Decline of a Nation: I’ll Be Late For Christmas

Wenn man Schotte ist, bekommt man unter Umständen schon jetzt Karten und Geschenke! Liegt das daran, das Schottland näher am Nordpol ist und damit für den Weihnachtsmann besser zu erreichen?
Ach nein. Ganz anders. Das ist noch die Weihnachtspost vom letzten Jahr.

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Knut mit Nougat: Knougat

Ich hatte ja gar nicht bedacht, dass meine gestern gebackenen Nougat-Eisbären nicht nur zu Knuts 1. Geburtstag am Mittwoch, sondern auch noch zum heutigen Klima-Aktionstag passen. Naja, nicht ganz, zur Verringerung des CO2-Ausstoßes sollte man vermutlich lieber einen Bodensee-Apfel essen

Gläubige und Ungläubige

Schön, dass jetzt endlich gegen verfassungsfeindliche Organisationen vorgegangen wird! Allerdings darf man sich dabei natürlich nicht auf Scientologen beschränken, sondern sollte endlich mal einen Rundumschlag machen. Da ich mich in die Schriften des Herrn Hubbard nie selbst vertieft habe, verweise ich zu Ihrer Beurteilung mal auf die Erklärung des Berliner Innensenators Körting zu Scientology:

"Die in den Schriften Hubbards enthaltene Unterscheidung zwischen höherwertigen Menschen, die Scientologen sind, und minderwertigen Menschen, die als „nutzlos“ und “wertlos“ bezeichnet werden, ist mit dem Menschenbild des Grundgesetzes, mit der Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen und damit mit unserer verfassungsmäßigen Ordnung nicht vereinbar."
und:
"Allerdings beschränkt sich Scientology in Berlin nicht nur auf die Gewinnung neuer Mitglieder und Aktivitäten wirtschaftlicher Art, sondern verkündet (…) die Berliner Niederlassung sei eine Repräsentanz, die dafür verantwortlich ist „die nötigen Zufahrtsstraßen in das deutsche Parlament zu bauen, um unsere Lösungen tatsächlich eingearbeitet zu bekommen in die gesamte deutsche Gesellschaft“.

(Ehrhart Körting)

Allerhand. Es gibt aber auch Schriften von Religionsgemeinschaften, mit denen sich Cohu zwar nicht gut, aber zumindest besser auskennt als mit Dianetik. Was sagen denn deren relgiöse Texte über das Verhältnis zwischen Gläubigen und Ungläubigen? Zum Beispiel das:

"Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Laß uns hingehen und andern Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter, von den Göttern der Völker, die um euch her sind, sie seien dir nah oder fern, von einem Ende der Erde bis ans andere, so willige nicht ein und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge ihn nicht schonen, und du sollst dich seiner nicht erbarmen und seine Schuld nicht verheimlichen, sondern sollst ihn zum Tode bringen. Deine Hand soll die erste wider ihn sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volks. Man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich abbringen wollen von dem HERRN" (Deuteronomium, Kap.13, 7-11)

Und zum Thema "Zufahrtsstraßen zum deutschen Parlament" hab ich auch nen Link. Wann wird endlich was gegen diese hoch gefährlichen, an staatlicher Macht interessierten Religionsgemeinschaften getan? Ich warte! Innenminister, errettet mich!

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Decline of a Nation: Rassismus

Der Rassismus, wir wissen es alle, ist eine hässliche Seuche. Auch Großbritannien will etwas dagegen tun – deshalb gibt es seit 1998 die Tatbestandsgruppe der sogenannten "Racially Aggravated Offences", die stärker bestraft werden als "bloße" Körperverletzungen oder Beleidigungen, wenn das Verbrechen "durch die tatsächliche oder angebliche Rasse des Opfers verschlimmert" wird.
Diesen Tatbestand hat nun auch ein Ire erfüllt, der in einer Nachbarschaftsstreitigkeit eine Frau als "english bitch" bezeichnet hat – er bekam dafür immerhin 10 Monate auf Bewährung. Was hat der Herr zu seiner Verteidigung zu sagen?

"The joke is that the woman I had the row with isn’t even English. She’s Welsh. I am absolutely gobsmacked, to be frank."

Tsk. Die Frau ist ja nicht mal Engländerin – sondern Waliserin! (Und, möchte man hinzufügen, sie ist ja auch gar kein Hund, weshalb sie die Beleidigung "bitch" auch nicht besonders treffen dürfte.)
Dass das Verhältnis von Engländern und Walisern nicht ganz frei von rassistischen Tendenzen ist (und dass es einem Waliser tatsächlich wie eine schlimme Beleidigung vorkommen muss, als Engländer bezeichnet zu werden) sieht man übrigens gut an den traditionellen waliser Witzen, etwa:

"An English politician was giving a speech in Aberystwyth. He said,“I was born an Englishman. I have been an Englishman all my life, and I will die an Englishman!”
“What’s wrong boyo?” shouted a voice from the crowd.” Got no ambition, have you?”" (The Welsh Jokes)

Zurück zur Rassismus-Bekämpfung. Wenn solche strengen Auslegungen von Rassismusstraftatbeständen (bei uns heißt das glaube ich Volksverhetzung) sich auch bei uns durchsetzen, dann muss der Bayer sich in Zukunft aber ganz schön zusammenreißen: Keine Saupreißn-Pöbeleien mehr! Ob sich das auf der Wiesn durchsetzen ließe?

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Inzwischen…

…ist der Advent auch bis zu Cohu durchgedrungen. Dankenswerterweise wurde mir ein überhaus hübscher und sogar selbstgemachter Kranz überlassen! Damit gehöre ich zwar nicht zur kranzlosen Advent-Avantgarde (vgl. Helga), aber dafür habe ich mit Efeu, Lorbeer und Tannengrün jetzt Symbole für Ewiges Leben, immerwährende Treue und Heiterkeit, Geselligkeit und Freundschaft sowie ein Ruhmeszeichen auf dem Wohnzimmertisch, und sogar einen Schutz gegen Dämonen und Geister. Was will man mehr!

Alte weg von der Straße und mehr Kinder für Deutschland.

Mit Hilfe der Reproduktionsmedizin ist es gelungen, bei einer 64-jährigen deutschen türkischen Frau eine Schwangerschaft herbeizuführen. Das Kind kam vergangene Woche in einer deutschen Klinik zur Welt und ist wohl Produkt einer im Ausland vorgenommenen Befruchtung und Einpflanzung einer (gespendeten) Eizelle.
Der Kinderschutzbund und andere äußerten sich über den Vorgang empört. So etwas entspreche nicht dem Kindeswohl,denn, so das Hauptargument:

“Ein Kind sollte die Möglichkeit haben, das Erwachsenenalter mit Begleitung seiner Eltern zu erreichen.”

Interessant fände ich in diesem Zusammenhang, wie sich der Kinderschutzbund äußern würde zu einem Fall, in dem eine 30-Jährige eine Schwangerschaft anstrebt, die weiß, dass sie innerhalb der nächsten Jahre an einer schweren Erkrankung (z.B. Chorea Huntington) sterben wird. Würde man der Kranken – die davon ausgehen kann, dass sie noch 10 bis 15 Jahre zu leben hat – wirklich vom Kinderkriegen abraten?
Fast noch mehr interessieren würde mich die Ansicht des Kinderschutzbundes (und anderer Gegner der “Seniorenschwangerschaft”) zur absichtlichen Zeugung eines Kindes durch einen männlichen Senioren  – haben Herr Beckenbauer (Vater mit 59) oder Herr Picasso (Vater mit 69) eine Ermahnung (zur Not post mortem) des Kinderschutzbundes zu befürchten, weil sie das Kindeswohl gefährden? Mal ganz zu schweigen von Anthony Quinn – Vater mit 82! Ob die Schwangerschaft “künstlich” oder “natürlich” herbeigeführt wurde, scheint mir in diesem Zusammenhang nicht weiter relevant zu sein.

Beachtenswert ist das moralische Urteil des Kinderschutzbundes aber nicht nur aufgrund sich anbietender Analogien, sondern auch, weil es, wie ich vermute, auf einer moralischen Verirrung beruht. Man verurteilt die späte Schwangerschaft, mit dem impliziten Argument, eine frühe Schwangerschaft – und damit das Aufwachsen des Kindes mit einer jüngeren Mutter – wäre besser gewesen. Zur Alternative steht aber gar nicht eine frühe Schwangerschaft mit dem betreffenden Kind, sondern… gar keine Schwangerschaft. Es wird, abstrahiert gesehen, also argumentiert, für das Wohl des betreffenden Kindes sei es besser, wenn es gar nicht erst gezeugt worden wäre – ein, wie ich finde, doch recht lustiges Ergebnis. Ich bin mir nicht sicher, ob der Kinderschutzbund das so wirklich meint.
Ganz aufschlussreich finde ich dann auch den Kommentar von Frau Stewens (Familienministerin Bayerns, CSU):

“Ich möchte das moralisch nicht bewerten, aber die Natur hat sich schon was dabei gedacht, dass man ab einem bestimmten Alter keine Kinder mehr kriegen kann.”

Die Weisheit der Mutter Natur als Ratgeber für Familienpolitik. Da bin ich jetzt einfach mal sprachlos.

[Edit: habe einem faz-Artikel noch ein paar genauere Angaben zum Fall entnommen und oben dementsprechend korrigiert/ergänzt]

Barrierefrei

Am Mensa-Haupteingang hängt ein Schild: "Das Mitbringen von Hunden ist verboten". Direkt darunter: "Gilt nicht für Blindenführhunde!". Da wird aber nach der gewissenhaften Lektüre der Schilder wohl schon so mancher Blinde aufgeatmet haben, dass er seinen Hund jetzt doch nicht draußen anbinden muss…oder ist die Führhundausbildung inzwischen schon derart toll, dass die Viecher selbst lesen können?
(Außerdem haben die Blindenführpferde vergessen, und natürlich Hilfsaffen.)

(Bild: Pharaoh Hound, Wikimedia Commons/Flickr)

Neue Funktion: für Lese- und Scrollfaule

Da sich hier ja immer wieder etwas längere Kommentarthreads – sei es über Texteditoren, Politik oder Kochrezepte – ergeben, hat die IT nun endlich die schon bei der letzten Bloglesung von Dr.Sno* angemahnte Ein- und Ausklappfunktion eingebaut. Kommentare werden jetzt default-mäßig versteckt und beim Klick des werten Lesers auf die Kommentaranzahl "ausgefahren". Wenn einen die Kommentarfülle dann doch wieder überwältigt bzw. man sich auf die textlichen Produkte von Cohu höchstselbst konzentrieren will, kann man durch einen Klick auf die gleiche Stelle den ganzen Faden wieder "einziehen". Sehr elegant, wie ich finde. Ohne Javascript klappt es gerade noch nicht so gut, aber das wird jetzt noch repariert, damit auch die Paranoiden Sicherheitsbewussten unter Euch alles schön lesen können.

Schlichter Trichter

Oh Graus, ein Autohaus!Verfroren und hungrig trieb uns heut mittag der Wind von einem Olyparkspaziergang in die "BMW-Welt". Leider verging Cohu ob der Brachialorganik dieses Bauwerks gleich wieder der Appetit und wir mussten doch zum Atzinger weiterfahren. Gewagt ist die Architektur tatsächlich, aber das heißt ja ästhetisch gesehen – wie man ein ums andere Mal bei gofugyourself erfahren darf – noch nicht gelungen. Gerade im Kontrast zum tatsächlich organischen, schwungvollen, dynamischen Wunderwerk Olympiastadion (das halt mal leider in direkter Sichtweite steht) fällt das besonders auf. Schade, da mir der Erweiterungsbau, den die gleichen Architekten für die Kunstakademie gemacht haben, ganz besonders gut gefällt, hätte ich mir da etwas mehr erwartet. Aber an Cohu zieht wohl auch "The Art of Being BMW" so ziemlich vorbei. Ein Blechhaufen wird für mich kein Augenschmaus, auch wenn fünfzehn davon sich auf runden, in den Boden eingelassenen Plattformen drehen, dazu Sphärenklänge ertönen und um mich herum tausend Plasmadisplays was von EfficientDynamics, Motorenkompetenz, ConnectedDrive oder CleanEnergy schwafeln. Autos sind für mich wie Waschmaschinen: laut, hässlich, nehmen Platz weg, aber manche Leute brauchen halt eine. Vielleicht macht ja Miele demnächst eine "WaschWelt" auf. CleanEfficiency, Hybridantrieb, Touchdisplays, Personifizierung ihrer Waschtrommel, Sicherheits-Waschkurse, der WashingClub für die Upperclass-Dame und ein Wash-Shop, das ganze in einem avantgardistischen Gebäude untergebracht – vielleicht sowas. Sauber, das wär doch was.

(Bild: Maximilan Dörrbecker, Wikimedia Commons)

Neue Bürgerlichkeit

…ist ja sonst nicht so beliebt im Hause Cohu. Rahmengenähte Schuhe? Bevorzuge Chucks.  Sonntägliches Sitzen auf Kirchenbänken? Macht Hämorrhoiden. Benimmregeln? Kann meinen Mantel selber anziehen. Manufaktum?  Mir wird schon beim Lesen der Katalogtexte leicht übel. Kulturkritik? Lieber Supernanny als Philosophisches Quartett. Oder gar Sekundärtugenden? Leckt mich doch am Arsch!
Aber jenseits von Di Fabio, Schirrmacher und wie diese Hirsche alle heißen, hat die Bürgerlichkeit doch einen gewissen Reiz. Insbesondere in der Küche. Daher widmete Cohu sich eben einem ganz feinen Produkt der bourgeoisen Kultur, nämlich dem Königsberger Klops. Im vorzüglichen jüdischen Restaurant Cohen’s in der Theresienstraße hatte ich das neulich das erste Mal gegessen und heute, in Anlehnung an ein Siebeck‘sches Rezept, nachgekocht. Man nehme – und ich spreche jetzt ausschließlich die jungen Damen an, die hier mitlesen, denn Herren haben in der Küche nichts zu suchen, ideal wäre natürlich Hauspersonal, also, los gehts:
Kalbshack, zur Not tut es auch Schweinehack, mit eingeweichter Semmel, kleingehacken Sardellenfilets, Zitronenzesten, Eigelb, gewürzt mit Muskat, Salz und Pfeffer, vermischen und zu kleinen Bällchen rollen. Dann in Brühe knapp 10min. leicht sieden lassen, da sollte man auch Lorbeerblätter und Wacholderbeeren mitkochen. Klopse rausfischen, die Hälfte der Brühe reduzieren, mit Sahne aufgießen, und mit Zitronensaft sowie ein wenig Honigsenf (ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass bei mir in praktisch jedes Gericht Honigsenf kommt?) abschmecken. Dann massig Kapern sowie die Klopse reinwerfen. Richtig bürgerlich wird es erst – die Gourmets sowie Herr Siebeck hören jetzt bitte weg – wenn man die Soße dann noch mit Mondamin (!) bindet. Der Bürger an sich schätzt rauhe Mengen an dicker weißer Soße, wer unter Euch schon eher in Richtung rechtskonservativ/reaktionär tendiert, macht vielleicht gleich eine richtige Mehlschwitze, aber aufpassen, dass sie nicht zu braun wird. Dazu gibt es glasierte Möhren (finde ich auch hammermäßig bürgerlich!) und dann hatten wir noch lecker türkischen Reis mit diesen schönen arpa sehriye-Nudeln drin.
Äh ja, bei der Beilage ist dann wohl so ein bisserl der linksliberale, individualistische, achtundsechzigerverseuchte Multikulti mit Cohu durchgegangen. Wer es mit der Bürgerlichkeit ernster meint, der sagt sich, das geht gar nicht, dass der Osmane plötzlich mit am Tisch sitzt, da ist Schluss mit Lustig, wir sind ja nicht im Harem, und macht die Klopse also stattdessen mit deutschen Salzkartoffeln, die ein deutscher Bauer im Schweiße seines Angesichts, also ohne Fremdarbeiter, der deutschen Krume entrungen hat, und liest beim Essen vielleicht gleich die neue Enzyklika. Danach noch einen Schnaps auf Paul Nolte – Wohl bekomms!

(Bildausschnitt: Kuchenmaistrey, um 1500, Wikimedia Commons)