Auwehzwick

Also ich hoffe, dass die EU nicht dahinterkommt, dass Cohu ein böses, böses, energiefressendes dual display verwendet…wo doch jetzt die IT-Branche den Stromverbrauch um 20% senken soll…und wenn die erst der Cohu-IT dahinterkommen, ich möcht gar nicht dran denken! Da sind Strafzahlungen zu erwarten.

Jetzt  (praktisch zur Ablenkung) noch ein Vorschlag für die EU: wie wäre es, wenn alle EU-Dokumente die supertolle Toner- und damit energiesparende "Ecofont"-Schriftart verwenden ("spart 20% Toner durch Aussparen von Druckbereichen")? Ach, was red ich: warum stellen wir nicht gleich ganz Europa auf diese Schriftart der Zukunft um? (Funktioniert übrigens auch auf dem Bildschirm, durch Pixelsparen!) 

Why We Fight

“Aufgabe der ISAF ist die Unterstützung der gewählten Regierung Afghanistans zur Herstellung und Aufrechterhaltung eines sicheren Umfeldes in Afghanistan. In erster Linie soll so der Wiederaufbau Afghanistans, die Etablierung demokratischer Strukturen und die Durchsetzungsfähigkeit der frei gewählten Zentralregierung vorangetrieben werden.” (Wikipedia: ISAF)

Diese gewählte Regierung Afghanistans versucht mittlerweile, ein Gesetz zu verabschieden, wonach:

– das Sorgerecht für Kinder grundsätzlich nur Vätern oder Großvätern zugesprochen werden kann
– es keine Vergewaltigung in der Ehe mehr gibt, da Frauen zu Sex verpflichtet sind
– Frauen das Haus nur mit Erlaubnis ihres Mannes oder Vaters verlassen dürfen

Eine afghanische Parlamentarierin bezeichnet das Gesetz als “schlimmer als die Taliban”. Das alles steht im Guardian. Die deutschen Medien scheinen sich nicht so sehr dafür zu interessieren – obwohl über eine geplante Aufstockung des deutschen Kontingents und die damit zusammenhängenden diplomatischen Verwicklungen überall in epischer Breite berichtet wird.

Ich habe zum Afghanistan-Krieg keine wirklich gefestigte Meinung, weiß auch insgesamt nicht, was ich von der deutschen Beteiligung halten soll. Bin da einfach unentschieden. Aber, ernst gemeinte Frage: Warum wird es nicht als massives Problem wahrgenommen, dass Deutschland eine Regierung militärisch unterstützt, die eine große Gruppe der Bevölkerung offiziell entrechten will? Warum diskutiert diese Frage niemand?

(P.S.: Eigentlich wollte ich das mit dem Video einer traditionellen afghanischen Sängerin illustrieren. Leider ist sowas – von wenigen im Exil lebenden Ausnahmen abgesehen – schwer aufzutreiben: Frauen, die öffentlich musizieren, bekommen noch immer Todesdrohungen. Die Taliban versuchten ja bekanntlich, alle nichtreligiöse Musik zu unterbinden, und Musikerinnen waren ihnen natürlich ein besonderer Dorn im Auge. Ein hochinteressanter Film über ein Projekt zur Rettung traditioneller afghanischer Musik findet sich hier. Auch, wenn ihre “Freiheit” mittlerweile mehr als sieben Jahre andauert, dürfen wir der im Film gezeigten Musikerin beim Singen nicht zusehen: ihr Gesicht ist gepixelt. Das im Film vorgestellte Afghan Music Project kann man durch den Kauf von Musik unterstützen.)

What’s Love Got To Do With It

Das Buch "Schwester Helga – Du maximierst mein Glück: Der Arztroman zur Mikroökonomie" versucht angeblich, die Welten von Romantik und Mikroökonomie durch Humor zu vereinen. Einen Trailer (ne, echt) und eine Website gibts von dem Buch auch schon. Also mal ernsthaft: ist mein Humorzentrum irgendwie blockiert oder wirkt das einfach wahnsinnig… unwitzig? In der FTD erklärt der Autor seine Motivation:

"Bei meinem VWL-Studium habe ich mich wie viele Kommilitonen an der Mikroökonomie gerieben", sagt Hönscheid. "Das ist ja ein grundlegendes Fach, doch es wird leider sehr dröge präsentiert: sehr mathematisch, sehr abstrakt – und völlig unerotisch." (FTD.de)

Lass mal, bevor ich mir eine schlechte Parodie auf eine schlechte Parodie von Mikroökonomie in Form einer schlechten Arztromanparodie reinziehe, lese ich ja noch lieber "The Mathematics of Marriage: Dynamic Nonlinear Models" von James D. Murray. Dieser genialische Brausekopf hat in seinem langen Wissenschaftlerleben laut Wikipedia unter anderem die Biomechanik von Schleudersitzmechanismen, Narbenbildung, Tumore, das Entstehen von Fingerabdrücken und die Territorien von Wölfen untersucht. Und es dann in Angriff genommen, die Ehe als mathematisches Modell nachzubilden. Scheint jedenfalls, was das Wesen dieser Institution angeht, schon mal in die richtige Richtung zu gehen:

"Unter dynamischen nichtlinearen Systemen versteht man solche, die auch Speicherelemente besitzen. (…) Die Systemantwort hängt somit auch von der Vorgeschichte, also von der Stärke der vorangehenden Erregung ab." (Wikipedia)

 

Posted in Fröhliche Wissenschaft, Gedrucktes. Comments Off on What’s Love Got To Do With It

Der kleine Unterschied

Wenn jemand Abitur macht, irgendwas studiert und danach dann einer bezahlten Arbeit nachkommt, ist das der ganz normale, nicht weiter bemerkenswerte Lebenslauf der Mittel- und Oberschicht. Jedenfalls, wenn der Jemand ein Mann ist.

Wenn eine Frau das Gleiche tut, ist sie nämlich gleich ein "attraktives Superweib über 35 mit Diplom und Verantwortung, Audi quattro und Ansprüchen." Jedenfalls für das SZ-Magazin…das sich in diesem Artikel, wenn ich ihn richtig verstehe, eigentlich bitterlich über die Ungerechtigkeit von Genderstereotypen beklagt, aber dann selbst auch nicht ohne solche auskommt.

Alte Neue Medien

Höchst erfrischende Perspektiven auf aktuelle Diskussionen bietet diese Seite, auf der Quellen aus dem 19. Jahrhundert zusammengetragen sind. Alle Texte handeln von den Gefahren, die neue Medien mit sich bringen – insbesondere für die Jugend. Das damalige "neue Medium" war der Roman.

Die Herangehensweise an das Problem, der "wissenschaftliche" Anspruch, die Generationenunterschiede sind die gleichen wie heute. Die meisten Textpassagen könnte man leicht verändert in aktuellen Zeitungen lesen. Man muss eigentlich nur "Bücher" durch "Computer/Internet" austauschen:

"The great profusion of children’s books protracts the imbecility of childhood. They arrest the understanding, instead of advancing it. They give forwardness without strength. They hinder the mind from making vigorous shoots, teach it to stoop when it should soar, and contract when it should expand."  (On Novel Reading, 1820)

Zum Vergleich der heutige "Experte" Gerald Hüther:

"Betroffene müssten nur einen Computer sehen, schon hätten sie das Bedürfnis, sich davor zu setzen. Mit jeder Stunde aber, die Kinder vor dem Computer verbrächten, fehle ihnen eine Stunde, um ihr Gehirn für die Anforderungen im wirklichen Leben weiterzuentwickeln, warnte der Hirnforscher." (sueddeutsche.de)

Das Konzept der "Romansucht" war die damalige Entsprechung der heutigen "Internetsucht" – man verglich das zwanghafte Verschlingen von fiktionalem Lesestoff direkt mit Alkohol. Und die "Süchtigen" waren gar arme Gesellen (vielleicht, weil es noch keine Tiefkühlpizza gab?). So heißt es in einem Bericht aus einem tristem Lesesüchtigen-Haushalt:

"I am rooming, (…) with a couple of young men who are confirmed novel readers. Their nights are spent chiefly in poring over ‘the last Romance,’ and their studies are neglected in the strange reverie in which they are continually lost. Speak to them of a matter of History, and they stare vacantly, entirely ignorant of the principal events that have transpired in the world since its doings began to be recorded." ("Novel Reading" in The Western Gem, 1853)

Heute ist es die "Onlinesucht", die Leben zerstört – und sie scheint ein echtes Problem zu sein. Experten behaupten, "dass die Online-Kommunikationssucht sehr häufig bei Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts und jeden Bildungsstandes" auftritt: "Onlinesüchtige verändern sich merklich, indem sie sich nach und nach immer mehr vom realen Leben zurückziehen." (www.onlinesucht.de).

 Romane wurden aber nicht nur aufgrund ihrer Suchtwirkung als bedrohlich empfunden – sie lösten sogar Gewalttaten aus! Etwa Suizide:

"A late "Recorder," notices the death of a young lady of 17, in Ohio, and observes–"this was a case of cool, premeditated suicide, occasioned by extreme sensibility, and romantic ideas, created by novel reading. She imagined herself ridiculed and slighted by a young gentleman, who had engaged her affections: she frequently improperly suspected her friends of coolness, and was unhappy because she had no relation. She was heiress to a considerable property, and had been well educated."" (On Novel Reading, 1820)

Heute kennt man den "Internet-Selbstmord" . Er ist traditionell definiert als praktisch jeder Selbstmord, der von einem Menschen verübt wird, der zuvor online mit anderen Menschen kommuniziert hat. Durch das neue Medium Roman wurden aber nicht nur Selbstmorde ausgelöst – nein, auch Jon Wilkes’ Booth’s Mord an Abraham Lincoln führte ein entsetzter Kommentator ganz auf den Konsum von blutrünstigen Groschenromanen zurück:

(…) reading the bloody tales of the weekly story papers, or the flashy, ten cent, yellow-covered literature sold in almost every book store. He will soon learn how to be a hero of the approved romantic type. But, young friend, if you have any regard for your character, your future standing in society, the credit of your families, your own peace and the welfare of your souls, let such reading alone! Why should you suffer yourself to trace hour after hour the foul workings of human revenge, jealousy, malice and corruption, because some writer has woven them into intoxicating fiction? (…) Rather never read a printed line. Such material stimulates only the bad in your nature. (…) Victims of this intellectual and moral debasement are seen dawdling through society in every city and town, communicating poison to all who touch them.("Booth and Bad Literature", in: Youth’s Companion, 1865)

Werden wir den Tag noch erleben, an dem mit Steuermitteln geförderte Stiftungen versuchen werden, unseren verkommenen Kindern und Enkeln das Internetsurfen und Online-Gamen, die Kommunikation in Foren und in sozialen Netzwerken, und – Gott steh uns bei – sogar das Bloggen näherzubringen? Die Gattin des Bundespräsidenten als Schirmherrin einer "Stiftung Internet"? Vermutlich.
Aber die Jugend wird dann – so war es schon immer – ihre Zeit lieber mit anderen Dingen verbringen. Lustigeren Dingen. Holodeck vielleicht.

Posted in Gedrucktes, Internetz, Kollektivneurose. Comments Off on Alte Neue Medien

Die Statistik der Dummen

Es gibt zwei Dinge, die die deutsche Presse über alles liebt:
1. "Neueste Ergebnisse amerikanischer Top-Wissenschaftler" und
2. "Beweise dafür, dass Amis total doof sind"

Wenn man beides in einem haben kann, ist es praktisch unmöglich, zu widerstehen. So ging es wohl auch sueddeutsche.de, wo man behauptet: "Eine Studie zeigt, dass die Bewohner konservativer US-Staaten häufiger Internet-Pornos anschauen als die demokratischen – die roten Staaten sind die Rotlicht-Staaten."

Aha, soso. Den leidgeprüften Leser dieser Publikation wird es nicht überraschen, dass genau das aus Herrn Edelmans Studie natürlich nicht hervorgeht. Vielmehr zeigt sie lediglich, dass Menschen aus red states eher dazu neigen, für Pornos zu bezahlen (ausschlaggebend waren nämlich Kreditkartendaten).

Das wiederum könnte schlicht daran liegen, dass die roten Bundesstaaten einen höheren Altersdurchschnitt haben, und dass ältere Herrschaften nicht wief genug sind, an kostenloses Amüsiermaterial zu kommen. Zum Beispiel. Aber "Alte Leute können nicht googeln" wäre halt bei weitem keine so gute Schlagzeile wie "Der Porno der Prüden". 

Posted in U.-S.-A.! U.-S.-A.!. Comments Off on Die Statistik der Dummen

Retrospektive

I’m not a fan of cheap porn and I don’t have a fetish for bountiful airbrushed women. But I am an admirer of Playboy. (Brett Popplewell, "When Playboy ruled the world")

Wem’s ähnlich geht, der kann im Playboy Archive in alten Playboy-Ausgaben stöbern. Lohnt sich schon der drolligen Reklame wegen. Und keine Angst: pornographisch gesehen harmloser als die meisten Werbeseiten z.B. im SZ-Magazin.

(Übrigens eine der vielen Gelegenheiten, bei der Cohu sich über ihren neuen vertikal stellbaren Monitor freut, auf den eine senkrechte DINA4-Seite passt.)

lat. prima = die erste

Und als ich des Paradieses verschlossene Türe
Mit der Primel, dem Himmelsschlüssel, berühre,
Neiget das Blümlein das Haupt, und spricht:
Zu frühe erblüht ich, ich öffne noch nicht;
Mich hat das Feuer gelocket und das Gift begossen,
Ich habe das Licht nur geahndet und bin gestorben.
Aber vor des Himmels Türe, die noch unerschlossen,
Hab um guten Willen ich eine Stelle erworben.

(aus Clemens Brentano: Die Gründung Prags)

Posted in Gedichtetes. Comments Off on lat. prima = die erste

Spätes Doppel

Betasteter

Betatester

(Die Idee hatte – glaub ich – so oder so ähnlich irgendwann mal der Tobi)

Posted in Gemischtes Doppel. Comments Off on Spätes Doppel

Cojones

"March Madness" hat nichts mit der statistischen Spitze der Verschlimmerung psychischer Erkrankungen im Frühjahr zu tun, sondern bezeichnet üblicherweise die Endrunde des US-College-Basketballs. Irrsinn trifft es ganz gut – sogar der mächtigste Mann der Welt nimmt sich fünf Minuten Zeit, um öffentlich seine Tipps abzugeben und besteht darauf, trotz NATO-Gipfel und Zeitverschiebung ein paarmal einschalten zu wollen: "Air Force One does have DirecTV…" (Präsidententipp sind übrigens die Tar Heels).

Auf die Idee, die March Madness als perfekten Zeitpunkt für eine Vasektomie zu verkaufen, muss man allerdings erstmal kommen:

Schedule your vasectomy for one of the prime 24 slots during the first days of the tournament! You get a recovery kit – and most importantly – a doctor’s note stating you need to sit on the couch and watch basketball! (Oregon Urology Institute)

(In den USA ist diese ambulante OP übrigens viel, viel verbreiteter als in Europa. Aber wenn die europäischen Urologen erstmal draufkommen, ihre Dienste kurz vor der Fußball-WM anzubieten…)

(Bild: Wikimedia Commons)

Posted in Sport & Spiel, U.-S.-A.! U.-S.-A.!. Comments Off on Cojones