Decline of a Nation: Thumping away

Die Bibliotheken des Vereinigten Königreichs sind weltbekannt und wunderschön (wobei es natürlich auch hässliche Ausnahmen von der Regel gibt, wie diese Bruchbude). Die Bibliothekskunst auf der Insel war jahrhundertelang absolute Spitze. Wenn man in relevanten Bestandszahlen und nicht in Regalkilometern misst, ist die British Libary angeblich sogar die größte Bibliothek der Welt, und wenn die, wie ihr Chef fordert, jetzt dann bald auch noch das gesamte Internetz archiviert, wird das wohl auch in Zukunft so bleiben.

Und was machen die Briten mit dieser Tradition? Fangen natürlich an, in ihren Bibliotheken grauenhafte Dudelmusik abzuspielen. Die pensionierte Oxford-Dozentin Doraine Potts ist erschüttert:

"I was trying to choose a book in my local library but I just couldn’t concentrate. That’s how loud it was. The beat was just thumping away." (telegraph.co.uk)

Andernorts werden angeblich sogar Speisen und Getränke sowie Handys im Lesesaal geduldet. Der nächste logische Schritt für die britischen Bibliothekskultur: Gorillas an der Buchausgabe!

Decline of a Nation: Sehr verdächtig

Die Geschichte ist an sich eine klare Sache: ein ganz eindeutig hochsuspekter Ösi fliegt mit seinem Sohn nach London, um dort hoch zweifelhafte Fotos vom öffentlichen Personennahverkehr zu machen – an-geb-lich aus rein ästhetischem Interesse. Haha! Von wegen! Wir kennen die fiesen Geschmacksverirrungen unserer Nachbarn zwar leider nur zu gut, aber geh heast, Bushäuserln? Das ist dann doch zu weit hergeholt! Tapfere Londoner Polizisten haben das alles als durchtriebenen Plan österreichischer Weltherrschaftsanstreber (es wäre nicht das erste Mal!) durchschaut und den beiden windigen Gestalten das Handwerk gelegt. Bravo!

[Am Rande: nicht nur Polizei-Professionalität ist typisch britisch – auch die Berichterstattung ist es. In seinem Artikel über die fotolöschende Heldentat der Met demonstriert der Guardian nämlich mal wieder, dass er’s noch drauf hat: ein wahres Feuerwerk an Tippfehlern wird da losgelassen, der Bushäusl-Terrorist heißt abwechselnd Matza, Matzka, Matkza und einmal sogar Matka. Grauniad halt. Sogar Sueddeutsche.de würde da vor Neid erblassen!]

Aber Scherz beiseite, insgesamt muss man sagen, dass sich die London Metropolitan Police mittlerweile wirklich von einer Totalversager-Institution zur großartigsten Anti-Terror Einheit der Welt gemausert hat! Man denke nur an die tollen neuen Anti-Terror Plakate – diese kontrastieren z.B. eine idyllische Straßenszene mit Frauen und Kindern mit den Worten

"Hier wird keine Bombe explodieren, weil vor ein paar Wochen ein Passant gemeldet hat, dass sich jemand die Überwachungskameras ansieht. – Verlassen Sie sich nicht auf andere; wenn Ihnen etwas verdächtig erscheint, melden Sie es der Anti-Terrorismus-Hotline!" (pdf-link)

Die Plakate haben nicht nur schon hunderte, ach was, tausende von Terroranschlägen verhindert, darunter den dunklen Doppeldeckerbusbombenplot (das schreit nach einer Schlagzeile!) der zwei fadenscheinigen Wiener – die Poster sind auch zu Recht bei besorgten Bürgern sehr beliebt. Wie man hier sieht,  haben einige sich inzwischen sogar verbesserte Motive ausgedacht, um die Met beim Anti-Terror-Kampf propagandatechnisch zu unterstützen. Weiter so!

(Hier auch noch schöne Exemplare. Mit der wirklich wahnwitzigen Behauptung: Communities can defeat Terrorism. – Logo. Und den Zweiten Weltkrieg haben wir gewonnen. Dank  Verdunkelung.)

(Bild: U.S.-Nationalarchiv, via Wikimedia Commons)

Boris Johnsons Gespür für Schnee

In Europa tobt ein Kampf. Nein, nicht um bodenlose Banken oder Wirtschaftsprotektionismus, sondern um wirklich wichtige Dinge: Ist Schnee gut oder schlecht?

In solchen grundsätzlichen Wertfragen wendet sich die Bourgeoisie traditionell an konservative Führungspersönlichkeiten, Bohemiens dagegen überlassen Wertdissense lieber Komödianten,  Lebenskünstlern bzw. Irren. Wer wäre also qualifizierter als der Londoner Bürgermeister Boris Johnson – Konservativer und Spitzenhallodri in Personalunion -, die Frage nach dem Schnee ein für alle mal zu beantworten? Hört, hört:

“This is the right kind of snow, it’s just the wrong kind of quantities.”

Geradezu salomonisch, dieser Boris, und ich schließe mich seinem Urteil vollumfänglich an.

Decline of a Nation: Hühnchenauge sei wachsam

Europäische Vogelbeobachter lechzen aufgrund der spärlichen Verbreitung dieser Vögel in unseren Breiten regelrecht nach den sogenannten Wassertretern (Phalaropus), die ihre poetischen Namen "Thorshühnchen" und "Odinshühnchen" definitiv nicht martialischen Neigungen oder besonderer Göttlichkeit verdanken. Eher im Gegenteil, die Viecher sind ziemlich unscheinbar und machen, abgesehen von einer Neigung zu serieller Polyandrie und alleinerziehender Vaterschaft, nicht viel her. Trotzdem, auch die englischen Birdwatcher sind ganz scharf auf die Phalaropen. Wenn alle paar Monate mal einer einen Abstecher an eine britische Küste macht, strömen deshalb sogleich Scharen von Twitchern zum Beobachtungsort, um neben die Vogelspezies auf ihrer stetig wachsenden life list endlich einen befriedigenden tick machen zu können.

Das alles nur als Vorgeschichte dafür, warum das hier wahnsinnig lustig ist.

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Decline of a Nation: Retter der Welt

Wer Briten für steif und temperamentlos hält, hat offensichtlich noch nie Übertragungen aus dem House of Commons gesehen:

[Bonuslink für Bojo-Fans]

Im Vergleich dazu mal das berüchtigte Parlament unserer italienischen Freunde. Mein italienisch ist zu schlecht, um zu verstehen, worum es da geht (ich glaub, der Redner ruft bei 0.28 sinngemäß sowas wie “Mir san da ned im Wirtshaus”…)


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Decline of a Nation: What’s not to love?

Wenn ein Journalist im Müslifachblatt Guardian einen zusammenfassenden Artikel über die bisherige Amtsausübung vom BoJo schreibt, kann das natürlich nur bös werden:

In August, he was criticised in Britain and abroad for appearing at the otherwise immaculate closing ceremony of the Beijing Olympics in an unbuttoned suit jacket, with his belly protruding and his hair like a small haystack. (Guardian)

Ach geh. Ist da etwa einer neidisch auf Boris’ umwerfende Haarpracht?

(Gibt es eigentlich einen einzigen deutschen Politiker, der Komische Politthriller schreibt? Nein, der zählt nicht, wobei von dem zu schließen, was Titelauswahl und Veröffentlichungsdatum angeht, ein gewisses komisches Talent vorhanden sein muss…)

Decline of a Nation: Wagnerian Crescendo

Ein Hamburger Informant hat mich dankenswerterweise auf die diesjährigen "Bad Sex Awards" hingewiesen, die von der enlischen "Literary Review" verliehen werden:

"The Bad Sex Awards were inaugurated in 1993 in order to draw attention to, and hopefully discourage, poorly written, redundant or excessively pornographic passages of a sexual nature in fiction. The intention is not to humiliate." 

Cohu und viele andere sehen diesen Preis tatsächlich eher als Auszeichnung denn als Ohrfeige – schließlich hat sogar der größte lebende Romancier, Tom Wolfe, für das Meisterwerk "I Am Charlotte Simmons" einen solchen Award eingeheimst ("Slither slither slither slither went the tongue…")

Für die im Englischen nicht so firmen gibt es hier einen netten Zeit-Artikel zur diesjährigen Verleihung. Wesentlich interessanter aber: die Shortlist, die hier nachzulesen ist – mit so zeitlosen Zeilen wie

"Sebastian’s erect member was so big I mistook it for some sort of monument in the centre of a town." (Kathy Lette, To Love, Honour and Betray)

"Brida surrendered herself entirely. The forces of the world were penetrating her five senses and these were becoming transformed into an overwhelming energy." (Paolo Coelho, Brida)

"Do you want to see my vagina?" (John Updike, The Widows of Eastwick)

Und wer hat den Preis gewonnen? Niemand geringerer als die Schwester des großartigen und unvergleichlichen Boris Johnson, des Londoner Bürgermeisters (Cohu berichtete). Diese Familie ist geradezu gepflastert mit Genies, und das sieht man auch an dieser Passage:

"I find myself gripping his ears and tugging at the locks curling over them, beside myself, and a strange animal noise escapes from me as the mounting, Wagnerian crescendo overtakes me. I really do hope at this point that all the Spodders are, as requested, attending the meeting about slug clearance or whatever it is." (Rachel Johnson, Shire Hell)

Das Buch wird gekauft und gelesen. Wenn es diese beiden Sätze enthält, muss es gut sein.

Decline of a Nation: Spot On

Ach komm, das da? Matt, schwach, harmlos. Was den schlagkräftigen Gebrauch von Nazivergleichen im richtigen Moment und angemessenen Zusammenhang und mit unzweideutigem Biss angeht, sollte man sich lieber mal ein Scheibchen von den Briten abschneiden. Z.B. Frau Sheila New. Sie ließ ihr Haus graublau streichen. Leider steht es unter Denkmalschutz, deshalb wurde ihr von Amts wegen unter Androhung einer Geldstrafe mitgeteilt, sie müsse es wieder in den alten (gelben) Zustand versetzen. Der Daily Express zitiert sie mit diesen Worten:

"This is like the Nazis. They had rules and forced people to do things they didn’t want to."

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Decline of a Nation: Marktversagen

Paul Krugman erhält dieses Jahr den Ökonomie-Nobelpreis. Dieser sympathische Bartträger  (und Blogger) ist neben seiner Forschungstätigkeit natürlich bekannt durch seine NYT-Kolumne, auf die ich auch das eine oder andere Mal verlinkt habe, er hat sich u.a. aber auch einem Thema gewidmet, dass uns hier besonders interessiert: "Supply, Demand, and English Food". Warum ist die britische Küche eigentlich bekannt für ihre Furchtbarkeit, für  "greasy fish and chips,gelatinous pork pies, and dishwater coffee"? So eine Frage ist für den Experten für Geographical Economics natürlich ein gefundenes Fressen. Während, so Krugman, inzwischen Geschichten wie diese…

"I remember visiting one fairly expensive London Italian restaurant in 1983 that advised diners to call in advance if they wanted their pasta freshly cooked."

…der Vergangenheit angehören, prägte doch über Jahrzehnte Ungenießbares die britischen Esstische – obwohl man sich längst nicht mehr auf Scheußlichkeiten wie Dosenerbsen und rotgefärbte Schlachtabfallwürste hätte beschränken müssen, weil die Fabriken (und die Geldbeutel) längst Besseres hergegeben hätten. Ein Versagen des freien Marktes, erklärt Krugman:

"[T]he history of English food suggests that even on so basic a matter as eating, a free-market economy can get trapped for an extended period in a bad equilibrium in which good things are not demanded because they have never been supplied, and are not supplied because not enough people demand them."

Laut Krugman ist dieses "bad equilibrium" inzwischen vorbei – die Briten sind auf den Geschmack gekommen. Glauben wir ihm das jetzt einfach mal. Schließlich ist es vollkommen undenkbar und noch nie dagewesen, dass ein Nobelpreisträger einfach vollkommen daneben liegt

(Foto: Office of Communications, Princeton University)

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Decline of a Nation: Fühlen sie sich wie zuhause

Das Foreign Office präsentierte dieses Jahr erstmals einen Bericht über Britisches Betragen im Ausland, den "British Behaviour Abroad" Report. Wie zu erwarten war:

"According to the most accurate figures available, the period April 2005 – March 2006 saw 1,368 Britons arrested in the USA; 955 hospitalised in Greece; 376 British citizens die in France and 6,078 lose their passports in Spain." (fco.gov.uk)

Nun, da muss man natürlich was machen – und die Briten vielleicht mal darauf hinweisen, dass sie ihr Verhältnis zu Alkohol nochmal deutlich überdenken sollten. Gesagt, getan – wie die FAZ berichtet, ermahnt man die Touristen nun, sie sollten bitte "…nicht mehr trinken, als Sie das zu Hause auch tun würden." 

Foreign Office, you’re doing it wrong!