Retrospektive

I’m not a fan of cheap porn and I don’t have a fetish for bountiful airbrushed women. But I am an admirer of Playboy. (Brett Popplewell, "When Playboy ruled the world")

Wem’s ähnlich geht, der kann im Playboy Archive in alten Playboy-Ausgaben stöbern. Lohnt sich schon der drolligen Reklame wegen. Und keine Angst: pornographisch gesehen harmloser als die meisten Werbeseiten z.B. im SZ-Magazin.

(Übrigens eine der vielen Gelegenheiten, bei der Cohu sich über ihren neuen vertikal stellbaren Monitor freut, auf den eine senkrechte DINA4-Seite passt.)

lat. prima = die erste

Und als ich des Paradieses verschlossene Türe
Mit der Primel, dem Himmelsschlüssel, berühre,
Neiget das Blümlein das Haupt, und spricht:
Zu frühe erblüht ich, ich öffne noch nicht;
Mich hat das Feuer gelocket und das Gift begossen,
Ich habe das Licht nur geahndet und bin gestorben.
Aber vor des Himmels Türe, die noch unerschlossen,
Hab um guten Willen ich eine Stelle erworben.

(aus Clemens Brentano: Die Gründung Prags)

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Spätes Doppel

Betasteter

Betatester

(Die Idee hatte – glaub ich – so oder so ähnlich irgendwann mal der Tobi)

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Cojones

"March Madness" hat nichts mit der statistischen Spitze der Verschlimmerung psychischer Erkrankungen im Frühjahr zu tun, sondern bezeichnet üblicherweise die Endrunde des US-College-Basketballs. Irrsinn trifft es ganz gut – sogar der mächtigste Mann der Welt nimmt sich fünf Minuten Zeit, um öffentlich seine Tipps abzugeben und besteht darauf, trotz NATO-Gipfel und Zeitverschiebung ein paarmal einschalten zu wollen: "Air Force One does have DirecTV…" (Präsidententipp sind übrigens die Tar Heels).

Auf die Idee, die March Madness als perfekten Zeitpunkt für eine Vasektomie zu verkaufen, muss man allerdings erstmal kommen:

Schedule your vasectomy for one of the prime 24 slots during the first days of the tournament! You get a recovery kit – and most importantly – a doctor’s note stating you need to sit on the couch and watch basketball! (Oregon Urology Institute)

(In den USA ist diese ambulante OP übrigens viel, viel verbreiteter als in Europa. Aber wenn die europäischen Urologen erstmal draufkommen, ihre Dienste kurz vor der Fußball-WM anzubieten…)

(Bild: Wikimedia Commons)

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Nosce te ipsum

Hölle ist für jeden etwas anderes. Meine persönliche Hölle sähe so aus: für alle Ewigkeit eingesperrt in einer riesigen Bibliothek, die Regale über und über mit Büchern beladen. Zentnerweise, kubikmeterweise, kubikkilometerweise Bücher. Ein gemütlicher Ohrensessel dazu und eine feine Leselampe. Und alle diese Bücher wären von: Paulo Coelho.

Aber eines muss man ihm lassen: er ist ein Meister der Selbsterkenntnis. In seinem Guardian-Interview zu seinem neuesten Buch, das er übrigens innerhalb von zwei Wochen geschrieben hat, sagt der Brasilianer:

Writers are lampposts and critics are dogs. Ask lampposts what they think about dogs. Does the dog hurt the lamppost?

Ich persönlich bin lieber ein Hund als ein…Pfosten.

(Bildausschnitt: Hortus Deliciarum, 12.Jahrhundert. Wikimedia Commons)

Keine Lösung

Was wäre eigentlich, wenn die IAVI irgendwann Erfolg hätte, und es gelänge, eine Impfung gegen HIV zu entwickeln? Konsequent weitergedacht müsste die katholische Kirche den Gläubigen davon abraten, diese für sich selbst (oder ihre Kinder) in Anspruch zu nehmen. Denn eine Impfung würde das "Problem"  – das für die Kirche nicht in der Epidemie selbst, sondern im außerehelichen Geschlechtsverkehr liegt – nicht lösen, sondern, in der Logik des Papstes, sogar noch verschlimmern: schließlich müsste man dann bei unmoralischen Unternehmungen aller Art nicht mal mehr Angst vor bösen Viren haben.

Die christlichen Kirchen investieren stark in die Mission in Afrika. Bei aller Abneigung gegen propagandistisches Verbreiten weltanschaulicher Ansichten: Vielleicht sollte sich das die Atheistische Mission auch mal überlegen.

(Aber mal im Ernst: wer gerne auf die Rückständigkeit des Islams schimpft, dem rate ich, die monotheistischen Religionen mal im Hinblick auf die HIV-Frage miteinander zu vergleichen. Der Islam ist da vielleicht auch nicht das große Vorbild, aber schon mal wesentlich weiter als das Christentum – zum Beispiel im Senegal:

Senegal (…) is one of the best examples regarding HIV/AIDS prevention by engaging religious institutions in a proactive role. (…) Unlike other African countries, HIV/AIDS prevention is a regularly discussed topic in the Friday prayers in mosques in Senegal. (…) The current 1.2 percent AIDS prevalence rate in the general population of Senegal is in stark contrast to the rest of the continent which has an average AIDS prevalence rate of 30–35 percent.

So beschrieben im insgesamt recht interessanten Paper "Cultural Approach to HIV/AIDS Harm Reduction in Muslim Countries", Hasnain 2005.)

(Bild: Wikimedia Commons)

Und ansonsten – alles frisch?

Das EU-Parlament startet zur Europawahl erstmals eine gemeinsame Kampagne für alle Mitgliedsstaaten.(…) Ergänzt werden die Plakate durch (…) interaktive "Eurostudios". In diesen einem Fotoautomaten vergleichbaren Boxen können Bürger Videobotschaften an die EU-Abgeordneten aufnehmen, die dann auf Großbildschirmen vor dem Europaparlament und der EU-Kommission ausgestrahlt werden sollen. (news.orf.at)

Gibt es etwas, was die inzwischen höchst zweifelhafte demokratische Legitimation der EU besser verbildlichen könnte als Big-Brother-mäßige Videokabinen, in denen verzweifelte Bürger Botschaften an ihre Volksvertreter absetzen? Wohl kaum. Wirklich anschaulich umgesetzt, die Tatsache, dass man als Wähler auf die Abläufe in Brüssel keinen nennenswerten Einfluss mehr hat, und somit schon auf Notmaßnahmen wie Großbildleinwände vor dem Parlament zurückgreifen muss – bravo, Scholz&Friends, ich habe herzlich gelacht! (Fatal wäre es natürlich, wenn das EU-Parlament das ernst meinen würde. Aber so weit wird es ja wohl noch nicht gekommen sein – da bin ich mir ganz sicher.)

Bravo übrigens auch zur Wortschöpfung "Eurostudio". Es ist ja insgesamt ratsam, das Wort Videokabine in seriösen Kontexten zu umschiffen. Denn diese einstmals höchste Modernität verheißenden Kubikel sind inzwischen total von Gestern – allen erzkonservativen Rettungsversuchen aus Reihen der Union zum Trotz….(s. 00:45)

Begegnung mit dem Bösen

Was macht man an einem ungemütlichen, einsamen Freitag dem Dreizehnten? Richtig – man wirft einen Blick auf die Dunkle Seite…einen Blick auf die Abgründe der Zivilisation, auf den Schrecken, ja – auf das Böse selbst. Letzteres ist bekanntlich banal, der Weg zu ihm führt daher estmal in den Tengelmann. Man weiß, man ist auf dem richtigen Weg, wenn schon die Kassiererin beim Einscannen fragt: "Igitt! Wollen Sie das echt essen – das sind ja…iiiiiih!"

[An dieser Stelle hat sich der Leser einen Soundtrack vorzustellen, in etwa so wie Track 17]

In Salz- und Essiglake eingelegte gekochte Eier. Simpsonsfans werden sie aus Moe’s Bar kennen, wo sie wohl schon seit den siebziger Jahren in einem großen Glas auf der Theke stehen. Soleier sind in unserer entfremdeten Zivilisation der Inbegriff des Abstoßenden – das kann man schon daran sehen, wieviele Hundertschaften von verwirrten Teenagern Videos von "Pickled Egg Challenges", also Soleier-Mutproben, auf die Tube stellen. Diese Dinger müssen ja geradezu unvorstellbar widerlich sein – aber wir lassen uns nicht abschrecken, so schlimm wirds schon nicht werden (bei der chinesischen Variante kneifen ja sogar die Furchtlosesten!).  Aber gut, das kommt natürlich für Cohu nicht in Frage. Nach kurzer Geruchskontrolle flugs eins der Eier rausgeholt – ich hatte ja eher so eine wabbelige Kuh-Augapfel-Konsistenz und -Größe erwartet…

…aber das Ei ist erstaunlich fest und sehr klein. Vermutlich die gleiche optische Täuschung, die Fische, durch die Wasseroberfläche betrachtet, ein gutes Drittel größer aussehen lässt, als sie es tatsächlich sind (sog. Hemingway-Effekt). Aber nun zum Entscheidenden:

Hm. Ein ganz normales, allerdings sehr bissfestes, gekochtes Ei, das ein wenig nach Essig schmeckt. Etwa so, als hätte es ein paar Stunden in einem Kartoffelsalat gelegen.
Das Böse ist in der Tat sehr banal. Fazit: harmlos, aber teuer. Fünf Eier kosten nämlich etwa sechs Euro. Aber das ist auch schon das Schrecklichste an ihnen.

Soso

“Die innere Haltung ist häufig Auslöser für Rückenschmerzen: Angst, Frustration oder Wut. (…) Auch Kinder leiden unter diesen Verspannungen, weil sie im Fernsehen und Internet mit Gewaltszenen und pornographischen Szenen konfrontiert werden. (…) Kinder zwischen 10 und 17 Jahren leiden mittlerweile zu 68 Prozent unter einem schmerzenden Rücken” (sueddeutsche.de)

Pornos sind also nicht nur an Amokläufen schuld, sondern auch an Rückenschmerzen bei Kindern. Komisch allerdings, dass man dafür einen “Rückenpapst” befragen muss – dass man vom Masturbieren einen Buckel bekommt, wusste man doch schon (spätestens) 1831, wie man im Band 6 des “Wörterbuchs der medicinischen Wissenschaften” auf S. 438f. nachlesen kann:

“Diese Art der Kyphosis (Spondylarthrolcace nach Rast) zeigt sich gewöhnlich zuerst in der Lebensperiode wo Scropheln sich ausbilden, und ihren nachtheiligen Einfluss auf die Reproduktion des kindlichen Organismus ausüben. Seltner tritt sie im Jünglingsalter auf, und ist dann Folge unterdrückter chronischer Haulausschläge, der Syphilis, der Masturbation, noch seltener Folge örtlicher Verletzung. Bei der Entstehung dieser Krankheit ist der Wirbelkörper in Folge dyskrasischer Entzündung erweicht, kann das Gewicht des Oberköpers nicht gut ertragen, wird durch Druck theilweise resorbirt, sein Stachelfortsatz fangt an eine Ecke zu bilden. Ein dumpfer Schmerz zeigt sich erst bei zunehmender Difformität…” (Google Books)

Huiui. Zum Trost und Gegenmittel vielleicht ein kleines, durchaus politisch gemeintes Protestlied aus dem Jahre 1965, das heute so wahr ist wie damals.

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Und der Duden hat doch Recht

(siehe auch “Transgressing the Boundaries” und die “Sokal-Affäre“)

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