Raindrops keep falling on my head

Während andere immer noch Urlaub machen, bin ich vorgestern in unsere wahlkampfumtobte Heimat zurückgekehrt. Am Lago wird man ja nur durch regelmäßig an Brücken und Mauern angebrachte "Lega Nord"-Aufschriften und überall prangende Hakenkreuze an die hohe Politik erinnert (viele davon sind allerdings linksdrehend – wenn das der Duce wüsste…)

München hingegen leuchtet: FDP-Granden strahlen an jedem zweiten Laternenmast Kompetenz und kurz zurückliegende Friseurbesuche aus. Obwohl, was da aus dem Münchner Süden gefordert wird, lässt einem schon vor der übertriebenen Eigenverantwortungsanbetung dieser Gottlosen erschrecken:

MÜNCHEN – Volltrunkene Oktoberfest-Besucher sollten ihre medizinische Versorgung aus eigener Tasche zahlen. Das fordert Julika Sandt, Bundestagskandidatin der FDP im Wahlkreis München Süd. „Ich freue mich auf die Wiesn. Natürlich gehört die Maß Bier dazu. Aber wer zecht bis er ins Delirium fällt, kann den Arzt auch selber zahlen", bezieht die Gesundheitspolitikerin Stellung.
„Ein akuter Vollrausch ist selbst verschuldet. Wer sich so viele Maß Wiesn-Bier leistet, dass er in die Ausnüchterungszelle muss, kann nicht erwarten, dass ein ehrenamtlicher Rotkreuz-Sanitäter ohne Bezahlung sein Erbrochenes aufwischt und die Solidargemeinschaft den Notarzt oder den Rettungswagen spendiert.“ 482 „Bierleichen" hat das Bayerische Rote Kreuz nach Angaben der Einsatzleitung im vergangenen Jahr auf dem Oktoberfest medizinisch versorgt. Davon mussten 92 in ein Krankenhaus transportiert werden. Sandt findet, Betrunkene haben die Konsequenzen zu tragen: „Jede Bierleiche sollte nach ihrer Wiederbelebung mindestens 100 Euro ans Rote Kreuz spenden."

Aber keine Angst. Spätestens, wenn Gerds Helikopter im überschwemmten Garmisch landet, ist die Wahl doch für die Sozialdemokratie entschieden!

Lehmann

Kardinal Lehmann fordert muslimische Gemeinden auf, stärker mit den Geheimdiensten zu kooperieren (Spiegel online, MP3 Audio).

Gut, dass die katholische Kirche selbst sich nichts vorzuwerfen hat, was Kooperation mit und Bekenntnis zu demokratischen Staaten angeht. Das sieht man besonders gut hier,  hier, hier und hier.
 

 

Bastelstunde

Natürlich, wie könnte es anders sein, von der taz.

Fragen über Fragen

Seit unserem Besuch bei der “Landshuter Hochzeit”, einer in meiner “Heimatstadt” höchst angesehenen und über alle Kritik erhabenen Veranstaltung, stelle ich mir ständig die Frage: gab’s das auch unter den Nazis? Meine historische Neugier (Altgier?) wurde noch weiter entflammt, als ich in der SZ las, der Gruß “Halloooo!”, der beim Umzug so gerne gerufen wird, habe sich erst in den 60er Jahren, von den Armbrustschützen ausgehend, auf der Hochzeit verbreitet. Hmmmm, was man wohl so in den späten 30ern gerufen hat? Zeitzeugen – die sich unter den Lesern meines Blogs sicher zahlreich finden werden – bitte vortreten: ich habe im Internetz (auf dessen Wellen ich ja sonst surfe wie eine hawaiianische Amazone!) keine Antwort auf diese Fragen finden können.

Schon 1903 wurde das Fest erstmals veranstaltet und bis weit in die 30er Jahre nicht ausgesetzt (siehe Plakat). Die offizielle Website lobt nun beispielsweise, wie sehr die Hochzeit die “Integration der Bürgerschaft” vorantrieb. Na, da fragt man sich doch, wer da so alles integriert wurde und wer nicht?

Unglücklicherweise hatte die integrationsfreudige Landshuter Gesellschaft wohl gar nicht die Möglichkeit, etwa Menschen jüdischen Glaubens zu integrieren, da die Jüdische Gemeinde Landshuts bereits vor einigen Jahrhunderten…äh…verschwunden war. Hier habe ich nun zumindest mal einen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und “Landshuter Hochzeit” feststellen können, denn wenn mein ehem. Religionslehrer (!) Rupert Pfeiffer Recht hat, war es so:

“1450 wurden wie gesagt die Juden aus Landshut vertrieben. Ihr Geld bzw. Vermögen hat wahrscheinlich die Schatztruhen von Herzog Ludwig dem Reichen gefüllt (1450 bestieg er den Thron des Herzogstums). 1475 konnte er somit für seinen Sohn Georg die Landshuter Hochzeit für umgerechnet 25 Millionen Mark ausrichten.”

Kampf gegen die Hochfinanz

Na endlich. Allerdings: es ist ja fast schon schade, dass jetzt so lasch gesagt wird: "Die Debatte muss viel differenzierter geführt werden". Ich – als alte Sammlerin – hatte doch schon seit Wochen auf einen schönen Nazivergleich gewartet!

[Kleiner Tip von meiner Seite an die politische Klasse: Kennt denn niemand Gottfried Feders "Kampf gegen die Hochfinanz"? Na?]

 

Wer braucht schon Geld.

Bild.de berichtet, dass man zum Einkaufen jetzt bald kein Geld mehr braucht. Und die Zeit hatte ja schon vor Wochen die Generation Praktikum ausgerufen. Unbezahlt natürlich!

Nicht einmal eine Woche ist es her, dass Münte dazu aufrief, "die Welt nicht dem Geld zu hinterlassen"

Franz, alles hört auf dein Kommando!!!

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You Go, Girl!

Die evangelische Bischöfin von Hannover, Margot Käßmann, hat massive Kritik am Vatikan und an dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. geäußert. Sie empfinde es als belastend, wie vehement dieser Papst dagegen argumentiert habe, Frauen Verhütungsmittel zu erlauben, sagte Käßmann in einem Interview.

Das fing ja gut an. Aber dann:

Vom nächsten Papst erhoffe sie sich “ein überzeugenderes Zugehen auf die anderen Kirchen, und dass die real existierende Situation von Frauen in der Welt klarer wahrgenommen wird”. Auf die Frage, ob sie Anzeichen dafür sehe, dass dies Realität werde, sagte Käßmann: “Derzeit sehe ich das nicht. Andererseits: Gottes Geist wirkt, wo er will. Vielleicht werden wir überrascht.”

Hm. Ist es wirklich so eine gute Idee für den Feminismus, auf den mutmaßlichen Willen mutmaßlicher Entitäten zu vertrauen?

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Teufels Alternativen

Vorgeschlagen von der
taz.

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Dann könn wa ja wieda!

…und zwar wetten.

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Äh

Beim vorgestrigen Staatsempfang, den zu besuchen ich die Ehre hatte, bemühte sich Justizministerin Dr. Beate Merk, die ächzend bestiegene Metapher des “Wachturms Justiz” so gründlich totzureiten, dass man fast Mitleid hatte. Mit der Justiz, meine ich.

“Unsersehrverehrterherrministerpräsadent” (UMP) war nicht ganz so gründlich und teilte nicht nur Hottes schicke Brosche aus, sondern auch noch einen “Ehrendoktor” (oder war das eher ein sog. “Fünfzigerjahre-Arztfrauen-Doktor”? Frau Mutter ist nämlich nicht promoviert, wohl aber Herr Vater!). Des weiteren wies UMP darauf hin, dass “damals” (in Frau Mutters Jugend) “die Welt
noch
von Männern dominiert war“. Gut, dass diese Zeiten vorbei sind, und man den Geschlechterkampf einfach mal so entspannt beim Frühstück erledigen kann, ganz ohne böse Männerdominanz. Nach gediegenem Antidiskriminierungsgesetzbashing wurde dann noch die ehrenamtliche Mitarbeit Frau Mutters in der Gesellschaft für Wirtschaftsmeditation und Konfliktmanagement lobend erwähnt. Wirtschaftsmeditation, das ist das, was man im Simpl so um halb 3 macht, wenn man über den Tisch gebeugt überlegt, obs jetzt noch einen Schnitt gibt oder ein g’scheids Bier. UMP hat sich getäuscht: Frau Mutter geht dieser Tätigkeit nicht nach, nicht mal ehrenamtlich, sie mag nämlich nur Pils.

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