttet werden, sowie die Beliebtheit von Teppichböden (!) in Trinklokalen könnte man echt nochmal überdenken auf der Insel. Aber stattdessen plant man nun laut Sunday Times, stinkende Pubs mit dem den künstlichen Aromen von Leder, Grasschnitt und – man höre und staune – Bier zu fluten.
Wenn schon, denn schon: warum eigentlich kein Tabakaroma?
 
(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Art Made Me Do It

Maul- und Klauen-Seuche? Über sowas Unappetitliches schreibt Cohu nicht. Aber auch abgesehen davon gibt es im Vereinigten Königreich momentan wieder genug Beweise für den "Decline of a Nation". So z.B. hier das außergewöhnliche Verhalten eines Oxforders im Angesicht einer schrecklichen Flutkatastrophe – seht selbst (Danke für den Tipp, Graf W.)(*)

Dann habe ich, frisch von der Insel, auch noch gute Nachrichten für diejenigen unter Euch, die sich Sorgen machen, weil sie oder ihre Kinder zu ungesund essen. Es kann noch schlimmer kommen!
Ein bemitleidenswerter britischer Bursche namens Andrew (6) etwa ist gar nicht dazu zu bewegen, Obst oder Gemüse zu essen. Besorgniserregend für jede britische Mutter: der Kleine mag nicht mal Walker’s Crisps. Diese gelten wohl als "Gemüse," da sie aus Kartoffeln bestehen, und werden daher gerne als Frühstück in die Schule mitgegeben, nicht aber in Andrew’s Fall, denn:

"Pom-Bear are the only crisps that Andrew will eat."
Auch, was das Frühstück angeht, hat er spezielle Vorstellungen:
"The only thing he will eat for breakfast is fish fingers and spaghetti followed by a chocolate mini roll. We call it "a full Andrew". (Guardian)

Na dann: guten Appetit!

(*) Der "mysterious bottom pincher" wurde im Übrigen inzwischen aufgespürt. Zu seiner Verteidigung hatte er Folgendes zu sagen:

When the Daily Mail located Mr Burdett on Tuesday, the father-of-two said he had acted on impulse and apologised to Miss Turton if he had offended her.

He said the tweak of her behind was his way of "brightening up a dull and depressing situation" as locals battled the floods. (Daily Mail)

Außerdem ist er auch noch Künstler und sieht seinen Grabscher als "artistic statement," das wohl in seiner nächsten Ausstellung in Form einer Videoinstallation eine Rolle spielen wird.
Wir sehen also: Großbritannien sinkt immer tiefer. Vielleicht ist die MKS-Epidemie nur ein Fingerzeig Gottes, um die Briten auf den kulturellen Abstieg ihres Landes aufmerksam zu machen.

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Decline of a Nation: Rinderwahn

Großbritannien hat momentan wirklich ein Problem. Nein, ich meine natürlich nicht die riesige Flutkatastrophe. Vielmehr erregt momentan ein heiliger Bulle namens Shambo die Gemüter. Das Tier lebt in einem walisischen Hindu-Tempel und wird dementsprechend versorgt (hier auf der Webcam sieht man, wenn man Glück hat, wie er, fein gestriegelt, mit Blumenkranz in blütenreinem Stroh steht).
Jetzt aber das Problem: bei Shambo besteht TB-Verdacht. Und für Rinder mit TB-Verdacht gilt in Wales die strenge Regelung, dass sie geschlachtet werden müssen, da sonst eine Ausbreitung der Seuche befürchtet wird. Blöd natürlich jetzt, wenn man ein Hindu ist, und das Vieh für heilig hält. Doch die walisischen Behörden lenken nicht ein: heilig oder nicht, heute muss Shambo zur Schlachtbank. Wie wird das ganze ausgehen?
Wer es jetzt vor Spannung schon nicht mehr aushält, sei auf das Liveblogging des Guardian verwiesen, das ja schon bei ähnlich einschneidenden Ereignissen (etwa den Londoner Terroranschlägen) weitergeholfen hat. Letzte Meldung, vor 10 Minuten veröffentlicht: die Behörden machen sich Sorgen um das Wohlbefinden des Bullen, da es um die Hütte herum jetzt doch etwas lauter zugeht – man möge sie doch bitte durchlassen, damit sie in Ruhe ihres Amtes walten können. Im Namen des Tierschutzes!
Humor haben sie, die Briten.

(Bild: Skanda Vale Hindu temple, Wales)

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Decline of a Nation: Gute Nacht, Verstand

England galt lange als Bastion der Ratio (Newton, Mill, Thatcher) und der stets ironisch-distanzierten, lebensweisen Intelligentsia (Wilde, Larkin, Cleese). Aber das geht ja alles den Bach runter.
Fangen wir bei einer besonders drolligen Geschichte an. In der Nähe eines dorset’schen Dorfes names Cerne Abbas findet sich auf eine sanften Hang die vielfach überlebensgroße in den Kreideboden gekratze Zeichnung eines nackten, ostentativ männlichen (s. Abb.), Riesen. Angeblich aus vorchristlichen Zeiten, jedenfalls wird das Ding von heidnischen Religionsgemeinschaften als heiliger Ort verehrt. Nichtsdestotrotz mussten wenig gottes- (bzw. götter-)fürchtige Werber den Nebenhang durch eine ebenso große Figur eines Homer Simpson in Unterhose und mit obligatorischem Donut verzieren, um den Simpsons-Film zu promoten, natürlich aus abwaschbarer weißer Farbe. Schande, sagt die Ober-Heidin der Region:

Ann Bryn-Evans, joint Wessex district manager for The Pagan Federation, said: "We were hoping for some dry weather but I think I have changed my mind. We’ll be doing some rain magic to bring the rain and wash it away." (BBC News)

In England Regenmagie betreiben, das erscheint mir so sinnvoll, wie dafür zu beten, dass auch morgen die Sonne wieder aufgeht, für die Zustellung eines Steuerbescheids, oder dafür, am Ende des Lebens auch wirklich zu sterben. Aber gut, dass die Vernunft vor der Religion die Waffen streckt, ist nichts neues, da ist meine zweite Geschichte vielleicht erstaunlicher:

In Oxford hat es eine lange Tradition, nach Beendigung der letzten Examina die Prüflinge in der Merton Street zu empfangen und dann mit Mehl, Champagner, Konfetti, und allerlei Unrat zu bewerfen ("Trashing"). Großer Spaß, die Universität bezeichnet das allerdings als "antisocial behaviour" und versucht schon seit Jahren, es zu unterbinden. Drastische Strafen von bis zu 150 Euro wurden verhängt, nur ist es halt schwierig, im Gewusel hinter den Exam Schools die bösen Mehl- und Oktopus-Werfer überhaupt zu identifizieren. Naja, es sei denn…die Studenten machen Fotos vom Trashing und veröffentlichen die dann im Internet. Und Uni-Disziplinarbeamten finden sie da und verfolgen die Anti-Sozialen. Montags schrieb denn auch die Student Union eine aufgeregte Rundmail ("URGENT!") und bat alle Mitglieder, ihre Privacy Settings bei Facebook zu überprüfen, um keine Kommilitonen ans Messer zu liefern – inklusive detaillierter Anleitung (s. Abb.). Wohlgemerkt: eigentlich sollten das alles schlaue Kerlchen sein. Aber dass im Internet veröffentlichte Bilder, auch, wenn man das gar nicht willimmer den Weg zu daran Interessierten finden, das hatte sich bei ihnen noch nicht rumgesprochen, genausowenig wie die Funktionsweise einer ursprünglich für durch Spring Break und zuviel Cola verblödete amerikanische Highschool-Studenten ausgelegten Software. Also, Herr Wilde hätte, in der guten alten Zeit, seine Bosie-Eskapaden jedenfalls kaum bei Facebook ausgebreitet. Oder wäre zumindest schlau genug gewesen, den Datenschutz richtig einzustellen…

 (Bild: Wikimedia Commons)

Der Krieg ist der Vater aller Dinge

Dass der Krieg heute nicht mehr aussieht wie vor hundert Jahren, ist gemeinhin bekannt. So ist es in von Krieg betroffenen Regionen größtenteils gar nicht mehr nötig, erstmal große Mengen von jungen, hoffnungsvollen Leuten einzusammeln und auf (Ab-)Schlachtfelder zu transportieren, wie noch im ersten oder zweiten Weltkrieg – dank denzentraler Methoden ist es heute möglich, das alles vor Ort, auf dem Marktplatz, vor der Moschee, in der Schule zu erledigen. Die mühsamen Unterscheidung zwischen Zivilist und Soldat spart man sich größtenteils auch (Stichwort  "Enemy Combatant"). Selbstmordattentäter sind wohl die effizienteste Form überhaupt, dem Feind zu begegnen, und haben sich deshalb auf dem globalisierten Markt der Gewalttaten durchgesetzt. Was man dadurch an Ausbildungs-, Bekleidungs- und, nicht zu vergessen, Ruhestands- und Sozialzahlungen spart!
Aber die strategischen Errungenschaften der Kriegskunst beschränken sich nicht auf diese "Zivilisierung" des Krieges. In den Nachrichten der letzten Tage ist nämlich auch von ganz neuen Methoden die Rede. Im Irak verbreitete sich das Gerücht, britische Besatzungstruppen hätten menschenfressende Dachse, ja, richtig gelesen, menschenfressende Dachse,  in der Nähe von Basra ausgesetzt, um Panik auszulösen. Der Honigdachs (s. Abb.) siehr zwar drollig aus, aber wird bis zu einen Meter lang und hat unschöne, scharfe Klauen an den Vorderpfoten, die er zu benutzen weiß – nicht nur gegen Vieh, sondern auch, wenn Menschen ihn in die Enge treiben oder auf dem Falschen Fuß erwischen. Um das Gerücht zu zerstreuen, britische Truppen hätten diese ungemütlichen Gesellen (die im Irak heimisch sind) in der Basra-Region ausgesetzt, äußerte ein Militärsprecher dann einen für seine Funktion wohl einmalig lustigen Satz:

"We can categorically state that we have not released man-eating badgers into the area." (BBC News)

Was die Panik mutmaßlich ausgelöst hat, war übrigens dieser Artikel auf der Seite "NewsBisquit", Die eher satirische Natur dieser Publikation ist trotz deutlicher Anzeichen wohl nicht jedem gleich aufgefallen.

Bizarrer ist dann wohl nur eine angebliche Meldung der iranischen Nachrichtenagentur IRNA: der iranische Geheimdienst hätte14 Eichhörnchen festgenommen, weil sie im Grenzgebiet Spionage verübten. Ausgestattet waren sie sogar mit "Spionagewerkzeug" (vermutlich kleine Zeitungen mit reingeschnittenen Augenlöchern, um unauffällig die Atom-Anstrengungen Persiens zu verfolgen?). Schade, dass ich bei der IRNA selbst gar nichts dazu finde (vielleicht hab ihr mehr Glück). Sollte man man sich da in Israel nur einen Scherz erlaubt haben, ist er jedenfalls ganz gut gelungen, finde ich. (Aber was heißt "westliche Mächte"? Dass die Eichhörnchen selbst die Weltherrschaft anstreben, ist lange bewiesen!)