Eis und Weltpolitik

Ähnlich wie bei Dr. Sno* und beim MC sieht es auch bei Cohu aus: Nogger mit Schokofüllung (Nogger Choc) war das Lieblingseis meiner längst verstrichenen Jugend. Ok, wenn ich drüber nachdenke: das Eis selbst war nicht so toll. Aber der Schokoladenkern drunter… der zarte Schmelz, das feine "Knack", die kantige Form, und das alles ohne die doofe "Prioritäten setzen"-Prätention und den peinlichen Namen des Konkurrenten und "Luxus"-Anbieters aus dem Premiumsegment, Magnum (Im Kühlfach habe ich billige Magnum-Nachahmungen im Miniaturformat namens "Mini Boss". Was hat es auf sich mit "männlichen" Eisnamen? Oh Gott, das musste ja kommen: ein Gedanke an die Wassereis-Phalluskonnotation in MC’s Altmänner-Urinier-Geschichte. Reden wir nicht mehr drüber).
Also, Nogger: das Eis hat sogar einen politischen Skandal auf dem Buckel.  Das Internetmagazin Slate berichtete 2005 aufgeregt darüber, dass es in Dänemark ein Eis namens "Nogger black" gäbe. Ein Deutschlandkorrespondent von Slate versuchte das noch zu toppen, indem zum Thema "racist ice-cream" folgendes berichtete:

In Germany, the top-selling ice cream novelty is a chocolate-covered vanilla ice cream pop, which is advertised with placards that stand on the sidewalk outside each shop showing an almost entirely naked African boy with an imbecilic grin, a huge bone jammed through his nose and every vicious stereotype of black facial characteristics ever used by the Nazis or any other hate group. The Negerkuss, a German ice cream treat similar to our Klondike bar, translates generously as "black man’s kiss" and literally as "nigger’s kiss." Astonishingly, when I would ask Germans about these marketing methods, they would accuse me of being wildly oversensitive. (Slate)

Ich kann mich an solche Werbeaktionen (die ja immerhin noch Anfang der 90er stattgefunden haben sollen), nicht erinnern. Wurde Nogger (oder ein anderes Eis) tatsächlich so beworben?
Natürlich hab ich Slate sofort geschrieben, um denen zu erklären, dass es sowas m.E. nicht gab (geschweige denn gibt). Und dass "Negerkuss" kein Eis ist. Und dass es außerdem schon länger  in "Dickmann" umbenannt wurde. Dass "Dickmann" aber nicht das heißt, was ein Amerikaner darunter verstehen würde. Wobei das dann wieder der Phalluskonnotation genüge tun würde.
Egal: Slate hat mir nicht darauf geantwortet. Und wir Deutschen gelten jetzt wegen "Nogger" als Rassisten!
Trotzdem fordere ich die Wiedereinführung des Leckerbissens "Nogger Choc". Meinetwegen unter anderem Namen.

Breaking News: Germanisten – nix dahinter!

Die Überschrift ist natürlich nur ein Witz.
Warum die Studenten dieses schönen Fachs die Bedeutung verschiedener Fachbegriffe der Grammatik so genau kennen müssen – vor Studienbeginn – (bzw. warum fehlende Kenntnisse dieser Begrifflichkeiten gleich als "Fiasko" bezeichnet werden) entzieht sich Cohus Verständnis. Ich mein, als Ingenieur weiß man im ersten Studienjahr auch noch nicht, was ein verzwirbelter Schraubhammerkolben ist (hab ich mir jetzt ausgedacht, gut, gell?). Also, was sollen die Germanisten oder die Lehramtsstudenten denn in ihrem Studium sonst überhaupt noch lernen, wenn sie das alles schon können? Äh, was sollten sie lernen, wenn  sie das schon könnten? Können täten?
Und für Leut, die weder Lehrer noch Germanisten werden tun, ist es sinnlos eh. Grammatische Praxis nicht ist schlecht. Klar ist! Aber warum auch der Theorien jetzt? Können müssen jede Wort wie Präposition, Konjunktion, was ist Attribut oder Adjektiv wissen, direkte indirekte von Reden unterscheiden, reflexiv…. – ver zuviel-langt. Dem hätte ich nicht verstehen. Und nichts zu tun haben würde von Rechtsschreibung (obwohl sagt Frauen Expertin!). Des dummen Germanisten! Ich sagte, sie habe dem Deutschkundler schon immer misstrauen getan. Nicht bräuchte ich Grammatik zu Schreiben schön und zu Lesen gut. Da wird sich noch niemand beschwert haben werden sollen!

(Bild: Wikimedia Commons)

Fang den Dieb

Großbritannien wird von einer Welle des Verbrechens erschüttert. Nein, die meine ich nicht. Wie die BBC schockiert und verwundert berichtet, haben Polizisten zwei Leute beim Stehlen von W-LAN erwischt! Die wurden sofort festgenommen und verwarnt.
Cohu-Analyse: Wir schreiben das Jahr 2007. Die ersten Briten sind draufgekommen, dass man auch über ein fremdes Netz ins Internet kommt. Die Innovationskraft Großbritanniens ist es, die diese Inseln immer wieder an die Spitze der entwickelten Nationen katapultiert. Gerüchteweise habe ich gehört, dass man dort inzwischen dazu übergeht, statt der üblichen Brieftauben sogenannte "Telegraphen" (Fernschreiber) zu verwenden. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Die BBC ist an vorderster Front dabei.

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Schaf im Wolfowitzpelz?

Die Affäre Wolfowitz hat so manchem die Möglichkeit gegeben, ein lautes "Ichhabseuchjagesagt" zu seufzen, sich im altgewohnten Antiamerikanismus – Verzeihung: Antiimperialismus! – bestätigt zu fühlen und lauthals nach Ablösung zu schreien. Was ist dran?
Die Geschichte geht, wenn Cohu es richtig verstanden hat, so. Wolfowitz hat eine Freundin. Wolfowitz wird Chef bei der Organisation, bei der diese – kompetente, qualifizierte, von allen anerkannte – Dame bis jetzt exzellent Karriere gemacht hat. Blöd, weil: aufgrund von Anti-Vetternwirtschafts-Regeln dürfen die beiden so nicht zusammen arbeiten.
Was macht Wolfowitz? Er schickt ein Memo an die Rechtsabteilung wo drinsteht, dass er die Dame schon länger zur Freundin hat, und schlägt denen vor, passts auf, wir machens so, wies in Paragraph soundso der internen Verhaltensregeln vorgeschlagen ist, ich halt mich bei allen Personalentscheidungen, die Dame betreffend, raus (also Gehalt und Beförderung), habe auch keinen organisationsinternen Kontakt mit der, und gut is. Realistischer Vorschlag, weil die nix miteinander zu tun gehabt hätten. Aber nix da.
Das Direktorium und eine von diesem eingesetze Ethikkommission beschließt, dass die Dame gehen muß. Tschüß für Wolfowitz’ Freundin, die wird in ne ganz andere Organisation versetzt, ihre gerade bevorstehende und verdiente Beförderung kann sie vergessen. Aber was kann die denn dafür? Fragen sich die Ethikkommission-Menschen auch, und um sie dafür zu kompensieren, dass ihre Karriere so plötzlich unterbrochen wurde, bekommt sie im neuen Job mehr Geld. Wolfowitz hat  dem zwar zugestimmt, das aber anscheinend nicht entschieden. Dazu war ja die Ethikkommission berufen worden.
Weshalb ich, genauso wie Christopher Hitchens in Slate, überhaupt nicht verstehe, was das Problem ist. Ja klar, den Wolfowitz muss man nicht toll finden, aber an der "Affäre" braucht man sich jetzt wirklich nicht aufhängen.
Einen ausführlichen (nicht unkritischen) Artikel über Wolfowitz findet man auch im letzten New Yorker.

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Von Lerchen und Eulen

Gähnende Dänen sind vielleicht bald was von gestern. Hofft die B-Society. Das ist eine in Dänemark ansässige Bewegung, die darauf besteht, dass nicht nur Morgenstund Gold im Mund hat, sondern auch ein später Vogel mal den Wurm fangen sollte. Frühaufsteher-Systeme sind altmodisch, den Bedürfnissen einer anachronistischen A-Society, die von Ackerbau und Viehzucht lebt, angepasst. Menschen, die ihrem tatsächlichen Biorhythmus folgen wollen, fordern eine "B-Society" – die auch besser zum Innovationszeitalter passt:

B-Society will create a new daily rhythm in schools and other institutions as an alternative to the current rhythm of “early at work and early at home”.
The society’s time structures based on habits of the early riser’s are not untouchable natural laws even though it can easily seem so from looking at the ways in which we have organized our lives. No.
The ‘owl’ has got the right to say: “Give me the late riser’s rhythm at work, at home and in society. Let me come to work at 11:00 and go home at 20:00. Let me have quiet mornings to read my newspaper and ease into the day gently and peacefully”. (B-Society)

Ob man eine "Lerche" oder eine "Eule" ist, kann man übrigens anhand dieses Tests rausfinden (wenn man es nicht eh schon weiß, weil man z.B. grade eben erst aufgestanden ist. Oder sich bereits die Schlafmütze aufgesetzt hat, es ist immerhin fast Sieben!).

Cohu ist mit 44 Punkten übrigens ein "Indifferenztyp". Ein schönes Schimpfwort, das ich in mein Fluchvokabular aufnehmen werde.

(Bilder: BS Thurner Hof/Wikimedia Commons, Wikimedia Commons)

Gendefekt

Irgendwas stimmt nicht mit Cohu. Ich hasse hasse hasse Shopping. Am allermeisten hasse ich Schuhekaufen! Wobei: Handtaschenkaufen ist fast noch schlimmer. Aber das stand gestern gottseidank nicht an, Handtaschen halten relativ lange (da man ja nicht darauf rumtrampelt den ganzen Tag, also ich jedenfalls nicht). Meine Schuhe dagegen hatten ein Loch in der Sohle (!). Ich habe gestern also einfach die exakt gleichen Schuhe, die ich seit drei Jahren habe, in ner anderen Farbe nochmal gekauft. Und mich durch den H&M gequält, Berge in die Kabine geschleppt, nur um dann mit einer ganz ganz kleinen und fast leeren Tüte wieder zu verschwinden. Traumatisch!
Vielleicht sollte ich doch einen Beruf ergreifen, bei dem man Uniform trägt:
Politesse
Bundeswehrdame
Krankenschwester
Und mein persönlicher Favorit:
Zoowärterin

Aphorismus (schon wieder!)

Eine Telekom, die streikt, ist wie eine Paris Hilton, die sich dumm stellt.

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Meine Suppe ess ich (nicht)!

Wer schon immer mal eine blaue Suppe essen wollte (vielleicht aufgrund der Inspiration durch Bridget Jones) findet hier ein Rezept dafür. Ganz ohne Lebensmittelfarbe (oder gar Fäden), dafür aber auch noch kalt. Das Geheimnis sind blaue Kartoffeln. Mag sein, dass das die "Ur-Kartoffeln aus den Anden" sind, aber Fortschritt hat auch im Bereich der Gemüsezucht seinen Sinn. Eine ähnlich unschöne Lilafärbung von Suppen und Eintöpfen erreicht man übrigens durch sog. "Urmöhren", die auch ansonsten kein Cohu-Prädikat verdienen (holzig!).
Suppentechnisch sehr zu empfehlen ist hingegen der Hallertauer Hopfenspargel, eine Gourmet-Spezialität, die Cohu am Ostersonntag in gar köstlicher Suppen-Form aufgetischt wurde. Wie Spargel schmecken diese Hopfensprossen, nur aromatischer, ein wenig nussig, köstlich (wenn auch farblich nicht sehr ansprechend, da zwischen Leichengrau und Rentnerbeige changierend). Einziger Nachteil: nach dem Genuss der Suppe wird man schlagartig müde. Evt. aber eine Lösung für Kinder mit ADHS – zwei Fliegen mit einer Klappe, gesunde Ernährung und Ruhigstellung. Cohu lässt sich das mal patentieren und plant, Zappelin Konkurrenz zu machen.

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Schall und Rauch

Manche Namen geraten ja schnell aus der Mode: da können ein paar Jahre doch einen ganz erstaunlichen Unterschied machen.
Ein preiswertes, aber immer wieder amüsantes Vergnügen für die Münchner unter Euch: geht mal in den Rathaus-Innenhof und schaut Euch dort die Aushänge an. Da steht unter anderem eine lange Auflistung der Namen, die Eltern ihren Kindern gegeben haben: ein Jean-Jacques Rammerl oder eine Kleopatra Rampfmoser würden auf diesem Schwarzen Brett, glaub ich, gar nicht weiter auffallen…ansonsten ist der Schwall an "Annas", "Leas", Lenas", "Lucas", "Leons" und "Finns" etwas deprimierend. Dann doch lieber "Aurelian Elvis", insbesondere, wenn man für den Burschen eine politische Karriere plant!

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Kundenwunsch

Cohu  ist sich ja (trotz ihrer Grandiosität) nicht zu schade, hin und wieder auf Leserwünsche einzugehen. In den letzten Tagen enthielten meine Google-Keywords sehr oft die Begriffe "Nackte Osterhasen." Nacktere Karnickel hab ich leider nicht gefunden. Zählt das?
P.S.: Sorry, bei "gammelfleisch klingelton" kann ich nicht weiterhelfen.
P.P.S: "ratten müllcontainer"? Ja, hier!

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